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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Freudiges Backen
Eingestellt am 07. 11. 2004 20:30


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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S├╝├čer Moment

S├╝├čer Moment

Kleine wei├če H├Ąnde dr├╝cken gegen die kalte Fensterscheibe. Kurz darauf folgt ein Gesicht, welches sich an der Scheibe die kleine Stupsnase platt dr├╝ckt. Die Augen scheinen in der hereinbrechenden Dunkelheit etwas zu suchen.
Das Kindergesicht wird zur├╝ckgezogen und streng angeschaut. Die Mutter m├Âchte, dass das Kind ruhig sitzt, denn es soll beim Backen helfen. Als sich die kleinen Finger nach einem St├╝ckchen des s├╝├čen Teiges ausstrecken, f├Ąhrt eine ├Ąltere Hand auf die kleinen wei├čen Finger nieder und erschrocken zuckt die Kinderhand zur├╝ck. Die gro├čen Kinderaugen schimmern feucht, als es die harten Worte der Mutter h├Ârt. Es darf kein Teig genascht werden, man bekommt davon Bauchschmerzen. Der Kopf des Kindes nickt, doch in den noch feuchten Augen erkennt man ein kleines Aufbegehren. Der Teig riecht so verlockend s├╝├č und sieht so weich und saftig aus.
Die Mutter rollt den Teig aus und Mehl wirbelt auf. Die Kinderaugen folgen gespannt dem sanften Mehlregen, der sich wie eine zarte Schneedecke ├╝ber den ausgerollten Teig legt. Der Kinderk├Ârper beugt sich ├╝ber den Tisch und somit erreicht die Kinderhand die Sch├╝ssel mit Mehl. Vom Mehl hat die Mutter nichts gesagt. Die Finger schlie├čen sich das weiche, feine Mehl. Es f├╝hlt sich an, wie warmer Schnee.
Das Kind setzt sich zur├╝ck auf seinen Platz, die Mutter ist immer noch mit dem Teig besch├Ąftigt und das Kind ├Âffnet die Hand. Die kleine Menge Mehl sieht aus, wie ein Miniaturgebirge. Das Kind will es schneien lassen. Es holt tief Luft und pustet mit voller Kraft auf das zarte Mehlgebirge in seiner Hand. Und wirklich, Schnee rieselt ├╝ber den ganzen Tisch, auf die Haare der Mutter, den nun schon d├╝nn ausgerollten Teig, die Pl├Ątzchenausstecher und den Boden. Die Mutter schaut zuerst erschrocken, dann erbost. Das Kind merkt, dass es schon wieder etwas falsch gemacht hat.
Nun flie├čen Tr├Ąnen aus seinen Augen, als es die Strafpredigt der Mutter ├╝ber sich ergehen l├Ąsst. Ja, es will nun brav sein, und viele Sterne und Monde ausstechen. Sie sollen ein leckeres Weihnachtsgeb├Ąck haben, welches sie Oma und Opa bringen werden, als besondere Vorweihnachtsfreude. Die Mutter l├Ąchelt das Kind an, sch├╝ttelt das Mehl aus ihrem Haar und wischt das Tr├Ąnen verschmierte Gesicht mit einem Taschentuch trocken. Dann sucht die Mutter nach den richtigen Ausstechern.
Nach wenigen Augenblicken h├Ąlt das Kind einen kleinen Stern in der Hand und dr├╝ckt diesen immer kr├Ąftig in den Teig. Ab und zu, wenn die Mutter nicht hinsieht, gelingt es ihm, kleine s├╝├če Teigfetzen zu stibitzen und in den Mund zu stecken. Es schmeckt wirklich s├╝├č und w├╝rzig und f├╝hlt sich an, wie Weihnachten im Mund.
Dann ist kein Platz mehr f├╝r Sterne und Mutter macht aus dem Restteig kleine Brezeln und H├Ârnchen. Das Kind sieht fasziniert zu. Sp├Ąter, wenn es gr├Â├čer ist, m├Âchte es auch so gut backen k├Ânnen, wie die Mutter, das steht schon einmal fest. Die Mutter schiebt das Blech in den vorgeheizten Ofen. Nun hei├čt es Warten und Aufr├Ąumen. W├Ąhrend das Kind mit einem kleinen Besen den Mehlstaub aufkehrt steht die Mutter an der Sp├╝le und w├Ąscht das Geschirr und ihre Backutensilien ab. Das Kind riecht, wie die Pl├Ątzchen langsam backen und der s├╝├če Geruch wird immer intensiver, dann wandert sein Blick zum Fenster, an welchen man immer noch seinen Gesichtsabdruck sehen kann. Die Augen leuchten erfreut auf und schon flitzen kurze Beine zur Mutter hin├╝ber. Die kleine Hand schlie├čt sich um die Sch├╝rze der Mutter und es wird heftig daran gezogen, bis sich die Mutter endlich umwendet. Die freie Hand deutet aufgeregt auf das Fenster und die Mutter l├Ąsst sich gutm├╝tig dorthin ziehen.
Gro├če Kinderaugen strahlen in dem gl├╝cklichen Kindergesicht und die Mutter muss l├Ącheln, ├╝ber die Freude ihres Kindes. Sie freut sich mit ihm. Das erste Mal an diesem Tag vergisst sie ihre Hausarbeit, die auf sie wartet, all die unerledigten Aufgaben, die scheinbar unm├Âglich machbar sind. Jetzt z├Ąhlt nur der Augenblick, mit ihrem Kind zusammen in die neue Welt vor ihnen zu sehen. Sie staunt mit ihrem Kind, wie sie es vor langer Zeit das letzte Mal getan hat, ├╝ber die wei├če Pracht, die sich vor ihnen erstreckt.
Sie ├Âffnet das Fenster, w├Ąhrend ihr die erstaunten Kinderaugen gespannt folgen, und holt ihrem Kind eine wei├če Pracht ins Haus. Sie staunen gemeinsam ├╝ber die herrliche Figur des Eiskristalls, bis er schmilzt und nichts weiter ├╝brig bleibt, als ein kleiner nasser Fleck auf dem Finger der Mutter.
Dann f├Ąhrt die Mutter mit einem Mal herum und st├╝rzt zum Ofen. Die Pl├Ątzchen sind verbrannt. Noch bevor sie sich richtig aufregt, ├╝berkommt sie auf einmal ein unglaubliches Gef├╝hl der Ruhe. Sie nimmt ihr Kind in den Arm und blickt mit ihm in die wei├če Winterlandschaft. Lieber verbrannte Pl├Ątzchen, als ein verpasster Moment mit ihren Liebsten!

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xzar
Guest
Registriert: Not Yet

hallo isa,
dein text hat mich an meine eigene kindheit erinnert. sehr langsam: fast wie eine schneeflocke (da siehst du, wie vers├╝├čt ich selbst durch den text bin!)
ich w├╝rde nur den titel ├Ąndern. fast h├Ątte ich den text gar nicht gelesen, weil ein titel wie "fr├Âhliches backen" mich nicht angesprochen h├Ątte. das klang mir mehr nach kitsch und weniger nach dem, was f├╝r mich dein text ist: z├Ąrtlich, bed├Ąchtig - eine genaue beobachtung eines kindes. wenn ich weihnachten nicht so hassen w├╝rde, w├Ąre ich jetzt in weihnachtsstimmung.

liebe gr├╝├če
constantin

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
Kommentare: 977
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Hmm

Na die Bauchschmerzen beim Backen gibt es nur,
wenn Backpulver im Teig den Magen zum Rumoren bringt.
Oder wenn die Hefe noch ein wenig aufgehen will.
Mit den richtigen Zutaten wird das nicht passieren
und was ist sch├Âner f├╝r ein Kind, als Schlecken!

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