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Leselupe.de > Erzählungen
Felix und Hermes
Eingestellt am 16. 04. 2002 10:10


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Alexander Kongegaard
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

Werke: 13
Kommentare: 37
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1 FELIX
Uuuuuiiiiiih!
Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf hatte endlich eine passende Stelle gefunden, um zu pinkeln.
Eieiei! Das war jetzt aber nötig! dachte er bei sich und trottete mit einem erleichterten Grinsen im Gesicht weiter durch die Straßen seiner Heimatstadt. An der nächsten Ecke drehte er sich noch einmal um und betrachtete zärtlich, ja fast liebevoll den Hydranten, den er mit seinem Duft markiert hatte.
Währenddessen saß Hermes, der kleine Floh mit sieben seiner Kollegen auf dem Geländer eines Hauseingangs und wartete darauf, von ”seinem” Felix abgeholt zu werden. Er erzählte, denn das tat er gerne und oft – und diesesmal erzählte er von Felix:
”...der Dicke ist als Welpe hier in die Stadt gekommen. Meine Güte, der war vielleicht mal fett! Na ja, war ja auch kein Wunder! Bei so einem Frauchen. Das war eine alte Jungfer, die außer ihrem Felix nichts mehr hatte, also hat sie ihn richtig liebgehabt, will sagen: sie hat ihn vollgestopft mit allem, was der Dicke essen konnte. Und essen kann der, das sage ich Euch...”
”So dick sieht der aber gar nicht aus!” meinte einer der anderen Flöhe, als Felix gemütlich um die Ecke geschlurft kam.
”Jetzt nicht mehr, da hast Du recht!” meinte Hermes, ”Ich hab mich ein bißchen um ihn gekümmert, weißt Du. Der wär mir ja sonst noch an einem Herzinfarkt gestorben!”
”Was erzählst Du denn schon wieder, Hermes?” ließ da der herangekommene Felix seine vom Alter tiefgewordene, sonore Stimme hören.
”Sie haben mich gefragt, woher ich Dich kenne, Felix, und...”
”Und Du erzählst diese Geschichte nur allzu gerne, oder?”
”Weißt Du doch, Dicker!” Hermes grinste so gut ein Floh eben grinsen konnte und drehte sich zu seinen Kollegen, um weiterzuerzählen.
Felix sagte nichts mehr. Er hörte zu. Denn auch wenn er diese Geschichte kannte – er hatte sie ja schließlich selbst erlebt – hatte er es doch gerne, wenn Hermes erzählte.
”...überall standen diese kleinen Schokoplätzchen herum! Und weil die Frau selbst viele Schokoplätzchen aß und trotzdem schon ziemlich alt geworden war, hat sie sich gedacht, daß sie für den Hund auch nicht schlecht sein können.
Irgendwie tat mir der Dicke leid. Immer nur Schokoplätzchen. Tagein: Schokoplätzchen. Tagaus: Schokoplätzchen. Immer nur Schokoplätzchen. Der Arme konnte sich zum Schluß kaum mehr bewegen!
Tja, und dann bin ich halt hin und hab ihn ein bissel gekitzelt!”
”Gekitzelt?” fragte ein anderer der anderen.
”Ja. Ich weiß noch genau, wie er am Anfang nur gejammert hat, ohne auch nur eine Pfote zu rühren, um sich zu kratzen.
Aber dann, nach einer kleinen Weile, fing er an, wie wild um sich zu hauen und richtig verrückt zu spielen. Dabei hat der glatt drei Pfund auf einmal verloren!”
Die anderen Flöhe stellten anerkennend ihre Fühler auf.
”Ja und das war erst der Anfang. Ich hab ihn dann trainiert! Jeden Tag dreimal! Da konnte er nebenher so viele Schokoplätzchen essen wie er wollte, ohne zuzunehmen!”
”Und wie seit ihr dann auf die Straße gekommen - ich meine, bei der alten Frau war das doch so alles ganz in Ordnung, oder?” fragte noch ein anderer.
”Ja schon, aber sie dachte, der Dicke würde verrückt spielen, hat sich das ein paar Wochen angeschaut – und dann ist er auf die Straße gesetzt worden...”
Die Fühler der Flöhe zogen sich wieder ein.
”Na ja, das war nicht so schlimm – denn ich bin ja mitgegangen. Ich meine, ohne mich kommt der doch nicht zurecht!”
Felix zog die alten Lefzen leicht nach oben und schmunzelte.
”Aber ich denke, die Alte hat ihn so geliebt?” fragte der zweite.
”Ja, das dachten wir auch! Aber sie hat eben gedacht, daß er krank ist - und hat sich einen Wellensittich gekauft!”
”Oh!” machten sieben Flohkehlen.
”Ja, aber wir haben uns draußen sehr gut zurechtgefunden, nicht wahr?”
Er drehte seinen gepanzerten Kopf zwinkernd in die Richtung von Felix.
”Na klar!” meinte der, und Hermes drehte sich wieder zurück.
”Tja, und seitdem zuckeln wir gemeinsam durch die Gegend und versuchen, ein bißchen Spaß zu haben...”
Sagte es, winkte seinen Kollegen kurz mit den beiden obersten Beinpaaren zu und sprang Felix ins warme Fell. Der setzte sich daraufhin in Bewegung, so daß die sieben anderen zurückblieben und ihnen bewundernde Blicke hinterherwarfen.
”Das sind echte Helden!” meinte wieder ein anderer.
”Ja, ohne die beiden wäre die Stadt hier nur halb so lustig!” sagte wiederum ein anderer der anderen und leitete damit in einen gemeinsamen Stoßseufzer aller sieben über.

2 RIDIKUL
”Sag mal, Felix!”
”Hm?”
”Warum machst Du das eigentlich?”
”Was meinst Du?”
”Na, da!” Hermes zeigte mit dem rechten oberen Bein auf einen schmutzigen Teller vor Felix´ Schnauze, ”Warum ißt Du das Zeug da?”
”Weil ich Lasagne mag!”
”Ja, mit extraviel Käse, so wie es aussieht!”
Felix konnte bei dieser Aussage eigentlich nur genüßlich schmatzen, weswegen er es auch einfach tat. Doch Hermes ließ sich nicht beirren.
”Bist Du Dir sicher, daß Du Dir nicht den Tod holst, wenn Du das ißt?”
”Warum? So hart ist der Käse auch wieder nicht! D.h oben an der Kruste ist er schon recht hart.”
”Na ja”, meinte Hermes, ”Kuck Dich doch mal um! Das ist der Hinterhof von einem Pizzabäcker. Da drüben verrotten ein paar Kisten schlechter Oliven, und dort bei den Mülleimern...meine Güte, ich habe noch nie so große Ratten gesehen!”
”Stimmt. Die Ratten sind wirklich riesig!”
”Hast Du keine Angst?”
”Wovor?”
”Vor den Ratten!”
”Warum?”
”Warum?!! Du bist gut!”
Felix schlabberte treudoof an seiner Lasagne weiter.
”Weil sie Dir vielleicht ins Essen gekackt haben!”
Felix hörte auf, treudoof an seiner Lasagne weiter zu schlabbern.
”Hm...Du meinst, sie sind auch drinnen, wo das Zeug gekocht wird?”
”Wahrscheinlich schon! Ich weiß es natürlich nicht - ich hoffe es nicht für Dich, denn der Koch hier ist ja immer ziemlich großzügig mit Dir umgegangen...”
”Vielleicht sollten wir mal reinkucken! Was meinst Du?”
”Ich glaube ich geh erst mal alleine rein!” meinte Hermes.
”Aha, verstehe!” nickte Felix verstehend, ”Du bist weniger auffällig da drin als ich!”
Sprach es und leckte den schmutzigen Teller vor seiner Schnauze sauber, während Hermes in Richtung Kücheneingang hoppelte.
Er krabbelte durch das Schlüsselloch. Es war eine ziemliche Kunst, das Loch beim ersten Sprung auch genau zu erwischen – und außerdem auch irgendwie unnötig, weil er aufrecht unter der Tür hätte hindurch gehen können. Aber, was ein richtiger Floh war, so wie Hermes z.B., der scherte sich überhaupt nicht um Einfachheit. Nein, der hatte Stolz! Der hatte den Stolz, einen Raum durch das Schlüsselloch zu betreten.
Tja und da stand er nun und lugte vorsichtig in den Raum hinter dem Schlüsselloch.
Nirgends waren Ratten zu sehen. Dafür aber Koch Pepe, der seinen dicken Bauch hektisch von einem Ende der Küche in das andere schob, etwas umrührte, wieder zurückmarschierte, um dort ein klein wenig mehr Salz in die Soße zu geben, und alles in allem unglaublich beschäftigt aussah. Hermes mußte grinsen, als er sah wie flink sich dieser eigentlich recht träge daherkommende Mensch bewegen konnte, wenn es ums Essen ging.
Aber gut, deswegen war er nicht gekommen. Er wollte herausfinden, ob es hier drin Ratten gab. Und um das herauszufinden, mußte er hinter die Schränke schauen. Denn hinter den Schränken waren die Ratten – wenn es sie hier drin gab. Also sprang er aus seinem Schlüsselloch auf den Boden der Küche und hoppelte in Richtung des kleinen Spaltes, den er zwischen einer Anrichte voller Obst und Gemüse und dem Herd entdeckt hatte.
Währenddessen schnarchte Felix draußen leise vor sich hin.
Eieiei, was für eine fette Lasagne, träumte er, wobei sich seine alten, vollgefressenen Lefzen genüßlich nach oben zogen. Und da hat es noch mal eine...ooohh....die ist ja riesig....mit Schokoplätzchen obendrauf...hab ich einen Hunger...ich spring da jetzt hinein...will mich keiner zurückhalten?...in Ordnung...ich springe...
Felix war gerade im Sprung, als er Hermes schreien hörte.
”He? Was? Was ist los?” rief er erschrocken.
”Reg Dich ab, Dicker!” sagte Hermes jetzt ein bißchen leiser. ”Ich bin´s doch nur! Hast ziemlich tief geschlafen. Wohl was Schönes geträumt, he?”
”Oh ja...da war so eine riesige Lasagne...”
Hermes unterbrach ihn einfach:
”Schau, ich hab jemanden mitgebracht!”
Doch Felix hörte ihm nicht zu.
”...mit Schokoplätzchen obendrauf...”
”Du mußt entschuldigen! Manchmal ist er ein bißchen abwesend!” wandte sich der Floh an seinen Begleiter. ”Aber der ist bald wieder auf dem Damm und dann schauen wir mal, was er von der Sache hält!”
Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis sich Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf vom Schreck des plötzlichen Erwachens erholt hatte, und Hermes zuhören konnte:
”Also, das ist Ridikul! Ich hab ihn drinnen getroffen, er war ganz alleine!”
Felix sah einen unglaublich winzigen Punkt namens Ridikul neben dem winzigen Punkt namens Hermes und nickte kurz in dessen Richtung.
”Ridikul ist Rattenfloh!

3 DAS PROBLEM
Felix sah, wie der unglaublich winzige Punkt aufgeregt hin und her sprang.
”Was macht der da?” fragte er Hermes.
”Wie? Was meinst Du? – Hm”, er überlegte, ”verstehst Du, was er sagt?”
”Sagt der was?”
”Du verstehst ihn nicht?”
”Nein.”
”Okay.”
Hermes drehte seinen gepanzerten Körper in Richtung des unglaublich winzigen Punktes:
”Hey, Ridikul! – Hey! – Hörst Du jetzt mal auf, wie ein Irrer rumzuhüpfen!? – Hör auf! – Er versteht Dich doch gar nicht!” Ridikul blieb stehen.
”So ist´s gut!” Er tätschelte mit dem obersten rechten Bein den unglaublich winzigen Punkt. ”Ich werd´s ihm erzählen! – Natürlich! – Sobald Du mal die Klappe hälst!”
Ruhe.
”Also, Felix paß auf!”
Felix lehnte sich zurück, denn er wollte jetzt aufpassen:
”Ich stand da im Schlüsselloch...” begann Hermes. “...und hab mir gedacht: Also, Ratten hat es - wenn es welche hat – hinter den Schränken, denn sie verstecken sich gerne. Drum hab ich einfach mal hinter die Schränke geschaut – und so überhaupt nix gesehen!! Außer ein bißchen grün-schleimiger Lasagne vielleicht...
Tja, und da hab ich mich umgedreht und wollte wieder abhauen, als plötzlich der Kleine hier an meinem unteren rechten Bein hing.
Na ja, und da hab ich mir gedacht: Was will der denn jetzt...”
Der unglaublich winzige Punkt bewegte sich.
”Ja ja...ich komm doch dazu...also, auf jed...willst Du deinen Theoderich jetzt wiederhaben oder nicht?...Gut, dann sei still! Also, wie ich schon sagte:...”
Theoderich! dachte Felix, während Ridikul wieder ruhig wurde.
”...Ich hab mir gedacht: Was will denn der jetzt? Irgendwie war der Kleine nämlich ganz verzweifelt! Da habe ich dann vom Bein abgezogen, ihn in eine Ecke gesetzt und erstmal zugehört...”
”Wie Du hast zugehört?” fragte Felix grinsend und wandte sich hin zu Ridikul: ”Wie hast Du denn das gemacht?”
Der unglaublich winzige Punkt konnte ob der riesigen Schnauze vor seinen Fühlern nur blöd kucken, was er auch tat. Felix sah das freilich nicht, denn der unglaublich winzige Punkt war ja immerhin ein unglaublich winziger Punkt. Darum meldete sich Hermes gleich wieder zu Wort:
”Ja, ich habe zugehört! Volle zwei Minuten!”
”Und was hat er Dir erzählt?”
”Wenn Du mich ausreden lassen würdest, Dicker, könnte ich Dir das sagen.”
Hermes wartete darauf, daß Felix irgendwas wie `Bitte, dann erzähl!´ oder so sagen würde. Allein Felix beschäftigte sich nicht mit den Wünschen des Flohs, sondern damit, gedankenverloren am rechten Ohr herumzukratzen.
Hermes war völlig verdattert. Er schüttelte seinen Kopf.
”Bist Du jetzt fertig?” fragte er.
”Ja!”
”Gut. Dann kann ich ja weitermachen: Also,...”
”Ich bitte darum!”
Hermes wäre wohl knallrot angelaufen in diesem Moment, doch hatte er heute noch nichts gegessen und deswegen auch kein Blut in sich, das ihn hätte knallrot werden lassen können:
”Aaalso!” sagte er langsam ”Der Kleine hier hat seinen Wirt verloren! Und ein Rattenfloh ohne Ratte ist noch erbärmlicher, als Du ohne mich!”
”Wie ist das denn passiert?” fragte Felix ruhig.
”Er sagt, seine Ratte wäre von den anderen ausgestoßen worden, weil sie unrein gegessen hätte!”
”Unrein gegessen?”
”Ja, Lasagne!”
”Was?!”
”Ja, direkt aus dem Ofen sei sie gewesen, meinte Ridikul. Noch warm. Und was warm ist, ist unrein – sagt er.”
”Die spinnen, die Ratten!”
”Nein, eigentlich nicht. Weißt Du noch, was passiert ist, als die eine am Königsplatz eine runtergefallene Pommes Frites essen wollte – und danach im Gebüsch umhergesprungen ist, wie eine überdrehte Aufziehuhr?”
Felix nickte leicht.
”Die Wärme wirkt wie Koffein...hm?... ja, entschuldige...natürlich hat Rat-A-Tuj das Gift aus warmer Nahrung noch nicht herausgenommen...”
”Rat-A-Tuj?”
”Das ist der oberste aller Rattengötter. Er sorgt anscheinend dafür, daß Ratten fast alles fressen können, was ihnen unter die Spitzschnauze kommt...okay, ist ja schon gut, also: Er sorgt mit Sicherheit dafür, daß Ratten alles fressen können, was ihnen unter die Spitzschnauze kommt...Bist Du jetzt zufrieden?...Gut, dann halt die Klappe!
Tja, und die Ratte, mit der Ridikul hier durch die Gegend gezogen ist, hat von der Lasagne gekostet, bevor es erlaubt war – sein Chef hat es gesehen, und das war´s! Der arme Kerl hat nicht einmal mehr Zeit gehabt, verrückt zu spielen, so schnell haben sie ihn fortgejagt...”
”Und warum ist der Kleine nicht mitgegangen?”
”Ehrenkodex.”
”Ehrenkodex?”
Ridikul hüpfte wieder.
”Er sagt: Erste Regel der Rattenflöhe: Du sollst nicht verweilen auf einer verstoßenen Ratte!”
”Ehrenkodex!” sagte Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf und verzog die Schnauze leicht verwundert, bevor er beschloß, sein Schläfchen fortzusetzen.
Ein bißchen weiter unten hatte ein winziger Punkt alle sechs Hände voll damit zu tun, einen unglaublich winzigen Punkt davon, zu überzeugen, daß es eine Lösung für das Problem gab, obwohl der vermeintliche Helfer wieder leise vor sich hinschnarchte.

4 WIE MAN EINEN FLOH AM LEICHTESTEN VERWIRRT...
”Als erstes sollten wir wissen, wohin unser verstoßener Rattendings verschwunden ist!”
”Rattendings? Meinst Du Theoderich?”
Hermes war völlig auf den falschen Füßen erwischt. Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf hatte in seinem Leben noch nie das Wort ”Dings” benutzt! Zumindest nicht, solange Hermes ihn kannte.
”Entschuldige, ich wollte eigentlich erst Rattenfreund oder etwas ähnliches sagen. Aber das macht keinen Sinn! Wir kennen den Rattendings...”
”Theoderich!”
”Ja genau – wir kennen ihn doch noch gar nicht. Wie soll er da unser Freund sein?”
Hermes schlug sich mit den beiden oberen rechten Händen dahin, wo seine Stirn hätte sein können - wenn er denn eine gehabt hätte.
”Vielleicht können wir ja etwas von den Ratten, die hier leben, erfahren. Schließlich haben sie ihn ja verstoßen!” fuhr Felix fort.
”Kannst Du denn mit Ratten reden?” fragte Hermes, der langsam erst die Fassung wiedergewann.
”Ich nicht! Aber der Kleine da, oder?”
Felix zeigte auf einen unglaublich winzigen Punkt auf dem Boden.
Natürlich konnte der da! Er konnte sogar noch viel mehr. Er konnte z.B. auch Felix und Hermes zum Hauptunterschlupf der Ratten führen, was er denn auch prompt tat.
Es war ein kleines Loch in der Hinterwand der Pizzeria. Das Loch führte schräg nach unten ins Dunkle. Felix schnüffelte.
”Ja! Eindeutig! Ratten!”
Drei Ausrufezeichen und ein stechender Geruch nach pelzigen Nagern mit nacktem Schwanz.
”Hm...” Felix grübelte.
”Was ist denn Dicker?” fragte Hermes.
”Warum haben Ratten eigentlich einen Schwanz ohne Haare?”
”Hä?”
”Ja, ich meine, wofür braucht man denn sowas?” fragte Felix.
”Na, vielleicht weil man ihn einkringeln und als Korkenzieher benutzen kann??!” sagte Hermes und machte eine verzweifelte Geste.
”Aha!” sagte Felix. ”Das habe ich nicht gewußt!”
”Äh!?” Hermes hob die linke obere Hand, um etwas zu sagen.
”Hm?” machte Felix.
”Äh!” machte Hermes noch einmal. ”Dann...dann weißt Du es eben jetzt!”
”Gut!”
Pause.
”Du Felix?” fragte Hermes.
”Hm?”
”Was machen wir jetzt?”
”Wir holen die Ratten aus dem Loch!”
”Ja?”
”Ja!”
”Einfach so?”
”Einfach so!”
”Aha!?”
”Kommt mit!”
Felix wartete, bis Ridikul und auch Hermes in sein Fell gesprungen waren und trottete dann langsam in Richtung Küchenhintereingang. Dort angekommen, bellte er.
”Das ist doch wohl jetzt nicht die Zeit für einen Imbiss, Felix! Wir haben Wichtigeres zu tun, hör mal! Und außerdem hast Du vorhin erst gegessen!” schimpfte Hermes.
”Psst!” zischte Felix, denn hinter der Tür polterte es schon. Der dicke Pepe erschien in seiner dreckigen Schürze:
”Wasse willsse Du denn schon wiieder! Hasse wohle noche nichte genuge Lasagne, he?” sagte er.
Felix schmatzte zustimmend.
Ein wenig später zog eine feuchte Hundeschnauze einen großen Teller Lasagne vor ein kleines Loch, welches schräg nach unten ins Dunkle führte.
”Aaaaah! Jetzt versteh ich!” Hermes verstand jetzt.
”Du willst die Ratten mit der Lasagne aus dem Loch locken, he?” fragte er.
”Nein!”
”??????” machte Hermes.
”Nein, ich will nur ein bimmmpfhchen etwaf effen, bevor ich mich an die Arbeit mache!” sagte ein schmatzender Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf.
”An die Arbeit machen?” Hermes verstand nicht.
”Ja! Glaubst Du, die Ratten kommen da von alleine heraus, wenn draußen ein kleines Hundchen wie ich auf sie wartet?”
”Du bist nicht klein!” sagte Hermes energisch.
”Eben!” meinte Felix.
Hermes lehnte sich an ein einzelnes, besonders dickes von Felix Haaren und seufzte, während jemand anderes sein vorläufiges Dasein als Lasagnevernichtungsapparat mit Genuß fortsetzte.

5 RATTENANGELN
Felix stand nun schon seit zwei Stunden regungslos vor dem Loch und hielt ein Stück Seil in der Schnauze. Hermes und Ridikul hatten es sich ein klein wenig Abseits gemütlich gemacht und warteten ab, was passieren sollte.
D.h. natürlich hatte es sich Hermes nicht wirklich gemütlich gemacht. Schließlich mußte doch jemand von der Heldentat berichten, die er vor genau zwei Stunden vollbracht hatte. Es störte ihn nicht, daß eigentlich niemand da war, der ihm zuhören wollte.
”...und da bin ich sofort zu der Ameise hin und habe gesagt: `Hey hallo!´, `Hey hallo!´ habe ich gesagt und danach war es überhaupt kein Problem mehr”, er machte eine gönnerhafte Geste mit seiner mittleren linken Hand, ”sie davon zu überzeugen, Felix das Käsestückchen in das Loch hinunterzutragen...”
”Die hab daf halve Käfefdück wieder mib hochmebracht und webbetraben!” nuschelte Felix mit dem Seil in der Schnauze.
”Hey, beschwer Dich nicht, Dicker! Ameisen machen nie etwas umsonst!”
”Daf war Käfe von meimer Lafamne!!!”
”Na ja, eine gute Ameise ist teuer!” meinte Hermes.
Felix grummelte ein paar Sekunden lang vor sich hin und wandte sich dann wieder dem Loch zu, in welches er in guter alter Hohenhelmtupfscher Geduld zu starren begann, während Hermes das Bedürfnis hatte, Ridikul nocheinmal genau auseinanderzusetzen, wie denn jetzt eine echte Ameise am besten davon zu überzeugen sei, einen guten Preis für ihre Dienste anzubieten.
Er hatte das Bedürfnis. Er durfte aber nicht, denn plötzlich zuckten Felix die Lefzen. Und zwar nicht, weil der das wollte! Nein, irgendjemand zupfte an dem Seil. Sofort spannten sich alle Muskeln im alten Hundekörper und hielten dagegen.
Puuh, dachte Felix, was ist denn das für eine Ratte!
Denn den Nager aus dem Loch zu ziehen, war bei weitem nicht so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte.
Gut, die Ratten hier sind ja auch riesig! dachte er weiter und zog so stark er konnte, während ein winziger Punkt und ein unglaublich winziger Punkt ein bißchen abseits des Lochs den alten Hund anfeuerten.
Es war ein Kampf von vielleicht einer halben Viertelstunde, bis Felix den Nager aus dem Loch und in einer Ecke des Hofs dingfest gemacht hatte.
”Das Stückchen Käse da war aber ziemlich fest!” Hermes betrachtete sich verwundert das durch die Rattenbisse lediglich perforierte aber nicht durchgetrennte Stück Käsekruste, das verträumt neben Felix lag, der meinte:
”Ich sag es ja immer, es gibt nur zwei Dinge, die sicher sind: Morgens geht die Sonne auf, ich muß bald mal pinkeln - und Pepe macht die härteste Käsekruste der Welt!”
”Das waren jetzt aber drei Dinge!” sagte Hermes .
”Ach, wirklich?” sagte Felix.
”Yep!” sagte Hermes.
”Gut!” sagte Felix, während die gefangene Ratte in der Ecke kauerte und nicht wirklich zu verstehen schien, was hier eigentlich vor sich ging bzw. wie denn jetzt der Biß in ein Stück Käse dazu führen konnte, von einem alten Hund und zwei vorlauten Flöhen gefangengenommen zu werden. Deswegen blieb sie auch stumm.
Dafür laberten aber der Hund und der Hundefloh.
”Was heißt hier `gut´? Du hast gesagt: `Es gibt nur zwei...´”
”Ja, und?”
”Das waren aber drei...ach, was soll´s!”
”Gibst Du Dich zufrieden?” fragte Felix.
”Ja!” sagte Hermes resignierend.
”Gut! Dann sag dem Kleinen da,” er zeigte auf den unglaublich winzigen Punkt, der neben Hermes herumhampelte, ”daß er aufhören soll herumzuhampeln. Wir brauchen ihn jetzt als Übersetzer.”
Hermes drehte sich zu Ridikul, sprach ein paar Worte und Ridikul hörte auf herumzuhampeln.
Felix begann das Verhör.
”Er soll Ihn fragen, ob er Theoderich kennt!”
Hermes sagte das dem kleinen Rattenfloh und der sagte das der Ratte. Die wiederum sagte etwas, was Ridikul Hermes sagte, der dann zu Felix meinte:
”Nein!”
”Was `nein´?
”Ja...hmpf...`nein´ eben!”
”Du meinst, er kennt ihn nicht?”
”Nein.”
”Was meinst Du dann?”
”Wie, was meinst Du dann?”
”Na, Du hast gesagt, Du meinst nicht, daß er ihn nicht kennt, also meinst Du ja wohl etwas anderes!”
”????!”
”Was meinst Du denn jetzt? Sag schon!” Felix wurde ungeduldig.
”Ich meine, daß diese Ratte da drüben,” er zeigte mit dem rechten oberen Bein in Richtung der gefangenen Ratte, ”nicht weiß, wer Theoderich...hää?”
Hermes zögerte. Ridikul war nämlich ein bißchen näher an die völlig verzweifelt aussehende Ratte herangerückt und schien sie trösten zu wollen.
”Was redest Du da mit dem Gefangenen?” polterte Hermes los. ”...ach ein bißchen verwirrt ist er? Das sind wir doch...Was?...jetzt hör mal! Hermes, der Floh und Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf mißverstehen sich nicht! Und Blödsinn reden tun wir auch nicht!...Halt die Klappe, sonst...hm?...warum wir nicht nach der verstoßenen Ratte gefragt haben? Das haben wir doch!...Haben wir doch! Wir haben nach Theoderich gefragt! Und außerdem bist Du derjenige, der nicht richtig übersetzen k...”
”Jetzt halt Du aber mal die Klappe, Hermes!” mischte sich Felix plötzlich ein. ”Die weiß eben nicht, wie die verstoßene Ratte heißt!”
Hermes schaute den Hund fragend an.
”Ich meine, offensichtlich kriegt Ridikul die Sache mit dem Verhör besser hin als wir. Also können wir genauso gut ein Päuschen machen!”
Sprach es, legte sich hin und fing an, leise vor sich hin zu schnarchen, während Hermes verständnislos vier Beine über dem Kopf zusammenschlug und mit einem kleinen Plumps auf den Flohhosenboden fiel.

6 EINFACH RIDIKUL FRAGEN
”Na dann laß mal hören!” Hermes hatte sich von Ridikul erzählen lassen, was dieser von der Ratte, die immer noch scheu in der Ecke kauerte, erfahren hatte, und nun war der alte Felix ziemlich neugierig auf den Bericht des kleinen Flohs.
”Also”, begann Hermes, ”Ridikul hat herausgefunden, daß der Clan fast zweitausend Mitglieder hat, von denen siebzig, mitsamt dem Clanchef Sigurd hier hinter der Pizzeria zuhause sind...”
”Sigurd!” Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf verzog die Lefzen zu einem kleinen Lächeln.
”...das da unten ist die Festung des Clans. Hier wohnt der Chef mit seiner Leibgarde!”
”Achso!” kam Felix eine Erkenntnis.
”Hm?” fragte Hermes.
”Da muß man sich nicht wundern, daß die Ratten hier so groß sind!”
”Ja, da hast Du recht, Dicker!”
”Und der Rattendings war auch einer von den Leibwächtern?”
"Theoderich?"
"Ja!"
”Nein!”
”Nein?”
”Nein!”
Pause.
”Ja, was war der dann?” fragte Felix.
”Ja, was war der dann...” Hermes zögerte.
”Bist Du unter die Papageien gegangen?” fragte Felix weiter.
”Hm? Nein, Dicker! Ich wollte eigentlich nur sagen, daß diese Sparausgabe eines Leibwächters da drüben...” Er zeigte in die Ecke.
”Sparausgabe? Die Ratte ist ziemlich groß!” warf Felix ein.
”Ja, groß vielleicht. Aber auch genauso ängstlich wie groß! Kuck doch nur, wie sie zittert!” Die Ratte zitterte.
”Hm, irgendwie hast Du recht!” gab Felix zu.
”Ich hab immer Recht!” behauptete Hermes energisch ”Aber das spielt jetzt ja keine Rolle. Wichtig ist nur, daß dieser zitternde Wollknäuel mit Ringelschwanz da drüben nicht weiß, was Theoderich hier hinter der Pizzeria also sehr nah beim Chef überhaupt gemacht hat!”
”Ehrlich nicht?”
”Laut Ridikul: Ehrlich nicht!”
”Na gut! Und wie geht´s jetzt weiter?” Felix überlegte.
”Was heißt `wie geht´s weiter´?”
"Na, wie geht´s jetzt weiter?" sagte Felix, der immer noch überlegte.
"Woher soll ich das wissen?" fragte Hermes.
"Ich dachte, Du wüßtest das vielleicht!"
"Nö!"
"Hm...das macht nix!"
"Wieso nicht?"
"Weil ich denke, daß ich weiß, was wir jetzt machen!"
"Aha?"
"Ja, laß uns einfach Ridikul fragen!"
"Gute Idee!" meinte Hermes. "Ridikul! Riiiidikul! Kommst Du mal kurz...hm?...die Ratte...die brauchen wir nicht mehr!...oder Felix, die brauchen wir doch nicht mehr?" Felix schüttelte den Kopf "Siehst Du, die brauchen wir nicht mehr...laß sie wieder gehen..."
Und während ein unglaublich winziger Punkt in Richtung eines Hundes und eines anderen winzigen Punktes hoppelte, verschwand eine äußerst verstörte Ratte so schnell sie konnte wieder in dem kleinen Loch an der Hinterwand der Pizzeria.

7 WILLKOMMEN IN SCHÖNBERG
"Glaubst Du das bringt irgendetwas?"
Hermes glaubte nicht, daß es irgendetwas brachte, gerade im vornehmsten Viertel der Stadt nach Theoderich zu suchen.
"In Schönberg ist es für eine Ratte doch genauso gefährlich wie für einen alten flohbepackten Hund ohne Herrchen oder Frauchen wie Dich!"
"Ich denke, Ridikul könnte durchaus recht haben. Ich meine, wo würdest Du denn hingehen, wenn Du eine verstoßene Ratte wärst?”
“Weiß nicht! Ich war noch nie eine Ratte!”
“Dorthin, wo Dich keiner suchen würde!”
“Achso!”
“Genau! Und außerdem: Warte es doch einfach ab, wie gefährlich diese Gegend wirklich ist! Noch sind wir ja nicht da!" antwortete Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf, der mit seinen beiden Flöhen im Fell gemütlich auf dem Bürgersteig entlangschlurfte. "Wahrscheinlich ist es gar nicht so schlimm!"
"Meinst Du?"
"Natürlich!"
“Hast Du keine Angst?”
“Nein.”
“Ich auch nicht!”
“Glaub ich Dir nicht!”
“Stimmt aber! Weißt Du, ich bin nämlich...”
“...ein Hasenfuß von Floh!”
“Hä? Ein was?”
“Ein Hasenfuß von Floh!”
“Flöhe haben keine Hasenfüße!”
“Nein?”
“Nein.”
“Na gut.”
“Heißt das, ich hab recht?”
“So in der Art.”
“Sag ich doch - ich hab recht! Ich hab immer recht!”
“Sicher?”
“Sicher!”
“Gut, dann laß mich Dich mal etwas fragen!”
“Nur zu!”
“Was sind das da vorne denn für komische Gestalten?”
Ein bißchen weiter des Wegs standen nämlich ein paar komische Gestalten.
“Ich denke...”
“Oh, er denkt!” Felix schmunzelte ob dieser Vorstellung ein kleines bißchen.
“...daß da ein paar komische Gestalten einfach nur rumstehen!”
“Aha!” sagte Felix.
“Meinst Du etwa, die sind was Besonderes?” fragte Hermes, der mit dieser Antwort überhaupt nicht zufrieden war.
“Na ja”, antwortete Felix, “ich finde, sie haben etwas von Hundefängern - mit den Fangnetzen...”
“...und auch mit den Overalls, auf denen “Städtischer Hundefänger” steht!”
“Hm...”
“Felix?”
“Hm?”
“Ich glaube, die wollen uns in Schönberg nicht haben!”
“Wir müssen ja auch nicht hier an ihnen vorbei!”
“Ach ja, was müssen wir dann?”
“Was Essen!”
“Was Essen?”
“Gibt es eine Pizzeria in Schönberg?”
“Felix!!!!!”
“Ich will doch nur etwas essen...genau wie der Rattendings!”
“Hä?”
“Na, wo würdest Du denn hingehen, wenn Du als Ratte hungrig wärst?”
“Ich weiß nicht - eine Ratte findet doch überall etwas zu essen!”
“Da hast Du Recht...” Hermes nickte zustimmend zu dieser Aussage. “...aber wenn der Clanchef...”
“Sigurd!”
“...genau! Wenn der neben einer Pizzeria wohnt, dann muß so etwas doch ein recht guter Platz zum Rattesein sein!”
“Hm...” Hermes dachte schon wieder!
“Verstehst Du?”
“Ja!” kam Hermes die Erkenntnis.
“Also gehen wir und suchen so etwas wie eine Pizzeria - ich habe Hunger!”
“Von mir aus, aber...wie kommen wir an den Hundefängern vorbei?”
“Also weißt Du, Hermes, manchmal stellst Du schon dumme Fragen!” sagte Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf und bog ab in einen kleinen, schnuckligen Seitenweg, was Hermes dazu veranlaßte, seinem Kumpan für einmal recht zu geben - zumindest innerlich, offen zugeben wollte er es dann natürlich doch nicht so ganz.

8 DER RATTENDINGS
“Siehst Du die Hundefänger?” Hermes war durch eine kleine Spalte in der Hausmauer geschlüpft und Felix stand dahinter.
“Ja!” meldete sich der Floh.
“Und? Was machen sie?”
“Sie stehen da und rauchen!”
“Gut! Dann komm mal wieder her - weiter geht`s - ich habe immer noch Hunger!”
“Du kannst auch immer nur ans Fressen denken, oder?”
“Hm?”
“Du immer nur “Fressen” wollen denken!!!!!!!!!”
Felix nickte nur zustimmend.
“Also gut!”
Hermes kam wieder zurück und war mit einem Satz im Fell des alten Hundes, so daß der seine Spürnase auspacken und sich auf die Suche nach dem lange vermissten Geruch von Lasagne machen konnte. Er mußte auch gar nicht lange schnüffeln - da stieg ihm der ersehnte Geruch auch schon in die Nase:
“Uuuuuuuuuuih! Lasagne - folgt mir, Kameraden!”
“Aber gerne doch - was sollen wir denn auch sonst machen!” brubbelte Hermes, der zusammen mit Ridikul an ein Haar gelehnt, die Reise durch den vornehmsten Teil der Stadt genoß.
Felix trabte auf ein Haus zu, daß so gar nicht wie eine Pizzeria aussah.
“Hey, Felix!” sagte Hermes. “Das Haus da sieht aber so gar nicht wie eine Pizzeria aus!”
“Hm...Du hast recht. Wahrscheinlich gibt es da nur bei irgendeiner Familie Lasagne zum Mittagessen!”
Felix zog enttäuscht die Lefzen nach unten, als Ridikul, der Rattenfloh, plötzlich anfing, aufgeregt herumzuspringen:
“Was springt denn der da jetzt so in meinem Fell herum?” fragte Felix.
“Was springst Du denn jetzt da so in seinem Fell herum?” gab Hermes die Frage weiter, was dazu führte, daß Ridikul noch viel aufgeregter herumsprang und mit allen seinen Beinen, die er gerade nicht zum Herumspringen brauchte, in Richtung des Hauses wies.
“Was ist denn?” fragte Hermes noch einmal. “Was? Wo?...Au ja, da vorn! Schnell, Felix, da an der Hauswand - das ist Theoderich!”
Doch Felix hatte die Ratte schon entdeckt und steuerte geradewegs auf sie zu, was diese natürlich bemerkte und sich schnell aus dem Staub machte.
“Schade!” meinte Felix.
“Das war Theoderich!” sagte Hermes.
“Ich weiß! Ich sag ja: Schade! Es ist aber ein gutes Zeichen, daß der Rattendings wenigstens noch lebt!”
“Stimmt! Ridikul ist ja ganz ausgeflippt vor Freu...Ridikul?...Ridikul?...Ridikul!!!”
“Was ist?”
“Der ist weg!”
“Was heißt: `Der ist weg´?
“Das heißt: Der ist weg! Einfach nicht mehr da!”
“Der wird zum Rattendings zurück sein, denke ich!”
“Ja, denke ich auch!”
“Tja, offensichtlich hat der Kleine jetzt seinen Rattendings wieder!”
“Du, Felix?”
“Hm?”
“Weißt Du was?”
“Hm?”
“Das war diesesmal gar kein richtiges Abenteuer!”
“Stimmt!”
“Schade!”
“Sag ich do...hm?...Oh oh!!”
Die Hundefänger waren von hinten herangekommen und packten Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf zusammen mit seinem kleinen Begleiter Hermes, um ihn in den hinteren Teil eines großen Wagens zu werfen und fortzufahren.

9 WER HILFE BRAUCHT...
“Hm! Das ist nicht gut!” Felix schnüffelte an allen vier Ecken des Verließes, in das er gebracht wurde.
“Was ist denn?” fragte Hermes.
“Hier gibt es nichts zu essen!”
“Felix!!!! Wir haben andere Probleme als deinen Hunger!”
“Ach ja? Du hast es ja einfach: Wenn Du etwas essen willst, saugst Du einfach ein bißchen an mir herum, und dann ist alles in Ordnung! Aber ich - ich brauche richtige Nahrung! Lasagne z.B....”
“...mit Schokoplätzchen!”
“Ja, genau - mit Schokoplätzchen!”
“Richtige Nahrung eben!”
“!!! - Willst Du mir vielleicht irgendetwas sagen, Hermes?”
“Ja!”
“Na, dann mach doch mal!”
“Ich denke einfach, daß es im Moment nicht wirklich in unsere Situation paßt, daß Du nur ans Fressen denkst! Wir sollten uns lieber darüber Gedanken machen, wie wir jetzt hier wieder herauskommen!”
“Ich kann nicht denken - mit leerem Magen, mein ich!”
“Oh, Mann - Du Hund, du!” Hermes wurde langsam aber sicher sauer.
“Hm?” Felix verzog keine Miene.
“Hör mal, Du wandelnder Flohzirkus! Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf war bisher immer einer der klügsten Köpfe, die ich kenne...Aber es scheint, als ob Du Dir darum jetzt gar keine Sorgen mehr machst. Weißt Du, wenn ich gewußt hätte, daß Du lieber frißt als lebst, dann hätt ich Dich am besten bei der Alten und ihren Schokoplätzchen lassen sollen!”
Hermes zog seine Fühler zurück, hoppelte in eine Ecke und war beleidigt.
“Man muß fressen, um zu leben!” nuschelte der alte Hund in seinen grauen Bart und zog sich ebenfalls zurück, um erst einmal zu schlafen.
Es dauerte nicht lange, da träumte der gute Felix wieder von einer dicken, fetten Lasagne, in die er voller Vergnügen würde eintauchen können.
Eieiei, was für eine fette Lasagne, träumte er, wobei sich seine alten Lefzen genüßlich nach oben zogen. Und da hat es noch mal eine...ooohh....die ist ja riesig....mit Schokoplätzchen obendrauf...hab ich einen Hunger...ich spring da jetzt hinein...will mich keiner zurückhalten?...in Ordnung...ich springe...
“Hey, psst!”
Felix reagierte zunächst nicht, was die Ratte dazu veranlaßte, sich direkt neben eines der Hundeohren zu setzen und zu schreien:
“Heeeeeeeeeeey!”
Felix schreckte auf:
“Hä? Was denn!? Wo bin ich?”
“Du bist im Hundefängerverließ. Und ich bin Theoderich...”
“Theoderich?”
“Ja, die Ratte, die Ihr gesucht habt, oder etwa nicht?”
“`Ihr´?”
“Ja, haben wir!” meldete sich Hermes zu Wort. “Du mußt entschuldigen, Theoderich, der Dicke braucht nach dem Aufwachen immer eine kleine Weile, bis er wieder auf dem Damm ist.”
Also warteten sie darauf, daß sich Felix vom Schock des Erwachens erholt hatte. Das geschah dann auch bald, so daß Felix gleich wieder sein altes Problem auf den Tisch bringen konnte:
“Meine Güte, bin ich hungrig! Ich hab von einer wunderbaren Lasagne geträumt. Der Geruch steckt mir jetzt noch in der Nase!”
“Das liegt nicht an deinem Traum!” meldete sich Theoderich zu Wort und schob dem völlig überraschten Hund einen schmutzigen aber großen Teller voll Lasagne vor die Schnauze.
“Ich glaub das ja nicht!” sagte Felix und fing an zu schlabbern. Kurz nach dem ersten Bissen hörte er aber wieder auf:
“Eines möchte ich jetzt doch wissen: Was machst Du hier drin? Und warum verstehe ich, was Du sagst?”
“Na ja, ich bin nicht wirklich verstoßen worden, wißt Ihr. Ich bin mehr eine Art Kundschafter. Ich bin von Sigurd selbst ausgeschickt worden, um herauszufinden, was er mit seiner Leibwache in diesem Teil der Stadt benötigen würde, um zu überleben...”
Felix schmatzte verwundert.
“...für ihn wird es nämlich langsam eng dort, wo er bisher war - und, tja, dann muß man sich eben nach Alternativen umsehen.”
”Und, gefällt es Dir hier?” fragte Hermes.
“Es ist nett in Schönberg!” antwortete der Theoderich. “Es gibt da nur ein Problem...”
“Oh ja, erfähl mir fafon!” schmatzte Felix.
“Später!” sagte Theoderich. “Jetzt müssen wir erstmal hier heraus. Mach, daß Du fertig wirst mit deiner Lasagne!”
“Fu Fefehl!” sagte Felix und holte zu einem gewaltigen Schlürfer aus, mit dem er den kompletten Rest des Tellers in sich hineinsaugte.
“Fertig!” sagte er und schaute auf in die verdutzten Gesichter von Theoderich und Hermes.
“Der Dicke überrascht mich immer wieder!” sagte Letzterer.
“So - und jetzt zeig uns mal den Weg nach draußen!” verlangte Felix.
“Da!” Theoderich zeigte in Richtung Tür. “Wie wär´s mit der Tür?”
“???” machten Floh und Hund als sie diese Aussage hörten.

10 DIE FLUCHT
“Wie sollen wir da herauskommen?” fragte Felix.
“Warte, bis mein kleiner Ridikul zurückkommt!” antwortete Theoderich.
“Ridikul...hm...wozu wurde dieses ganze Theater mit der Verstoßung usw. überhaupt inszeniert, wenn Du nur als Kundschafter hier bist?”
“Sigurd wollte Euch mit dabei haben!”
“Was?!!!!?” Felix verstand nichts mehr.
“Natürlich! Was glaubst Du, sucht er sich als Kundschafter eine Ratte aus, die deine Sprache spricht? Das wäre doch sonst nicht nötig!”
“Ich verstehe trotzdem nicht!”
“In Ordnung: Ihr sollt uns einen kleinen Gefallen tun. Und damit ihr auch mitmacht, haben wir Ridikul in der Küche plaziert und ich wurde `verstoßen´.”
“Aha! Auf diese Art wußte dann diese Leibwächterratte auch nicht, daß das Ganze nur getürkt war...”
“Genau!”
“...und damit sie gleich überhaupt nichts sagen kann, wird der Kundschafter so ausgewählt, daß ihn die Leibwächter nicht kennen!”
“Richtig.”
“Gut, dann nur noch eines: Was für einen Gefallen sollen wir Euch denn tun?”
“Das erfahrt Ihr, wenn wir draußen sind!”
“Was passiert, wenn wir nicht mitmachen?”
“Dann bleibt Ihr hier drin!”
“Na und? Wir haben hier gutes Fressen - und warm ist es auch!”
“Die Lasagne kommt nicht von den Wächtern!”
“Von wem sonst?”
“Ich habe sie hereingeholt!”
“Woher hast Du sie?”
“Geduld, Geduld, mein Lieber. Das wirst Du noch sehen! Also, macht Ihr mit?”
Felix und Hermes zogen sich zu einer kleinen Beratung in eine Ecke zurück.
“...ich will aber nicht für eine Ratte arbeiten!” flüsterte Hermes.
“Sonst kommen wir aber hier nicht heraus!”
“Wir finden schon einen Weg!”
“Vielleicht - vielleicht auch nicht!”
“Und was macht Dich so sicher, daß sie uns hier herausbekommen?”
“Er hat die Lasagne hereingebracht - reicht das nicht?” sagte Felix, während Ridikul durch das Schlüsselloch hindurch zu Theoderich sprang.
“Wir können gehen!” sagte Letzterer zu Felix und Hermes gewandt. “Laßt uns dorthin gehen, wo die Lasagne herkommt!”
Als Felix das hörte, meinte er nur noch:
“Auf geht`s, Hermes! Wir haben jemandem einen Gefallen zu tun!”
“Aber Felix!” meinte der. Der kleine Floh wußte allerdings, daß es jetzt keine Widerrede mehr gab. Also sprang er resignierend ins Fell des Hundes. damit die Reise beginnen konnte.
“Gut, jetzt dann wollen wir mal!” sagte Theoderich.
Felix staunte nicht schlecht, als der kleine, kleine Ridikul sich ans rechte Ohr von Theoderich setzte, um die Fluchtaktion von dort aus anzuführen. Er flüsterte etwas und Theoderich gab es an Felix weiter:
“Kommst Du zur Klinke an der Tür da?”
“Felix betrachtete sich die Sache genau.
“Ich bin alt...”
“Aber doch nicht so alt! Komm schon, Felix!” sagte Hermes.
“Was, wenn die Tür abgeschlossen ist?”
“Ist sie nicht!” antwortete Theoderich.
“Nicht?”
“Nein.”
“Ich mag es aber nicht zu springen! Und außerdem glaube ich nicht, daß Du so die Lasagne hereingebracht hast!”
“Stimmt.” sagte Theoderich. “Ich habe das Loch da hinten in der Wand benutzt!”
“Das ist aber zu klein für mich!”
“Eben!”
“Na gut - ich werde es versuchen!”
Zwei Flöhe und eine Ratte feuerten Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtopf nach Leibeskräften an, als er versuchte, seinen alten Körper bis auf die Höhe der Türklinke zu katapultieren.
Beim dritten Mal war es dann auch geschafft. Das Schloß sprang auf, und Theoderich konnte mit seiner spitzen Nase die Tür einen Spalt weit aufschieben.
“Klasse!” schrie Hermes.
“Psst!” machte Theoderich. “Noch sind wir nicht draußen. Laut Ridikul sind die Hundefänger da vorn in einem Raum!”
Die vier schlichen vorsichtig an dem Raum vorbei zur Haustür. Doch die war genauso zu, wie die Verließtür.
“Was machen wir jetzt?” flüsterte Hermes.
“Warten!” war Theoderichs Antwort.
“Ja?”
“Ja. Wir verstecken uns hier hinter dem Schirmständer und warten darauf, daß man uns die Tür aufmacht!”
“Aha!” verstand Felix, auf was das Ganze hinauslaufen sollte. “Ich nehme an, wir schlüpfen mit hinaus, wenn die Hundefänger das nächste Mal gerufen werden!”
“Genau!”
“!!!” machte Hermes.
“Das sollte übrigens nicht allzu lange dauern!” fuhr Theoderich fort. “Denn Ridikul hat gehört, daß das Telefon im Durchschnitt so alle drei Minuten klingelt. Und dann müssen sich die Männer nur noch entscheiden, auch hinauszugehen!”
“Tun sie das denn auch?”
“Es gehen natürlich nicht alle gleichzeitig - aber einer mindestens geht jedes Mal!”
“Gut.”
Und tatsächlich klingelte in diesem Moment auch schon das Telefon. Hund und Ratte drückten ihre Körper eng aneinander, um sich so gut es ging hinter dem Schirmständer zu verstecken. Ein wenig später kam einer der Hundefänger zusammen mit einem Kollegen zur Haustür gelaufen, öffnete sie und ging hinaus. Die Tür, die sich zwar von selbst, aber nur sehr langsam wieder schloß, ließ den Vieren genug Zeit, um auch herauszukommen. Draußen preßten sie sich dann sofort an die Hauswand und schlichen ins nächste Gebüsch.
“Darf ich jetzt jubeln?” fragte Hermes.
“Einen Augenblick noch!” sagte Theoderich.
Einen Augenblick später standen die vier im außerordentlich gepflegten Hinterhof der außerordentlich gepflegten Schönberger Pizzeria.
“So jetzt!” sagte Theoderich.
“Juhuuuuuuuuuuuuuuuuu!” machte Hermes so laut er konnte und versuchte seinen eigenen Rekord, im Hoch-in-die-Luft-springen zu knacken!
“Siehst Du!” meinte Theoderich zu Felix. “Hier kommt die Lasagne her! Und hier kriegst Du auch noch mehr davon!”
Felix ließ sich das natürlich nicht zweimal sagen und schritt frohgemut auf die Hintertür zu. Doch bevor er bellen konnte, hielt ihn Theoderich zurück:
“Nein, nicht so!”
“Wie dann?”
“Hast Du schon wieder Hunger?”
“Der hat immer Hunger!” schrie Hermes aus dem Hintergrund - und aus dem Sprung.
“Gut, dann warte kurz! Hier wird nicht gebellt - hier wird gestohlen!”
“In Ordnung!”
Fünf Minuten später hatte Felix erneut einen schmutzigen, aber großen Teller voll Lasagne vor sich und schlabberte wieder genüßlich vor sich hin, während der Rest der Gruppe erst einmal ein kleines Schläfchen hielt.

11 DAS PROBLEM TEIL II
“Kannst Du mir folgen?” Theoderich schaute Felix fragend an.
“Bis jetzt schon, denke ich. Also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann machen Euch die Hundefänger keine Probleme.”
“Nein, machen sie nicht!”
“Aber die Tatsache, daß hier fast jede Familie eine Katze hat, ist nicht besonders günstig!”
“Richtig!”
“Und was sollen wir dann tun?”
“Die Katzen vertreiben natürlich!”
“Und wie, bitte schön, soll das gehen?”
“Weiß ich nicht - du bist doch der Hund hier!”
“Deswegen soll ich wissen, wie man die Katzen aus den Häusern und aus ganz Schönberg bekommt?”
“Aus den Häusern kommen die ganz von alleine - das ist ja das Problem! Denn dann gehen sie auf die Jagd.”
“Und fangen gerne auch Ratten!” warf Hermes ein. “Ich glaube, ich habe es kapiert!”
“Na dann...” murmelte Felix, der mittlerweile sein Versprechen fast bereute.
“Vergiß nicht, daß wir Euch aus dem Verließ herausgeholfen haben!”
“Stimmt! Aber ohne Euch wären wir gar nicht erst hier!”
“Ja, das stimmt natürlich auch”, sagte Theoderich. “aber jetzt seid Ihr hier! Das ist eine Tatsache...”
“Das ist eine Tatsache - da hat er recht!” sagte Hermes. Felix blieb stumm.
“...und außerdem: Komm schon! Felix und Hermes sind stadtbekannt für ihre Gerissenheit und Schläue!”
“Und für unsere Abenteuerlust!” behauptete Hermes, den nach der geglückten Fluchtaktion der Feuereifer gepackt hatte.
“Halt die Klappe!” raunzte Felix.
Der kleine Floh sprang seinem Kumpan auf die Nase und schaute ihm tief in die Augen.
“Hör mal, Dicker! Ich habe richtig Lust, den Ratten zu helfen!” und flüsternd sagte er weiter: “Überleg doch mal! Wenn die Ratten nach Schönberg gehen, dann kacken sie Dir zuhause nicht mehr in die Lasagne!!!!”
“Hm...” Felix überlegte kurz.
“Also gut!” meinte er dann. “Dann gehen wir es an! Du willst also ein katzenfreies Schönberg?”
“Genau!” antwortete Theoderich geduldig.
“Hm...” Felix überlegte noch einmal. “Ich glaube, ich weiß, was zu tun ist!” Er wandte sich an die beiden Flöhe.
“Jetzt seid Ihr dran!”

12 DAS ENDE
“Okay, Ihr zwei beiden. Es dämmert, d.h. die Nacht kommt - Ihr wißt, was zu tun ist?”
Ridikul und Hermes standen wie zwei Soldaten vor Feldwebel Felix und salutierten:
“Jawoll!” schrien sie unisono - auch wenn Felix nur seinen kleinen Hermes verstehen konnte.
“Dann auf die Gefechtsstationen!”
Die beiden Flöhe kletterten jeder auf einen Baum, der zu einem der Grundstücke gehörte, während sich Felix und Theoderich in die Büsche zurückzogen.
“Glaubst Du wirklich, daß das funktioniert?” fragte die Ratte.
“Vetrau mir! Es gibt keinen Grund, warum die Leute hier anders reagieren sollten als es mein ehemaliges Frauchen getan hat!”
“Ja, schon, Hermes hat die Geschichte ja vorhin erzählt. Aber Du vergißt etwas!”
“Was denn?”
“Du bist ein Hund!”
“Na und?”
“Katzen sind anders - reinlicher irgendwie. Das sollte für einen Floh doch schwer werden!”
“Hey, paß auf, was Du sagst! Wir sind auch sehr schnell wieder verschwunden!”
Theoderich seufzte. “Ja, ja, ist ja schon gut - so war das nicht gemeint!” Dann war es still.
Die Nacht brach herein über Schönberg und nicht lange nach Dämmerung kam auch schon die erste Katze aus dem Haus geschlichen, vor dem Hermes Wache hielt.
“Mach Dir keine Sorgen - schau einfach hin! Der Kleine ist ein richtiger Meister!”
“In was?”
“Darin zu nerven!”
“???”
”Ja. Schau nur gut hin!”
Hermes ließ sich auf die Katze fallen und begann sofort zu arbeiten. Felix und Theoderich sahen, wie die Katze anfing zu miauen und sich hinsetzte, um erst einmal eine kurze Fellwäsche zu starten. Auch Ridikul schaute aufmerksam zu. Schließlich wollte er lernen, wie man so etwas richtig macht.
Die Katze war mittlerweile damit fertig geworden, sich zu putzen und stand wieder auf, um ihren nächtlichen Streifzug fortzusetzen. Doch was war das? Hermes, der sich während der Fellwäsche ganz ruhig zwischen den Zehen des rechten Hinterbeines versteckt hatte, krabbelte wieder tiefer ins Fell und begann erneut, das Tier zu ärgern.
Die Katze miaute wieder, diesesmal etwas lauter und setzte sich wiederum, um zu putzen. Dieses Mal war die Fellwäsche aber schnell beendet und Hermes konnte sein Werk fortsetzen, was die Katze, die nicht verstand, was da eigentlich passierte, langsam aber sicher bis an den Rand des Wahnsinns trieb.
Theoderich begann zu verstehen, auf was Felix herauswollte.
“Jetzt verstehe ich, auf was Du hinauswillst!” flüsterte er ihm zu. “Die Katzen spielen verrückt, wecken die Menschen auf und die werfen sie dann aus dem Viertel!”
“Fast!”
“Fast?”
“Fast! Wenn eine Katze schreit, machen die anderen ja nicht gleich mit!”
“Tun sie nicht?”
“Nein, sie sind doch keine Hunde!”
“Ach so, stimmt - hatte ich ganz vergessen! Und was heißt das jetzt?”
“Das heißt, daß Hermes und Ridikul jede Katze im Viertel einzeln verrückt machen müssen!”
Und das war natürlich ein ganzer Haufen Arbeit. Aber, was ein richtiger Held ist, so wie Hermes z.B., der hatte an der vielen Arbeit auch noch Spaß! Und mit dieser Freude steckte er seinen Kollegen, den Rattenfloh Ridikul, aufs Allermächtigste an, so daß es kaum ein paar Tage dauerte, bis sich bei den Menschen in Schönberg die Meinung durchgesetzt hatte, daß eine unbekannte Krankheit die Katzen des Viertels hatte völlig verrückt werden lassen. Schließlich konnte keiner der konsultierten Tierärzte auch nur annähernd darüber Auskunft geben, was denn eigentlich mit den Tieren los sei. Und als einer der Ärzte in seinem Erklärungsnotstand auch noch sagte, daß es sich hier nur um eine Epidemie handeln könne, war das Schicksal der Katzen von Schönberg besiegelt.
Innerhalb einer Woche war das komplette Viertel katzenfrei, so daß Theoderich mit Ridikul im Fell frohen Mutes zum Clanchef Sigurd zurückwandern konnte. Felix und Hermes begleiteten sie bis an das Loch, aus dem Felix damals die Leibwächterratte geangelt hatte.
“Vielen Dank für die Hilfe!” sagte Theoderich.
“Keine Ursache!” meinten sowohl Hund als auch Floh.
“Gut.”
“Darf ich Dich mal etwas fragen?” fragte Felix.
“Gerne!”
“Warum habt Ihr Ratten eigentlich einen Schwanz ohne Haare?”
“Damit wir ihn einkringeln und z.B. als Korkenzieher benutzen können!” war die Antwort, womit der `Rattendings´ mit seinem Rattenfloh im Loch verschwand, so daß Felix und Hermes alleine dastanden.
“Ich hab´s gewußt! Ich hab´s gewußt!” frohlockte der kleine Floh.
“Glaubst Du, daß es stimmt, was er da gerade gesagt hat?”
“Aber ja doch!”
“In Ordnung!”
“Also habe ich recht gehabt!?”
“Wie immer, Hermes!”
“Wie immer!” wiederholte der Floh und ein wenig später:
“Du, Felix?”
“Hm?”
“Was machen wir jetzt?”
“Essen!”
“Essen!!”
Felix von Trautenburg zu Hohenhelmtupf schlurfte zur Hintertür von Pepe`s Pizzeria und bellte. Kurze Zeit später dann schlabberte er schon wieder an einem schmutzigen, aber großen Teller Lasagne, während im Hintergrund einige riesige Ratten damit begannen, den Umzug des Rattenclans in die Wege zu leiten. Und Hermes?
Hermes hatte auf einem Fenstersims an der Vorderseite der Pizzeria einige Flöhe entdeckt, denen er nun mit stolzgeschwellter Brust einiges zu erzählen wußte:
“...aber ohne mich - den Meister des Katzenverrücktmachens - hätten wir nie eine Chance gehabt, den Auftrag zu erl...”

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