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Leselupe.de > Erzählungen
Flugstunde
Eingestellt am 24. 02. 2003 23:06


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doktordigitalis
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Registriert: Jun 2001

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Das erste was Olaf hörte, waren Palmzweige, die an die Windschutzscheibe klatschten. Er spürte ein Lenkrad in seinen Händen und sah die Erde rasend schnell auf sich zukommen. Er musste eingenickt sein. Nach 5 Flaschen Arak mit seinem Freund Helge waren sie ins Auto geklettert und hatten sich auf die hügelige Strecke zu ihrer Hütte gemacht. Die Kurve in der sie rausflogen, kannte Olaf gut. Und genau hier musste er kurz vorher am Steuer eingenickt sein.

Sein Körper versteifte sich in Panik, er streckte die Arme durch, und trat mit einem Reflex auf die Bremse, was angesichts der zu erwartenden Bruchlandung wenig änderte. Himmel, wie tief war denn der Abgrund? Ein Gedanke blitze durch sein Gehirn: Flugstunde!

Dann zerriss ein ohrenbetäubendes Scheppern seine Wahrnehmung, Glassplitter flogen, und sie wurden durch den Wagen geschleudert und hart an die Karosse gepresst. Sie krochen aus dem Wrack, und atmeten benommen die warme Luft. Sie hatten es überlebt!

Olafs erster Gedanke war, nichts wie weg hier. Er zog Helge am Hemd und sie stolperten in der tropische Dunkelheit über Büsche, schrammten sich an Felsen die Arme auf, und kamen fluchend zurück zu ihrer Hütte. Noch bevor sie in einen besinnungslosen Schlaf fielen, hatte Olaf Helge die Geschichte mit dem großen Unbekannten eingebläut.

Am nächsten Morgen weckte sie die Sirene des Polizeiautos, welches störend direkt vor ihrer Veranda hielt. Als die Polizisten aus dem Auto sprangen, war Olaf schon in seiner Hose und warf sich ein Hemd über. „Laß mich reden, O.K.?, rief er dem verkatert-besorgt zum Fenster blinzelnden Helge zu.

In gebrochenem Englisch erklärte der Captain mit der schweren blauen Mütze, dass man ihren Leihwagen unten am Strand gefunden hätte - 15 Meter unterhalb der Straße, total demoliert und ohne Personen. Was sie darüber wüssten....

Helge kam auf die Veranda mit blutverschorfter Nase. Er nickte stupide zu Olaf´s Erklärungen. „Yes, I remember this Australian....“

„Alien?“, fragte ungläubig der Polizist. „Which Alien“
„No, Australian, You know, from Australia. We drank this favourite Arak all night long, and in the end he wanted to drive us home, because he said, he could drive.”

“And”, fragte ungeduldig der Polizist. „What happened ?”
“We don´t exactly remember”, Olaf wollte sich am Kopf kratzen, bekam die Arme aber nicht hoch genug und sagte mit schmerzverzerrtem Gesicht „He started to drive and he was doing fine, so we must have been falling asleep.”

“And”? Der zweite Polizist war jetzt ungehalten dazwischen gegangen. Sein Boß hielt ihn mit einer Handbewegung zurück. „And?“ wiederholte er amtlich.

„Well first thing I remember was a big crash with the Car, which was terrible and I think it was dangerous, was´nt it? “ “Dangerous? ” schrie nun der Captain. “You could have drop dead!”

“Really?” Helge war heruntergekommen und, das Redeverbot missachtend, sagte er:
“When we got out of the car, the guy ran away – and we too! We where afraid, the car start to burn!“ Olaf schaute gebannt auf den Gesichtsausdruck des schnauzbärtigen Polizisten. Jetzt würde sich entscheiden, ob er ihnen die Geschichte abkaufte.

„And You have no name, no adress from this man?” “No, but we wanted to meet tonight at the Bar Lolita. Officer, tell us, what will happen to the car?”

“O.K. I tell You! We wait tonight for the Australian Alien at the Bar Lolita. And if he is not coming, …you´ll be in trouble! ” “O.K., Officer, thanks a lot. Good bye”
Sie winkten schlaff dem anfahrenden Wagen nach und lasen sich gegenseitig ihre Besorgnis aus dem Gesicht.

„Meinst du, er wird es schlucken?“ fragte Helge matt. Olaf hatte sein Grinsen wiedergewonnen. „Ich denke, ja.“, sagte er und rieb sich die schmerzenden Arme. „Ich mach erst mal einen Kaffee“, seufzte Helge und schlenzte in die Küche.
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Der Abend war unerquicklich, aber da mussten sie nun durch. Der Captain saß mit zunehmend mürrischerem Gesicht an einem Seitentisch, spähte ununterbrochen zur Eingangstür, und quälte seinen Untergebenen mit boshaften Scherzen, die Olaf nicht verstand, wann immer er sich von ihrem Tisch in der Mitte der Bar erhob, um auf dem Weg zum Klo Fragen zu beantworten.

Das alles geschah äußerst heimlich, oder zumindest meinte das der Captain, während das ganze Dorf über den Vorfall sprach, und Olaf und Helge hochleben ließen. Er sah missmutig mit an, wie den beiden Runde um Runde ausgegeben wurde, währen er sich zurückhalten musste, und nur dem Kellner heimlich Zeichen geben konnte, Wein zu bringen.

Als Olaf wieder an seinem Tisch vorbeikam, hielt ihn der Polizist am Arm fest und sagte vorwurfsvoll: „Your Australian friend is not coming, eeh?“ Olaf zog bedauernd die Schultern hoch. „Maybe, he´s afraid to come.” “Yes, or maybe there is no Australian at all, and You were lying to me.” “But, Officer, we told You the truth. You can ask the bartender about last night”. Der Barmann war natürlich eingeweiht, und aus ihm konnte er nichts heraus bekommen. Manchmal haßte er seinen Job.

“The car is totaly damaged , you must pay much money”, sagte er zu Olaf, der sich jetzt aufstützte und leise fragte: „How much?” “Thousandfivehundred “, bellte ihm der Schnäuzer entgegen.

Olaf schlich zu Helge zurück, der ihn grinsend fragte: „ Na, wie viel hat dich die Flugstunde gekostet?“.
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Am nächsten Morgen gingen sie in die Kommandatur, handelten den Preis runter auf 150 Dollar, und sprangen dann beherzt in ein Taxi zum Flughafen.

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doktordigitalis

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