Bin zum Wald hinauf gegangen, mir den Frühlingsmantel umzuwerfen gegen weichende Winterkälte.
Erste verführerische Düfte berühren zaghaft hungrige Seele. Jubeltöne zwitschern aus Vogelkehlen im Chor mit Käfer- und Bienengebrumm.
Sonnenstrahlen fallen als Lichtsäulen durch Geäst auf federndes Moos. Kindhaft zartes Grün bricht sich Bahn, beäugt neugierig die Welt.
Letzte Reste harschigen Schnees. Vertrocknete Kiefernzapfen, modriges froststarres Laub, Zeugen scheidenden Winters.
Annemonen recken die Blütenköpfe, Himmelschlüssel erschließen Tore dem erwachendem Leben, Veilchen zeigen verschmitzt lächelnd ihr Antlitz. Niederkunft der Natur.
Lehnend an Stammrinde, Augen geschlossen, fern dem widrigen Alltag, schweigend dem Erlebnis Natur vertrauend gelöst den Frühling empfangen. Lauer Lenzhauch streichelt Seele, Wonneschauer fließen wohlig in verborgenste Winkel.
Alterslos erscheint plötzlich mein Ich...
Bin zum Wald hinauf gegangen... Hat mich schweigsam empfangen, seinen Mantel um mich gehüllt... der Frühling.
Sind darunter eins geworden.
zunächst erinnerte mich das Textlein an "Ich ging im Walde so für mich hin. Und nichts zu suchen, das war mein Sinn ..." von Goethe.
Mir persönlich ist der Pathos zu schnulzig - manche Bilder gefallen mir auch nicht, so zum Beispiel den Frühling als hemmungslose Geliebte darzustellen, der ich die ganze Blöße biete. Das passt nicht zu den anderen Vergleichen.
Aber das ist natürlich Geschmackssache.
Spätestens ab
quote:Kommt her in den Wald!
Nein, doch nicht! Bleibt bei Waldmeisterbowle, Grilldunst, Frühlingszwiebeln, Maibock, Frühjahrssonderangeboten!
hast du (mich als) Leser verloren, denn hier gibst du dem Text eine direkte Wertung. Gegen Grilldunst & Co spricht nämlich für mich nichts - alles halt zur rechten Zeit. Und wenn LyrIch sich gerade wohlfühlt und am liebsten zerfließen will vor Wonne, muss das ja nicht heißen, dass alle anderen Versuchungen nur Kehrseite sind.
Vielleicht wäre es besser, sich nur "gestört" zu fühlen von Grilldunst & Co - lauten Stimmen womöglich, deren Echo bis zu ihm dringen - und er? Er lächelt ob der Narretei, die die Schönheit der Natur vergessen machen lässt ...
Nur so eine Idee,
liebe Grüße
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KaGeb
Foren-Redakteur Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Nov 2007
Ja, so finde ich den Text wesentlich besser. Was mir noch so auffiel:
quote:Bin zum Wald hinauf gegangen, mir den Frühling wie einen hüllenden Mantel umzuwerfen gegen zögernd weichende Winterkälte
Ein Mantel "hüllt" immer, ergo: redundant. "Zögernd" unterstellt Denken, das Wort passt IMHO nicht, und da "weichende" darauf aufbaut, ist es m.M.n. auch überflüssig. Das Bild an sich ist nicht schlecht, nur müsste es anders rübergebracht werden. Vielleicht passt der Mantel schon als ausreichendes Bild, sodass der Leser die Restkälte vermuten kann ... Der Punkt nach "Winterkälte" fehlt übrigens :-)
quote:Dort schwingen erste vertraute Düfte verschwenderisch.
Wie "schwingen" denn Düfte? "Erste" wäre für mich auch streichbar. "Verschwenderisch" wäre womöglich als "verführerisch" szenenpassender, aber wie gesagt: Geschmackssache.
quote:Jeder Atemzug berührt zaghaft die frühlingshungrige Seele.
Das ist (für mich) auch einfach zu dick. Atemzüge können nicht berühren, mit ihnen inhaliert man was. "Frühlingshungrige" birgt doppelt "Frühling" in sich. Das Wort ist schon beim Mantel verbraucht worden.
quote:Jubeltöne zwitschern aus tausend Vogelkehlen, gemischter Chor mit Käfer- und Bienengebrumm.
Kurzprosa bedeutet Verzicht auf alle nötigen Füllwörter. Ich halte "tausend" für eines genauso wie "gemischter". Kürzer wäre vielleicht sowas wie: Jubeltöne zwitschern aus Vogelkehlen - im Chor mit Käfer-und Bienengebrumm.
quote:Sonnenstrahlen bauen Lichtsäulen ins Geäst. Kindhaft zartes Grün bricht sich Bahn, beäugt neugierig die Welt.
Federnd der Gang auf sprießendem Moos, keinem Ziel zugewandt. Schritte zeitlos strebend, ungebremst.
Auch hier zuviel Zickzack im Verlauf. Idee: Sonnenstrahlen brechen durchs Geäst, auf zartes Grün im Moos, das meinen Gang abfedert - ohne Ziel.
quote:Restfleckig vergrauter Schnee. Von letztem Eis frostig zerrupfte Kiefernzapfen, morsches Laub. Zeugen verblichenen Herbstes, moderbegraben. Erinnern des Vergänglichen....
"Restfleckig" - O.o. :-) Was für eine furchtbare Wortkombination. Auch "vergraut" sagt mir nichts aus. "Morsches Laub" widerspricht sich an sich, da Laub ja eher brüchig ist. "Morsch" passt auf Holz ...
Und die "frostig zerrupften Kiefernzapfen" sind m.M.n. nicht "Zeugen verblichenen Herbstes", sondern derer des Winters.
Verstehst, was ich meine? Einfach viel zu viele Erläuterungswörter verbaut, sodass sich die Stringenz und die Gedanken des LyrIch ständig selbst überzeugen wollen. Da müsste gehörig gekürzt werden.
LG
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Franka
Foren-Redakteur Routinierter Autor
Registriert: Feb 2006
hier hat sich die Textarbeit für mich gelohnt und das muss nicht jeder Leser so empfinden. Trotzdem habe ich noch einige Anmerkungen:
Ich würde den Frühling (als Wort) aus dem ersten Satz nehmen, auch bei der "Seele" noch nach einer anderen Möglichkeit suchen.
Vielleicht so:
Bin zum Wald hinauf gegangen, mir einen Mantel umzuwerfen gegen weichende Winterkälte.
Erste verführerische Düfte berühren zaghaft meinen Hunger.
Zum Schluss würde ich hier enden: Sind darunter eins geworden.
Sind nur meine Ideen, musst sie natürlich nicht übernehmen.
LG Franka
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Man probiert. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, dann probiert man was Neues. (frei nach Antje Joel)
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