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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Gastarbeiter
Eingestellt am 17. 12. 2001 11:39


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Teil 1
Es war nicht unbedingt ihre Welt in der sie sich bewegte. In Wahrheit stammte sie aus Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen, doch sie hatte sich sozusagen „hochgearbeitet“.

Es war eine Ă€rmliche Gegend in Polen, dort wo ihr zu Hause war. Schon frĂŒh, sobald ihr Bruder das 18. Lebensjahr erreicht hatte sparte die ganze Familie darauf, damit er einen FĂŒhrerschein erhielt und ab da war es zu Ende mit der Armut.

Er fand Arbeit in Deutschland, zwar illegal, doch das war nur das kleinere Übel bei der Sache. An jedem Wochenende fuhr er mit Freunden von daheim aus ĂŒber die Grenze um dort in GĂ€rtnereien zu arbeiten. Sie war nicht sehr schwer, die Arbeit. Dort gab es fĂŒr alles Maschinen. Es war eine stumpfsinnige TĂ€tigkeit, aber sie wurde gut bezahlt. Sie ĂŒbernachteten in seinem Wagen, schliefen auf ParkplĂ€tzen. Miroslav gewöhnte sich an die Fahrten.

Eine GĂ€rtnerei war sehr zufrieden mit ihnen und stellte einige BlockhĂ€user auf ihr GewerbegrundstĂŒck. Miro und seine Freunde gaben ihre Arbeit in Polen auf und richteten sich dort hĂ€uslich ein.

So kam auch seine Schwester Ilonka eines Tages auf die Idee, ihn eine lĂ€ngere Zeit zu besuchen. Sie war 18 und bildhĂŒbsch.

NatĂŒrlich wohnte Miro nicht allein, er teilte sich die BlockhĂŒtte mit noch zwei Kollegen und durch Ilonka mussten sie jetzt alle zusammenrĂŒcken. Doch fĂŒr sie taten die Burschen das gerne. Sie waren sogar alle bemĂŒht, fĂŒr Ilonka eine Arbeit zu finden. Doch das Interessan an Arbeit war bei Ilonka nicht sehr groß, hatte sie doch lĂ€ngst schon herausgefunden, welche Wirkung sie auf das mĂ€nnliche Geschlecht ausĂŒbte.

Jacek, der sich ein wenig in Ilonka verliebt hatte kam immer wieder mit VorschlĂ€gen, denn er suchte wirklich intensiv eine Stelle fĂŒr sie, ganz in der NĂ€he am Besten, damit sie bei ihnen wohnen blieb.

Den Job als Kellnerin nahm Ilonka dann auch an und Jacek gab ihr Tipps, lieh sich Miros Wagen aus und kaufte mit ihr ein. Ilonka machte sich keine Gedanken darĂŒber. Immerhin war Jacek der beste Freund ihres Bruders. Sie kannte ihn schon sehr lange und es war fĂŒr sie wie selbstverstĂ€ndlich, dass er einfach immer in ihrer NĂ€he war.

Auch Dragoslaw mochte sie, aber er wusste um die GefĂŒhle seines Kumpels und er verhielt sich Ilonka gegenĂŒber Ă€ußerst zurĂŒckhaltend.

So waren sie plötzlich sehr verwundert, als Ilonka ihnen eröffnete, dass sie das Angebot des GaststĂ€ttenbesitzers annehmen wĂŒrde, dort ein Zimmer zu bewohnen. Sie bekam die Kosten dafĂŒr natĂŒrlich vom Lohn abgebucht und hĂ€tte bei ihnen weiterhin kostenlos wohnen können.

Doch Ilonka wollte in die Stadt um dort aus den Augen ihres Bruders zu sein. Er hatte sich inzwischen angewöhnt hier im fremden Land die Vaterrolle fĂŒr sie zu ĂŒbernehmen und das gefiel ihr ĂŒberhaupt nicht.

Ilonka hatte in der Heimat schon die deutsche Sprache erlernt und redete mit einem niedlichen Akzent, den die GĂ€ste sehr mochten. Oft ließen sie die Kellnerin nur fĂŒr Kleinigkeiten kommen, nur um ihre netten AusdrĂŒcke zu vernehmen um sich dabei zu amĂŒsieren.

Ilonka fiel stets darauf herein. Sie brauchte etwas lÀnger, um zu begreifen, dass in diesem Land nicht alles so ernst gemeint war, wie sie es gewohnt war.

So erschienen neuerdings GĂ€ste, die der Wirt in seinem Lokal vorher nie gesehen hatte.
Der junge Graf FĂŒrstenfeld kehrte bei ihm ein und brachte stĂ€ndig Freunde mit, die Leben in das sonst so ruhige Wirtshaus am Rande der Stadt brachten.

Ihm war schon gleich beim ersten Besuch die Schönheit des MÀdchens aufgefallen und es zog ihn ihretwegen immer wieder hierher.

Der Wirt freute sich ĂŒber die neuen GĂ€ste, denn sie verzehrten viel und sein Geldbeutel klingelte unentwegt, wenn Besuch aus dem nahegelegenen Gutshof anwesend war. Er rief sofort nach Ilonka, sobald seine GĂ€ste eintraten.

Der Graf hatte sich schon nach ihr erkundigt und der Wirt gab bereitwillig Auskunft ĂŒber sie.
Er wusste, wann ihr freier Tag war, dass sie noch einen Bruder in der NĂ€he hatte und hier eine Kammer bewohnte.

An diesem Tag hatte sich Ilonka wieder ihre langen Haare blondiert und sie sah ausge-sprochen reizend aus. Der Graf war ihr nicht unsympathisch, denn er belĂ€stigte sie nicht mit diesen Blondinenwitzen, die manchen GĂ€sten sofort einfielen, wenn sie Ilonka sahen. In seiner Anwesenheit ließen auch seine Freunde keinen derartigen Witz los.

An diesem verheißungsvollen Tag schob der Graf ihr ein winzig kleines PĂ€ckchen zu. Sie solle es aber erst in ihrem Zimmer öffnen, es wĂ€re eine kleine Anerkennung fĂŒr ihre gute Bedienung, meinte der Graf. Ilonka bedankte sich und ließ es gleich unbemerkt in ihre KellnerschĂŒrze verschwinden.

Da tagsĂŒber sehr viel zu tun war, hatte sie das Geschenk lĂ€ngst vergessen und zu allem Überfluss erschien auch noch ihr Bruder, der auf Anraten von Jacek mit seinen Freunden hier auf ein Bier vorbei kam. Ihm fiel diese MĂ€nnerrunde auf, die sich vornehmlich von ihr bedienen ließ und er erkundigte sich nach ihnen.

Als er von Ilonka erfuhr, dass es sich um einen Grafen handelte, vergaß er seine Vaterrolle und wollte bald wieder das Lokal verlassen, doch nicht so Jacek. Er sehnte sich nach ihr, war froh, dass er sie endlich sah. Dragoslaw sah ihn mitleidig an. Er wusste, jetzt war es zu spĂ€t fĂŒr ihn. Sie befand sich lĂ€ngst in den Klauen dieses Grafen, wenn es ihr auch noch nicht bewußt war.

Jacek versuchte mit ihr Blickkontakt aufzunehmen, doch Ilonka hatte nur Augen und Ohren fĂŒr die Gesellschaft am runden Tisch. Sobald von denen jemand etwas benötigte, unterbrach sie jedes GesprĂ€ch und flitzte hinĂŒber. Sie sah nicht die Liebe in seinen Augen, spĂŒrte nicht seinen Wunsch, sie berĂŒhren zu wollen und bemerkte nicht, wie er dahinschmolz, wenn sie sich mit ihm unterhielt.

Nun gab es in den GĂ€rtnereien inzwischen weniger Arbeit, das war auch der Grund, weshalb sie mitten in der Woche am hellichten Tage schon Zeit hatten, sie zu besuchen. Wenn der Herbst jetzt bald zu Ende sei, wollten sie wieder in die Heimat zurĂŒck und ihr Bruder fragte auch sie, ob sie wieder mitfahren wollte.

NatĂŒrlich freute sich Ilonka, sie alle wiederzusehen, denn sie war immer sehr glĂŒcklich gewesen in ihrer NĂ€he, doch heute achtete der Wirt darauf, dass sie ihre Bedienung nicht vernachlĂ€ssigte und plötzlich fiel ihr wieder das kleine PĂ€ckchen ein.

Sie gab ihnen zu verstehen, dass der Donnerstag ein sehr ungĂŒnstiger Tag fĂŒr Besuche war und wandte sich wieder ihren GĂ€sten zu. Das mit dem Mitfahren wolle sie sich ĂŒberlegen.
Miroslaw hielt den Tag fĂŒr ungĂŒnstig und machte Anstalten zu gehen, doch Jacek hielt ihn zurĂŒck.

„Lass uns noch ein wenig bleiben!“ schlug er seinem Freund vor.

Nein, Miroslav hatte genug gesehen, ihn hielt jetzt nichts mehr hier. Schnell weg von seiner Schwester, er wollte es nicht sehen, was dort vor sich ging. Sein Freund Jacek warnte ihn, doch er wollte nichts davon hören.

In Jacek wuchs der Wunsch, sich selbst einen Wagen zu kaufen. Jetzt mehr denn je. Er brauchte Miro nicht mehr dazu, seine Schwester zu besuchen, könne sie allein sprechen, mit ihr allein reden und sie beschĂŒtzen.

Doch leider reichte sein Erspartes noch nicht dazu. Er mĂŒsste noch eine zeitlang mit dem Wagen von Miroslav vorlieb nehmen.

Also ergab er sich vorlĂ€ufig in sein Schicksal und ließ sich von Miro wieder mit nach Hause nehmen.

Ilonka war inzwischen auf ihre Stube verschwunden und öffnete das PÀckchen des Grafen.
Es war ein wunderschöner Ring, der golden glÀnzte und mit einem roten Stein versehen war.
So ein vermutlich teures Geschenk konnte sie unmöglich von dem Herrn annehmen. Sie verschloss alles sorgfĂ€ltig und wollte es ihm bei nĂ€chster Gelegenheit zurĂŒckgeben. Es verbot ihr ihr Stolz, sich so einen teuren Ring schenken zu lassen.

Sie erwischte ihn noch gerade, als er sich an der Garderobe seinen Mantel ĂŒberzog und hielt ihm das kleine PĂ€ckchen hin, doch er wollte es unter gar keinen UmstĂ€nden wieder annehmen.

Das wĂ€re schon o.k. so, meinte er, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und verließ das Lokal in Windeseile.

UnschlĂŒssig und verwirrt stand Ilonka im Lokal und sah den teuren Wagen hinterher, wie sie den Parkplatz in Richtung Stadt verließen. FĂŒr sie war der Abend noch lange nicht zu Ende, fĂŒr sie fing der schönste Teil des Tages jetzt erst an. Ilonka zog ihre KellnerschĂŒrze ab, steckte sich den Ring am Finger und rechnete mit dem Wirt die Tageseinnahmen ab.


Am nĂ€chsten Tag wurde Graf Peter von einer freundlichen Ilonka bedient, die einen kostbaren Ring am Finger ihrer linken Hand trug. WĂ€hrend er zum Glas griff, schnappte er sich Ilonka in den Arm und zog sie auf seinen Schoß. Plötzlich und unerwartet steckte seine Zunge in ihrem Mund und sie wagte es nicht, ihn darauf zu beißen, denn sie fĂŒhlte sich in seiner Schuld.

Bevor sie etwas sagen konnte hielt er ihr zwei Kinokarten hin und bat sie, mit ihm in die Vorstellung zu gehen.


Sie ĂŒberlegte lange, was sie anziehen sollte, doch Graf Peter erschien schon am Nachmittag recht frĂŒh, um sie abzuholen. Er wusste, dass es ihr freier Nachmittag war. Sie sah recht bescheiden aus mit ihrem dicken protzigen Ring am Finger, der so gar nicht zu ihrer Kleidung passte.

In der Stadt ließ Peter das MĂ€dchen nach seinem Geschmack einkleiden und wĂ€hrend sie schon immer eine Schönheit war, danach sah sie aus, wie eine Schauspielerin. Ein Paar lange cremefarbene weiche Nappalederstiefel mit hohen AbsĂ€tzen zierten ihre FĂŒĂŸe und ein sĂŒndhaft teures enganliegendes KostĂŒm schmiegte sich ihrem makellosen Körper an.

Das alles imponierte Ilonka sehr und als sie in der Abendvorstellung saß, sahen viele Leute bewundernd zu ihr her. Graf Peter schien weniger an den Film interessiert zu sein, als daran, sie stĂ€ndig von der Seite zu betrachten.

Teil 2 folgt




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anemone
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Jacek nahm die HandbĂŒrste un rubbelte zwischen seine FingernĂ€gel, unter denen sich der Dreck der Erde eingefressen hatte. Am Ende des Jahres ging die Arbeit mit den Eriken los, danach konnten sie den Winterurlaub beginnen. Der letzte Arbeitstag in diesem Jahr war jetzt zu Ende und ein wenig freuten sich die drei Freunde darauf, wieder in ihre Heimat zu kommen.

Mutter wĂŒrde eine Ente schlachten, das wusste Jacek, denn sie freute sich auf seinen Besuch und er freute sich ganz besonders darauf, seinen Bruder wiederzusehen.

Doch etwas betrĂŒbte ihn sehr. Es war die Mitteilung Ilonkas, dass sie nicht mitkommen wĂŒrde. Jacek hatte ihr ein Handy geschenkt, hatte sich noch einmal Miros Wagen ausgeliehen und war an ihrem freien Tag zu ihr gefahren. Doch er traf sie gar nicht an. Der Wirt blinzelte etwas verlegen und meinte zu ihm: „Da machen sie sich mal keine Sorgen, der geht es gut!“ Aber wo sie sich aufhielt, wollte er ihm nicht sagen. Sie war doch sonst meist an ihrem freien Tag dort geblieben.

Er ĂŒberreichte dem Wirt das Handy mit einem schönen Gruß von ihm und verabschiedete sich wieder. Ungeduldig wartete er auf ihren Anruf, doch es kam keiner. Nun hielt er es aber nicht mehr aus und er wĂ€hlte ihre Nummer, auch wenn es schon fast Mitternacht war. Nein, sie meldete sich nicht.

Sollte der Wirt denn das Handy noch nicht abgegeben haben? Jacek hatte keine ErklĂ€rung dafĂŒr und als sie am nĂ€chsten Tag in Miros Wagen saßen um loszufahren, es war gerade 5 Uhr in der FrĂŒh, forderte Jacek Miro auf, doch noch kurz dort vorbeizufahren.

Nein, Miroslav sorgte sich nicht mehr um seine Schwester, das hatte sich erledigt. Er schlug den Weg ein, der sie in Richtung polnische Grenze bringen sollte.

Jacek war wÀhrend der ganzen Fahrt recht schweigsam. Er hielt sein Handy in der Hand und versuchte immer wieder Ilonkas Nummer zu wÀhlen. Er sorgte sich um die kleine Ilonka. Doch es ging niemand an den Apparat.

Irgendwann hielt er es nicht mehr aus und er maulte seinen Freund an, nur weil er mit dem Wagen viel zu schnell ĂŒber eine steinige Strecke fuhr, so dass er sogleich zurĂŒckkonterte, er solle seine schlechte Laune an jemand anderen auslassen.

Dragoslaw konnte ihn verstehen, doch helfen konnte er ihm nicht. Ihm war klar, dass fĂŒr Jacek die Chance vorbei war, er hatte sie verpasst.

Er versuchte ihn zu ĂŒberreden, mit ihm zu kommen, denn Drago sprach noch nicht so gut deutsch und gerade er freute sich besonders auf Polen und die polnischen MĂ€dchen. Er wollte daheim tanzen gehen und sich eine Freundin suchen. Aber Jacek war dazu nicht zu ĂŒberreden.

Drago versuchte ihm klar zu machen, dass Ilonka von seiner Liebe sicher nichts wĂŒsste und er hĂ€tte es ihr einmal sagen sollen, doch das hielt Jacek fĂŒr ausgeschlossen. „NatĂŒrlich weiß sie es! Ich bin doch mit ihr ĂŒberall hingefahren, habe sie verwöhnt und sie war glĂŒcklich in meiner NĂ€he.“

„Und? Wie nah wart ihr euch?“ wollte Drago noch wissen. Verlegen spielte Jacek mit seinem Handy herum. Er hatte ja recht. Als langjĂ€hriger Freund ihres Bruders war er ihr ebenfalls wie ein Bruder und er hatte es sich einfacher vorgestellt. Schon oft war er dem Versuch nahe, es ihr zu sagen, doch immer wich sie ihm aus, kam etwas dazwischen.

„Siehst du!“ sagte Drago nur nach einigen langen Minuten des Schweigens. „Komm mit mir, schlag sie dir aus dem Kopf, sie interessiert sich nicht fĂŒr dich! Such dir eine neue Freundin!“

Jacek wollte es nicht glauben, gut, dass sie ihn nicht liebte, sie war ja noch jung, aber sie kam doch mit all ihren Problemen zu ihm, eher noch als zu ihrem Bruder. Sie wusste, er war verschwiegen, erzÀhlte seinem Freund nur, was er auch hören durfte.

Lange noch dachte er ĂŒber die Worte Dragos nach. Und wenn er recht hatte? Sie sah in ihm nur einen Freund? Er musste mit ihr reden, allein. Dabei fiel sein Blick wieder auf das Handy und wieder wĂ€hlte er ihre Nummer.


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anemone
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Teil 3

Nach dem Kinobesuch lud Peter sie zum Essen ein. Es war ein vornehmes Lokal, so etwas hatte Ilonka noch nie von innen gesehen und man schien ihn dort zu kennen. Es schmeckte ihr dort ausgezeichnet und als sie am spĂ€ten Abend das Lokal verließen, um in seinen Sporwagen zu steigen, fuhren sie noch auf ein GetrĂ€nk in das benachbarte Motel an.

Ilonka kam das alles wie ein Traum vor. Sie trank das, was Peter ihr anbot und ging mit ihm wohin er wollte. Am nĂ€chsten Morgen wachte sie in seine Armen auf und sie kuschelte sich begeistert an ihn. Sie hatte mal einen Film im deutschen Fernsehen gesehen. Sie dachte darĂŒber nach, es war ein MĂ€rchen von einer gewöhnlichen Ente, die zu einem jungen hĂŒbschen Schwan wurde. Ja, so fĂŒhlte sie sich: Wie ein Schwan.

Als Peter sie um 11 Uhr vor dem Lokal aus seinem Sportwagen ließ, war sie mit einem neuen Handy ausgestattet und sie trug einige TĂŒten in ihre bescheidene Kammer.

Als der Wirt ihr spĂ€ter Jaceks Handy ĂŒberreichte, sah sie es nur verĂ€chtlich an. Sie fĂŒhlte sich sehr wohl und dachte nicht mehr an Jacek.

So kam es, dass Ilonka jetzt tÀglich mit Peter und seinen Freunden die Abende verbrachte. Oft endeten sie im Hotelbett. Ihre Kammer wurde kaum benutzt. Sie lernte ein völlig neues Leben kennen. Es war ein Leben in Saus und Braus. Den Gutshof allerdings, auf dem Peter zu Hause war, bekam sie nie zu Gesicht und deshalb fiel sie auch aus allen Wolken, als ihr einer von Peters Freunden die Verlobungsanzeige zusteckte.

„Graf und GrĂ€fin von FĂŒrstenfeld geben hiermit die Verlobung ihres Sohnes Peter von FĂŒrstenfeld mit der Tochter Isolde des Grafen Falkenstein und seiner Gemahlin bekannt.“

Er wich ihr aus, als sie ihn daraufhin ansprach, doch ab dieser Zeit sah man ihn nur noch selten in seinem ehemaligen Stammlokal. Seine Freunde kamen immer noch, doch Peter blieb unerreichbar fĂŒr sie. Seine Freunde waren sehr nett zu ihr und trösteten sie. Wenn sie ihn anrief, ging er nicht an den Apparat. Sie musste sich damit abfinden, dass nur noch die Freunde fĂŒr sie da waren.

Irgendwann erfuhr sie, dass er ihnen Geld zusteckte, um ihr etwas Schönes zu kaufen und mit ihr Essen zu gehen. Sogar ein Hotelzimmer hatte er bezahlt, damit sie dort die Nacht mit Florian verbringen konnte, seinem besten Freund.

Das ging zu weit! Sie war enttÀuscht, wollte von dieser Klique los kommen. Doch wen hatte sie noch, wenn nicht seine Freunde? Ein Leben in Armut, wollte sie das?

Der Wirt schaute sie böse an, wenn die Freunde des Grafen nur noch ihretwegen kamen und sie sich abweisend verhielt. Was war schon los in diesem Lokal ohne den Verzehr dieser munteren Gesellen? Also passte sie sich ihnen an, zog weiterhin am spÀten Abend mit ihnen los und war in Gedanken oft abwesend.

Florian bemĂŒhte sich zwar um sie und auch die anderen Freunde legten gerne die Arme um ihre Schulter, doch in ihr war etwas zerbrochen, was auch die Freunde nicht kitten konnten.

Zur Verlobung des jungen Grafen erhielt Ilonka keine Einladung. Seine ehemaligen Freunde sah er nur noch selten und seine Verlobung war auch gleichzeitig der Abschied von seinen Freunden.

Peter verkehrte jetzt in anderen Kreisen, beschĂ€ftigte sich mit der Politik und selbst an seinem Verlobungstag hatte er kaum Zeit fĂŒr sie.

Die Freunde fanden sich damit ab, ohne ihn auskommen zu mĂŒssen und mit der Zeit hörten auch die Besuche in der abseits gelegenen GaststĂ€tte auf. Wenn einer kam, dann kamen sie vereinzelt herĂŒber, nur, um sich mit Ilonka zu treffen und Ilonka ließ es geschehen, hatte sie doch sowieso niemanden.

Aus der schönen Ilonka war eine Frau fĂŒr alle FĂ€lle geworden.

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Rote Socke
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Hallo anemone,

wie ich bereits erwĂ€hnte, ist Dir eine interessante Story gelungen und darum wollte ich ja gerne weiterlesen. Der Inhalt der Geschichte entwickelt sich gut. Du schreibst auch nie langweiliges Zeug. Trotzdem solltest Du nochmals ĂŒberarbeiten. Du könntest aus dem Text noch mehr herauskitzeln, in dem Du etliche SĂ€tze ein klein wenig umstellst, bzw. ĂŒberflĂŒssige Wörter streichst. Denn dann wird es ein griffiger Text sein. Es geht also nur noch um die Form. Der Inhalt ist prima.

Schöne GrĂŒĂŸe
Volkmar

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anemone
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Danke Rote Socke

Sie ist noch nicht zu Ende, aber anschließend werde ich sie in die Schreibwerkstatt setzen, wenn es mir auch schwerfĂ€llt etwas nachzuarbeiten, da beginnt fĂŒr mich die Arbeit. Schreiben kann ich noch als VergnĂŒgen bezeichnen.
Habe noch einige alte StĂŒcke hier, die ich immer wieder zur Seite lege, weil sie fĂŒr mich lĂ€ngst vergessen sind.

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anemone
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letzter Teil

Die drei Freunde traten die RĂŒckreise an, die sie nach einer langen Winterpause wieder in ihre HolzhĂŒtte trieb. Die Zeit war ihnen nicht lang geworden am warmen Ofen daheim bei Eltern und Geschwistern. Bis auf Jacek hatten alle die Zeit genossen. Dragoslav fand in der Heimat eine Freundin und es fiel ihm nicht leicht, sie dort zurĂŒckzulassen.

Jacek machte sich große Sorgen um Ilonka, denn sie benutzte sein Handy nicht. Alle fanden zwar, er solle sich nicht mehr darum kĂŒmmern, doch sein GefĂŒhl riet ihm, es doch zu tun. So ging dann diese RĂŒckreise zuerst zum Gasthof. Jacek versuchte schon vor Tagen immer wieder, den Wirt telefonisch zu erreichen, doch jedesmal war Ilonka nicht im Haus.

Eine Erleichterung ging durch seinen Körper, als er bei der Ankunft ihre zarte Gestalt im TĂŒrrahmen des Lokals erkannte. Sie sah wunderschön aus in ihrer neuen Garderobe. – Sicher war sie hĂ€ufig einkaufen! – dachte Jacek bei sich und ging stĂŒrmisch auf sie los.

Ilonka freute sich, als sie den alten polnischen Wagen auf den Parkplatz einbiegen sah und lief sofort zur TĂŒr, um ihren Bruder und die Freunde zu begrĂŒĂŸen. Gleich nahm Jacek sie in die Arme und ließ sie kaum mehr los.

Ach, wie tat es gut, diese Drei wiederzusehen, die sie schon fast vergessen hatte. Dabei kamen sie von daheim und man hatte sie dort sicher vermisst.

Sie nahm sich sehr viel Zeit und hatte den Wunsch, mit ihnen zur BlockhĂŒtte zu fahren. WĂ€hrend ihr Bruder und Drago sich mit dem Anheizen der HĂŒtte beschĂ€ftigten, starrte Jacek sie nur an und meinte, sie sĂ€he aber schlecht aus.

Das wollten die beiden anderen aber nicht bestĂ€tigen, doch Jacek sah es an ihren Augen. Sie glĂ€nzten nicht mehr so wie frĂŒher, sie wirkten traurig auf ihn.

In der HĂŒtte war es schon nach kurzer Zeit mollig warm und Ilonka fĂŒhlte sich dort so wohl, dass sie nicht mehr zurĂŒck wollte. Florian hatte zwar abends mit ihr ausgehen wollen, aber das interessierte sie nicht mehr. Sie rief den Wirt an und meldete sich ab.

Immer nĂ€her rĂŒckte sie zu Jacek hin und fĂŒhlte sich bei ihm geborgen. Auf die Fragen ihres Bruders hin gab sie bereitwillig Antwort und so erfuhren die Freunde, was in der Zwischenzeit passiert war.

In der Nacht blieb sie bei ihnen und Jacek wich ihr nicht von der Seite. Sie fĂŒhlte sich so zu ihm hingezogen. Er war fĂŒr sie wie die Heimat, die sie jetzt sehr vermisste. Ihr schlug das Gewissen, dass sie noch kaum daran gedacht hatte und auch zu Weihnachten nur kurz zu Hause anrief.

Drago versetzte jetzt Jacek einen krÀftigen Hieb, so dass er gegen den Ofen fiel. Doch Jacek lachte nur und plötzlich gestand er Ilonka, dass er sie unendlich vermisst habe, sie liebe und
nicht mehr ohne sie leben könne. Sie sah ihn an und meinte: „Du glaubst gar nicht, wie gut mir das tut! Ich glaube, ich habe da einen riesengroßen Fehler gemacht und werde ab jetzt bei euch bleiben, hier bei dir Jacek fĂŒhle ich mich unendlich wohl!“ Und wieder bimmelte bei dem Wirt das Telefon.

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Rote Socke
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Hallo anemone

Du hast wirklich einen angenehmen Schreibstil drauf. Es ist Dir eine ErzÀhlung gelungen, die angenehm zu lesen ist.
Ein klein wenig solltest Du schon redigieren, auch wenn Dir das nicht leicht fallen mag. Es sind ja auch nur Kleinigkeiten in der Form. Der Inhalt und der ErzĂ€hlstil, da gibt es ja nichts zu rĂŒtteln.

Schöne GrĂŒĂŸe und weiter so

Volkmar

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