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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Fliegen........
Eingestellt am 13. 06. 2008 05:37


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Retep
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Fliegen...

Fliegen mĂŒsste man können, wegfliegen, frei sein, wovon und fĂŒr was auch immer. Dieser Gedanke hat mich schon immer fasziniert.
Aus dem alltÀglichen Trott rauskommen, etwas anderes machen, nicht alles so wichtig nehmen.

Es ist Mittag, mein Unterricht ist zu Ende. Kein schlechter Tag heute.
Ich gehe die Treppe aus dem zweiten Stock hinunter, GedrĂ€nge, SchĂŒler ĂŒberholen mich. Eine Kollegin will wissen, ob ich sie morgen in der ersten Stunde vertreten kann, sie mĂŒsse zum Arzt.
Sie muss immer zum Arzt wÀhrend ihrer Unterrichtszeit, obwohl sie Privatpatientin ist! Mein Beruf belastet mich in letzter Zeit ziemlich stark, dauernd Vertetungsstunden; ich zögere, erklÀre mich aber dann doch dazu bereit.
Ich gehe etwas langsamer, bin mĂŒde, habe Schmerzen in den Beinen. Nachwirkungen der Grippe.

In den Ferien waren meine Frau und ich in unserem Haus am Meer, lange Wanderungen, gutes Essen, Wein, Diskussionen. In der letzten Woche hatte mich dann eine Grippe erwischt, Hals- und Kopfschmerzen; ich spĂŒrte meine Beine.
Joggen konnte ich auch nicht mehr.

Ich steige in mein Auto, mache die Fenster auf, heiß ist es, obwohl der Sommer zu Ende geht.
Gut, dass wir damals umgezogen sind. Zur Schule brauche ich nur zehn Minuten, meine Frau Ella zu ihrer Arbeitsstelle etwas lÀnger.
Im Vorgarten mĂŒsste man einiges machen, denke ich, als ich vor unserem Reihenhaus aussteige.
FrĂŒher habe ich gern im Garten gearbeitet, es war ein Ausgleich zu meiner Arbeit in der Schule; bei dieser Arbeit konnte man den Erfolg schneller sehen.
Bei meiner ersten Arbeitsstelle, auf dem Land, beurteilte man den Lehrer nach dem Zustand seines Gartens.
Der Briefkasten an der EingangstĂŒr quillt ĂŒber, hauptsĂ€chlich Reklame, einige Rechnungen.
Ich esse einen Apfel, habe kaum Hunger, mĂŒde bin ich. Ich lege mich dann aufs Sofa, einen Mittagsschlaf brauche ich.

Ich komme von der Arbeit, stressiger Tag heute, alle glauben, dass wir vom Sozialamt ihre Probleme lösen können.
Die KĂŒche hat er nicht aufgerĂ€umt, die WĂ€sche ist immer noch in der Maschine; er wollte sie doch zum Trocknen aufhĂ€ngen, liegt auf dem Sofa und schlĂ€ft, obwohl es schon 17.00 Uhr ist.
In letzter Zeit ist er immer mĂŒde, wahrscheinlich Nachwirkungen seiner Grippe.
Ich schaue ihn an, er ist erst fĂŒnfzig, sieht jetzt aber Ă€lter aus, abgespannt, mĂŒde, irgendwie resigniert.
Ich mag seine Art, er ist intelligent, feinfĂŒhlig, hat Humor. Ich liebe ihn immer noch, obwohl wir jetzt ĂŒber zwanzig Jahre verheiratet sind.
Ich wecke ihn mit einem Kuss auf, dann arbeiten wir zusammen im Haus.
Wir essen zu Abend, erzÀhlen von unserem Arbeitstag, immer die gleichen Probleme.
Beim Fernsehen trinken wir zusammen Wein. Ihm fĂ€llt sein Glas aus der Hand. FrĂŒh gehen wir ins Bett, ich habe morgen einen anstrengenden Tag vor mir.


Nach der zweiten Stunde fahre ich zum Arzt, die Schmerzen in meinen Beinen sind stÀrker geworden. Ich konnte nachts kaum schlafen, fast wÀre ich hingefallen, als ich in der Schule die Treppe runterging. Musste mich am GelÀnder festhalten.
Da sitzen ein paar Leute im Wartezimmer, eine Frau ist schwanger. Warum haben wir eigentlich keine Kinder?
Ella wollte immer noch ein bisschen warten, wollte nicht ihren Beruf aufgeben.
So wurde es „spĂ€ter“ und „spĂ€ter“, die Zeit ist uns davon gelaufen.
FrĂŒher bin ich nie zum Arzt gegangen, hatte GlĂŒck, war nie krank, konnte BĂ€ume ausreißen.

Dr. Lauer untersucht mich grĂŒndlich, erkundigt sich nach Beschwerden, schaut mich ernst an.
„Wie lange soll ich sie krank schreiben?“ ,fragt er mich. Das fragen die Ärzte immer, ich will gar nicht krank geschrieben werden, will arbeiten, wenn ich kann.
Er schreibt mich eine Woche krank und ĂŒberweist mich ins Krankenhaus. Da mĂŒsste eine Reihe von Untersuchungen stattfinden, sagt er. In einer Woche sollte ich wiederkommen, dann hĂ€tte er genaue Ergebnisse.
Auf dem Weg zum Krankenhaus denke ich, dass ich besser nicht zum Arzt gegangen wÀre, jahrelang war ich bei keinem.
Der ganze Vormittag vergeht mit allen möglichen neurologischen Untersuchungen, RĂŒckenmarkflĂŒssigkeit wird entnommen. Die probieren wohl alles an mir aus, bin ja Privatpatient, denke ich.

Er liegt wieder auf dem Sofa, stiert vor sich hin. Wir bereiten zusammen das Abendessen vor, kleinste körperliche Anstrengungen scheinen ihm MĂŒhe zu bereiten. Er sagt, dass er morgen erst zur dritten Stunde Unterricht habe.

Meiner Frau habe ich nichts von Arztbesuchen erzÀhlt, auch nicht, dass ich krank geschrieben wurde.
Sie geht frĂŒh aus dem Haus.
Mir schmerzen fast alle Glieder, auch der RĂŒcken. Ich werde trotzdem heute morgen joggen gehen. Unser Haus liegt direkt am Wald.
Vielleicht kann mir das helfen. Ich erinnere mich, dass Joggen mir bei allen möglichen Problemen immer geholfen hat. GlĂŒcksgefĂŒhle werden dabei freigesetzt, die kann ich jetzt dringend gebrauchen.
Ich ziehe mein Sportzeug an und verlasse das Haus.Ich fange am Waldrand an, zu rennen und falle hin.
MĂŒhsam rappele ich mich auf, humple zum Haus zurĂŒck.
Als ich mir die Schuhe ausziehe, merke ich, dass es in meinen HĂ€nden kribbelt, dass ich kaum etwas fĂŒhle.
Gehen kann ich nur mĂŒhsam, meine Beine knicken weg.
Im Keller haben wird ein Paar KrĂŒcken; Ella hatte sich im letzten Winter beim Skifahren ein Bein gebrochen.
Ich taste mich die Kellertreppe hinunter und hole sie. Ella werde ich erzĂ€hlen, dass ich mir beim Joggen den Fuß verstaucht habe.

Als ich nach Hause komme, liegt er im Bett. Den Fuß hat er sich beim Joggen verstaucht, wie er sagt. Er sieht nicht gut aus, scheint Fieber zu haben, redet wenig und ist heiser.
SpÀter kommt sein Freund und Kollege Theo vorbei, fragt, wie es ihm gehe, die Vertretung in seiner Klasse sei geregelt.
Wir sitzen zusammen am Tisch, essen und trinken Wein, Rainer trinkt wenig, isst wenig, redet wenig.
Die KrĂŒcken stehen neben ihm.
Ich fange an, mir Gedanken zu machen, wusste nicht, dass er krank geschrieben wurde.


Ich sitze am Fenster, schaue auf die Straße. Leute hasten vorĂŒber, die alte Frau Michaelis aus dem Nebenhaus humpelt mĂŒhsam mit ihrem Gehwagen die Straße entlang. Über achtzig ist sie schon; Kinder rennen umher, Autos fahren vorbei. Mein Leben lĂ€uft vorbei.
Bis hierher ist es eigentlich nicht schlecht gelaufen, aber öfter habe ich mich wie in einer Falle gefĂŒhlt. Duschen, FrĂŒhstĂŒck, Schule, Mittagessen, Arbeit im Haus oder fĂŒr die Schule, Abendessen, schlafen.
Jeden Tag fast der gleiche Rhythmus, der gleiche Ablauf, in den Ferien einige Reisen.
Soll das alles gewesen sein, habe ich öfter gedacht.
Jetzt ist die Falle endgĂŒltig zugeschnappt.
Da sitzt ein KrĂŒppel am Fenster, schaut auf eine Welt, die er einmal verĂ€ndern wollte.

Ich sehe ihn an Fenster sitzen, er sieht hinaus, sehr nachdenklich, nimmt an allem wenig Anteil.
Wo ist seine Fröhlichkeit geblieben, sein Humor, sein Engagement?
Ich werde wohl bald aufhören mĂŒssen zu arbeiten, er kommt alleine nicht mehr zurecht.


Es wird Herbst, die ersten BlĂ€tter fallen vom Ahornbaum vor dem Fenster ab, ich werde ihn wohl im nĂ€chsten FrĂŒhjahr nicht mehr blĂŒhen sehen.
Unser alter Kater wÀlzt sich auf dem Boden umher, kommt in letzter Zeit nicht mehr zu mir. Vielleicht rieche ich anders.


Seit Tagen liege ich nun im Bett, habe GefĂŒhlstörungen in den Beinen, auch in den Armen, Schmerzen im RĂŒcken und in allen Gliedern. Ich versuche meiner Frau zu erklĂ€ren, dass das alles Nachwirkungen der Grippe seien.
Mein Fuß sei immer noch verstaucht, vielleicht sei es auch eine Muskelzerrung, deshalb hĂ€tte ich Schwierigkeiten beim Gehen.
Bei meinem letzten Arztbesuch erklÀrte mir Dr. Lauer, dass ich wahrscheinlich eine sehr seltene Krankheit hÀtte. Es sei eine schwere LÀhmungserkrankung des peripheren Nervensystems.
Ich mĂŒsse ins Krankenhaus, der Aufenthalt auf einer neurologischen Intensivstation sei notwendig, da auch Störungen der Atem- und Herzkreislauffunktion zu erwarten seien.
StĂ€ndige Kontrollen der Kreislaufwerte sowie Verhinderung von Thrombosen und LungenentzĂŒndungen seien erforderlich...
Ich hörte nicht mehr weiter zu, stand auf, nahm meine KrĂŒcken und verließ die Praxis. Mit einem Taxi fuhr ich nach Hause und legte mich hin.

FrĂŒher haben wir oft ĂŒber das Sterben diskutiert. Angst vor dem Tod habe ich nie gehabt, aber Angst vor dem Sterben, vor einem Dahinsiechen, vor Schmerzen.
Eine Tablette mĂŒsste man haben, dachte ich oft, eine Tablette, die alles beendet.
Jetzt könnte ich sie wahrscheinlich gebrauchen, habe sie nicht.

Ich liege da und denke, denke an vieles, was ich getan habe, was ich hÀtte tun sollen, was ich noch alles tun wollte.
Eigentlich wollte ich Arzt werden, habe auch einige Semester Medizin studiert, als Krankenpfleger gearbeitet, bin dann aber Lehrer geworden; die Ausbildung war viel kĂŒrzer.
Ich hatte Ella kennen gelernt, sie ging noch zur Schule, war in einem MĂ€dcheninternat, das von katholischen Nonnen geleitet wurde.
Nachts stieg ich durchs Fenster ein, blieb die ganze Nacht bei ihr.
Als ich morgens wieder aus dem Fenster steigen wollte, sah ich, dass es geschneit hatte.
RĂŒckwĂ€rts ging ich ĂŒber die GrĂŒnanlage zur Straße, legte Spuren zu allen Fenstern im ersten Stock.
Die Nonnen waren außer sich, als sie die Fußspuren sahen!

Ich kann kaum noch laufen, eine GesichtshĂ€lfte ist gelĂ€hmt, kann nicht mehr schreiben und kaum noch lesen. Es fĂ€llt mir schwer, mich zu konzentrieren, und ich bin sehr mĂŒde.
Noch kann ich denken.
Warum musste das gerade mir passieren?

Besuch kommt kaum noch. Was sollten Menschen auch mit einem Mann wie mir anfangen, der nur dasitzt, trĂŒbsinnig, kaum noch verstĂ€ndlich reden kann.
Ella versucht Zuversicht vorzutĂ€uschen, zeigt sich fröhlich, alles wird wieder gut sein. Aber ich sehe, welche MĂŒhe sie das kostet. Sie umsorgt mich wie ein kleines Kind.

Heute ging es Rainer etwas besser, er konnte reden, ich konnte ihn verstehen.

„Erinnerst du dich noch, als wir zusammen in Portugal am Meer waren?“, fragte er mich.
„Ja, es war Sommer, eine Bullenhitze.“
„Erinnerst du dich auch an die alte Frau, die da saß, am Strand, im Sand, auf einem Handtuch und auf das Meer schaute?“
„Ja, sie war schon sehr alt und allein.“
„Sie schaute aufs Wasser, als wenn sie etwas finden wollte, was sie verloren hatte oder etwas finden wollte, was sie bisher nicht gefunden hatte. Ich glaube, sie wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte. Ich möchte auch noch einmal raus, am Meer sein, Vögel fliegen sehen, aufs Wasser schauen und trĂ€umen.“

Ich habe einen Rollstuhl gekauft, kann damit mit Rainer spazieren gehen. Er muss dann nicht immer im Bett liegen, kommt mal aus dem Haus, kann endlich einmal wieder etwas anderes sehen.

Spazieren werde ich jetzt gefahren, sitze in meinem Rollstuhl wie ein Greis. Wir setzen uns manchmal in ein Café und die Leute starren mich an, sehen meine unkontrollierten Bewegungen, Zuckungen , meine HÀnde, wie sie zittern.
Ich kann mich kaum noch auf etwas konzentrieren, kaum noch atmen, verliere Erinnerungen und manchmal das Bewusstsein.
Gefangen bin ich, gefangen in meinem Körper, allein, fĂŒhle fast nur noch wie ein Tier.

Es geht ihm schlechter, Schmerzen. Er kann kaum noch schlucken, kaum noch reden. Es gibt Augenblicke, in denen er mich nicht mehr kennt.
Er kann nur noch mĂŒhsam atmen, irgendwann wird er ersticken.


Es ist kalt, frĂŒh am Morgen, wir verlassen unser Haus am Meer. Ich schiebe ihn in seinem Rollstuhl.
Vögel fliegen ĂŒber uns, aber er kann seinen Kopf nicht heben, nicht nach oben schauen, hören kann er sie vielleicht.


Ich höre Vögel, ĂŒber mir fliegen sie, ich kann sie nicht sehen. Ich schaue zum Meer hinunter, sehe sie jetzt, sie schweben zum Meer hinunter, mĂŒhelos, sie sind frei.
Fliegen mĂŒsste ich können, von allem davonfliegen, zurĂŒck fliegen, alles von weit oben sehen, klein und unscheinbar, unwichtig. Dann wĂ€re ich frei.
Ich schaue sie an, sie kniet vor mir, schaut mich an.
Ich will ihr sagen, dass es eine schöne Zeit mit ihr war, dass ich sie immer noch so liebe wie am ersten Tag, vielleicht noch viel mehr, dass sie die vielen guten Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit behalten soll, aber meine Lippen bewegen sich nicht, mein Mund gehorcht nicht mehr.
Ihre Augen sehen mich machtlos an, sehen wie ich in Einsamkeit versinke.

Ich schaue ihn an, knie vor ihm, vor seinem Rollstuhl, umfasse seine Beine, sehe wie er mĂŒhsam atmet, mich verzweifelt anschaut, mir etwas sagen will.
Ich stehe auf, streichle sein Gesicht, schiebe ihn an der Rand des Felsens und stoße den Rollstuhl vorwĂ€rts.


Ich kann fliegen...


Version vom 13. 06. 2008 05:37
Version vom 14. 06. 2008 11:44
Version vom 27. 07. 2008 18:14
Version vom 01. 09. 2008 23:02
Version vom 06. 11. 2008 06:53

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Retep
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Hallo Larissa,

ĂŒber deinen Kommentar habe ich mich sehr gefreut. Vielleicht ein bisschen zu viel des Lobes!
Er kam gerade zur richtigen Zeit.
Die Geschichte wurde zum ersten Mal ziemlich negativ beurteilt:

- ich sei zwar der deutschen Sprache mÀchtig, was Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung angehe, die Idee sei gut,

aber:

- die sprachliche Umsetzung sei "mau, lau, flau", entsprÀche dem "Hausaufsatz eines ZehntklÀsslers",

- die ErzÀhlung habe wenig "Abwechslung", nicht "stilvoll Eigenes" sei im Text zu finden,

- es handle sich um ein durchschaubares Strickmuster,

- die Protagonisten wĂŒrden ihre SĂ€tze "floskenhaft monologisch leiern"

- meine AusfĂŒhrungen ĂŒber die Krankheit des Protagonisten seien ein "schwammiges Produkt", ich hĂ€tte keine Recherchen gemacht. (Ich habe Recherchen gemacht und habe lĂ€ngere Zeit mit solchen Patienten zu tun gehabt!)

- usw.

Also nochmals vielen Dank, deine Beurteilung der Geschichte hat mich wieder ein bisschen "aufgerichtet".

Ich wĂŒnsche dir einen wunderschönen Tag.

Gruß

Retep

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bluefin
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Registriert: Not Yet

hallo @retep,

wie @marens bin auch ich der meinung, dass die sternchen mehr stören als nĂŒtzen: entweder ist der text so verworren, dass man ihn "ohne" nicht verstĂŒnde (sei versichert: er ist es nicht!), oder der leser ist zu bequem und zu obeflĂ€chlich. es hĂ€tte also gar keinen grund gegeben, da etwas zu brandmarken.

felder wie das von dir gewĂ€hlte sind ziemlich "vermint", weil sie schon von (fast) jedem ĂŒberquert wurden und deren hinterlassenschaften nun ĂŒberall herumliegen. du hast es vermieden, in die gröbsten haufen hineinzusteigen, indem du ziemlich sachlich geblieben bist, statt nur auf die gefĂŒhlstube zu drĂŒcken. allerdings bleiben dadurch die protagonisten ziemlich blass; ein bisschen liest es sich wie ein krankenbericht: fortschritt von ausfallserscheinungen, aus zwei perspektiven geschildert.

was mir ein wenig fehlt, ist der wirkliche beschrieb des verlustes, um den's ja eigentlich geht, oder? der siechende resĂŒmiert mehr oder weniger verbittert, und seine begleiterin stĂŒrzt ihn den hang hinunter - wovon befreit sie ihn (oder sich)? von der krankheit und vom pflegeelend? oder vom nichts sagenden lenbenslauf, dessen höhepunkte scheinbar die urlaubsreisen waren?

du hast einen guten erzĂ€hlstil, gute sprache und gute ideen. das verpflichtet, mein lieber. körperlicher verfall und tod allein sind keine echten herausforderungen fĂŒr einen guten erzĂ€hler - du kannst bestimmt viel mehr als nur "knipsen".

lg

bluefin

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Retep
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Hi bluefin,

zunĂ€chst einmal vielen Dank, dass du dich so ausfĂŒhrlich mit dem Text beschĂ€ftigt hast.

- Wenn jemand die Geschichte besser mit "Sternchen" versteht, setze ich sie gerne hin, hoffe, dass andere dadurch nicht zu stark behindert werden.

-

quote:
felder wie das von dir gewÀhlte sind ziemlich "vermint",

Das sehe ich auch so, man kann fast nichts schreiben, was nicht irgendjemand schon vorher geschrieben hat, man kann nur versuchen, es anders zu schreiben, was nicht immer gelingt. (zumindest mir nicht)


-
quote:
allerdings bleiben dadurch die protagonisten ziemlich blass; ein bisschen liest es sich wie ein krankenbericht: fortschritt von ausfallserscheinungen, aus zwei perspektiven geschildert.

Ob die Personen blass bleiben, hÀngt wohl auch vom jeweiligen Leser ab, nicht nur vom Autor.
(Dass man das besser machen könnte, ist mir schon klar)


Ja, es ist ein Krankenbericht, aus zwei Perspektiven ohne GefĂŒhlsduselei geschildert, wie ich hoffe, aber ich dachte, der Leser könnte sich einfĂŒhlen, mitfĂŒhlen.

-
quote:
wovon befreit sie ihn (oder sich)? von der krankheit und vom pflegeelend? oder vom nichts sagenden lenbenslauf, dessen höhepunkte scheinbar die urlaubsreisen waren?

Sie befreit ihn vor einem langsamen Dahinsiechen und endlich
vor einem qualvollen Tod. ( Ersticken ist wohl nicht so angenehm.) Ich nahm an, dass der Leser dies aus dem Text entnehmen könnte.

WĂŒnsche dir einen wunderschönen Tag.

Gruß

Retep

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

Fliegen

hallo retep,
die geschichte ist gut geschrieben und hat mich sehr angerĂŒhrt.

allerdings habe ich den eindruck, dass hier ungefÀhr drei mögliche nervenkrankheiten, die ich zum teil bei bekannten miterlebe, vermischt sind, da m.e. die symptome nicht ganz zusammenpassen bzw auch nicht in dieser reihenfolge. du sagtest, du hÀttest das krankheitsbild recherchiert...

liebe grĂŒĂŸe suzah

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Estrella fugaz
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Hallo Retep,

wow! Der Titel Fliegen verfĂŒhrte mich, diese ErzĂ€hlung zu lesen, sie hat mich mitgerissen. Ich bin ergriffen. Dieses sich gegenseitig schonen wolllen, die Wahrheit zu verschweigen, den Partner nicht unnötig belasten, das hĂ€ngt wohl mit Liebe zusammen.

Dein ErzÀhlstil - beide kommen zu Wort - gefÀllt mir sehr. Der Schluss war unerwartet und wurde dem Titel gerecht. GÀnsehautfaktor!

Anerkennenden Gruß,
Karin
__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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