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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Es war einmal . . .
Eingestellt am 26. 03. 2003 10:55


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flammarion
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Es war einmal . . .

Es war einmal vor langer Zeit ein Land der Geister, Zwerge, Elfen und Feen, der Zauberer und Hexen. Sie lebten friedlich miteinander und hatten ihr Auskommen. Doch irgendwann kamen Neid und Habgier in das Land. Der Neid bemĂ€chtigte sich eines Zauberers namens Urigleb und die Habgier glitt in sein Weib, das hieß Onkala.
Bald waren die beiden gefĂŒrchtet im Land, denn sie rissen alles an sich, was schön und begehrenswert war. Urigleb hĂ€ufte ReichtĂŒmer an aus Gold und Edelsteinen, Onkala aber nahm alles, was des Menschen Herz erfreute: Musik, GemĂ€lde, Skulpturen und RaritĂ€ten aller Art.
Um zu all diesen Sachen zu kommen, wendeten sie selbst gemeinste Tricks an. Sie redeten den Leuten ein, dass sie vom Anhören der Musik GehörschĂ€den bekommen wĂŒrden, vom Betrachten der KulturgĂŒter aber kranke Augen. Sie brachten sogar Beweise dafĂŒr bei, indem sie die Musik so ĂŒberlaut ertönen ließen, dass alle sich schnellstens die Ohren zu hielten und die anderen Dinge prĂ€sentierten sie in so gleißendem Licht, dass alle sich die HĂ€nde vor die Augen drĂŒckten.
NatĂŒrlich erkannten die Bewohner jenes Landes sehr bald den Betrug, aber erst einmal hatten Urigleb und Onkala gewonnen. Und die beiden ließen sich immer wieder Neues einfallen, um die friedliebende Bevölkerung um ihre SchĂ€tze zu betrĂŒgen. Sie konnten neu geschaffene Kunstwerke noch so geheim halten, Onkalas alles sehendem Auge blieb nichts verborgen. Ja, Onkala hatte die Gabe, alles sehen zu können, aber die Habgier verleitete sie, auch alles haben zu wollen, was sie sah.
Die fleißigen und einfallsreichen BĂŒrger jedoch hielten nicht inne im Ausleben ihrer Fantasie. Sie dachten sich: Irgendwann wird Onkala keinen Platz mehr haben, um weitere SammlerstĂŒcke zu horten! Einer bot sich ihr sogar an, ihr Museum zu verwalten und zu ordnen, damit jedes StĂŒck gut zur Geltung kommt. Sie nahm das Angebot an. Bald machte ihr der Helfer klar, dass sie noch ein Haus braucht, damit die Kostbarkeiten nicht Schaden nehmen, wenn sie auf engstem Raum zusammen gepresst liegen.
Sie ĂŒberredete ihren Mann, noch ein Haus zu kaufen. Und noch eins. Und noch eins. Dann musste ein Garten her, damit die Alabasterfiguren im Freien stehen konnten. Urigleb, der inzwischen der reichste Mann der Welt war, erfĂŒllte seiner Frau auch diesen Wunsch. Er glaubte, dass sein Geld nie alle werden wĂŒrde. Als Onkala auf Anraten ihres treuen Helfers sogar einen Palast von ihm wĂŒnschte, stimmte er sofort zu.
Aus den begabtesten Architekten des Landes wurden sieben auserwĂ€hlt, den Palast zu entwerfen und schon am nĂ€chsten Tag begannen die Arbeiten. Nach wenigen Monaten war ein Bauwerk errichtet, das seinesgleichen suchte. Nie zuvor gab es solche Pracht und Herrlichkeit! Urigleb war stumm vor Staunen, Onkala aber jubelte in den höchsten Tönen. NatĂŒrlich gehörte zu dem Schloss auch ein riesengroßer Park. Alle Zimmer des Schlosses und jede Ecke des Parks war verschwenderisch mit Kunstwerken ausgestattet. Alles funkelte und blitzte vor Edelsteinen und edlem Metall. Geschickt angebrachte Beleuchtung erhöhte noch den Reiz und Onkala vergaß fĂŒr ein paar Tage, nach weiteren PrachtstĂŒcken zu forschen.
Urigleb aber spĂŒrte die Ebbe in seinem Portemonnaie. Das Land hatte nun ein herrliches, einzigartiges Museum, aber er hatte nichts mehr. GriesgrĂ€mig zog er sich in seine GemĂ€cher zurĂŒck. Er erhob gepfefferte Eintrittspreise fĂŒr das Museum und verbrauchte all seine Zauberkraft damit, die Mauern um den Park sowie den Luftraum darĂŒber fĂŒr alle anderen Bevölkerungsschichten undurchdringlich zu machen, damit nicht etwa eine Fee oder sonst wer dorthin gelangt, ohne vorher zu bezahlen.
Auch Onkala zog sich in ihre GemĂ€cher zurĂŒck, denn sie konnte es nicht ertragen, stĂ€ndig staunenden Besuchern zu begegnen. Das Ehepaar spielte ernsthaft mit dem Gedanken, die HĂ€user, den Park und den Palast in die Luft zu sprengen, so sauer waren sie darĂŒber, dass sie ihre ReichtĂŒmer nun doch mit den anderen teilen mussten.
Nun waren die Bewohner jenes Landes gezwungen, regelmĂ€ĂŸig das Museum zu besuchen, denn wenn Urigleb und Onkala – die leider unsterblich waren – nicht genĂŒgend Geld bekamen, um ihren Lebensunterhalt zu fristen, drohten sie damit, die Bomben zu zĂŒnden, die sie ĂŒberall im Park und im Palast angebracht hatten. Dabei wĂ€re auch die ganze Stadt zerstört worden und das wollte natĂŒrlich niemand aus dem Volk.
So sehr die Leute auch ihre Kunstwerke liebten, der Gedanke, dass sie zwei nichtstuende Widerlinge durchfĂŒttern mussten, verbitterte sie. Immer mehr ließen die Köpfe hĂ€ngen. Andere aber amĂŒsierten sich „auf Deibel komm raus“. Je nach dem, wie jeder seine Konflikte zu bewĂ€ltigen vermochte.
Eines Tages ging Golpuk, der ungeliebte Sohn einer Fee, die sich im Vollrausch mit einem Zwerg eingelassen hatte, mit hĂ€ngenden Schultern auf der Straße umher. Da sah er, wie ein Wagen mit verbotenem Tempo heranraste. Wenn nicht ein Wunder geschĂ€he, wĂŒrde der Wagen in den Laden des ZuckerbĂ€ckers rasen und die Wichtel und Elfenkinder töten, die dort gerade ihre Schulbrote kaufen wollten.
Golpuk stĂŒrzte dem Wagen entgegen in der Gewissheit, dass er zwar das Fahrzeug aufhalten, aber selber den Tod dabei finden wird. SpĂ€ter ließ er die Situation immer wieder an seinem geistigen Auge vorbeiziehen: er war mit einem Sprung bei dem Wagen, hob ihn an allen RĂ€dern hoch, wartete, bis sich die RĂ€der nicht mehr drehten und setzte den Wagen wieder ab. Mancher Passant erblickte das GefĂ€hrt in der Luft, das war hierzulande nichts Ungewöhnliches, aber niemand nahm Notiz von Golpuk. Es dauerte eine Weile, ehe dem jungen Mann klar war, dass er bei seiner Heldentat unsichtbar war. Seine MinderwertigkeitsgefĂŒhle wollten ihm nĂ€mlich weismachen, dass keiner ihn bemerkte, weil er nicht bemerkenswert war. Das stimmte aber nicht!
Golpuk erprobte im Geheimen seine ungeahnten ZauberkrĂ€fte – nie zuvor waren der Zauber einer Fee und die Macht eines Zwerges in einer Person vereint gewesen! Dann machte er sich auf zur Behausung von Urigleb und Onkala. Er beobachtete das Haus eine Weile, bis er wusste, dass sich die TĂŒr nur öffnet, wenn Onkalas Katzenhund Gassi ging oder zu Besorgungen ausgeschickt wurde. Letzteres geschah jeden Donnerstag um halb Neun.
Ein paar Minuten vor halb Neun klingelte Golpuk bei Onkala. Sofort klang aus dem Haus der Gesang einer wunderschönen Sopranstimme und aus der Sockelstufe schob sich das hĂŒbsche Gesicht einer jungen Frau. Es lĂ€chelte: „Der junge Herr wĂŒnschen?“ Golpuk wusste, dass das nicht das wahre Gesicht Onkalas war, aber er stellte sich freundlich und verwickelte den Kopf in ein lĂ€ngeres GesprĂ€ch. Als der Katzenhund endlich aus der TĂŒr sprang, war Golpuk schnell ĂŒber ihn hinweg gesaust. Unsichtbar suchte er im Hause nach Urigleb, sichtbar stand er vor der TĂŒr und redete mit dem blondlockigen Frauenkopf.
Bald hatte er den Zauberer gefunden und kĂ€mpfte gegen ihn, bis seine Jugend, sein Mut und seine Geschicklichkeit den verbitterten Greis bezwungen hatten. Er kettete den Besiegten mit den Ketten an die Wand, die im Kampf gegen ihn verwendet wurden und sagte: „Du wirst nicht lĂ€nger ein Schmarotzer sein! Hier an dieser Wand wirst du verschimmeln!“
Dann suchte er nach Onkala, und als er sie gefunden hatte, kettete er sie neben ihrem Mann an und verband ihr alles sehendes Auge. Zu ihr sprach er: „Du wirst nicht mehr alles Gute und Schöne aus unserem Volk herauspressen. Und jetzt setzt den Eintrittspreis fĂŒr das Museum auf ein Minimum herab, dann werde ich kommen und euch hin und wieder etwas zu essen geben.“
Urigleb und Onkala setzten sich noch eine Weile zur Wehr. Der Katzenhund kam von seinen GeschĂ€ften zurĂŒck und wollte seinen Herren helfen, aber Golpuk erschlug ihn. Endlich waren die beiden mĂŒrbe und zu allem bereit, was Golpuk wollte.
Die Bevölkerung freute sich, dass der Museumsbesuch nun auch den allerÀrmsten Leuten möglich war. Um Urigleb und Onkala scherte sich keiner. Golpuk bewahrte Stillschweigen, denn die friedliebende Einwohnerschaft hÀtte ihm die Gewalttaten nie verziehen.
MĂ€rz 2003

__________________
Old Icke

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe oldicke,

und stets muss man bei Dir mit noch einer erzĂ€hlerischen Steigerung rechnen, was obiges Werk beweist. Und wo haste nur die ausgefallenen Namen her? Und den ErzĂ€hlatem hĂ€tt ich Dir kaum zugetraut. Von der ersten bis letzten Zeile sehr flĂŒssig. Respekt!

LG
Volkmar

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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oh,

vielen dank, lieber volkmar! ehrlich gesagt, ist das wieder einmal so eine geschichte, deren grundzĂŒge ich nachts getrĂ€umt habe und die ich dann zwischen morgentoilette und frĂŒhstĂŒck geschrieben habe. naja, den seinen gibt s der Herr im schlaf . . .
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Ich beneide Dich. Muss ich mir doch alles mĂŒhsam erarbeiten und Dich ĂŒberkommt es im Schlaf. Ich gönne es Dir und es erfreut die Leser, was wohl das Wichtigste ist

Schönen Tag noch
Volkmar

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Inu
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Registriert: Aug 2002

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Hallo liebe flammarion

Das war ein interessanter Traum, den Du da getrÀumt hast und wenn man so etwas Spannendes trÀumt, möchte man es festhalten, das verstehe ich gut.. Hast Du auch die Namen getrÀumt? Das ist wirklich interessant!
Aber als ErzĂ€hlung mit der Botschaft: Kampf g e g e n die UnersĂ€ttlichen, die alles haben wollen und f ĂŒ r den freien Zutritt zu KulturgĂŒtern (Museen) fĂŒr alle Menschen, diese Aussage ist ein bisschen... naiv. So wie sie jetzt ist, erinnert mich die Geschichte an ein MĂ€rchen.

quote:
Die Bevölkerung freute sich, dass der Museumsbesuch nun auch den allerÀrmsten Leuten möglich war. Um Urigleb und Onkala scherte sich keiner.



Dein schöner, poetischer und gut geschriebener Text lĂ€sst mich ein bisschen ratlos. Ist noch keine abgeschlossene Geschichte, denke ich. Ich maße mir auch kein Bewertungsurteil an.

Liebe GrĂŒĂŸe
Inu

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 61
Kommentare: 1360
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Ja, ja Christa - "Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf."

Schön geschrieben. Du weißt, ich bin nicht so ein MĂ€rchenfreund, aber das hier, das hat was.
Aber... ich schließe mich Inu an und wĂŒnschte mir, Du wĂŒrdest dich noch ein ViertelstĂŒndchen aufs Ohr hauen und den Traum zu Ende trĂ€umen.

Gruß Ralph
__________________
Schreib ĂŒber das, was du kennst!

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