Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87780
Momentan online:
321 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Freistunde
Eingestellt am 23. 01. 2003 09:42


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
Kommentare: 81
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

"Warten Sie auf jemanden?"
Der junge Mann fuhr herum, als habe man ihn bei etwas ertappt. "Ich? Nein. Ich meine: Doch. Ich m├Âchte ..."
Die Frau mit der altmodischen Aktentasche auf der H├╝fte und den sichtlich gef├Ąrbten Haaren erwartete eine Antwort, geduldig, aber bestimmt, wie sie es gewohnt war. Die Klinke der Lehrerzimmert├╝r hielt sie bereits in der Hand.
"... zu Herrn Guthard", sagte der Mann schlie├člich, als beantworte er eine Biologie-frage, mehr geraten als gewusst.
"Und Sie sind wer?"
"Ein Sch├╝ler", war die knappe Antwort, und um einem Missverst├Ąndnis vorzubeugen f├╝gte er hinzu: "Ein ehemaliger."
"Verstehe", nickte die Lehrerin g├Ânnerhaft. "Er wird sicherlich gleich zur gro├čen Pause reinkommen. Ich sag ihm dann Bescheid, ja?" Sie verschwand. Die schwere T├╝r wuchtete gegen einen ├╝berh├Ąngenden Lederriemen.
Der junge Mann wandte sich wieder um. In einem von Fingern verschmierten Glaskasten hingen Linol-Drucke aus. Auf einem Schildchen stand ÔÇÜKlasse 6c'. Doch das las er nicht. Er entfernte eine Fluse von dem anthrazitschwarzen Stoff seiner Hose, r├╝ckte die Krawatte zurecht, zupfte an der Weste. Schlie├člich nickte er seinem Spiegelbild entschlossen zu.
Ein elektronisch knarzender Dreiton erklang. Kurz darauf brandete Unruhe wie eine Sturmflut aus den Klassenzimmern. Der Strom rauschte in beide Richtungen an Thomas vorbei. Turnschuhschlurfen, Markenklamottenwetzen, Zickengebrabbel und pseudocooles Pubert├Ątskieken schleppte sich durch die G├Ąnge. Gerempel, Kreischen, erhobene Mittelfinger. Ein Rucksack schleifte wie ein Curlingstock ├╝ber den Boden und rammte gegen einen der niedrigen Heizk├Ârper, auf die Sitzbankauflagen montiert waren. Der junge Mann wurde mit absch├Ątzenden Blicken registriert. M├Âglicherweise als ÔÇÜirgend so ein ├älter-als-wir-Typ, der rumspannt'. Mehrere Teenager brabbelten in einer mit Anglizismen gespickten Sprache. ├ťber Musik nahm der Fremde an. ├ťber Interpreten, die er niemals kennen, geschweige denn sch├Ątzen lernen w├╝rde.
Er verkniff den Mund, bevor ihm das andauernde Verlegenheitsgrinsen das Gesicht verkrampfte. Scheinbar interessiert widmete er sich einem anderen Schaukasten.
"'Kleider machen Leute' - Ein Theaterprojekt der Klasse 5a, Theodor-Fontane-Realschule. Premiere am 09. Mai 2002 um 18.30 Uhr." Darunter Fotos von mehr und weniger teilnahmslos auf einer B├╝hne stehenden Kindern und mies kopierte Presseartikel, geschrieben von lesbar gelangweilten Lokalreportern.
"Sie wollen zu mir?"
Thomas erkannte das Timbre sofort wieder. ÔÇÜEr m├╝sste jetzt um die f├╝nfundvierzig sein', fuhr ihm durch den Kopf. Dann richtete er sich auf und wandte den Blick der Lehrerzimmert├╝r zu. ÔÇÜEigentlich' f├╝gte er in Gedanken hinzu.
Der Lehrer schritt ihm entgegen. "Sie sind der Ehemalige?"
"Ganz recht, Herr Guthard", grinste Thomas breit. Ein wenig fahrig wechselte er sein Jackett auf den anderen Arm und streckte die rechte Hand aus. "Kennen Sie mich noch?"
"Warten Sie." Er hielt die Hand des jungen Mannes fest. Hinter der Brille verengten sich die kleinen Schweinsaugen, zwischen buschigen Brauen runzelte sich die Stirn. "Maas ... Maas, Maas, irgendwas mit Maas? Feld?"
"Nein, Mann."
"Mann. Richtig." Endlich lie├č er die Hand los. Der Zeigefinger des P├Ądagogen fegte durch die Luft. Sein Lachen klang etwas luftlos "Sieht man ja auch, dass Sie einer geworden sind."
ÔÇÜGute G├╝te' huschte es durch den Kopf des fr├╝heren Sch├╝lers. ÔÇÜSein Humor ist nicht besser geworden.'
"Andreas, nicht?"
"Thomas."
"Thomas. Genau. Tjaja, so hie├čen viele. Aber Maasmann, Thomas. Klar." Er tippte sich an die hohe Stirn. "Darauf h├Ątte ich kommen m├╝ssen. Ich musste den Namen ja h├Ąufig genug ins Klassenbuch eintragen, nicht wahr?" Wieder dieses Keuchen. Der junge Mann versuchte ebenfalls ein Lachen. Es gelang nur m├Ą├čig. "Sind Sie zu Besuch hier?"
F├╝r einen Moment war Thomas irritiert. Irgend etwas erschien ihm verkehrt. "Ja, ich ... ich war grad in der N├Ąhe und dachte mir, schau doch mal rein und guck, ob's den alten Guthard noch gibt."
"Ja-a, noch gibt es den", betonte der Lehrer seltsam. Sein L├Ącheln ver├Ąnderte sich kaum. Nur unter den Schweinsaugen zuckte es kurz. Thomas klickte ein Schlucken durch den Hals. ÔÇÜIdiot', schalt er sich in Gedanken.
"Nun", Guthard trat einen Schritt zur├╝ck und musterte den jungen Mann von oben bis unten. "Sie haben es zu etwas gebracht, wie ich sehe." Er nickte anerkennend.
Der Ehemalige zuckte bescheiden mit den Schultern. "Na ja, Arbeit im Au├čendienst macht sich recht gut bezahlt. War eben bei'nem Kunden."
"Ja-a, da muss man schon adrett daherkommen. Das versteht sich." Der ├ältere schaute auf seine Armbanduhr. "Wenn ich mich nicht irre, habe ich laut Plan jetzt gleich eine Freistunde. Haben auch Sie Zeit? Oder m├╝ssen Sie gleich zum n├Ąchsten Kunden?" Er blickte freundlich zu dem jungen Mann auf und wartete dessen Antwort gar nicht erst ab. "M├Âchten Sie einen Kaffee mit mir trinken?"
Thomas tat, als m├╝sse er kurz ├╝berlegen. "Klar. Gern."

Das Lehrerzimmer. - Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals hier drin gewesen zu sein und ihm wurde etwas mulmig. Einst war es weitgehend unerforschtes Gebiet, der Olymp hinter der T├╝r mit dem Lederriemen und dem verwinkelten Flurgang, den man nicht einsehen konnte. Verbotene Zone. Top-Secret-Kammer. Inbegriff so schrecklicher Begriffe wie Klassenbuch, Zeugniskonferenz oder Lehrerversammlung. Wer hier hinein durfte, ohne an der T├╝r warten zu m├╝ssen oder in Empfang genommen zu werden, nahm das D├╝rfen nicht mehr als Ehre wahr. Er wagte sich in die L├Âwengrube. Und nun sa├č er mitten im Rudel.
Das Lehrerzimmer. Einfache M├Âbel von ausschlie├člich praktischen Nutzen und bar jeglicher Heimeligkeit. Schr├Ąnke mit einem Fach f├╝r jeden Lehrk├Ârper. Lange Tische mit seit Amtsantritt festgelegten Pl├Ątzen, hier und dort mit Nachrichten f├╝r abwesende Kollegen best├╝ckt, meist unterschrieben von der Sekret├Ąrin. Kaffeetassen mit braunschlierigem Innen und Motiven, um sie auseinanderhalten zu k├Ânnen. Prall gef├╝llte Ordner, offene Taschen mit Kulihaltern, Jacken mit roten Schleifchen an Sicherheitsnadeln, Frauenkalender mit Aufklebern. ÔÇÜHast du dein Kind heute schon gelobt?' Kekse zur allgemeinen Verf├╝gung auf Tellern mit Servietten vom letzten Weihnachten. ÔÇÜVon wann sind dann wohl die Pl├Ątzchen?', fragte sich Thomas h├Ąmisch.
Als er direkt beim Fenster auf einem der gr├╝ngepolsterten St├╝hle Platz nahm, entschuldigte sich Herr Guthard, er m├╝sse kurz mal auf die Toilette und Thomas fiel pl├Âtzlich auf, dass er nie einen Lehrer beim Pinkeln gesehen hatte.
Von den P├Ądagogen, die sich hier w├Ąhrend der zehn Minuten Waffenstillstand von ihrer letzten Stunde zu erholen versuchten, kannte Thomas kaum ein Viertel. Und von den vier oder f├╝nfen, bei deren Begegnung ihm hei├č und kalt zugleich geworden war, wollte er nicht unbedingt erkannt werden. Er hielt nach Frau Gerling Ausschau. Bei ihr hatte er Biologie gehabt und hatte sie noch als Referendarin erlebt. Aber er konnte sie nicht entdecken. Statt dessen sah er Stretzer, den Hetzer, der sein Sport- und Mathelehrer gewesen war. ÔÇÜVor zehn Jahren', musste der Ehemalige sich selbst erinnern. Der Mann mit dem schwei├čgl├Ąnzenden Gesicht hatte sich bei Betreten des Raumes gleich eine Zigarette angez├╝ndete, wobei ihm so die H├Ąnde zitterten, dass es verwunderlich war, dass er das Ende des Glimmst├Ąngels traf.
Thomas hatte sich immer gefragt, weshalb das Lehrerzimmer stets als unbegehbare Bastion gehalten worden und nur von Sch├╝lersprechern zu betreten war. Nun kam er allm├Ąhlich dahinter. Im Olymp wurden die G├Âtter menschlich.
Nebenan rauschte die Toilettensp├╝lung. Allm├Ąhlich lichtete sich der gro├če Raum. Ausladende Taschen wurden auf die H├╝ften gestemmt, letzte Kekse von den Tellern geschnappt und im Hinausgehen in den Mund gestopft als seien sie kleine Happen Mut.
Guthard ging in die Minik├╝che. Sein gebeugter R├╝cken war noch zu sehen. Hinten hing ihm noch das Hemd aus der Hose. Geschirr klapperte. ÔÇÜImmerhin: Er ist echt geblieben', dachte Thomas. ÔÇÜDie ├╝berdeutlich korrekte Aussprache, als diktiere er st├Ąndig. Selbst wenn er eine harmlose Frage stellt, dr├Ąngt der Instinkt trotzdem die Daten der Weimarer Republik in abrufbare Reichweite. Doch wie hat er es geschafft, in zw├Âlf Jahren um mindestens zwanzig zu altern?' Da erinnerte er sich an den Krawall auf dem Flur, an die missg├╝nstigen Blicke und ausgestreckten Mittelfinger. Sie hatten fr├╝her selbst Sp├Ą├če hinter seinem R├╝cken gemacht. ÔÇÜGut hart' erm├Âglichte allerlei obsz├Âne Wortspielchen, ├╝ber die sich jeder Pubertierende am├╝sieren kann. Frau Busse, die Thomas ebenfalls fl├╝chtig gesehen hatte, schien mit all dem besser umgegangen zu sein. Vielleicht hatte sie aber auch nur gelernt, Resignation mit L├Ąssigkeit zu ├╝bert├╝nchen. Nein, sie waren nicht die Alten geblieben. Sie waren noch ├Ąlter geworden.
Er versuchte sich mit einem Fensterblick auf den Vorplatz der Schule abzulenken. Etliche Sch├╝ler verlie├čen das Geb├Ąude. Thomas fragte sich, ob sie immer noch in dem kleinen Edeka an der Ecke Schokoriegel klauten? Wahrscheinlich waren es jetzt eher Red-Bull-Dosen, die mitrei├čenden Absatz fanden.
Der Dreiton k├╝ndigte den Beginn der n├Ąchsten Schulstunde an und das Zimmer hatte sich bis auf sie beide v├Âllig geleert. Guthard stellte ein Tablett mit Tassen und einer Thermoskanne mit IKEA-Preisschild ab. Dann lie├č er sich ├Ąchzend in den Stuhl fallen. "Eigentlich wollte ich einen Stapel Klassenarbeiten korrigieren, aber ..." Er winkte ab. "Wir von der z├Ąhen Garde freuen uns immer, wenn Ehemalige vorbeikommen; f├╝r uns ist dies meist die einzige M├Âglichkeit, um zu sehen, ob unsere Bem├╝hungen Fr├╝chte tragen. Nun nehmen sie erst einmal. Milchpulver steht da."
Thomas bediente sich und das Pulver bew├Âlkte das tiefe Schwarz in seiner Tasse. Ihm war klar geworden, was ihn die ganze Zeit irritierte. "Herr Guthard, w├╝rden Sie mir einen Gefallen tun? ... Sie haben mich immer geduzt."
Der Lehrer l├Ąchelte, als habe er mit so etwas gerechnet. "Haben sie eines Ihrer Schuljahre wiederholt?"
"Ja." Thomas blinzelte irritiert. "Eins."
"Dann waren Sie ungef├Ąhr siebzehn, als Sie abgegangen sind. Heute siezen wir die Sch├╝ler ab sechzehn Jahren. Allerdings in Verbindung mit dem Vornamen." Er zuckte mit den Schultern. "Anweisungen von oben. - Sonst gew├Âhnen Sie sich ja nie daran." Sein Schweine├Ąuglein zwinkerte.
Der junge Mann l├Ąchelte verkniffen. "Es ist ... ungewohnt. So haben Sie mich nie angeredet."
"Gut, dann mache ich Ihnen eine Vorschlag. Du duzt mich auch."
Thomas zuckte zusammen. Von jemandem mit ÔÇÜSie' angesprochen zu werden, der ihm seit sechzehn Jahren bekannt war, war eine Sache, aber eine einstige Respektsperson pl├Âtzlich duzen zu sollen, eine andere. Er hatte pl├Âtzlich das Gef├╝hl unglaublich d├Ąmlich und verzweifelt aus der W├Ąsche zu schauen.
"Nun, wie ich merke, Thomas, bleibt alles beim neuen." Guthard kicherte keuchend. "Aber nun erz├Ąhlen Sie. Was machen Sie so?"
"Handelsvertreter", antwortete der ehemalige Sch├╝ler schnell.
"Ah." Guthards Brauen r├╝ckten in die Stirn. Thomas nickte. "F├╝r welche Firma?"
"Saeco. Wir vermieten Automaten. Getr├Ąnke, Snacks und so weiter."
"Wir haben einen vorne im Eingangsbereich stehen. Hat den auch Ihre Firma aufgestellt?"
"Wir liefern nat├╝rlich auch an Schulen. Gut m├Âglich, dass der von uns ist. Aber, ehrlich gesagt, genau wei├č ich's nicht."
"Dann sind Sie sicher viel unterwegs, haben viel mit Menschen zu tun."
Thomas erinnerte das an seine Praktikumsvorbereitung in der achten Klasse. "Ja, klar. St├Ąndig."
Der Lehrer runzelte die Stirn. "Wo hat Saeco seinen Sitz?"
"In ..." Ein unmerkliches Zucken glitt ├╝ber das Gesicht des fr├╝heren Sch├╝lers. Seine Hand griff in Richtung Keksteller. "Darf ich?" Guthard zeigte eine auffordernde Geste. "G├╝tersloh", antwortete Thomas endlich und biss von dem Geb├Ąck ab. Kokosflocken rieselten in seine untergehaltene Hand. "Da wohne ich jetzt auch." Er verharrte. "Kennen sie Saeco?"
"Wenn Sie in Wahrheit f├╝r ein Verkaufsgespr├Ąch hier sind, Thomas, bin ich sicher der falsche Ansprechpartner. Wenn Sie jetzt von Bertelsmann k├Ąmen ..."
Der junge Mann wollte schnell abwiegeln, schaute den Lehrer dann aber nur verwirrt an. "Bertelsmann?"
"Der gro├če Verlagskonzern in G├╝tersloh, direkt an der A2. Fr├╝her d├╝rften Sie ├╝ber den Exemplaren geb├╝ffelt haben - und heute mit dem Auto st├Ąndig daran vorbeifahren, wenn Sie so oft unterwegs sind."
"Ach so. Bertelsmann. Ja. Klar."
Guthard l├Ąchelte seltsam. "G├╝tersloh ist nicht gerade um die Ecke. Wirklich freundlicher von Ihnen mal bei uns hereinzuschauen. Sagen Sie, haben Sie denn auch eine eigene Familie?"
Thomas griff in die Innentasche seines Jacketts und holte einen ├╝ppigen Umschlag mit Fotos hervor. Lehrer Guthard h├Ârte aufmerksam zu, zeigte sein mildes L├Ącheln und betrachtete genauestens jede einzelne Aufnahme, die ihm auf dem Tisch vorlegt wurde. Die Bilder waren recht abgegriffen.
"Sie zeigen sie wohl sehr h├Ąufig."
"Oh ja, meine Familie hab ich immer bei mir. Gerade auf Gesch├Ąftsfahrten."
Seine Frau Konstanze habe er im Urlaub kennen gelernt. Vor sechs Jahren auf den Bahamas. Und ein Jahr sp├Ąter hatten sie dort geheiratet. Seitdem fl├Âgen sie jedes Jahr wieder hin. Heute mit Kindern.
"Eine sehr h├╝bsche Frau, ihre Konstanze. Ich kann sie mir gut an ihrer Seite vorstellen."
"Oh ja, wir sind uns in vielen Dingen sehr ├Ąhnlich."
"Ja-a, das sehe ich. - Schade. War niemand da, der sie zusammen h├Ątte ablichten k├Ânnen?"
Na ja, und ihre beiden K├╝ken, Jens-Cedric und Lena-Louise, seien inzwischen schon vier und drei Jahre alt. Ein Bild zeigte lachende Kinder, die in geschwisterlicher Umarmung hintereinander im Sandkasten sa├čen. Konstanze und er h├Ątten manchmal ihre liebe M├╝he mit den beiden Rabauken. Richtige kleine Wirbelwinde.
"Vor zwei Jahren haben wir gebaut. H├╝bsches kleines H├Ąuschen. Hier, sehn Sie. Etwas au├čerhalb. Sch├Ân ruhig und so. Und unsere K├╝ken k├Ânnen im Garten spielen. Na ja, ich verdien ja nun nicht schlecht und dachte, da leiste ich uns mal was von Dauer und das war halt die Gelegenheit. Ralf, das ist mein Schwager, der hat uns geholfen ans Gel├Ąnde zu kommen und hier", er tippte auf ein Foto, "hat er uns auch beim Bauen geholfen."
Guthard nickte respektvoll. "Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu ihren damaligen Klassenkameraden?" fragte er wie beil├Ąufig, ohne den Blick von den Fotos zu lassen. Und Thomas erz├Ąhlte, w├Ąhrend er weiterhin Bild um Bild von einem auf den anderen Stapel legte. Viele seiner fr├╝here Mitsch├╝ler seien inzwischen auch verheiratet und Vater oder Mutter geworden. Von zweien wusste er, dass sie alleinerziehend waren. Tanja und J├Ârg sollten tats├Ąchlich geheiratet haben, aber auch schon wieder geschieden sein. Andre hatte sich selbstst├Ąndig gemacht; seine Homepage wirke sehr professionell. Und Antonio, der kleine Spaghettifresser, solle heute, wie Thomas geh├Ârt habe, in seinem Heimatland einige Popularit├Ąt als K├╝nstler gewonnen haben. Er sei ja damals schon so ein Spinner gewesen. Auf den Klassensprecher Boris Zeisel angesprochen meinte er geringsch├Ątzig, der sei ein kleiner Beamter. "In Oberhausen, glaub ich."
"Und Simone Erdbach?"
Guthards Frage traf Thomas so unvorbereitet wie ein Tritt in die Magengrube. "Simone?" Er starrte auf das n├Ąchste Bild, das Jens-Cedric zeigte, herzzerrei├čend pl├Ąrrend. "Was soll mit der sein?" Die Fotoecke vibrierte.
"Das wollte ich ja von Ihnen erfahren. Sie war eine sehr gute Sch├╝lerin. Auch Sch├╝lersprecherin, oder? Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie doch in der zehnten Klasse ..." - "Keine Ahnung", wurde er unwirsch unterbrochen.
"Oh." Der Lehrer kr├Ąuselte die Lippen. "Ich verstehe."
"Ich wei├č es wirklich nicht", beteuerte Thomas kleinlaut. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Sein Scheitel geriet durcheinander. "Jedenfalls nicht genau. - Sie wollte studieren. Irgendwas auf Lehramt", f├╝gte er abf├Ąllig hinzu.
"Das ist doch was. Ich muss sagen, Sie wissen recht gut Bescheid."
"Na ja, man h├Ârt so dies und das."
"Ich meine, daf├╝r, dass Sie in G├╝tersloh wohnen, ist das allerhand."
Thomas lie├č den Bilderstapel sinken und starrte auf das Preisschild der Thermoskanne. "Haben Sie denn die Einladung nich bekommen?" Guthard blickte ihn fragend an. "Das Klassentreffen. Vor ein paar Monaten oder so. Zum Zehnj├Ąhrigen. Der Zeisel hat fast die gesamte Truppe zusammentrommeln k├Ânnen. Wir warn schon alle knatschig, dass Sie nicht gekommen sind. Das ist ja'n starkes St├╝ck! Zeisel, dieser Hammel. Hat er Sie tats├Ąchlich vergessen einzuladen?"
Guthard hob die Hand, als wolle er ihn beschwichtigen. "Lassen Sie es gut sein, Thomas. Das ist schon in Ordnung. Nehmen sie es mir nicht ├╝bel, aber ich werde zu so einigen Klassentreffen eingeladen. Sagen wir, ich habe an dem Abend nicht kommen k├Ânnen, ja?"
Der fr├╝here Sch├╝ler blinzelte und l├Ąchelte dann erleichtert.
Als das letzte Foto gezeigt war, lehnte sich der P├Ądagoge behaglich zur├╝ck. Thomas nippte die kalte Neige aus seiner Kaffeetasse, stellte sie ab und blickte sein Gegen├╝ber an. Auf dem Gesicht des ├älteres zeigte sich ein Ausdruck, den er nur schwer deuten konnte. Eigentlich l├Ąchelte Guthard.
"Tja. So sieht es zur Zeit bei mir aus." Thomas hob nachl├Ąssig die Schultern. "Ich kann mich nicht wirklich beschweren, denke ich."
"Ja. So wie Sie es darstellen, d├╝rfen Sie sehr zufrieden sein", dehnte sein fr├╝herer Lehrer. "Ich fand es immer faszinierend mir vorzustellen, was aus den Jungen und M├Ądchen wird, die bei mir im Unterricht sitzen und Geschichtsdaten, Englischvokabeln und Grammatikregeln b├╝ffeln." Sein Seufzen klang ein bisschen wehm├╝tig. "Die meisten kommen nie wieder." Er schmunzelte bitter. "Vielleicht lasse ich ein paar Tests zu viel schreiben."
Thomas lachte. "Sind Ihre Tests immer noch so gef├╝rchtet? An die kann auch ich mich noch erinnern. Aber die Spick ..." Er stoppte seinen Herausrutscher zu sp├Ąt.
Doch Guthard hatte seinen bitter freundlichen Ausdruck nicht ver├Ąndert, seine Mundwinkel rutschten nur einen Deut h├Âher. "Keine Bange, Thomas, Pr├╝fungen dieser Art m├╝ssen sie nicht mehr ablegen. Und Sitzenbleiben droht Ihnen auch nicht mehr. Wenn ich alle Spickzettel von ihnen geahndet h├Ątte, die ich damals einfach ├╝bersehen habe, dann w├Ąren Sie...", er suchte nach Worten, "... Ihrer Konstanze sicherlich erst sp├Ąter begegnet. Aber so, wie sie erz├Ąhlen, scheinen Sie es ja offenbar geschafft zu haben." Sein Gegen├╝ber verklemmte unsicher den Mund und versuchte ein bescheidenes Nicken. "Wenn ich Sie so ansehe, doch, ich kann Sie mir gut als Handelsvertreter vorstellen. Das ist schon was. Und Argumentieren lag Ihnen ja schon immer. Um eine Ausrede waren Sie jedenfalls nie verlegen."
Thomas Nicken stockte, f├╝r einen Moment auch sein Atem. Sein Blick bohrte sich in die Tischplatte. "Hat einer von den anderen Sie eigentlich mal hier besucht?" fragte er ohne aufzuschauen. "Aus meiner Klasse ... meine ich."
Guthard beobachtete ihn aufmerksam. "Ab und an l├Ąsst sich der ein oder andere Sch├╝ler hier blicken. Man spielt dann mit mir das ├╝bliche, kleine ÔÇÜKennen-Sie-mich-noch?'-Quiz und obwohl es nie n├Âtig w├Ąre, spiele ich immer mit." Er l├Ąchelte g├╝tig. "Ich habe das Gef├╝hl, ihnen damit eine Freude zu bereiten. Vielleicht sehen sie das als eine M├Âglichkeit, nachtr├Ąglich dem alten Lehrer auf die Spr├╝nge helfen zu d├╝rfen. Wer aber mit wem in welcher Klasse war, das kann ich nicht mehr im einzelnen zuordnen."
Er lie├č eine Weile verstreichen. "Ich kann mich noch gut an dich erinnern, Thomas. Du hast dich oft zu mir gesellt, wenn ich auf dem Pausenhof Aufsicht hatte."
Thomas Blick steckte immer noch in der Tischplatte fest. "Ja", sagte er gedehnt und seine Stimme schien aus weiter Erinnerung in die Gegenwart zu hallen. "Sie haben sich immer mit mir unterhalten."
"Na ja, wie man es nimmt." Guthard schmunzelte. "Ich kam ja kaum zu Wort. Du hast mir diese vielen, kleinen Geschichten erz├Ąhlt, f├╝r die eine Pause immer gerade reichte. Ich habe mich oft gefragt, wieso du bei Aufs├Ątzen nie solche Phantasien entwickelt hast."
"Weil sie versagt, sobald es um etwas geht", antwortete der junge Mann leise.
"Das Problem haben viele Sch├╝ler", sagte der Lehrer.
Thomas' Stimme war kaum noch zu h├Âren. "Aber die meisten kommen dar├╝ber weg." Langsam hob er den Blick. "Irgendwann. Oder?"
Guthard sog tief und schleifend die Luft ein. "Perspektiven sind nicht immer Gl├╝ckssache, Thomas. Ein bisschen Traumtanz ist sch├Ân und gut. Ohne dem ... wo bliebe die Kreativit├Ąt? - Aber auch T├Ąnzer brauchen einen Boden unter ihren F├╝├čen." Er zwinkerte. "Wer, wenn nicht dein alter Lehrer, d├╝rfte sich sonst solche altklugen ├äu├čerungen erlauben?"
Thomas schnaubte resigniert und wandte sich zum Fenster. Den Fingernagel zwischen den Z├Ąhnen, verlor sich sein Blick irgendwo weit ab der alten Schule. So im Stuhl h├Ąngend sah er wie ein trotziger Halbstarker aus, den man nach dem Unterricht ein gef├Ąlschtes Entschuldigungsschreiben unter die Nase h├Ąlt. Guthard schwieg.
Pl├Âtzlich stand Thomas auf, griff nach den Fotos und seinem Jackett. "Ich muss los", murmelte er.
Der Lehrer schaute zur Uhr ├╝ber der T├╝r. "Ja, die F├╝nfte ist gleich vorbei." Auch er erhob sich. Der ehemalige Sch├╝ler ging um den Tisch herum und hielt dem Lehrer die Hand entgegen. "Hat mich gefreut, Sie wiedergesehen zu haben, Herr Guthard."
"Ganz meinerseits", erwiderte dieser. Thomas zuckte zusammen, als er merkte, das der Lehrer seine Hand nicht loslie├č. "Wei├čt du noch, wo sich die Jungentoilette befindet?"
Er starrte den ├Ąlteren Herrn an. "Ja", brachte er schlie├člich heraus.
"Wasch dir die H├Ąnde, bevor du gehst. Tintenflecke machen einen schlechten Eindruck auf Kunden."

Thomas verlie├č den Raum mit den von ├ľlstiften verschmierten W├Ąnden. Hinter ihm hallte der Knall der T├╝r durch den Flur.
Kurz darauf k├╝ndigte der knarzende Dreiton das Ende der f├╝nften Stunde an. Obwohl die Sch├╝ler ihr bestes gaben, sich f├╝r die Tagesendrunde noch einmal Luft zu machen, hatte der Radau gegen├╝ber der gro├čen Pause an Kraft verloren. Nur wenige beachteten den jungen Mann, der mit verzerrtem Gesicht auf das Hauptportal zumarschierte. Was jedoch einige Belustigung erzeugte, war der knurrige Laut, den der Typ von sich gab, als er an dem Getr├Ąnkeautomaten vorbeistampfte.

"Na, Wolfgang. Bist du vorangekommen?"
Vor ihm rummste eine Tasche auf den Tisch und holte seinen abwesenden Blick aus dem Fenster zur├╝ck ins Lehrerzimmer. "Hm?"
"Die Korrekturen. Hast du die Freistunde nutzen k├Ânnen. Das hattest du doch vor."
"Nee", antwortete er fahrig und nahm den roten Pelikan aus dem Mundwinkel. Das Heft legte er zur├╝ck auf den Stapel. "Nicht wirklich." Er rieb sich die kleinen Augen und sah zu der Kollegin auf. "Wo warst du in der Gro├čen?"
"Arbeit. Englisch. ├ťber zwei Stunden", gab sie knapp Auskunft. Sie lie├č die Schultern sacken und rollte mit den Augen, als habe sie selbst mitschreiben m├╝ssen und ihrem Gef├╝hl nach kein gutes Ergebnis zu erwarten. "Ach. H├Âr mal", fiel ihr etwas ein, "der Benni Delmhorn ... 9c. Du wei├čt?"
"Ja-a."
"Du bist doch Vertrauenslehrer. K├Ânntest du dich nicht mal mit ihm befassen?"
Guthard brummelte etwas Unverst├Ąndliches, was die junge Kollegin aber kaum beachtete. "Er ... er ... ich wei├č auch nicht." Sie suchte nach Worten, platzte aber pl├Âtzlich los: "Ich wei├č nicht, wie ich dem Jungen helfen soll. Er st├Ârt nicht. Im Gegenteil. Er ist rege und eigentlich total umg├Ąnglich. Lieb und nett eben. Aber in der Klasse scheint ihn niemand ernsthaft f├╝r voll zu nehmen. Ich habe ihn darauf angesprochen, ihn gefragt, ob ihn etwas bedr├╝ckt. K├Ânnte ja sein, aber: N├Â├Â. Kennst das ja. Und gerade, w├Ąhrend der Englischarbeit - wirklich, der Junge wirkte, als s├Ą├če er auf dem elektrischen ..." Sie erschrak vor dem Wort, das ihren Redeschwall gebremst hatte, wedelte stattdessen hilflos mit den H├Ąnden. "Du hast ihn doch in Deutsch, Wolfgang. Dich kennt er seit der F├╝nf. Vielleicht ist er ja zu dir ..." - "Kannst du dich noch an Thomas Maasmann erinnern?"
Sie starrte ihren ├Ąlteren Kollegen an. "Thomas Maasmann." Es klang nicht, als m├╝sse sie nachdenken. Ihre Miene versteiften sich, bl├╝hte dann aber mit einem Male auf. "Mensch, du hast recht." Sie schnalzte mit der Zunge. "Thomas war so ├Ąhnlich. Den konnte auch keiner von uns so richtig leiden. Selbst ich nicht mehr - nachher. Obwohl ich es ja wirklich ernsthaft versucht habe. Oh Gott, Thomas Maasmann." Sie kicherte mit gerunzelter Stirn. "Hat du dich beim Klassentreffen mit Boris ├╝ber ihn unterhalten? Mir sagte er, er habe Thomas mal irgendwo gesehen, ihn aber nicht angesprochen. Sei ihm zu bl├Âd gewesen."
"Ihr habt ihn nicht einmal eingeladen, nicht wahr?" Sie konnte den Vorwurf in der Stimme ihres Kollegen nicht ├╝berh├Âren.
"Nein", sagte sie bestimmt. "Auch wenn das alles jetzt zehn Jahre her ist, ich glaube nicht, dass ich ihn h├Ątte sehen wollen. Du hast ja keine Ahnung, wie Thomas ...", sie schluckte, "am Ende unserer Beziehung war."
"Stimmt. Das wei├č ich nicht."
Simone ├╝berlegte eine Weile. "Thomas hatte kaum Freunde."
"Thomas hatte ├╝berhaupt keine Freunde", verbesserte Guthard seine ehemalige Sch├╝lerin und heutige Kollegin.
"Glaubst du, dass Benni ├Ąhnliche Probleme hat?"
Der alte Lehrer zog die Schultern hoch. "Es ist nicht nur der Lehrplan, der sich wiederholt", orakelte er, und als er Simones irritierten Blick bemerkte, f├╝gte er hinzu: "Morgen in der Gro├čen. Ich werde mal mit ihm reden."

Was ist mit den
Fotos, Bruder-
Herz? Die waren
nicht geschenkt.
Gleich nachdem Thomas die SMS gelesen hatte, l├Âschte er sie. Am Gewerbegebiet stieg er aus der S-Bahn und begab sich mit energischen Schritten zu der gigantischen Halle des Wal-Marts. Bevor er ihn durch die Dreht├╝r betrat, warf er einen musternden Blick in die Glasscheibe und richtete seinen Scheitel.
"Na, endlich", maulte Kerim, als Thomas an den kleinen, rollbaren Stand kam. "Kannste mir mal sagen, wo du ..." - "Reg dich ab", wurde er br├╝sk unterbrochen. "War Mallke da?"
Der junge Iraner pfiff durch die Z├Ąhne. "F├╝rchte, du kannst dich auf was gefasst machen." Seine Stimme bekam einen parodierenden Klang. "'Wat denkt der sich? Seit zwei Monaten nur drei Scheine die Woche! Und dann nich am Stand und nur Mailbox zu erreichen! Rumpel-hier-rumpel-da!'"
"Pissfletsche", grummelte Thomas. "Warum haste nich gesagt, ich w├Ąr in'er Pause?"
"Was sollt ich denn machen, Komiker? Eine Stunde ist der hier rumgekrochen."
"Is ja gut." Er stopfte das Jackett durch die Schiebet├╝r des Standes, holte daf├╝r eine grellgelbe Jacke mit Club-Schriftzug heraus und zog sie sich ├╝ber. Hinter einem kleinen Brosch├╝renst├Ąnder lag die Plakette mit seinem Namen. Er hing sich das befestigte Band um den Hals. Dann stopfte er sich einen Streifen Kaugummi in die Backe und griff nach seiner schwarzen Antragsmappe und dem Verlosungsblock. Er fingerte den Kuli aus seiner Hosentasche. "Diese Schei├čdinger schmieren wohl alle", fluchte er halblaut.
Kerim schaute auf seinen Schreiber und klickte die Mine rein. "Wie willste deinen Schnitt eigentlich noch schaffn?"
Der Gefragte r├╝mpfte die Nase. "Wie viele hast du?"
"Heute? Sieben", dehnte Kerim mit schnippischen Stolz. "Bisher."
Thomas lie├č seinen Blick ├╝ber den Menschenstrom schweifen, der an dem Stand vor├╝berflanierte. ÔÇÜ Perspektiven sind nicht immer Gl├╝ckssache, Thomas', klang ein Echo aus seiner Erinnerung. Er lie├č im Mund eine Blase platzen und zeigte mit dem Finger auf seinen Kollegen. "Neun. Wenigstens." W├Ąhrend er sich r├╝ckw├Ąrts einige Schritte vom Stand entfernte, formte er das Zahlwort mit stummen Lippen in Kerims Richtung. Der winkte hohnlachend ab.
Sein restlicher Grimm verschwand auf einen Schlag, als er sich umwandte und auf ein paar Anfang-Zwanziger zusteuerte. "Jungs, kommt mal her!" Er rupfte einen Zettel vom Verlosungsblock ab. "Fahrt bestimmt Auto, oder? K├Ânnt ihr doch sicher Sprit gebrauchen."


Januar 2003

__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
...geh├Ârt zum besten...

hallo marcus veith,

ein herrliches, opulentes zeitgem├Ąlde ohne unangenehm auffallende klischees. du hast gut mit meinen emotionen gespielt, und sie zum schlu├č hin in einen wahren strudel geschickt - bravo, so stelle ich mir unterhaltsame und trotzdem nicht platte literatur vor.
einziger kritikpunkt: simone. ihr auftauchen empfinde ich als unn├Âtige kr├Ânung des ganzen. ich w├╝rde es besser finden, wenn irgendeine andere ehemalige lehrerin auftauchen w├╝rde, und die beiden sich ├╝ber thomas unterhalten; aber es ist ja deine geschichte.

gru├č

rainer

Bearbeiten/Löschen    


Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
Kommentare: 81
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hab Dank f├╝r deine Kitik, deinen Lob und die Bewertung, Rainer. Ich f├╝rchtete schon, der Text f├Ąllt unkommentiert durch die Wertung. ├ťber den Tipp, Simone mit einer Lehrerin zu ersetzen, muss ich erst dr├╝ber nachdenken, denn dann w├╝rde der Part mit dem Klassentreffen um einiges d├╝nner ausfallen und ich bin eigentlich recht angetan von dem Effekt, dass Thomas erst mokiert, den Lehrer nicht bei dem Treffen gesehen zu haben, um dann am Ende herauskommen zu lassen, dass er es war, den man ├╝bergangen hat. Und ich wu├čte nicht, wie man dies ohne Simone einigermassen elegant h├Ątte herausarbeiten k├Ânnen. Allerdings bin ich immer noch nicht sicher, ob es ├╝berhaupt m├Âglich ist, als junge Lehrerin auch an seine alte Schule zu kommen.
Mit literarischen Gr├╝├čen
Markus Veith
__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

Bearbeiten/Löschen    


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo marcus veith,

wie gesagt, es ist deine geschichte, in der ich nicht herumfummeln will.
ich ganz pers├Ânlich mag halt am meisten die geschichten, die nicht ganz so offensichtlich sind. da├č er sich in der schule nicht wohlf├╝hlt, und das dies nicht nur momentan so ist, sondern schon immer so war, kam f├╝r mich bei deiner geschichte schon vor dem ├╝berraschenden auftauchen von simone heraus. wenn ich die idee (und die f├Ąhigkeiten zur umsetzung) gehabt h├Ątte, dann w├Ąre es nicht zu dieser, zugegebenerma├čen ungew├Âhnlichen, kr├Ânung gekommen. ich finde, man sp├╝rt sp├Ątestens mit der bemerkung des lehrers, das foto-paket w├╝rde wohl oft benutzt, da├č die gesamte story deines prot ein l├╝gengeb├Ąude ist, und kann damit und seinen empfindungen den sch├╝lern gegen├╝ber, schon recht gute r├╝ckschl├╝sse ├╝ber sein sozialverhalten, auch und gerade gegen├╝ber seinen mitsch├╝lern, anstellen.
aber, deine geschichte spr├╝ht vor einf├Ąllen, ohne dabei viele klischees zu ber├╝hren. deshalb finde ich sie gut. vielleicht schreibt ja noch jemand anderes seine meinung, dann brauchen nicht nur wir zwei uns hier zu "streiten", sondern haben noch eine dritte... meinung.

gru├č

rainer

Bearbeiten/Löschen    


Teeny
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2003

Werke: 0
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Markus,

alles in allem finde ich deine Erz├Ąhlung wirklich gut. Einziger Kritikpunkt ist die Beschreibung der Sch├╝ler. Ich arbeite an einer Schule und so, wie du die Atmosph├Ąre dort beschreibst, klingt sie f├╝r mich nicht reell. Ich finde sowohl die Lehrer als auch die Sch├╝ler ein wenig zu klischeehaft dargestellt. Das kann man aber sicher relativ sehen. Mit der Beschreibung weckst du ein ablehnendes Gef├╝hl gegen├╝ber dieser Institution, und so f├╝hlt sich nun mal der Protagonist.
Du baust im Laufe der Geschichte eine Spannung auf, und man m├Âchte unbedingt wissen, wie es nun ausgeht. Allerdings hatte ich ein anderes Ende vermutet.

Liebe Gr├╝sse,
Teeny

__________________
copyright by Christiane Berndt

Bearbeiten/Löschen    


Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zefira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Markus,

auch ich habe den Ausgang schon fr├╝hzeitig geahnt, und zwar vor allem wegen der L├Ąnge des Dialos und der Sorgfalt, mit der du ihn wiedergibst. Man hat einfach das Gef├╝hl: da mu├č etwas faul sein. Trotzdem w├╝rde ich die Geschichte nicht vorhersehbar nennen; ich fand sie sehr spannend. Auch die Unterhaltung mit Simone habe ich nicht als "zuviel" empfunden. Den Umstand, da├č Thomas in seiner Klasse eher unbeliebt war und warum, hast Du in diesem Gespr├Ąch zwanglos eingebracht; das w├Ąre wesentlich schwieriger, wenn Du darauf verzichten w├╝rdest.

├ťbrigens kann man ohne weiteres als junger Lehrer in seine alte Schule kommen - mein Mann erlitt dieses Schicksal

Was die Beschreibung der Sch├╝ler angeht - ich empfand sie allerdings auch als recht klischeehaft, beinahe feindselig, aber ich habe sie als Thomas' Interpretation seiner Umwelt empfunden, nicht als neutrale Wiedergabe. Er f├╝hlt sich in der alten Schule nicht wohl und empfindet sich selbst als einen Fremdk├Ârper zwischen den jungen H├╝pfern. So gibt die Beschreibung eine Art Verteidigungshaltung wieder. Ich fand das sogar sehr treffend. Man hat gleich das Gef├╝hl: das kann kein "winner" sein.

Gut gemacht, wirklich.

Liebe Gr├╝├če,
Zefira

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!