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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Gedanken am Fenster...
Eingestellt am 22. 04. 2005 08:42


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Paloma
???
Registriert: Aug 2002

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Es klingelte. M├╝hsam stand ich auf und schlurfte die paar Schritte zur T├╝r. Seit einiger Zeit wollten meine Beine nicht mehr so recht. ÔÇ×Ja, das AlterÔÇť dachte ich und bet├Ątigte den T├╝r├Âffner. Herr Baumer, der Brieftr├Ąger, kam mit gro├čen S├Ątzen die Treppe herauf. Er gr├╝├čte mit einem L├Ącheln und dr├╝ckte mir einen Stapel Post und Werbung in die Hand. Dann verschwand er genauso schnell wie er gekommen war.

Ich ging zur├╝ck in mein Wohnzimmer und setzte mich an den kleinen Tisch, der gleich am Fenster stand. Von dort aus konnte ich auf die Stra├če sehen und es war im Laufe der Zeit mein Lieblingsplatz geworden. Ich begann die Post zu sortieren. Die Werbung legte ich erst einmal zur Seite. Ein paar Briefe erkannte ich am Umschlag, den meiner Sparkasse, die mir die Kontoausz├╝ge jetzt immer zuschickten und auch den, der die Telefonrechnung enthielt.

Mein Herz schlug schneller, als ich einen l├Ąnglichen Umschlag mit schwarzen R├Ąndern in den H├Ąnden hielt. Ich drehte und wendete ihn, ├╝berlegte zu wem die Handschrift geh├Ârte, die meine Adresse fein s├Ąuberlich darauf geschrieben hatte. Schlie├člich ├Âffnete ich ihn. Mit zitternden H├Ąnden griff ich nach der Karte im Inneren und zog sie langsam raus. Z├Âgernd griff ich nach der Lesebrille und setze sie auf. Ich atmete tief durch und las:

Heute hat Gott, unser Vater. . . blah blah bald

. . . .Mutter, Schwester . . . . u.s.w., u.s.w

Lena Holger

zu sich geholt. . .

Ich sp├╝rte wir mir kalt wurde, wie die K├Ąlte langsam meine Beine hoch kroch, griff nach der Decke und zog sie ├╝ber die Knie. So, Lenchen war also tot. Lenchen war meine Cousine, die Tochter des Bruders meiner Mutter. Wir waren zusammen aufgewachsen. Hatten in Nachbarh├Ąusern gewohnt und waren zusammen in der Schule, in verschiedenen Klassen, Lenchen war 1 ┬Ż Jahre j├╝nger als ich. In all den Jahren waren wir wie Schwestern, bis sie in eine andere, weit entfernte Stadt gezogen war. Anfangs hatten wir noch regelm├Ą├čig telefoniert, dann war unsere Freundschaft irgendwie leise eingeschlafen. Und nun - war Lenchen tot.

Ich schaute aus dem Fenster. Der Tod passte gut in diese dunkle Zeit. Die B├Ąume auf der anderen Stra├čenseite, die mir stets ein Bild der Jahreszeiten herauf schickten, waren fast kahl. Es regnete, die Menschen gingen gebeugt und versuchten mit ihren Schirmen dem Wind zu trotzen. Es war kalt und trostlos ÔÇô nicht nur auf der Stra├če. . .

Ich zog die Decke rauf bis an die Schultern. Mein Blick fiel erneut auf den Gehweg. Ein Hund kl├Ąffte einen Passanten an, der wild gestikulierte und irgendwas unverst├Ąndliches rief.

Fr├╝her hatten wir auch einen Hund. Herbert, mein Mann, war so ein Hundenarr. Als Herbert vor drei Jahren starb, musste ich den Hund ins Tierheim geben. Mir w├Ąre es schwer gefallen ihn alleine zu versorgen. Die Jahre ohne Herbert waren leerer geworden. Wir hatten ├╝ber lange Jahre eine gute Ehe gef├╝hrt. Nat├╝rlich hatte es Krisen gegeben, aber wir hatten sie gemeistert und waren Freunde geworden, bis er mich alleine lie├č und an einem kaltem Novembertag, genauso einem Tag wie heute, einen Herzinfarkt bekam und starb. Und, jetzt war Lenchen tot.

Der Regen rann wie Tr├Ąnen ├╝ber meine Fensterscheiben und ich f├╝hlte wie meine Wangen nass wurden. Jetzt w├╝rde ich wohl bald dran sein. Ich horchte in mich hinein. Angst? Nein, Angst hatte ich nicht, nicht mehr. Wenn es soweit war, w├╝rde ich mich nicht wehren, w├╝rde einfach gehen ÔÇô dahin wo Herbert und Lenchen schon waren. . .

November 2003
__________________
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Wird mal Schriftsteller
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Gedanken am Fenster

Hallo Paloma,

der Anfang ist ganz gut. Nur manche Zeilen wie manche Ausf├╝hrungen die etwas langwierig ausgeschm├╝ckt sind (nach meinem Geschmack) habe ich in Klammern gesetzt.

Dann mit der Decke hochziehen und aus Fenster schaun. Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.


Ich sp├╝rte wir mir kalt wurde, wie die K├Ąlte langsam meine Beine hoch kroch, griff nach der Decke und zog sie ├╝ber die Knie. So, Lenchen war also tot. Lenchen war meine Cousine, die (Tochter des Bruders meiner Mutter). Wir waren zusammen aufgewachsen. Hatten in Nachbarh├Ąusern gewohnt und waren zusammen in der Schule, in (verschiedenen Klassen), Lenchen war (1 ┬Ż Jahre) j├╝nger als ich. In all den Jahren waren wir wie Schwestern, bis sie in eine andere, weit entfernte Stadt gezogen war. Anfangs hatten wir noch regelm├Ą├čig telefoniert, dann war unsere Freundschaft irgendwie leise eingeschlafen. Und nun - war Lenchen tot.

Ich schaute aus dem Fenster. Der Tod passte gut in diese dunkle Zeit. Die B├Ąume auf der anderen Stra├čenseite, die mir stets ein Bild der Jahreszeiten herauf schickten, waren fast kahl. Es regnete, die Menschen gingen gebeugt und versuchten mit ihren Schirmen dem Wind zu trotzen. Es war kalt und trostlos ÔÇô nicht nur auf der Stra├če. . .

(Ich zog die Decke rauf) bis an die Schultern. Mein Blick fiel erneut auf den Gehweg. Ein Hund kl├Ąffte einen Passanten an, der wild gestikulierte und irgendwas unverst├Ąndliches rief.

(Fr├╝her hatten wir auch einen Hund. Herbert, mein Mann, war so ein Hundenarr. Als Herbert vor drei Jahren starb, musste ich den Hund ins Tierheim geben. Mir w├Ąre es schwer gefallen ihn alleine zu versorgen. Die Jahre ohne Herbert waren leerer geworden. Wir hatten ├╝ber lange Jahre eine gute Ehe gef├╝hrt. Nat├╝rlich hatte es Krisen gegeben, aber wir hatten sie gemeistert und waren Freunde geworden, bis er mich alleine lie├č und an einem kaltem Novembertag, genauso einem Tag wie heute, einen Herzinfarkt bekam und starb.) Und, jetzt war Lenchen tot.


So f├╝r Regentage find ichs gut.

Lieber Gru├č



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