Das Stakkato ihrer Absätze hämmert die Straße entlang. Ines hastet durch den Regen, der den Asphalt glänzen lässt. Sie nimmt einen Seitenweg und rennt über einen Hinterhof. Erst als sie die Eingangstüre zu ihrer Wohnung hinter sich verschlossen hat, atmet sie durch.
Sie wirft die nassen Pumps in die Ecke und drückt behutsam den Griff der Zimmertür hinunter. Nur mühsam gelingt es ihr, nicht mehr zu keuchen und ihr Atmen findet in seinen normalen Rhythmus. Ein Schlummerlicht taucht das Zimmer in warme Gemütlichkeit. Ines beugt sich über das Bettchen mit dem rosa Baldachin und zieht die Decke über den kleinen Körper, legt den Teddy in den schlaffen Arm. Dann küsst sie das Kind auf die Stirn, wünscht ihm, dass das Sandmännchen schöne Träume bringt. Im Halbschlaf schlingen sich die Arme des Mädchens um ihren Hals und Ines atmet Liebe. Als die Kleine loslässt, zieht Ines sich zurück. Sie öffnet den Reißverschluss des kurzen Rocks und lässt ihn zu Boden gleiten. Das glänzende, knappe Oberteil mit dem großen Ausschnitt zieht sie über den Kopf und legt es auf den Sessel. Vor dem Spiegel im Bad reinigt sie ihr Gesicht vom grellen Make-up, das ihr als Seelenversteck dient. Nachdem sie lange heiß geduscht hat, tritt sie noch einmal an das Kinderbett und leise sagt sie: „Sieht du, es ist wieder alles gut gegangen. Und morgen besuchen wir Papa und pflanzen ihm ein Rosenstöckchen.“
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Derjenige, der mit Tinte schreibt, ist nicht zu vergleichen mit
demjenigen, der mit seinem Herzblut schreibt.
Khalil Gibran
ich mag Texte, die eine in sich geschlossene Geschichte erzählen, hinter der dann aber eine ganz andere Geschichte zum Vorschein kommt. So etwas umzusetzen, empfinde ich immer als recht schwierig, meine aber, dass es dir hier sehr gut gelungen ist.
Ich hatte nur hier einen kleinen Stolperer:
quote:Sie wirft die nassen Pumps in die Ecke und drückt behutsam den Griff der Zimmertür hinunter.
Freilich erschließt sich, dass es sich um die Kinderzimmertür handelt, nur in dem Moment kann ich mit der Zimmertür an sich nichts anfangen, da fehlt (mir) jetzt eine kleine Orientierung.
Sehr gern gelesen, lieben Gruß
eisblume
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Franka
Foren-Redakteur Routinierter Autor
Registriert: Feb 2006
ich mag den Text eigentlich erst nach dem zweiten Absatz, von dem ersten würde ich nur folgendes übrig lassen:
Das Stakkato ihrer Absätze hämmert die Straße entlang. Ines hastet durch den Regen, der den Asphalt glänzen lässt.
Sie nimmt einen Seitenweg und rennt dann über den Hinterhof.
Erst als sie die Eingangstüre zu ihrer Wohnung hinter sich verschlossen hat, atmet sie durch.
Beim zweiten Absatz würde ich noch folgendes ändern:
„Siehst du, es ist wieder alles gut gegangen. Fred hat mich sicher nicht erkannt. Er wird unser kleines Geheimnis nicht verraten. Fred und das Geheimnis streichen.
Für mich braucht dieser kleine Text den Fred nicht, zu mal der Leser ja auch nicht wirklich erfährt, wer Fred ist und in welcher Beziehung er zu der Protagonistin steht.
Durch die Veränderung des ersten Absatzes wird später deutlich, dass die Mutter das Kind über Nacht alleine lässt, um sich den Unterhalt für das Kind und sich zu "erarbeiten".
Durch das einfügen von "wieder" wird deutlich, dass sie ihrer Tätigkeit häufiger nachgeht.
LG Franka
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Man probiert. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, dann probiert man was Neues. (frei nach Antje Joel)
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Fleur de Sol Häufig gelesener Autor
Registriert: Jun 2012
Liebe Paloma,
die Geschichte gefällt mir. Für mich braucht es allerdings: "Papa und das Rosenstöckchen" nicht, da es mir die Phantasie nimmt sich auszumalen, was Ines dazu bringt das zu tun, was sie tut, weil sie es tun muss oder will.
LG Fleur
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