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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Es ist noch mal gut gegangen
Eingestellt am 13. 09. 2010 11:15


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Es ist noch mal gut gegangen

14.7.2010

Es sollte laut Wetterbericht ein warmer, sonniger Tag werden Ortsweise war mit W├Ąrmegewittern zu rechnen und damit diese uns unterwegs nicht ├╝berraschen konnten, benutzten wir den Wagen, um nach dem Fr├╝hst├╝ck den Rasen zu m├Ąhen und die Johannisbeeren im Erbgarten meiner Schwiegereltern im Nachbarort zu ernten.
Obwohl der Eimer mit den Fr├╝chten noch nicht gef├╝llt war, dr├Ąngte es mich nach Hause zu kommen.
Die aufkommende dr├╝ckende Schw├╝le lie├č uns gegen 11 Uhr die Sachen packen und aufbrechen.
Noch hatten wir unseren Heimatort nicht erreicht, als wir in gro├čer Zahl Vogelschw├Ąrme (Es waren in erster Linie Graug├Ąnse und Enten, die in den heimischen Torfkuhlen br├╝teten), scharenweise von dort her ├╝ber den Ort fl├╝chten sahen, denn am Horizont in der Ferne sah die Luft erschreckend dunkel aus, w├Ąhrend hinter uns der Himmel noch klar und blau zu sein schien. (Ich habe gar nicht darauf geachtet, ob diese Wildg├Ąnse schrieen), doch bedrohlich kam mir die Situation vor.)
Wir beeilten uns die heimische Garage zu erreichen und fast waren wir daheim, setzte ein sehr starker Regen ein und prasselte wolkenbruchartig nieder. Gerade noch rechtzeitig befanden wir uns zun├Ąchst erst einmal sicher in der Garage und von dort aus war es nur noch eine Kleinigkeit einigerma├čen trocken vom Wohnzimmerfenster aus dem Naturschauspiel zusehen zu k├Ânnen. Ein Tornado wirbelte die B├Ąume durcheinander und trieb mit ihnen sein ├╝bles Spiel. Er brach mit einem Schlag (wie auch immer) die Eiche in der N├Ąhe der Stra├če an ihrer Astgabel in der Mitte auseinander. Einer ihrer dicksten ├äste schlug hinunter bis auf die Fensterbank unseres Hauses und wir sahen nur noch ├╝ber das Laub des abgeknickten Astes hinweg hinaus durch die zum Gl├╝ck noch intakt gebliebene Fensterscheibe. Einen gro├čen wei├čen Sonnenschirm sah ich wie ein hingeworfenes Spielzeug durch die Luft fliegen. und sogleich st├╝rmten auch wir die Treppe hinauf, um von der oberen Etage aus dem w├╝tenden Spiel des Tornados zuzusehen. Von dort oben konnten wir in der Ferne die Dachabdeckung im Feld liegen sehen, die vermutlich ein Teil des neuen Scheunendaches unseres nachbarlichen Viehh├Ąndlers war. (von seinen Rindern soll eines tot in der Weide gelegen haben.)
Die Sch├Ąden an den ├╝brigen Nachbarh├Ąusern waren von unserer Wohnung aus deutlich zu erkennen. Es fehlten bei einigen H├Ąusern Dachpfannen und wir machten uns auf die Suche im ganzen Haus Sch├Ąden zu registrieren. Unentwegt h├Ârten wir die Feuerwehr, die offensichtlich den ganzen Tag im Einsatz war.
Erst sp├Ąter wurde uns das Ausma├č der Katastrophe bewusst. Dieser Tornado hatte hier und da
Verw├╝stung hinterlassen. Betroffen waren allein an unserer Stra├če eine gro├če Reihe alter Baumbest├Ąnde in den st├Ądtischen Anlagen: Weiden, Tannen, die sp├Ąter alle der Kettens├Ąge zum Opfer fielen.

Kinder, die von der Schule auf dem Heimweg waren, mussten ├╝ber umgest├╝rzte B├Ąume klettern. Fahrzeuge, die aus der Stadt kamen, zum Teil Slalom fahren, da auch ihnen ├╝berall St├Ąmme und ├äste im Weg lagen. Z├Ąune waren zerrissen und trotzdem kann man noch sagen: Es ist noch mal gut gegangen. Der Stromausfall f├╝r ein paar Stunden war f├╝r die meisten Anwohner nur das kleinere ├ťbel.
Das Seltsame an diesem w├╝tenden Spiel ist die K├╝rze der Zeit, in der dieses alles stattfand.
Auch die verw├╝stete Fl├Ąche ist bei diesem Schauspiel nur auf einen kleinen Raum beschr├Ąnkt. (W├Ąren wir im Nachbarort geblieben, h├Ątten wir von alldem nichts mit bekommen, denn bis dahin hat es der Tornado nicht geschafft.

anemone

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