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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Essbare Kieselsteine aus dem Harz gibt es nicht
Eingestellt am 14. 02. 2011 22:03


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Uerdinger
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2011

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Vorgestern hatte es geklappt. Olaf erzĂ€hlte mir davon. Ich muss es ausprobieren gehen. Fressbefehl von Kommandant Hunger. Das Grummeln meines Magens erinnert mich an eine demolierte Tuba. Das Rumpelkonzert muss aufhören. Ich, der einzige Zuhörer, möchte es so. Emsig packte ich meine sieben Sachen ein. Steppdecke, PlĂŒschlöwe, BallonmĂŒtze, Feuerzeug, eine kleine Schachtel voller Zigarettenstummel, ... - es sind doch nur fĂŒnf Sachen, nicht sieben. Hallo RealitĂ€t, wer dich denn schon wieder eingeladen. Du hast hier Hausverbot! Besuche doch die, die mit dir zurechtkommen und sich grinsend in dir suhlen. - Sei es drum. Alles hinein in die Netto-Stofftasche. Es passt mehr recht als schlecht. Tolle TĂŒte. Sapperlot, aber was ich da an Bespielen fĂŒr fundamentale UngenĂŒgsamkeit meinen Besitz nenne! Aber ich will nicht weiter jammern. Jammernde sterben weinend, Optimistische hĂ€misch lachend. Sprich: besser. Und Besserung ist in Sichtweite. Der Himmel erhebt sich und glĂ€nzt. Heute wird es Bonaqua regnen und oben thront die Capri-Sonne. Rettungsanker Olaf, ich halte mich an dir fest! Du bist ein guter Informant, erzĂ€hltest mir bereits viel von kostenlosen Leckereien und Pfandflaschenhorten. Ohne dich hĂ€tte mein Bierdeckel-Testament lĂ€ngst GĂŒltigkeit und die Straße hĂ€tte meine fĂŒnf Sachen geerbt. Du bist mehr wert als GutscheinbĂŒcher und dicke Illustrierte zusammen!

Also auf zum temporĂ€ren GlĂŒck. Auf dem Weg dorthin begegne ich nicht vielen schönen Dingen, eine gelbgrĂŒne Katze fĂ€ngt eine Maus. Aber ich treffe Rudi, welcher mir Olafs Geschichte bestĂ€tigt. Er sieht erstaunlich lebendig aus. Als hĂ€tte ihm jemand eine frische Brause geschenkt oder ein großzĂŒgig belegtes Baguette. Ich halte mein linkes Ohr an seinen Bauch und höre, dass es stimmt. Rudi ist satt. Und er hat noch VorrĂ€te fĂŒr die nĂ€chsten zwei Tage! Hastig verabschiede ich mich, Eile muss nun sein. Die Nuggets sind schnell weg. Gute GoldschĂŒrfer wissen das. Ich bin gut. Meine Tuba dröhnt und stöhnt. Eile! Eile muss nun dringend sein! Kurz vor dem heiligen Ziel stecke ich mir einen Zigarettenstummel an. Den grĂ¶ĂŸten, der sich auftreiben ließ. Ein großes Danke an alle, die sich eine Minute vor dem planmĂ€ĂŸigen Eintreffen der Straßenbahn noch eine Kippe anzĂŒnden, um diese dann ĂŒberrascht und fast ungequalmt auf den Boden zu schmeißen. Aber lĂ€nger lĂ€sst sich der Magen nicht durch Nikotin austricksen. Noch zweimal ziehen zum Genießen, dann hinein in den Hauptbahnhof.

Olaf hatte mir erzĂ€hlt, dass ein SĂŒĂŸigkeitenspender im östlichen Teil des Bahnhofs defekt sei. Er hĂ€tte die sympathische Macke, immer drei Teile auf einmal herunterpurzeln zu lassen. Drei fĂŒr eins - ein gutes GeschĂ€ft! Ich stehe vor dem satten Koloss und betrachte das Angebot. Lauter bunte Verpackungen mit englischen Namen und sĂŒĂŸen Bildern. So greifbar! So köstlich! Was gĂ€be ich nun fĂŒr einen guten Schokoriegel mit NougatfĂŒllung! FĂŒnfzig Cent, zum Beispiel. Das Experiment bedarf eines Versuches. Die Hypothese muss bestĂ€tigt werden. Olaf, drĂŒck mir die Daumen. Rudi, drĂŒck mit. PlĂŒschlöwe, befreie dich aus der StofftĂŒte, siehe zu und beteilige dich am kollektiven DaumendrĂŒcken! In meiner Hosentasche klimpern noch ein paar MĂŒnzen. Zweiundsechzig Cent, der erbĂ€rmliche Lohn fĂŒr einen Nachmittag traurig in der FußgĂ€ngerzone beim Sterben angesehen werden. ErnĂŒchternd, aber möglicherweise der Dietrich fĂŒr den Leckereiautomaten. Zwanzig Cent, dreißig, vierzig, fĂŒnfzig. Zwei Tasten drĂŒcken. Hoffen. Bangen. Knibbeln. Der Greifarm dreht sich im Uhrzeigersinn und ein Riegel fliegt im Sturzflug Richtung Freiheit. Und nun, und nun? Ein weiterer folgt ihm. Ein dritter tut es seinen Freunden gleich. Und noch einer. Aller guten Dinge sind fĂŒnf. Es hört nicht mehr auf. Mehr Riegel als ZĂ€hne. Alle mein.

Danke. Danke einfach. An Gleis 7 steht eine alte Frau und schmeißt eine halbe Zigarette hinfort, um den Regionalexpress nach Hannover noch zu erwischen. Die Kippe fliegt in Zeitlupe und ich staune.

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Tigerauge
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Hallo Ürdinger,

herzlich willkommen in der Leselupe.

Zwei Fehler sind mir in Deinem Text aufgefallen. Allerdings möchte ich betonen, dass der Text im großem und ganzem ĂŒber eine gute Rechtschreibung verfĂŒgt. Es sind hier in der Leselupe schon weitaus schlechtere Texte veröffentlicht wurden. Der VollstĂ€ndigkeit halber möchte ich sie aber dennoch erwĂ€hnen:

...aber was ich da an Be(i)spielen fĂŒr fundamentale UngenĂŒgsamkeit meinen Besitz nenne!

Ohne dich hĂ€tte mein Bierdeckel-Testament lĂ€ngst GĂŒltigkeit und die Straße (hĂ€tte) meine fĂŒnf Sachen geerbt. Komma vor „und“ oder „hĂ€tte“ weglassen.

Den Stil finde ich fĂŒr eine ErzĂ€hlung aber nicht akzeptabel. Es gibt hier viele unvollstĂ€ndige SĂ€tze. Zum Beispiel:
Also auf zum temporĂ€ren GlĂŒck.Hier fehlt das PrĂ€dikat. Eigentlich bin ich es hier schon mĂŒde zu bemĂ€ngeln, denn viele Leute erkennen dies nicht als Fehler an, und in einem gewissen Rahmen kann es ja auch erlaubt sein. In einer ErzĂ€hlung ist es aber schlecht. Und da wĂ€re ich schon beim nĂ€chsten Punkt: Dieser Text gehört nicht zu den ErzĂ€hlungen, es ist sogar noch nicht mal eine Kurzgeschichte, sondern gehört in die Kategorie Kurzprosa oder sogar Tagebuch.

Vom Inhalt her finde ich Deine AusfĂŒhrungen sehr ansprechend. Es handelt sich vermutlich um eine Situation in der Nachkriegszeit. HierfĂŒr muss der Text aber interpretiert werden. Zudem hat der Text kein Anfang und kein Ende.
Das ist kein Makel; der Text ist nur im falschen Forum eingestellt worden.

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