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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Es ist schon wieder Herbst.
Eingestellt am 02. 10. 2000 20:21


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mortisha
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

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Die BĂ€ume, die an der Strasse stehen behaupten das jedenfalls. Es ist Zeit, sich in ein Cafe zu setzen und darĂŒber nachzudenken, was du letzten Herbst getan hast. 20er Jahre-Bossa-Chillout. Das Licht, das von irgendwo am Himmel kommt, tut so, als hĂ€tte es keinen Sommer gegeben und du weißt, es wird regnen. Nach den Tagen, an denen es morgens so neblig ist, dass die Straßenlaternen Milch verströmen, aber sicher kein Licht, wird es die Tage geben, an denen es regnet. Und du wirst zum tausendsten Mal die Strasse hinuntergehen und dein Spiegelbild in den PfĂŒtzen zertreten und froh sein, dass es wieder Herbst ist. Du warst einfach im Sommer zu glĂŒcklich zum Schreiben. Weißt du noch? Echot es hinter den Augen gegenĂŒber, wenn sie lĂ€cheln, weißt du noch, was du letzten Herbst getan hast? Und wie wenig dich die Zukunft interessiert hat, genau vor einem Jahr, an meinem Geburtstag, weißt du noch. Je belangloser sich die Gegenwart ausbreitet, in deinem Mund, in deinem Kopf und, viel wichtiger, in deinen HĂ€nden, desto interessanter macht es sich aus, darĂŒber nachzudenken, was du getan hast. Oder was du tun wirst, in einem Jahr oder in zehn. Du sitzt dann in diesem Cafe, schaust den Menschen zu oder nicht und denkst darĂŒber nach, was passiert ist. Mein Gott, denkst du, wenn mir das jemand erzĂ€hlt hĂ€tte, denkst du, das hĂ€tte ich niemandem geglaubt. Schau an, wo ich stehe, denkst du. Es ist schon wieder Herbst und ich bin immer noch hier, ich trage dieselben Schuhe, ich bin immer noch hier. Aber es ist doch gut, denkst du und trinkst einen Schluck Kaffee, dass ich nicht der bin, der ich war. Es ist Herbst und wenn du genug darĂŒber nachgedacht hast, was vor einem Jahr war, letzten Herbst, welche Platten du gehört hast, wohin du mit dem Fahrrad gefahren bist und was dich fast umgebracht hĂ€tte, dann irgendwann stehst du auf und gehst. Dann gehst du aus dem Cafe, auf die Straße zwischen die BĂ€ume, die Jahreszeiten inszenieren, als bekĂ€men sie's bezahlt, aber du weißt, dass das Unsinn ist und gehst einfach an ihnen vorbei. Und du ĂŒberlegst nicht, was du nĂ€chsten Herbst machst. Du gehst die Straße hinunter zum Bus.

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Andrea
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8 von 10 Punkten

Dein Text gefĂ€llt mir richtig gut: er ist flĂŒssig geschrieben und daher gut zu lesen und er verknotet so viele Gedanken, daß sich ein komplexes Mosaik bildet. Schade, daß er so kurz ist, obwohl ich befĂŒrchte, wenn man ihn lĂ€nger macht, macht man ihn damit nicht unbedingt besser.
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Andrea Rohmert

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mortisha
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Re: 8 von 10 Punkten

vielen dank. das rÀtsel des schreibens - also die leserin -
zu lösen, also sie zu erreichen wird irgendwann wichtig, wenn du schreibst. und es ist heilsam zu wissen, dass mein herbst sich mit anderen deckt... ;-)
mort*
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LE
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Das ist der Herbst.

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mortisha
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herbst

dein herbst? oder im allgemeinen?
LE: vielen dank fĂŒr jeglichen zuspruch. bin ziemlich begeistert von deinen texten... bleibe am ball...
mort*
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LE
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo mortisha,

"...Das Licht, das von irgendwo am Himmel kommt, tut so, als hĂ€tte es keinen Sommer gegeben und du weißt, es wird regnen. Nach den Tagen, an denen es morgens so neblig ist, dass die Straßenlaternen Milch verströmen, aber sicher kein Licht, wird es die Tage geben, an denen es regnet. Und du wirst zum tausendsten Mal die Strasse hinuntergehen und dein Spiegelbild in den PfĂŒtzen zertreten und froh sein, dass es wieder Herbst ist. Du warst einfach im Sommer zu glĂŒcklich zum Schreiben. ..."

Mein herbst oder im allgemeinen? Ich empfinde etwas, von dem ich vermute, daß es das ist, was mehr ist, als nur mein herbst zu sein. Keinen querschnitt durch alle vorstellungen von herbst; (das wĂ€re das banale klischee) nein, den kern, dieses gefĂŒhl; jedes jahr gefĂŒhlt.
Kein mensch empfindet wie der andere. Aber eigentlich sind wir schon nach einem "ursprungsbauplan" gemacht.
In was mich deine geschichten und gedichte (die ich hier gelesen habe) hineinziehen, ist dieses unendlich tröstende aufblitzen, wirklich nicht abgeschnitten und 100% individuum zu sein. Ein kribbeln. Mehr kann literatur nicht erreichen.
Also mein herbst und der herbst im allgemeinen. Oder:
Das ist der herbst.

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mortisha
Hobbydichter
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genau...


<In was mich deine geschichten und gedichte (die ich hier gelesen habe) hineinziehen, ist dieses unendlich tröstende aufblitzen, wirklich nicht abgeschnitten und 100% individuum zu sein. Ein kribbeln. Mehr kann literatur nicht erreichen.>

du hast so unglaublich recht! schön, das mal in worte gefasst zu sehen, was da chemisch passiert, wenn man einen text liest, der wirklich berĂŒhrt. und das ist so magisch, dass ich einen text schaffen kann, der so etwas bei jemand anders auslösen kann. wow.
mort*
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