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G. trinkt Kakao
G. wohnt in einem Hochhaus, achte Etage. Jetzt sitzt sie in ihrer guten, der einzigen Stube, mehr draußen als drinnen, denn ihre Beine brauchen frische Luft und trinkt heißen Kakao, richtig süß, G. weiß, dass sie das lieber lassen sollte, ihr Arzt ihr wieder einen Vortrag halten wird, diesen, den sie bereits singen kann: Bewegung, wenig Fett und wenig Zucker, das lässt die Pölsterchen schmelzen, garantiert ein langes Leben. Außer ihm gibt es niemanden, der sich an ihrer Polsterung stößt. G. muss lachen, stoßen, an ihr, wo sie doch besser gepolstert ist als ihr Schlafsofa, und so alt wie ihre Mutter will sie sowieso nicht werden, die hatte es auf Achtundachtzig gebracht, einige Pflegerinnen verschlissen, nicht mal Scheißen konnte die mehr alleine, der Hintern musste schließlich gewischt werden, nee, nee, G. will gesund und beweglich dahinscheiden, dafür hat sie Vorsorge getroffen.
G. holt sich einen zweiten Kakao, setzt sich wieder an ihren Platz, den schön angewärmten, so ein komfortabler Hintern ist eben nicht zu verachten, der verhinderte auch ein Abrutschen, ist er doch mehr drinnen als draußen.
Von hier oben hat sie eine gute Aussicht. Unten muss es was Interessantes geben, dort sammeln sich Menschen, verdichten sich zu einer Masse, schade, dass meine Augen nicht mehr gut sind, denkt G., während von unten laute Stimmen zu ihr empor finden. Ob sie hinuntergeht, nee, lieber nicht, da würde ihr Kakao ja kalt und kalten Kakao hasst G., Kälte bildet eine ekelige Haut, so winkt G. nur, wartet gespannt auf die Dinge, die noch passieren werden und es passiert, die Polizei und sogar die Feuerwehr trifft ein, jetzt wird es spannend, jetzt ist G. bereit den angewärmten Platz aufzugeben.
Zwei Etagen unter ihr ist eine Wohnung frei, G., als weiblicher Hauswart hat die Schlüssel. Mit dem Kakao in der Hand eilt sie, was sie eilen nennt, nach unten, nimmt zwei Etagen tiefer einen Platz ein, so kann sie besser sehen, weiter ihren Kakao schlürfen. Dort unten scheint es einige Verwirrungen zu geben, es wird mit Händen und Füßen geredet, immer wieder nach oben gezeigt. G. schaute auch nach oben, aber da gibt es nichts und für dieses Nichts hat G. nun ihren warmen Platz mit dem hier getauscht, der nicht nur kalt, sondern auch unbequem ist, ihre Fensterbank ist einfach breiter, für ihr Hinterteil passender.
Ihr Tassentopf ist leer, und G. hat die Lust verloren, außerdem muss sie noch Einkaufen, das Kakaopulver ist alle.
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Man probiert. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, dann probiert man was Neues. (frei nach Antje Joel)
Version vom 01. 09. 2008 12:42
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