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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Frusttrinken
Eingestellt am 18. 01. 2008 10:22


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nofrank
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Frusttrinken

Die Vernissage war erneut ein Reinfall. Kaum einer der G├Ąste hat etwas gekauft, und dem Tempo nach zu urteilen, mit dem sich die Galerie nach der Pl├╝derung des Buffetts gelehrt hat, war auch in n├Ąchster Zeit kein Besucherandrang zu erwarten. Jetzt, Stunden sp├Ąter, hofft Oleander zwar noch auf gute Presse, aber von den geladenen Journalisten, war nicht einmal die H├Ąlfte aufgetaucht, und die war auch deutlich interessierter an den Lachsschnittchen als an den Schinken an der Wand. Er wedelt erneut mit dem leeren Whiskyglas. Der Barkeeper nickt n├╝chtern und greif zielgenau nach der Ardbeg-Flasche.

Die Szenebar, in der Oleander hockt, hat ihre besten Tage l├Ąngst hinter sich und verstr├Âmt die melancholische Aura derer, die wissen, sie haben ohne eigenes Zutun ├╝berlebt. Aus den versteckten Boxen erklingen sanfte Ambientloops, die ├╝ber entspannte Breakbeats wehen und der Nacht etwas Federndes verleihen. Die wenigen Nachteulen sind allesamt Stammkunden -wie er.

Mina entdeckte den Laden vor Jahren, als sie noch seine Freundin war, als er noch davon tr├Ąumte, ein K├╝nstler zu sein. Eigentlich waren sie auf dem Weg nach Hause und Oleander gedanklich l├Ąngst abgetaucht. Sie zerrte ihn in diesen Keller, weil ihr laute Tanzmusik entgegenwehte. Der pl├Âtzliche Stimmungsumschwung, die verbrauchte, verrauchte Luft, die Strobos und der unglaubliche Schallpegel traumatisierten ihn. Willenlos lie├č er sich mitschleifen. Mina hatte ihn an die Bar gestellt, ihm ein Flaschenbier in und einen Kuss auf den Mund gedr├╝ckt und war innerhalb einer Minute von der Tanzfl├Ąchenmeute absorbiert. ├ťbern├Ąchtig nuckelte er an dem Pils und lie├č alles ├╝ber sich ergehen. Stunden, in denen er zu willenlos war, um zu gehen und zu dumpf um Spa├č zu haben. Mina tauchte urpl├Âtzlich und atemlos aus dem Leiberklumpen auf, riss ihm die Flasche aus der Hand, saugte gierig daran, gab ihm die Flasche und ein L├Ącheln zur├╝ck und war genauso abrupt wieder verschollen. Irgendwann, vielleicht wurde es drau├čen schon wieder Tag, hatte er seinen toten Punkt ├╝berwunden. Gl├╝cklicherweise leerte sich der Club, und der Barmann servierte den Caff├ę Correto ohne Murren. Nach der zweiten Espresso-Grappa-Infusion war Oleander soweit restauriert, dass seine Umwelt ihn wieder interessierte. Jetzt genoss er die apokalyptische Stimmung. Das Partywochenende neigte sich unweigerlich seinem Ende zu, aber von Verdruss war nichts zu sp├╝ren. Dann ├Ąnderte sich die Qualit├Ąt der Musik und Oleander, der sich nicht f├╝r Musik interessierte, war hingerissen.

Ein Normalfalldiscobesuch endet immer mit dem Abfeiern der Megahits, bevor die Tore schlie├čen und das Resteficken beginnt. Der DJ gibt richtig Gas und alle wissen, dass bald Feierabend ist. Dann gehen die letzten Chill-out-Songs nahtlos in Putzlicht und Arbeitsbeschallung ├╝ber, und jeder mit einem Rest Selbstachtung fl├╝chtet hastig ins Dunkel unter der heimischen Bettdecke. Aber das hier ist anders: Dieser Vinylmeister braucht keinen Fahrplan, kein Normalrepertoire, keine Routine, keine Hits und keinen Personenkult. Der ├ťbergang in das begnadete Liveset ist eher unmerklich. Doch dann improvisiert der Soundk├╝nstler und ist in freiem Fluss. Eine letzte Stunde lang experimentiert er mit Beats, Sounds, Loops, Cuts, Breaks, Stimmen und Stimmungen. Die Musik reitet auf der Morgend├Ąmmerung, die sich durch die Lichtsch├Ąchte auf die Tanzfl├Ąche schleicht. Oleander wei├č nicht wie ihm geschieht: G├Ąnsehaut breitet sich vom Nacken ├╝ber die Arme aus. Er h├Ârt Stimmen, Versatzst├╝cke aus der Vergangenheit, der Zukunft, dem Abseits und der Kehle der Windhose. Er ist erregt und entspannt, euphorisch und melancholisch, hellwach und vertr├Ąumt. Zu gebannt, um zu tanzen, steht er einfach mit geschlossenen Augen an der Bar und taucht in dem Fluss der Musik, bis Mina ihn sanft auf den Hals k├╝sst. Es ist Zeit zu gehen. Sie sind die letzten G├Ąste und der DJ nickt ihnen zum Abschied grinsend zu.

Sp├Ąter entdeckte Oleander, dass sich die Tanzh├Âhle wochentags als gepflegte Bar pr├Ąsentierte. Hier traf sich entspanntes, modernes Bohemepublikum. Er mochte die Ahnung von gro├čer Kunst und Revolte, die in der Luft lag. Er wollte dazu geh├Âren. Damals, als er sich noch als Kreativen sah. Hier kn├╝pfte er Kontakte, lie├č sich von Gleichgesinnten inspirieren und kassierte herbe Kritik f├╝r seine Werke. Bis er eines Tages keinen Mut mehr fand, sie zu pr├Ąsentieren. Er f├╝hlte sich als K├╝nstler minderwertig und begann seine Sch├Âpfungen selbst zu kritisieren, fand Makel und bem├Ąngelte anstelle der Kritiker. Das hemmte und demotivierte ihn. Gleichzeitig empfand er ein masochistisches Vergn├╝gen, wenn er sich selbst erl├Ąuterte, wie uninspiriert er doch war. Sein Kunstgeschichtsstudium bef├Ąhigte ihn, die Selbstkritik eloquent zu formulieren und als kunsthistorisch belangslos abzutun.

Die Mutation zum Kritiker war vollendet, als er wusste, dass der Pinselstrich, den er im Sinn hatte, unn├╝tz und schlecht ausgef├╝hrt sein w├╝rde, noch bevor er das Malwerkzeug zur Hand nahm. Mit der Zeit gewann er als Kunstkenner Sicherheit und wagte sich wieder unter die Boheme der Bar. Jetzt als Inquisitor. Seltsamerweise h├Ârten sie ihm zu, folgten seinen Argumenten und seiner Beredsamkeit, w├Ąhrend er Bewertungen zu ihren Werken abgab. Die K├╝nstler und M├Âchtegerne respektierten ihn - daf├╝r, dass er kompetent und ehrlich war. Er gab sich M├╝he, nicht gnadenlos zu sein.

Oleander schaut verdrie├člich auf die Uhr hinter dem Tresen. Sibylle kommt nicht mehr. Das Seminar an der Volkshochschule hat wohl noch zu einem Drink in angenehmerer Gesellschaft gef├╝hrt. Oder sie liegt l├Ąngst mit Migr├Ąne im Bett. Als Ersatzgesellschaft ordert er einen letzten Malt und l├Ąsst ein Taxi rufen. Um diese Zeit dauert es meist, bis endlich eins vorf├Ąhrt.

├ťbellaunig kommt die missgl├╝ckte Er├Âffnung wieder hoch. Wenn diese Schau wieder hinter den Kalkulationen zur├╝ck bleibt, ist die Galerie ├╝ber kurz oder lang nicht mehr zu halten. Dabei ist das Umfeld gro├čartig, einen besseren Standort gibt es kaum: genug K├╝nstler, genug Interesse, genug Geld, genug Schickeria. Folglich muss es an seiner Auswahl liegen, dass er nichts verkauft.

Vielleicht trifft er dem Publikumsgeschmack nicht? Oder er schafft nicht gen├╝gend Medienrummel. Oleander wei├č, dass es nicht ausreicht, gro├če Kunst zu schaffen. Sp├Ątestens seit Dali ist klar, dass Marketing mehr als nur die halbe Miete ist. Es geht um Publicity. Auch im Kunstbetrieb ist Sensationsgier weit verbreitet, und die Reichen benehmen sich immer neureicher. Es gen├╝gt nicht mehr Wertvolles zu besitzen. Nein, es muss auch von jedermann als wertvoll erkannt werden. Es geht nicht mehr um das Sammeln, es geht um das Herzeigen, das Dekorative, das Plakative.

Oleander zahlt seine Zeche und geht gr├╝belnd hinaus. Was ihm fehlt, ist ein Rei├čer, um seine Galerie zu halten; etwas, das sich abhebt: exzentrisch, aufw├╝hlend, total krank aber verk├Ąuflich. Das Taxi wartet schon. ÔÇ×Immer sch├Ân kommerziell bleiben!ÔÇť, denkt er, w├Ąhrend das Taxi durch die Nacht f├Ąhrt.


nofrank
__________________
ÔÇ×Die Preisgabe der Diskretion im ├Âffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesbl├Âdigkeit")



Version vom 18. 01. 2008 10:22
Version vom 19. 01. 2008 20:38
Version vom 25. 01. 2008 11:38

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Haki
Guest
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Hallo nofrank,

der Inhalt deines Textes gef├Ąllt mir serh gut. D findest sogar sch├Âne Bilder und Vergleiche, trotzdem finde ich, dass du sprachlich noch ein wenig ausbessern k├Ânntest. Ich mache mal in deinem Text ein paar Vorschl├Ąge:

quote:
Oleander war klar, dass die Vernissage ein Reinfall gewesen war.Das ist dein erster Satz und er beginnt leich mit zwei saftlsen Hilfsverben(war). Mein Vorschlag: Oleander wusste, dass die Vernissage ein Reinfall gewesen war. Wobei das "gewesen war" auch noch unsch├Ân ist. Kaum einer der G├Ąste hatte tats├Ąchlich etwas gekauft, und nach dem Tempo zu urteilen, in dem sich die Galerie gelehrt hatte, nachdem das Buffett gepl├╝ndert war, war auch in den n├Ąchsten Wochen kein gro├čer Besucherandrang zu erwarten.Auch hier, wobei dies der Grammatik verschulkdet ist, verwendest du zwei Mal "war" hintereinander und auch noch zwei mal "hatte". Das klingt einfach nicht gut. Ich w├╝rde an deiner Stelle ├╝berlegen, ob du wirklich aus dieser Sicht auf das eben Erlebte zur├╝ckblicken willst. Er hoffte noch auf gute Presse, aber von den geladenen Journalisten,Das Komma muss weg. war nicht einmal die H├Ąlfte aufgetaucht, und die wenigen, die gekommen waren, zeigten mehr Interesse f├╝r die Lachsschnittchen als f├╝r die Schinken an der Wand. Oleander wedelte erneut mit dem leeren Whiskyglas undUnd streichen und einen Punkt machen, dann erneut ansetzen. der Barkeeper nickte n├╝chtern wissend und machte sich sogleich auf den Weg zur Aardbeg-Flasche.

Die Szenebar hatte ihre besten Tage schon l├Ąngst hinter sich und verstr├Âmte die melancholische Aura derer, die wissen, sie hatten ohne eigenes Zutun ├╝berlebt. Aus den nicht sichtbaren Boxen erklangen sanfte Ambientloops, die ├╝ber sehr relaxte Breakbeats wehten und der Nacht etwas federndes verliehen.Gut geschrieben, auch wenn ich weiterhin ein gegner von anglizismen bin Die wenigen Nachteulen, die kurz nach Mitternacht hier verkehrten, waren allesamt Stammkunden, wie Oleander. Er hatte den Laden vor Jahren entdeckt, als er noch Kunstgeschichte studierte und davon tr├Ąumte, selbst zu schaffen, zu kreieren.(diese wiederholung der verben, um sie noch st├Ąrker zu machen funktioniert irgendwie nicht, entscheide dich f├╝r eines) Seine damalige Freundin Mina, eine D├Ąnin, hatte ihn eines Abends hineingezerrt, weil ihr die laute, moderne Tanzmusik im Vorbeigehen gefallen hatte. Eigentlich waren sie auf dem Weg nach Hause gewesen und Oleander war gedanklich schon l├Ąngst in der Traumphase.Mein Vorschlag: Eigentlich waren sie auf dem Weg nach Hause und Oleander in der Traumphase gewesen Der pl├Âtzliche Stimmungsumschwung, die verbrauchte, verrauchte Luft, die Strobos der Lichtorgel und der unglaubliche Schallpegel hatten ihn traumatisiert, und willenlos lies├č er sich hineinschleifen. Mina hatte Spa├č. Sie hattezwei mal "hatte" Vielleicht einfach das "mina hatte spa├č" streichen ihn an die Bar gestellt, ihm ein Flaschenbier in die Hand gesteckt, einen Kuss auf den Mund gedr├╝ckt und war innerhalb vonum die wiederholung der "von"s zu entgehen, w├╝rde ich schreiben: innerhalb weniger sekunden von der Tanzflche... Minuten von der Tanzfl├Ąchenmeute absorbiert worden. Schlafwandelnd und d├╝mmlich glotzend nuckelte er an seinem Bier,f├╝r den lesefluss f├Ąnd ich hier ein "und" ganz angebracht lie├č es ├╝ber sich ergehen. Es dauertedas "dauerte" impliziert, dass irgendwas noch passiert, es verlangt ein "bis..." vielleicht w├Ąre ein "vergingen" besser? Stunden, in denen er zu willenlos war, um zu gehen und zu dumpf Komma um Spa├č zu haben. Mina tauchte urpl├Âtzlich und atemlos aus dem Leiberklumpen auf, riss ihm die Flasche aus der Hand, saugte gierig daran, gab ihm die Flasche und ein L├Ącheln und war wieder verschollen. Irgendwann, vielleicht wurde es drau├čen schon wieder Tag, hatte er seinen toten Punkt ├╝berwunden und das Getr├Ąnk gewechselt. Gl├╝cklicherweise war es jetzt leerer und der Barmann hatte Mu├če ihm sein Espresso Grappa Gedeck zu servieren. Nach dem zweiten war er soweit restauriert, dass er anfing sich f├╝r seine Umwelt zu interessieren, und jetzt genoss er die apokalyptische Stimmung. Das Partywochenende neigte sich unweigerlich seinem Ende zu, aber von Verdruss war hier nichts zu sp├╝ren. Dann spielte der DJ zum Rauswurf auf und Oleander, der sich kaum f├╝r Musik interessierte, war hingerissen.

Normalfalldiscobesuch endet immer mit dem Abfeiern der Megahits, bevor die Tore schlie├čen und das Resteficken beginnt, der DJ gibt richtig Gas und alle wissen, dass bald Feierabend ist, dann gehen die letzten Chill-out-Songs nahtlos in Putzlicht und Arbeitsbeschallung ├╝ber, und jeder mit einem Rest Selbstachtung fl├╝chtet hastig ins Dunkel der heimischen Bettdecke. Aber das hier war anders, dieser Plattenaufleger hatte keinen Standardfahrplan im Kopf, kein Normalrepertoire, keine Routine, kein und-jetzt-alle-Gen und keinen Personenkult. Das hier war ein K├╝nstler und er war in freiem Fluss. Eine letzte Stunde lang experimentierte er mit Beats, Sounds, Loops, Cuts, Breaks und der Stimmung, Komma weg der Morgend├Ąmmerung. Der ├ťbergang in das begnadete Liveset des DJs war kaum merklich, wurde aber von den Eingeweihten unter den Clubg├Ąngern wahrgenommen und mit aufbrausendem Gekreische begr├╝├čt. Oleander wusste nicht wie ihm geschah, aber er sp├╝rte die ver├Ąnderte Atmosph├Ąre k├Ârperlich, G├Ąnsehaut breitete sich vom Nacken ├╝ber die Arme aus und er h├Ârte Stimmen, Vers fehlt hier nicht ein s? atzst├╝cke aus der Vergangenheit, der Zukunft, dem Abseits und der Kehle der Windhose. Er war erregt und entspannt, euphorisch und melancholisch, hellwach und vertr├Ąumt. Oleander war gleichzeitig;antithesen finde ich sch├Ân, was ich dann aber nicht verstehe ist das "oleander war gleichzeitig"..was war er denn gleichzeitig? beziehst du das auf die beschreibungen zuvor? und er war zu gebannt, um zu tanzen. Er stand einfach nureinfach und nur sind f├╝llw├Ârter. mit denen solltest du vorsichtig umgehen an der Bar und lauschte mit geschlossenen Augen dem Fluss der Musik, bis Mina ihn sanft auf den Hals k├╝sste. Es war Zeit zu gehen. Sie waren die letzten G├Ąste und der DJ nickte ihnen zum Abschied grinsend zu.

Irgendwann sp├Ąter hatte Oleander entdeckt, dass sich diese Tanzh├Âhle wochentags als gepflegte Bar pr├ĄsentierteKomma in der entspanntes, modernes Bohemepublikum sich traf und austauschte. Er mochte die Ahnung von gro├čer Kunst und RevolteKomma die in der Luft lag. Er wollte dazu geh├Âren, damals, als er sich selbst noch als Kreativen sah. Hier hatte er Kontakte gekn├╝pft, sich von gleichgesinnten inspirieren lassen und herbe Kritiken kassiert. Seine Werke wurden regelm├Ą├čig verrissen, bis er eines Tages den Mut nicht mehr fand, sie hier zu pr├Ąsentieren. Er f├╝hlte sich als K├╝nstler minderwertig und begann seine Sch├Âpfungen selbst zu kritisieren, fand Makel und bem├Ąngelte anstelle der Kritiker. Das Kritische hatte etwas Hemmendes, ein "und" f├╝r den lesefluss? Demotivierendes. Gleichzeitig empfand er masochistisches Vergn├╝gen dabei, sich klarzumachen, wie uninspiriert er im Grunde war. Durch sein Studium besa├č er genug Wissen seine Selbstkritik einzuordnen und eloquent zu verpacken. Die Mutation zum Kritiker war in dem Moment vollendet, als er schon wusste, dass der Pinselstrich, den er im Sinn hatte, unn├╝tz und schlecht ausgef├╝hrt sein w├╝rde, noch bevor er das Malwerkzeug ├╝berhaupt in die Hand nahm. Mit der Zeit gewann er als Kunstkenner eine gewisse Sicherheit und mischte sich wieder unter die Boheme der Bar, diesmal als Inquisitor, nicht als Gleicher. Seltsamerweise h├Ârten sie ihm zu, folgten seinen Argumenten und seiner Beredsamkeit, w├Ąhrend er seine Bewertungen zu ihren Werken abgab, und sie achteten ihn daf├╝r, dass er ehrlich war und sich M├╝he gab nicht zu gnadenlos zu sein.

Oleander schaute verdrie├člich auf die Uhr hinter dem Tresen und war sicher, dass Sibylle nicht mehr kommen w├╝rde. ich f├Ąnde es sch├Ân, wenn du nicht "verdire├člich" schreiben w├╝rdest, sondern mir zeigst, wie das bei Oleander aussieht. ├ťberhaupt finde ich i Allgemeinen, dass diese abstrakten Adjektive zu weit weg vom Leser sind. Jeder kann sichd arunter etwas anderes vorstellen, ich will von dir gezeigt bekommen, wie das bei deinem Oleander aussieht. Wahrscheinlich hatte sie sich nach ihrem Seminar an der Volkshochschule doch noch zu einem Drink ├╝berreden lassen oder lag mit Migr├Ąne im Bett. Als Ersatzgesellschaft orderte er einen weiteren Whisky und bestellte schon mal ein Taxi; um diese Zeit dauerte es immer etwas, bis endlich eins auftauchte. ├ťbellaunig dachte er noch einmal an die missgl├╝ckte Ausstellungser├Âffnung zur├╝ck. Wenn auch diese Schau hinter seinen kommerziellen Erwartungen zur├╝ckblieb, w├╝rde er die Galerie ├╝ber kurz oder lang schlie├čen m├╝ssen. Dabei war das Umfeld eigentlich gro├čartig, einen besseren Standort als hier konnte er sich kaum vorstellen: genug K├╝nstler, genug Interesse, genug Geld, genug Schickeria. Folglich musste es an seinen Ausstellungen liegen, dass er nichts verkaufte. Vielleicht lag er einfach neben dem Publikumsgeschmack, oder er war nicht mehr in der Lage, gen├╝gend Medienrummel zu veranstalten. Oleander wusste, dass es nicht gen├╝gte, gro├če Kunst zu schaffen. Sp├Ątestens seit Dali war klar, dass Marketing mehr als nur die halbe Miete war. Es ging um Publicity. Sensationsgier war auch im Kunstbetrieb weit verbreitet und die Reichen benahmen sich immer neureicher: Es gen├╝gte nicht Wertvolles zu besitzen, nein, es musste auch von jedermann als wertvoll erkannt werden. Es ging nicht mehr um das Sammeln an sich, es ging um das Herzeigen, das Dekorative, das Plakative.

Das Taxi war inzwischen vorgefahren. Oleander zahlte seine Zeche und ging gr├╝belnd hinter der Fahrerin her. Was ihm fehlte, war ein Rei├čer, um seine Galerie zu halten; etwas, das sich abhob: exzentrisch, aufw├╝hlend, total krank aber verk├Ąuflich.


Ich hoffe, du kannst etwas damit anfangen.

Liebe Gr├╝├če,
haki

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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo nofrank,

ja, dein text ist viel sch├Âner zu lesen.
Mit dem "gleichzeitig" bin ich immer noch nicht ganz einverstanden, denn es hat m.E.n. seinen ZUsammenhang verloren, da du es einen Satz sp├Ąter verwendest. Ansonten noch ein paar kleine Fehler, die sich bei der ├ťberarbeitung eingeschlichen haben:

"...nach der Pl├╝derung des Buffetts gelehrt hatte..."
Es muss sicherlich "Pl├╝nderung" hei├čen.

", aber von den geladenen Journalisten, war nicht einmal die H├Ąlfte aufgetaucht"
Das Komma hier muss weg, es steht falsch.

"und zu dumpf um Spa├č zu haben"
hier fehlt vor dem "um" immer noch ein Komma.

"Gl├╝cklicherweise wurde es leerer im Club"
Diese Stellung des Satzes find ich ungl├╝cklich, mein Vorschlag:
Im Club wurde es gl├╝cklicherweise leere,...

"kein Mitgr├Âhlhits"
hier fehlt dem "kein" ein "e"

"stand er stand an der"
ein "stand er" zu viel

"wenn er sich selbst erkl├Ąuterte,"
dieses wort kenne ich nicht, eine mischung aus "erl├Ąuterte" und "erkl├Ąrte"?

"..., bis endlich eins vorf├╝hr"
"vorfuhr" meinst du...

So, das wars dann aber auch. Dann w├Ąre deine Erz├Ąhlung fertig und ich kann dir nicht mehr helfen, nein sie ist nicht fertig, welcher Text ist das schon?, nur letzteres trifft zu...

LG,
Haki


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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Ich will sie ja auch gar nicht k├╝rzer machen ...

Mal der Anfang, damit Du liest, was ich meine:

Die Vernissage war wieder ein Reinfall. Kaum einer der G├Ąste hatte tats├Ąchlich etwas gekauft, und nach dem Tempo (dem Tempo nach) zu urteilen, in (mit) dem sich die Galerie nach der Pl├╝nderung des Buffetts gelehrt (geleert) hatte, war auch in den n├Ąchsten Wochen (w├Ąre wohl auch in den n├Ąchsten Wochen) kein gro├čer (gr├Â├čerer) Besucherandrang zu erwarten. Jetzt, Stunden sp├Ąter, war sich Oleander dessen sicher. Er hoffte noch auf (eine) gute Presse, aber von den geladenen Journalisten war(en) nicht einmal die H├Ąlfte aufgetaucht (erschienen)., Die wenigen, die gekommen waren, (und die) zeigten (interessierten sich auch) mehr Interesse an den (f├╝r die) Lachsschnittchen als an den Schinken an der Wand den W├Ąnden. (ÔÇ×CutÔÇť= Szenenwechsel= neue Zeile)

Oleander wedelte erneut mit dem leeren Whiskyglas. Der Barkeeper nickte n├╝chtern wissend (wat isser denn, n├╝chtern?, n├╝chtern und wissend?, aber n├╝chtern wissend passt m.E.n. nicht) und machte sich sogleich auf den Weg zur Ardbeg-Flasche. (Wenn der Barkeeper Oleanders Reinfall kennt, dann w├╝rde ich es anders darstellen, z.B.: Der Barkeeper z├Âgerte, sah ihn an mit einem Blick, als ob er nicht mehr zahlen k├Ânnte. Auch k├Ânnte der Akt mit dem Barkeeper einfach weg. Dann ginge es so weiter:

Oleander wedelte erneut mit dem leeren Whiskyglas (und sah sich suchend nach dem Barkeeper um).
Die Szenebar, in der er hockte, hatte ihre besten Tage l├Ąngst hinter sich, und verstr├Âmte die melancholische Aura derer, die wissen, sie hatten ohne eigenes Zutun ├╝berlebt. (a)Aus den versteckt(en) Boxen erklangen sanfte Ambientloops, die ├╝ber (in) entspann(ent)te Breakbeats wehten ├╝bergingen und der Nacht etwas Federndes (Melancholisches) verliehen (gaben). Die wenigen Nachteulen so kurz nach Mitternacht waren allesamt Stammkunden, wie Oleander (Vorschlag: Au├čer ihm waren nur noch Stammkunden anwesend. Kein Wunder um diese Zeit. ) Er hatte den Laden vor Jahren entdeckt, als er noch Kunstgeschichte studierte und davon tr├Ąumte, selbst K├╝nstler zu sein (werden). Seine damalige Freundin Mina, eine D├Ąnin, hatte ihn eines Abends in diesen Keller gezerrt (gezerrt?) , weil ihr im Vorbeigehen die laute Tanzmusik gefallen hatte. (Das widerspricht sich: Er hatte den Laden entdeckt.... / Mina hatte ihn eines Abends in diesen Keller)

So, der Anfang schon mal. In dieser Art, meine ich, w├Ąre es straffer, ohne den Sinn zu ver├Ąndern. Was denkst Du? N├╝tzlich? Weiter, oder liege ich falsch?

Beste Gr├╝├če, KaGeb

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hi no-frank,

Also, hier mal weitere "Vorschl├Ąge". Vielleicht ist was dabei. Ist das ein Auszug f├╝r einen l├Ąngeren Plot?

quote:
Seine damalige Freundin Mina, eine D├Ąnin, hatte ihn eines Abends in diesen Keller gezerrt, weil ihr im Vorbeigehen die laute Tanzmusik gefallen hatte. Eigentlich waren sie auf dem Weg nach Hause und Oleander gedanklich l├Ąngst in Traumtran. Der pl├Âtzliche Stimmungsumschwung, die verbrauchte, verrauchte Luft, die Strobos der Lichtorgel und der unglaubliche Schallpegel hatten ihn traumatisiert.
(Oleander auf dem Weg nach Hause im Traumtran, und dann noch zus├Ątzlich durch den pl├Âtzlichen Stimmungswechsel traumatisiert?)
Willenlos lie├č er sich mitschleifen. Mina hatte ihn an die Bar gestellt, ihm ein Flaschenbier in die Faust gesteckt (und)einen Kuss auf den Mund gedr├╝ckt und war innerhalb einer Minute von der Tanzfl├Ąchenmeute absorbiert worden. Schlafwandelnd (halte ich hier f├╝r ein falsches Wort) und d├╝mmlich glotzend (├╝berzogen)nuckelte er an dem Bier und lie├č alles ├╝ber sich ergehen. Stunden, in denen er zu willenlos war, um zu gehen und zu dumpf, um Spa├č zu haben. Mina tauchte urpl├Âtzlich und atemlos aus dem Leiberklumpen auf, riss ihm die Flasche aus der Hand, saugte gierig daran, gab ihm die Flasche und ein L├Ącheln zur├╝ck und war genauso abrupt wieder verschollen. Irgendwann, vielleicht wurde es drau├čen schon wieder Tag, hatte er seinen toten Punkt ├╝berwunden und das Getr├Ąnk gewechselt. Im Club wurde es gl├╝cklicherweise leerer, und der Barmann hatte Mu├če ihm sein Espresso Grappa Gedeck zu servieren. Nach dem zweiten war Oleander soweit restauriert, dass er anfing sich f├╝r seine Umwelt zu interessieren, und er genoss nun die apokalyptische Stimmung. Das Partywochenende neigte sich unweigerlich seinem Ende zu, aber von Verdruss war nichts zu sp├╝ren. Dann ├Ąnderte sich die Qualit├Ąt der Musik und Oleander, der sich nicht f├╝r Musik interessierte, war hingerissen. (die ganzen Erlebnisse in der Bar w├╝rde ich pers├Ânlich fragmentartiger darstellen, als Abrisse, kurze Bilder wie ein flackernder Film, Musik, Mina, tanzender Wahn um ihn, Bier ...)

Ein Normalfalldiscobesuch endet immer mit dem Abfeiern der Megahits, bevor die Tore schlie├čen und das Resteficken beginnt. Der DJ gibt richtig Gas und alle wissen, dass bald Feierabend ist. Dann gehen die letzten Chill-out-Songs nahtlos in Putzlicht und Arbeitsbeschallung ├╝ber, und jeder mit einem Rest Selbstachtung fl├╝chtet hastig ins Dunkel (unter) der heimischen Bettdecke. Aber das hier war anders: Dieser Vinylmeister brauchte keinen Standardfahrplan, kein Normalrepertoire, keine Routine, keine Mitgr├Âhlhits und keinen Personenkult. Der ├ťbergang in sein begnadetes Liveset war kaum merklich, wurde aber von den eingeweihten Clubg├Ąngern mit aufbrausendem Gekreische begr├╝├čt. Hier improvisierte ein K├╝nstler und war in freiem Fluss. Eine letzte Stunde lang experimentierte er mit Beats, Sounds, Loops, Cuts, Breaks, Stimmen und Stimmungen. Die Musik ritt auf der Morgend├Ąmmerung, die sich durch die Lichtsch├Ąchte auf die Tanzfl├Ąche schlich. Oleander wusste nicht wie ihm geschah, aber er sp├╝rte die Ver├Ąnderung k├Ârperlich. G├Ąnsehaut breitete sich vom Nacken ├╝ber die Arme aus. Er h├Ârte Stimmen, Versatzst├╝cke aus der Vergangenheit, der Zukunft, dem Abseits und der Kehle der Windhose. Er war erregt und entspannt, euphorisch und melancholisch, hellwach und vertr├Ąumt. Oleander war gleichzeitig. Zu gebannt, um zu tanzen, stand er an der Bar und lauschte mit geschlossenen Augen dem Fluss der Musik, bis Mina ihn sanft auf den Hals k├╝sste. Es war Zeit zu gehen. Sie waren die letzten G├Ąste und der DJ nickte ihnen zum Abschied grinsend zu.

Monate sp├Ąter hatte Oleander entdeckt, dass sich diese Tanzh├Âhle wochentags als gepflegte Bar pr├Ąsentierte, in der sich entspanntes, modernes Bohemepublikum traf und austauschte. Er mochte die Ahnung von gro├čer Kunst und Revolte, die in der Luft lag. Er wollte dazu geh├Âren. Damals, als er sich selbst noch als Kreativen sah. Hier hatte er Kontakte gekn├╝pft, sich von Gleichgesinnten inspirieren lassen und herbe Kritik kassiert. Seine Werke wurden regelm├Ą├čig verrissen, bis er eines Tages nicht mehr den Mut fand, sie hier zu pr├Ąsentieren. Er f├╝hlte sich als K├╝nstler minderwertig und begann seine Sch├Âpfungen selbst zu kritisieren, fand Makel und bem├Ąngelte anstelle der Kritiker. Das hemmte und demotivierte ihn. Gleichzeitig empfand er ein masochistisches Vergn├╝gen, wenn er sich selbst erl├Ąuterte, wie uninspiriert er war. Sein Studienwissen bef├Ąhigte ihn, die Selbstkritik eloquent zu formulieren und kunsthistorisch als Nachahmung einzuordnen. Die Mutation zum Kritiker war vollendet, als er zum ersten Mal wusste, dass der Pinselstrich, den er im Sinn hatte, unn├╝tz und schlecht ausgef├╝hrt sein w├╝rde, noch bevor er das Malwerkzeug zur Hand nahm. Mit der Zeit gewann er als Kunstkenner eine gewisse Sicherheit und wagte sich wieder unter die Boheme der Bar. Diesmal als Inquisitor, nicht als Gleicher. Seltsamerweise h├Ârten sie ihm zu, folgten seinen Argumenten und seiner Beredsamkeit, w├Ąhrend er Bewertungen zu ihren Werken abgab. Die K├╝nstler und M├Âchtegerne respektierten ihn daf├╝r, dass er kompetent und ehrlich war und sich bem├╝hte, nicht allzu gnadenlos zu sein.

Oleander schaute verdrie├člich auf die Uhr hinter dem Tresen. Sibylle w├╝rde nicht mehr kommen. Wahrscheinlich hatte ihr Seminar an der Volkshochschule doch noch zu einem Drink gef├╝hrt. Oder sie lag l├Ąngst mit Migr├Ąne im Bett. Als Ersatzgesellschaft orderte er einen weiteren Whisky und lie├č schon mal ein Taxi rufen. Um diese Zeit dauerte es meist etwas, bis endlich eins vorfuhr. ("Cut")
├ťbellaunig dachte er an die missgl├╝ckte Ausstellungser├Âffnung zur├╝ck. Wenn diese Schau wieder hinter seinen kommerziellen Erwartungen zur├╝ckblieb, war die Galerie ├╝ber kurz oder lang nicht mehr zu halten. Dabei war das Umfeld gro├čartig, einen besseren Standort als hier konnte er sich kaum vorstellen: genug K├╝nstler, genug Interesse, genug Geld, genug Schickeria. Folglich musste es an seinen Ausstellungen liegen, dass er nichts verkaufte. ("Cut")Vielleicht lag traf er neben dem nicht den Publikumsgeschmack? Oder er war nicht in der Lage, gen├╝gend Medienrummel zu veranstalten. Oleander wusste, dass es nicht ausreichte, gro├če Kunst zu schaffen. Sp├Ątestens seit Dali war klar, dass Marketing mehr als nur die halbe Miete war. Es ging um Publicity. Auch im Kunstbetrieb war Sensationsgier weit verbreitet, und die Reichen benahmen sich immer neureicher. Es gen├╝gte nicht mehr Wertvolles zu besitzen. Nein, es musste auch von jedermann als wertvoll erkannt werden. Es ging nicht mehr um das Sammeln, es ging um das Herzeigen, das Dekorative, das Plakative. Anm.: das w├╝rde ich im Pr├Ąsenz schreiben, denn es gilt ja noch immer.
Das Taxi war inzwischen vorgefahren. Oleander zahlte seine Zeche und ging gr├╝belnd hinter der Fahrerin her. Was ihm fehlte, war ein Rei├čer, um seine Galerie zu halten; etwas, das sich abhob: exzentrisch, aufw├╝hlend, total krank aber verk├Ąuflich.

Gr├╝├če, Karsten

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