|
Forentext „Tagebuch“
Willkommen, liebe Freunde des literarischen Tagebuchs.
Interessenten finden hier Informationen zur Geschichte des Tagebuchs: Hier klicken
Der erste Impuls, diese zunächst geheim gehaltenen Aufzeichnungen zu beginnen, ist nicht selten gleichzeitig der erste zarte Schritt Richtung selbst motivierten Schreibens jenseits von Briefen und Schulaufsätzen. Oft handelt es sich thematisch um Begebenheiten, die uns neu sind, für die wir noch keinen Ansprechpartner haben. Das versieht sie mit einer gewissen Brisanz und verleiht ihnen Geständnischarakter – zumindest in der eigenen Wahrnehmung.
Prädestinierter Leser des Tagebuchs ist also zunächst die eigene Person. Diese zugrunde liegende Spaltung unserer selbst in Schreiber und Leser ist vielleicht das wichtigste Merkmal dieser Form der Aufzeichnung, die ich vorsichtig als eine gesunde Form von Egozentrik bezeichnen möchte. Darüber hinaus wage ich, zu behaupten, dass bereits in jedem ersten dieser vermeintlich zum Selbstzweck aufgezeichneten Worte der Wunsch steckt, das Licht der großen weiten Welt zu erblicken. Sonst könnte das Ganze auch als Selbstgespräch abgehandelt werden. Und genau hier sehe ich die „Literarische Schnittstelle“. Den Abzweig vom persönlichen Tagebuch zum literarischen markiert die Frage: „Wen, außer mich selbst (und eventuell im Text erwähnte Personen), könnte dieses Stille-Kämmerchen-Geschreibsel sonst noch interessieren?“ - und natürlich der Wunsch nach unbändig motivierenden Antwortrufen: „Mich!“ „Mich!“ „Mich auch!“
Legen wir uns also ausgezeichnet schreibend ins Zeug!
Entwickeln wir einen unverwechselbar guten Stil.
Verpacken wir ein Thema so geschickt, dass es den persönlichen Rahmen sprengt.
Schreiben wir ein beliebiges fiktives Tagebuch derer, die wir schon immer mal sein wollten.
Bringen wir eine Alltäglichkeit aus völlig ungewohntem Blickwinkel.
Starten wir die Olympiade der skurrilsten gewagten Gedankensprünge.
Machen wir unsere Schubladenhüter zu Lesefieber-Kurvenpushern!
Bei der Kritik und Beurteilung der in diesem Forum vorgestellten Beiträge wünsche ich mir das Feingefühl seitens der Leser, ausschließlich die literarischen Qualitäten und Schwächen eines Textes unter die Lupe zu nehmen. Naturgemäß stimmen im Tagebuch lyrisches Ich und Verfasser häufig überein (mit Ausnahme fiktiver Tagebuchtexte). Verhaltensweisen und Charaktermerkmale, geschweige denn die Gesamtheit der Persönlichkeit Einzelner, stehen daher (und nicht nur hier) nicht zur Debatte.
Es ist ein entscheidender erlaubter Unterschied, festzustellen, ein Text sei langweilig. Einen Tagebuchschreiber als langweilig zu titulieren, verstößt gegen die Netiquette.Hier klicken
Lyrische Tagebuchtexte sind genauso willkommen wie prosaische. Außerdem möchte ich noch folgende Vertreter der Gattung erwähnen:
Traumtagebuch
Krisentagebuch
Reisetagebuch
Zum guten Schluss noch einige mehr oder weniger berühmte Vorbilder:
zeitgeschichtlich
Tagebuch der Anne Frank
Hier klicken
philosophisch
Paul Valéry, Cahiers
Hier klicken
trivial
Die Tagebücher der Anaïs Nin
Hier klicken
zeitgenössisch
Tagebuch eines Nichtrauchers
Hier klicken
lyrisch
Aus dem Tagebuch eines Bettlers, Joachim Ringelnatz
Hier klicken
Allen Schreibenden und Lesenden viel Vergnügen im Forum „Literarisches Tagebuch“ und
liebe Grüße von
Elke (ENachtigall)
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.
|