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Leselupe.de > Ungereimtes
Früher oder später
Eingestellt am 04. 01. 2001 11:13


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Volker Hagelstein
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Entlang der Geleise einer
rostfreien Zeit
wird die Bilanz fortgesetzt.

Damals
schnitt ich in die venöse Haut der Träume,
ließ mich nieder am Ufer des
schwarzen Stroms,
der aus dem Uterus der Erde quoll.
Mein Ohr ertastete sein Wispern,
seinen Elbengesang.
Ein kindischer Wind scheuchte das Licht,
das auf dem Wasser tanzte.
Und vor der Nacht brannten
die Hieroglyphen der Sterne.
Ich verstand sie nicht,
doch ich liebte sie zärtlich.

Dann trat ich vor dich.
In deinen Kobaltaugen
blinzelt die Macht.
In ihnen erkenne ich marsianische Ebenen
unter kühn gespanntem Himmel:
Stählerne Vögel und Katzen aus Glas
zwischen Bäumen mit gichtigem Rücken.
Ich werfe mich nieder und küsse deinen
kalten Fuß,
der sich zum Gehen wendet.

Früher oder später
sollte etwas geschehen.

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Volker Hagelstein
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Hej, Portia!

Wenn ich anfange, meine Gedichte zu erklären, geht es meistens in die Hose. Gerade bei diesem Text ist es nicht leicht, weil ich nicht gerade auf mühelose Verstehbarkeit gesetzt habe. Trotzdem kann ich´s einfach nicht lassen. Es handelt von einem sehr jungen Mensch, der in seine Träume und Phantasien versponnen ist. Ein Zeitalter der Unschuld, wenn du so willst „Stählerne Vögel und Katzen aus Glas“ – das ist der Nippes aus dem Zimmer seiner ersten großen Liebe. Sie entwickeln sich zur Tierwelt seiner Traumreiche. Aber diese Vereinigung funktioniert nicht, die kühlen Materialien, aus denen sie gefertigt sind, lassen ja nichts Gutes ahnen. Ich denke, es klingt deutlich an, dass die Beziehung eher traumatisch endet. Mit dem gichtigen Rücken der Bäume soll assoziiert werden, wie alt und fern diese Fantasien sind, während der Eilzug „Zeit“ rast und rast - in Richtung Erwachsenwerden mit all den Schwierigkeiten und der ständigen Gefahr, aus Ratlosigkeit in Passivität zu verfallen. Ich hatte das Gefühl, dass ich diesen fernen Tagen nur durch einen traumhaften, surrealen Ton die angemessene Referenz erweisen konnte.

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Volker Hagelstein
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message to Portia

Wir sind uns komplett einig! Gerade die Möglichkeit, Dinge zu verdichten und die Bedeutung von Bildern wie einen Lichtstrahl in verschiedene Farben zu zerlegen, fasziniert mich an moderner Lyrik. Dass dem Leser dadurch das rationale Verstehen nicht leicht gemacht wird, betrachte ich als hinnehmbaren Preis. Denn wenn der Autor auch die Ratio des Lesers verfehlen mag, trifft er vielleicht doch andere seelische Bereiche. Zudem gibt es den Fall, dass der Leser einem Gedicht eine ganz andere Bedeutung zuschreibt, als beabsichtigt war. Hat da einer von beiden versagt? Oder hat der Autor den Leser dazu gebracht, sich selber eine interessante Geschichte zu erzählen? Das ist doch eine aufregende Art der Kommunikation, oder? Und dann habe ich an meinen eigenen Sachen erlebt, dass ein unbewusster „Geisterschreiber“ in mir bisweilen Bezüge in den Text legt, die mir erst viel später klar werden. Diese Erfahrung habe bestimmt nicht nur ich gemacht. Das würde heißen, dass der Autor sogar sich selber Geschichten erzählen kann. Was ich damit sagen will: Schreiben ist schon eine feine Sache!
P.S: Da gibt es keinen Mut, für den du mir danken müsstest. Ein sehr junger Mensch bin ich schon lange nicht mehr. Eher muß ich schon damit beginnen, gegen das Vergessen zu kämpfen.

Gruß

Volker

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Volker Hagelstein
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Guten Morgen, Portia!

Mein Englisch ist – vornehm ausgedrückt – nicht über jeden Zweifel erhaben, aber wir können es gern versuchen. Vorsichtshalber solltest du am besten deine Übersetzung gleich mitliefern. Zum Geisterschreiber: Ich wollte nicht sagen, dass nur er allein am Werke ist, aber er mischt mit. Das finde ich einfach bemerkenswert. Etwas ganz anderes: Diesen Plagiatvorwuf – anders kann man es ja kaum nennen – von moloe unter deinem Text „Ich weiß, ich weiß“ finde ich ziemlich heftig. Ich denke, dass es ein Thema für den Chat oder für die Redaktion ist. Die Arbeiten anderer öffentlich zu besprechen, stellt an den Kritiker recht hohe Ansprüche, und das hier geht eindeutig zu weit. Ich komme erst jetzt darauf zurück, weil die Sache ein Weilchen in mir brodeln mußte.

Greetings

Volker

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