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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Geburtstag
Eingestellt am 25. 10. 2004 18:00


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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Geburtstag

Geburtstag

Verwirrt sehe ich mich in meinem Zimmer um. Was ziehe ich blo├č an? F├╝r einen Rock ist es zu kalt, dann doch lieber meine graue Hose, auch wenn sie einen Flicken am Hintern hat. Da sieht sowieso niemand hin. Am liebsten w├╝rde ich ein eng anliegendes Oberteil tragen. Nach einigem ├ťberlegen verwerfe ich diese Idee, ich habe nicht die Figur ein solches Top zu tragen. Au├čerdem besitze ich gar keins. Warum bin ich so dick? Ein Blick in den Spiegel best├Ątigt meine Gedanken. Lieber ziehe ich meine wei├če Bluse aus einem W├Ąscheberg und den grauen Pullunder dar├╝ber. Die Bluse ist auch nicht mehr so wei├č, wie sie einmal war. Auf der letzten Feier, auf der ich war, habe ich es geschafft mir im angetrunkenen Zustand Rotwein auf die Bluse zu kippen. Die Flecken gehen nie wieder raus und ich muss immer etwas ├╝ber der Bluse tragen, damit man die verr├Ąterischen Flecken nicht sieht.
Meine Haare sehen mal wieder schrecklich aus, es wird wirklich zeit zum Friseur zu gehen, aber jetzt muss ein einfacher Zopf gen├╝gen.
Es klingelt an der T├╝r und hastig stopfe ich mein Handy, meinen Schl├╝ssel und die Pralinen in meine Handtasche, rufe meinen Eltern einige kurze Abschiedsworte zu und verlasse das Haus.

Jetzt sind wir bei Andr├ę angekommen. Bisher wind nur Unbekannte, Freunde aus seinem Dorf da, mit denen wir nichts zu tun haben. Die Musik ist laut und trotz meines Vorsatzes nichts zu essen, verschlinge ich zwei St├╝cke Kuchen. Angela, Simone, Vanessa und ich sitzen auf einer der Bierb├Ąnke in der Garage. Es ist schwer sich zu unterhalten und mit der steigenden Besucherzahl und der anschwellenden Musiklautst├Ąrke verbessert sich dieser Umstand nicht gerade.
Nun wird flei├čig gegessen, Schnitzel, Schweinebraten und Fleischkl├Â├če. Bei den Unmengen an Fleisch zieht sich mein Vegetarierherz schmerzerf├╝llt zusammen. Ich begn├╝ge mich mit einem L├Âffel Nudelsalat. Es schmeckt nicht atemberaubend, aber auch nicht schlecht. Die Musik ist weiterhin laut und ich unterhalte mich schreiend mit Anton. Er ist wirklich ein gro├čer Kerl und ist somit ein totaler Kontrast zu mir kleinem Gesch├Âpf. Jedoch ist es immer sch├Ân mit ihm zu diskutieren und disputieren.
Mittlerweile leere ich auch schon meine dritte Flasche Cola. Die anderen sind zu Bier oder Asbach ├╝bergegangen. Ich halte mich zur├╝ck, ebenso Angela. Wir beide jedoch aus zwei verschiedenen Gr├╝nden. Sie muss sp├Ąter noch mit dem Auto heimfahren, ich bin in Bezug auf Alkohol ein gebranntes Kind. Zeugen sind die Rotweinflecken auf meiner Bluse. Auf der besagten vergangenen Feier war ich das erste Mal stockbetrunken. Ich habe daraus gelernt und trinke seither keinen Alkohol mehr, denn schon allein bei dem Geruch wird mir schlecht und ich bekomme Kopfschmerzen. Als Florian die Asbachflasche an mir vorbeireicht, steigt mir bitterer Magensaft in den Mund und ich muss w├╝rgen.
Da ich Angst habe, dass die anderen denken, ich w├╝rde ├╝bertreiben, erkl├Ąre ich meine Situation und Reaktion. Das f├╝hrt letztendlich zu etlichen Saufgeschichten, die bald in ihrer Ausschm├╝ckung ausarten und immer ├╝bertriebener werden.
In der kommenden Stunde verkrachen und vers├Âhnen sich Katja und Niko mal wieder und immer dabei ist Florian. Er umkreist Katja wie ein Aasgeier, in der Hoffnung sich endlich auf sie st├╝rzen zu k├Ânnen.
Nun werden dann endlich die Wodka- und Baileysflaschen auf den Tisch gestellt und immer munter weiter getrunken. Die Musik wird immer lauter und die Luft kann man inzwischen schneiden. Mit Angela und Jana fliehe ich aus der Garage und wir setzen uns auf den Gartenzaun. Die Luft ist kalt, doch alles ist besser, als der stickige Zigarettenqualm in der Garage. Wir reden, ├╝ber die Schule, die Lehrer und Beziehungen. Nach und nach kommen immer mehr aus der Garage und trinken ihr Bier auf dem Parkplatz. Die meisten sind schon angetrunken oder besoffen. Man erf├Ąhrt einiges. Es betr├╝bt mich die Geschichte von Lukas, sowie alle anderen auch. Er ist ungef├Ąhr so alt wie ich, seine Mutter ist gestorben, als er in der dritten Klasse war. Damit kommt er bis jetzt nicht zurecht und ertr├Ąnkt seine Einsamkeit jeden Tag von neuem im Alkohol. Es ist unglaublich, wie sich ein junger Mensch so zerst├Âren kann. Hilfe von Au├čen ist nicht zu erwarten und die Familie ist zerstritten. Er ist in der dritten Klasse einmal durchgefallen und auch in der Hauptschule sitzen geblieben. Lukas verschwindet gegen ein Uhr morgens mit seiner Schwester. Sie bringt ihn nach Hause.
Es wird immer k├Ąlter und ich verfluche mich daf├╝r, keine dickere Jacke mitgebracht zu haben. Der Alkohol flie├čt weiter und ich erinnere mich an die Frage meiner Mutter. M├╝ssen Jugendliche denn immer Alkohol trinken, um gut drauf zu sein?
Es geht leichter mit Alkohol, denn dann hat man etwas, sein Verhalten rechtfertigen zu k├Ânnen. Wieso man dies oder jenes gesagt hat. Au├čerdem haben wir es nicht leicht, wie es immer behauptet wird. Auch wir brauchen eine M├Âglichkeit zu fliehen, weg zu kommen von den t├Ąglichen Sorgen und dem Druck, der von Eltern, Mitsch├╝lern und den Lehrern ausge├╝bt wird.
Einige Flaschen Bier sind zu Bruch gegangen und es riecht ├╝berall nach Bier. Es geht langsam auf halb drei Uhr zu. Ich sage zu Angela, dass ich langsam m├╝de werde. Wir verabschieden uns.

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