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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Es gibt noch Paradise
Eingestellt am 29. 08. 2006 22:37


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flying theo
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2005

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Es ist schon wahr. Wenn man nicht in oder um Rosenheim aufwĂ€chst, dann ist das keine SĂŒnde. Man muss es nicht beichten. Aber bereuen darf man das.
Man stelle sich vor, im Umkreis von 20 Kilometern um Rosenheim gibt es 40 – in Worten Vierzig – Seen! Der Freizeitwert ist unbeschreiblich. Und dann lass es Sommer werden. Alle die Teenager, die uns mit ihren Petticoats das ganze Jahr lang verrĂŒckt gemacht haben, mussten nun Farbe bekennen. Kein breiter GĂŒrtel! Keine enge Bluse, die Monroe-Maße vorgaukelte. Das waren schon Offenbarungen! Und die Ausreden der Konkurrentinnen, die man am See niemals antraf, wurden von den
Geschlechtsgenossinnen am SpÀtnachmittag in der Eisdiele gnadenlos hinterfragt.

Damals hab ich gelernt, dass kein Mann zu einer Frau so boshaft sein kann, wie eine andere Frau.
Und wenn man dann so, heiße Haut an heißer Haut, auf der Decke lag, im Wasser, unter Wasser mit noch mehr Hautkontakt in Hitze geriet......................dann wollten wir halt schnackseln. Gell seid ehrlich! Jetzt nicht den Moralischen herauskehren!
Die Girls auch, wenn auch nicht so unverhohlen.
Aber wo !?!
An allen diesen 40 Seen gab es versteckte Ecken, die wir lÀngst kannten, oder wenn nicht das, so hatten wir davon gehört.
Sehr beliebt war damals am......nein, das werd ich jetzt ganz bestimmt nicht verraten;
warum, das werden Sie gleich verstehen.
Also an vielen der 40 Seen gibt es Bereiche, wo dieser See anfÀngt zu verlanden. Es bilden sich Moore, Schilfinseln, KanÀle.
So manche echte Wildnis, wo Libellen tanzen, Seerosen mit Wasserlilien um den Schönheitspreis kĂ€mpfen, Wasserschlangen spielen, (was man dem MĂ€dchen keinesfalls verraten durfte) und kein Mensch jemals hin fand. Mit Ausnahme derer die aus den gleichen GrĂŒnden unterwegs waren.
Der stolze Besitzer einer Luftmatratze konnte mit dem MĂ€dchen seiner Wahl (oder umgekehrt) so in ein Gewirr von KanĂ€len und Inseln paddeln. Von Hand natĂŒrlich. Dann wurde eine Insel prĂŒfend betreten. Wenn sie ein Mindestmaß an StabilitĂ€t aufwies, hab ich sie in Besitz genommen. Dies wurde dokumentiert, indem ich ein KleidungsstĂŒck, vom Wasserkanal aus sichtbar, aufhĂ€ngte. Das wurde auch immer respektiert. Zumindest habe ich dort niemals eine Störung erfahren.
Über 45 Jahre habe ich diese glĂŒckhafte Erinnerung mit mir getragen. Voller Dank an die MĂ€dchen, mit denen ich dort verweilen durfte.

In diesem Jahr hat mich die Neugierde ĂŒberwĂ€ltigt. Ich habe mir eine Luftmatratze gekauft und mich auf den Weg zum Moor gemacht. RĂŒcklings rĂŒckwĂ€rts paddelnd beschwerten sich alsbald meine Schultergelenke, ob denn das unbedingt sein mĂŒsse. Sie wurden von mir kurzerhand ĂŒberstimmt. Ich wĂŒrde das am Abend ohnehin noch zu spĂŒren bekommen.
Gab es derlei KanĂ€le und Inseln ĂŒberhaupt noch? Oder war lĂ€ngst alles völlig zugewachsen?
NatĂŒrlich war vieles zugewachsen. Aber Andere, Neue hatten sich gebildet. Und so bin ich, gemĂŒtlich paddelnd in unser altes Revier neu eingedrungen. Es war so wie in meiner Erinnerung. Und, Hand aufs Herz, wann trifft man etwas so schön an, wie man sich daran erinnert?
Es war noch schöner! Kaum fĂŒnf Minuten im Gewirr von Inseln und MoorkanĂ€len,
trat ein Reh ans Ufer. Umgeben von blaumetallisch tanzenden Libellen schaute es mich auf meiner Luftmatratze im Wasser staunend an und begann, 4 Meter von mir entfernt, in aller Seelenruhe SeerosenblÀtter aus dem Wasser zu holen und zu verzehren. Immer wieder ganz erstaunt diesen seltsamen Wasservogel betrachtend.
An die 10 Minuten haben wir einander angestaunt. Ohne jede Hast und satt gefressen trat das Reh schließlich den RĂŒckzug an.
Ich hatte eines der letzten Paradiese gefunden. Im Umkreis von 20 Kilometern um Rosenheim.
HĂ€ufig hab ich die junge Generation bedauert, wegen der zu schnellen, zu leichten zu billigen Möglichkeiten fĂŒr jedweden Genuss.
Hier war ich nun nicht mehr sicher. Sollte ich nun dankbar sein, dafĂŒr dass diese Liebesinseln in Vergessenheit geraten sind, oder sollte ich die Jugend deshalb bedauern?!
Zu meiner Zeit hÀtte sich kaum ein Reh des Sommers so zutraulich in den Sumpf gewagt. Die GerÀuschkulisse wÀre ihm doch zu befremdlich erschienen.

__________________
Theo Auer

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