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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Fehlentscheidung?
Eingestellt am 02. 11. 2004 21:50


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Lena One
Hobbydichter
Registriert: Oct 2004

Werke: 3
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Irgendwann in dieser Nacht wachte ich auf. Das leise GerĂ€usch der sich öffnenden TĂŒr hatte mich aus meinen TrĂ€umen gerissen. Ich setzte mich im Bett auf und versuchte im Dunkeln etwas auszumachen. Umrisse einer Gestalt waren zu erkennen und mein Herz krampfte sich zusammen. Es war Paul, der langsam auf mich zukam. Ich wollte etwas sagen, doch er legte sacht seinen Zeigefinger auf meinen Mund.
„Lara, sag jetzt nichts. Ich will dich nur spĂŒren und ich weiß, dass du das auch willst.“ Mit diesen Worten strichen seine HĂ€nde zĂ€rtlich meinen Körper entlang und wieder durchflutete dieses GefĂŒhl von Geborgenheit und WĂ€rme meinen Körper. Sacht berĂŒhrten seine Lippen die meinen und all die Worte, mit denen er mich keine zwölf Stunden zuvor verletzt hatte, waren aus meinem GedĂ€chtnis verbannt.
Nachdem wir uns geliebt hatten, lag ich in Pauls Armen und starrte in die Dunkelheit. Abermals machte sich ErnĂŒchterung in mir breit und ich registrierte mit Verbitterung, welch leichtes Spiel Paul mit mir hatte. Obwohl er mich am Vortag mit seinem Verhalten gedemĂŒtigt hatte, ging er, mit einer SelbstverstĂ€ndlichkeit die kaum zu ĂŒberbieten war, davon aus, dass ich ihm nicht widerstehen könne. Und was mich noch mehr verunsicherte, er hatte mit seiner Annahme recht behalten. Abermals schien Paul meine Gedanken zu erraten.
„Tut es dir jetzt leid?“
„Was meinst du? Dass ich mit dir geschlafen habe?“ Ich war etwas verwundert ĂŒber seine Fragestellung.
„Ja. Du warst ziemlich sauer gestern, nachdem ich, das muss ich zugeben, nicht gerade zimperlich mit dir umgegangen bin.“ Seine Stimme klang ungewohnt nachdenklich und das irritierte mich.
„Soll das so etwas wie eine Entschuldigung sein?“
„Ich denke nicht, dass ich mich dafĂŒr entschuldigen muss, dass ich ehrlich zu dir war. Aber wenn dir mit der Wahrheit wehgetan habe, dann tut mir das natĂŒrlich leid.“
„Wahrheit – Ehrlichkeit!“ Mit verĂ€chtlicher Stimme wiederholte ich seine Worte. „Ich denke nicht, dass du ehrlich zu mir bist.“
„Okay. Wie siehst du mich dann? Frauen sollten ja bekanntlich eine bessere Menschenkenntnis haben als wir MĂ€nner!“ Paul drehte seinen Kopf in meine Richtung und wartete auf eine Antwort.
Ich ĂŒberlegte kurz, suchte nach geeigneten Worten und beschloss dann, ihm unbeschönigt zu sagen, was ich ĂŒber ihn dachte.
„Ich halte dich fĂŒr ziemlich egoistisch, selbstgefĂ€llig und ĂŒberheblich. Du bist so sehr von dir ĂŒberzeugt, dass du ĂŒberhaupt nicht wahrnimmst, wenn du andere durch dein Verhalten verletzt. Vielleicht ist dir bis jetzt alles in den Schoß gefallen und du warst noch nie in der Situation, um etwas kĂ€mpfen zu mĂŒssen. FĂŒr dich ist alles so selbstverstĂ€ndlich und wenn etwas nicht nach deinen WĂŒnschen verlĂ€uft, dann reagierst du gekrĂ€nkt und zerfließt vor Selbstmitleid.“
Ganz ruhig kamen diese Worte aus meinem Mund und ich war froh, dass im Raum kein Licht brannte, denn ich hĂ€tte seinem Blick nicht standhalten können. Die dunkle Nacht, die mich umhĂŒllte, gab mir eine gewisse Sicherheit, und das war auch der Grund, warum ich seine Frage so direkt beantwortete.
Als ich meine AusfĂŒhrungen beendet hatte, schwiegen wir lange Zeit. Ich hörte Pauls gleichmĂ€ĂŸigen Atem nah an meinem Ohr und hĂ€tte gerne gewusst, was ihm durch den Kopf ging. Schließlich setzte er sich auf und lehnte seinen Oberkörper gegen den gepolsterten Kopfteil des Bettes.
„Eines musst du mir jetzt aber erklĂ€ren, Lara! Wenn du so eine miese Meinung von mir hast, warum hast du dich dann auf die Sache eingelassen?“
„Das weiß ich auch nicht. Diese Frage habe ich mir die letzten zwei Tage schon unzĂ€hlige Male gestellt, aber keine Antwort darauf gefunden. Vielleicht ist es die Art, wie du mich ansiehst. Du provozierst mich mit deinen Blicken und weckst etwas in mir, das ich bisher nicht gekannt habe.“
Paul wurde neugierig. „Das klingt, als ob du bis jetzt nur langweilige Beziehungen hattest?“
„Nicht unbedingt langweilig, aber ich hatte immer alles unter Kontrolle. Weißt du, ich mag keine Überraschungen. Ich will immer genau wissen, was auf mich zukommt und ich vertrage es nicht, wenn mir jemand vorschreiben will, wo es langgeht.“
AmĂŒsiert lachte Paul auf. „Dann ist das ja die ideale Konstellation mit uns beiden. FĂŒr mich sind Frauen ein Horror, die einen Kontrolltick haben und ĂŒber mich bestimmen wollen.“ Meine BefĂŒrchtung, dass Paul wegen meiner Worte verĂ€rgert sein könnte, hatte sich nicht bestĂ€tigt. Ganz im Gegenteil, er schien locker damit umzugehen und ich fĂŒhlte mich zum ersten Mal von ihm ernst genommen. Seine HĂ€nde spielten mit meinem Haar und ich wĂŒnschte mir, dass diese Nacht nie enden möge. Er kĂŒsste mich zĂ€rtlich und fragte: „Und wie denkst du, dass es mit uns jetzt weitergehen soll? Deine Erwartungen, die du an einen Mann stellst, werde ich nicht erfĂŒllen können, das muss dir klar sein!“
„Ich habe keine Erwartungen an dich – nicht nach all dem was geschah! Ich möchte nur, dass du ehrlich zu mir bist, okay.“
„In Ordnung, Lara. Ich werde dich nicht verarschen. Das kannst du mir glauben.“ Wieder nĂ€herten sich seine Lippen den meinen und ich erwiderte seine KĂŒsse und die Leidenschaft mit der wir uns liebten, ließ mich fĂŒr kurze Zeit alles um mich vergessen. Auch in dieser Nacht lag ich lange wach, wirre Gedanken plagten mich und Fragen, auf die ich keine Antworten fand. War es nun richtig oder falsch, dass ich mich mit Paul eingelassen hatte? Ich wusste es nicht. Ich hatte die Möglichkeit, mich in der gegebenen Situation entweder fĂŒr ein Ja oder ein Nein zu entscheiden und diese bereits getroffene Entscheidung ließ sich nicht rĂŒckgĂ€ngig machen, um zu ĂŒberprĂŒfen, wie es gelaufen wĂ€re, wenn ich eine andere Wahl getroffen hĂ€tte. Mir kam dieser Film in den Sinn „Und tĂ€glich grĂŒĂŸt das Murmeltier“ bei dem sich ein und derselbe Tag zigmal wiederholt und der Hauptdarsteller somit die Chance erhĂ€lt, all seine Entscheidungen zu revidieren. Das war mir nicht möglich, und daher wĂŒrde ich wohl nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, meinen GefĂŒhlen gehorcht zu haben.


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