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Leselupe.de > Erzählungen
Gefängnis 2
Eingestellt am 04. 07. 2004 05:41


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Mumpf Lunse
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Gefängnis 2 (Hermann)

Hermann von Mumpf Lunse

"Terroristenschwein!", der dicke Podens schäumte vor Entrüstung.
"Ich finde den toll", erwiderte ich unbeeindruckt und ging ein paar Schritte zurück, um zu sehen, ob das Plakat gerade hing. Hoch genug hatte ich es auf jeden Fall aufgehängt, wer es entfernen wollte, musste auf die Werkbank steigen.
"Was hat er denn jetzt wieder gemacht?", Wolli der Schweißer kam auf mich deutend, mit einem erwartungsvollen Grinsen herangeschlendert. Dann sah er das Plakat; sein Gesicht versteinerte und er zeigte mir einen Vogel.
Nach und nach kamen die anderen Kollegen: allgemeine Empörung.
Von seinem Platz aus sah Erwin herüber, der Aristokrat unter den Arbeitern im Betrieb; fast doppelt so alt wie ich und ein exzellenter Fachmann. Die Arbeit war schmutzig und während wir anderen vor Dreck starrten, sah sein Blaumann immer aus, als hätte er ihn gerade angezogen. Das Geschehen in der Werkstatt betrachtete er stets mit Distanz und hielt sich, wie auch jetzt, aus allem raus.
Hansi kam aus seinem Büro; die wütenden Kommentare verstummten und die Kollegen gingen zurück an ihre Arbeitsplätze. Bevor Hansi in die Partei eingetreten war, stand er an der Werkbank, auch nachdem er seinen Meisterbrief gemacht hatte; leider war keine Planstelle frei. Jetzt war er der Werkstattmeister, aber so richtig ernst genommen wurde er nicht.
Neugierig, wie immer schleimig grienend, näherte er sich: "Was war denn los?"
"Nichts", ich sah ihn unschuldig an.
Sein Blick fiel auf das Plakat und er fragte: "Hast du das aufgehängt?"
"Ja."
"Mach das ab!", jetzt mimte er den Chef.
"Erich Honecker hat ihn geküsst." Ich zog die Augenbrauen ein wenig hoch, das verunsicherte ihn. Ich war mir nicht sicher, ob sie sich geküsst hatten, aber Genosse Hansi wusste es garantiert auch nicht.
"Du hast mich noch nie geküsst, Hansi." Das verunsicherte ihn auch.
Es hörte sich ein wenig schwul an, so wie ich es sagte. Er wirkte beleidigt und machte einen Schmollmund, der seinem schwammigen Gesicht etwas Schweinchenhaftes verlieh. Entsprechend reagierte er und wallte grunzend in Richtung Maschinenhalle.

Als ich wieder allein an meinem Arbeitsplatz stand, kam Erwin, sah sich das Plakat an und sagte, ohne sich zu mir umzudrehen: "Irgendwann kriegen sie dich am Arsch." Ich stellte mich neben ihn und sah ebenfalls auf das Plakat. Pathetisch und als spräche ich zu mir selbst, sagte ich: "Er war vor kurzem zum Staatsbesuch hier, er ist unser Gefährte im Kampf für Frieden und Sozialismus."
"Irgendwann kriegen sie dich am Arsch", sprach's und ging zu seinem Platz zurück.
"Aber nicht wegen Arafat!", rief ich ihm nach.

Gleich Mittagspause - ich ging zum dicken Podens, der mit zwei Kollegen zusammenstand. Auf der anderen Seite der Werkhalle lief Hermann vorbei, den Blick wie meistens auf den Boden gerichtet. Sein schleppender Gang stand in einem eigenartigen Kontrast zu seiner kräftigen Statur und seinen 1,80 m. Das ungesunde Grau seiner Haut hatte fast die gleiche Farbe wie sein kurz geschorenes Haar; es fiel mir schwer sein Alter zu bestimmen, er hätte 35 oder 45 Jahre alt sein können. Seit vier Monaten Dreher im Betrieb sprach er mit niemandem und hielt sich von den Kollegen fern. Natürlich war der eine oder andere zu ihm gegangen, aus Neugier oder weil er etwas brauchte, was Hermann gerade auf seiner Drehbank bearbeitete, aber etwas über ihn erfahren hatten sie nicht.
"Knastologe", sagte Bubu, nach Schnaps stinkend und mit roten Augen abfällig. "Den mussten sie nehmen."
"Wieso mussten sie den nehmen?", fragte ich.
"Der hat ne' Arbeitsplatzbindung, soll wieder eingegliedert werden", er zog 'eingegliedert', mit schwerer Zunge, betont auseinander. 'Arbeitsplatzbindung' und 'eingegliedert', schwer zu sprechen nach einer halben Flasche Pfefferminzlikör.
Zu Hermann rief er, besoffen grinsend und mit der Hand winkend: "Mahlzeit, Kollege!"
Der hob die Hand ein wenig, aber es war nicht klar, ob er den Gruß erwiderte oder abwinkte.
"Warum war er im Knast?", erkundigte ich mich in die Runde.
"Keine Ahnung, aber er ist ein guter Dreher", antwortete Podens und nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche, die Bubu ihm anbot. Podens merkte man nie an, wenn er etwas getrunken hatte.

Ich kam zu spät, ein wenig zu oft in letzter Zeit und machte deshalb einen Umweg, um über die Toilette die Werkstatt zu betreten. Hansi stand natürlich an meinem Arbeitsplatz und wartete: "Das geht aber nicht, wir fangen um sechs an!"
"Ich habe grad den Neuen aus der Dreherei, Hermann, auf dem Klo getroffen", log ich. "Der ist nicht sehr gesprächig." Ich sah ihm an, dass er sich jetzt nicht mehr sicher war, mich erwischt zu haben.
"Warum war der eigentlich im Knast?", fragte ich schnell weiter, um ihm keine Möglichkeit zum Nachdenken zu geben.
"Da wird er bald wieder landen." Ich sah ihn fragend an; er brach das Gespräch ab und ging in Richtung Ausgang davon.
Erwin schaute herüber und wiegte den Kopf, als wolle er mir sagen, dass ich gerade noch mal davon gekommen sei. Er hatte Recht, leider.

Das Arafatbild hing schon zwei Wochen über meinem Arbeitsplatz; gegenüber waren die Waschbecken an die Hallenwand montiert. Bevor die Kollegen in die Pause gingen, wuschen sie sich hier die Hände. Keiner konnte Arafat übersehen. Die meisten regten sich nach wie vor auf, wenn ihr Blick auf das borstige Gesicht fiel. Bis jetzt hatte es niemand gewagt, das Plakat zu entfernen. Der Hinweis auf den Staatsbesuch hatte die Kollegen vorsichtig gemacht. Ich war gespannt, wann die Betriebsleitung reagieren würde und vor allem wie. Hermann hatte ich seit einer Woche nicht an den Waschbecken gesehen, aber er wartete meist, bis alle in der Pause waren, bevor er sich die Hände wusch. Es konnte also Zufall sein.

Kurt war eigentlich Technologe, trat in dieser Funktion aber kaum in Erscheinung. Der Betrieb war zu klein für einen hauptamtlichen Parteisekretär, also suchte man einen der entbehrlich war. In wenigen Jahren Rentner war Kurt wohl die ideale Besetzung. Er meinte es durchaus ernst, wenn er als Parteisekretär auftrat, aber er blieb ein angenehmer Zeitgenosse und füllte seine Rolle eher wohlwollend mahnend aus, immer darauf bedacht eine Diskussion nicht eskalieren zu lassen.
Jetzt stand er vor mir und sah mich mit väterlichem Blick an.
"Junge," sagte er und machte auf Arafat zeigend eine bedeutungsschwangere Pause, "Junge, was soll denn das?" Ich sagte nichts, verzog keine Miene.
Nach einer weiteren Pause, in der er mich erwartungsvoll musterte: "Es gibt Diskussionen ... das muss doch nicht sein."
"Ich versteh' nicht, was du meinst", stellte ich mich dumm.
Jetzt wurde er ein wenig ärgerlich: "Warum musst du immer provozieren?"
"Ich provoziere? Ich bin auf der Linie deiner Partei, Kurt. Du gibst mir Rätsel auf!"
Er bewegte Kopf und Oberkörper hin und her auf der Suche nach einem passenden Argument.
"Du weißt genau, wie die Kollegen Arafat sehen", erwiderte er endlich.
"Genosse Arafat! Kurt. Freund und Genosse Jassir Arafat - oder bist du aus der Partei ausgetreten?"
Er kämpfte mit sich, ich konnte es sehen, er drehte sich halb weg, machte ziellose Gesten mit den Händen. Wiegte den Kopf in kurzen ruppigen Bewegungen.
"Junge", sagte er eindringlich und legte mir dabei die Hand auf die Schulter, "hast du dir mal überlegt, was passiert, wenn morgen die Amerikaner hier einmarschieren?"
Er beugte sich leicht nach vorn und sah mich an mit der Gewissheit, dass ich dieses Argument verstehen würde. Der Gedankensprung war beachtlich! Aber das kannte ich schon. Den Blick aufs Große richten, das war besonders bequem, wenn es im Kleinen keine Antwort gab oder sie unangenehm war. Aber warum nicht, dachte ich mir, wechseln wir mal die Ebene.
"Was es für mich und die Kollegen bedeuten würde, meinst du?"
Er wartete, ohne zu antworten und nickte dabei, als wäre die Frage durch sich selbst beantwortet.
"Wenn morgen die Amerikaner kommen ... Kurt", ich legte ihm jetzt auch die Hand auf die Schulter, "gibt's übermorgen Bananen."
Jetzt war er richtig sauer. Mit einer wegwerfenden Handbewegung stürmte er davon.

Seit einigen Wochen hatte ich Hermann nicht mehr gesehen; man munkelte, er sei wieder im Gefängnis. Am Ende der Mittagspause forderte Hansi die Kollegen auf, ihm einen Moment zuzuhören: In zwei Wochen würde es eine Verhandlung vor dem Kreisgericht geben, Kollege Bandel werde angeklagt und der Prozess sollte im Speisesaal des Betriebes stattfinden und auf Nachfrage: "Es geht um den Hermann aus der Dreherei, der hat gegen den § 48 verstoßen." Das sagte mir nichts, gar nichts, und Hansi konnte es auch nicht erklären.

Der Speisesaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das geschah sonst nur zu Weihnachten, wenn die Kollegen ihre Kinder mitbrachten und ich den Weihnachtsmann gab, weil ich der Einzige war, der ohne Larve und künstlichen Bart als Weihnachtsmann durchging. Die Kinder hatten dann weniger Angst und es gefiel den Kollegen, dass ich ihre persönlichen Erziehungsanliegen sozusagen von höchster Stelle, weitergab. Vor der Luke der Essenausgabe waren drei Tische aufgestellt: links davon im rechten Winkel zu diesen, vor den hohen Fenstern zum Hof, zwei weitere. Sonst war alles wie immer. Es herrschte eine heitere Stimmung - schließlich war Arbeitszeit - und einige hatten wohl mit einer Flasche Kirsch-Whisky oder Doppelkorn, vorgefeiert. Die allgemeine Neugier tat ihr Übriges; es hatte den Anschein, dass der Prozess eine gelungene Veranstaltung werden würde.

Mehrere Personen betraten den Raum und nahmen an den aufgestellten Tischen platz: vor der Essenausgabe der Richter, zwei Schöffen - ein Mann und eine Frau - und eine Protokollantin: seitlich vor den Außenfenstern die Staatsanwältin und der Rechtsanwalt; im Saal kümmerte das niemanden.
An einem der vorderen Zuschauertische war die Betriebsleitung versammelt: Kurt der Parteisekretär, die Anton - Jutta Anton, war die Kaderleiterin - der Betriebsleiter Borkinger, ein bulliger, rotgesichtiger Choleriker, die anderen Mitglieder der Parteileitung und der Vorsitzende der Betriebsgewerkschaftsleitung. Hansi und der Meister der Maschinenabteilung gehörten wohl nicht zu dieser erlesenen Runde, sie saßen unter dem proletarischen Fußvolk im Saal. Borkinger tuschelte mit der Anton; die Anton ging nach vorn und tuschelte mit dem, den ich für den Richter hielt.
Mit den Armen fuchtelnd und "Kollegen! Kollegen!" rufend verschaffte sie sich mühsam Aufmerksamkeit. Dann begann die Anton: "Liebe Genossen und Kollegen, ihr wisst ja alle, warum wir hier zusammengekommen sind. Ich möchte im Namen der Partei- und Betriebsleitung und natürlich im Namen aller Kollegen die Genossen vom Kreisgericht begrüßen. Sie sind heute bei uns um euch die Möglichkeit zu geben am Verfahren gegen den Kollegen Bandel teilzunehmen. Denjenigen Kollegen, die von außerhalb kommen und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, kann ich nach Rücksprache mit den Genossen vom Kreisgericht mitteilen, dass die Verhandlung pünktlich zum Feierabend um 15:30 Uhr beendet sein wird. Jeder wird seinen Zug oder seinen Bus erreichen!"
Mehrere Kollegen sahen auf die große Uhr über der Essenausgabe: 12:35 Uhr. Die Tür am anderen Ende des Speisesaales öffnete sich; alle drehten sich um. Zwei Polizisten stellten sich rechts und links vom Eingang auf, und die Anton rief in die entstandene Unruhe: "Ich übergebe jetzt das Wort an die Genossin Staatsanwalt Klotz." Zwei Kollegen klatschten und ernteten einen bösen Blick von Hansi, der am Tisch vor mir saß. "Staatsanwalt?", flüsterte Podens "Ist die Genossin etwa ein Mann?" "Ne, so hässlich ist kein Mann", sagte Bubu grinsend und Wolli wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht um die Kirsch-Whisky-Wolke zu vertreiben, die Bubu bei jedem Wort entströmt war.

Die Staatsanwältin war ein anderes Kaliber als die Anton. Während die Anton blond, ungeschickt geschminkt und ständig angestrengt lächelnd, vor fülliger Saftigkeit strotzend, den mütterlichen Typ verkörperte und man bei ihr immer das Gefühl hatte alles ganz genau erklären zu müssen, wirkte die Klotz vertrocknet, asketisch und hellwach.
Die halblangen, mittelblonden Haare waren fettig und ungepflegt. Mit einer hässlichen Brille, nachlässig, fast schlampig mit einem abgetragenen, grünen, etwas zerdrückten Kostüm bekleidet, wirkte sie wie ein giftiges Insekt, bereit sich auf alles zu stürzen, das als Beute geeignet erschien.
Von der Erziehung zur immer bewussteren Einhaltung des sozialistischen Rechts und von Vervollkommnung der Leitungstätigkeit zur Festigung der sozialistischen Rechtsordnung und einem Beitrag zur Gewährleistung von Ordnung, Disziplin und Sicherheit sprach sie.
Die meisten Kollegen schalteten ab, bevor die Verhandlung begonnen hatte.
Dann wurde Hermann herein geführt, er wirkte schmaler und kleiner als noch vor wenigen Wochen; mit erhobenem Kopf und ohne die Kollegen zu beachten durchquerte er den Saal.
Der Richter eröffnete die Verhandlung und wir erfuhren, dass der eine Schöffe Schichtschlosser in einem Chemiekombinat war und die Schöffin Leiterin einer Kinderkrippe.
Man klagte Hermann an, die staatlichen Auflagen gemäß § 48 StGB verletzt zu haben.
Podens, der neben mir saß, fragte mich flüsternd, ob ich mittlerweile wisse, was das bedeutet. Ich wusste es nicht und dem allgemeinen Getuschel entnahm ich, dass es den anderen ebenso ging.

Um die Schwere seiner Tat deutlich zu machen oder wegen des pädagogischen Charakters der Verhandlung verwendete die Staatsanwältin viel Zeit darauf, Hermanns verbrecherischen Werdegang vor den Kollegen auszubreiten.
Im Alter von 24 Jahren - jetzt war er 35 - nachdem er mehrere kleine Einbrüche begangen hatte, wurde Hermann zu seiner ersten Gefängnisstrafe verurteilt. Ein Teil der Strafe war zur Bewährung ausgesetzt worden. In Würdigung seiner Tat und seiner Persönlichkeit hatte das Gericht damals beschlossen, dass nach Verbüßung der Strafe eine ordnungsgemäße Wiedereingliederung des Verurteilten durch staatliche Kontrollmaßnahmen unterstützt werden muss.

"Wie war denn das, Herr Bandel? Sie waren auf Bewährung aus der Haft entlassen und Sie hatten die Auflage sich zweimal wöchentlich beim zuständigen Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei zu melden."
Die Klotz lehnte sich zurück und sah Hermann abwartend an.
"Ja ...", Hermann zuckte mit den Schultern: "Ich kann mich nicht erinnern, das ist 10 Jahre her."
Der Richter: "In Ihrer Akte steht, dass Sie der Meldepflicht nicht nachgekommen sind."
"Das ist solange her, ich weiß das nicht mehr ... ich bin wohl mit Kumpels versackt ... zu viel getrunken ... ich hab's vergessen."
"Vergessen!?", hakte die Klotz scharf nach, nahm ein vor ihr liegendes Buch und las laut: "Verletzt der Verurteilte vorsätzlich die ihm erteilten Auflagen, kann die angedrohte Freiheitsstrafe vollzogen werden. Das war Ihnen doch bekannt Herr Bandel?"
"Ja."
"Sprechen Sie bitte lauter Herr Bandel, Ihre Kollegen wollen hören, was Sie zu sagen haben!"
"Ja", wiederholte Hermann etwas lauter.
Bubu flüsterte: "Schön dumm" und Wolli entgegnete ebenso leise: "Das ist 10 Jahre her, er war ein junger Spunt."
Er saß den Rest der Strafe ab und nach seiner Entlassung wurden die Auflagen ausgeweitet. Hermann hatte nun: Meldepflicht, Arbeitsplatzbindung und die Bindung an den zugewiesenen Aufenthaltsort.

Der Richter blätterte in seinen Akten. "Kommen wir zu Ihrer zweiten Verurteilung. Sie standen ja nur drei Monate später erneut vor Gericht. Erzählen Sie Ihren Kollegen doch mal, warum Sie zum zweiten Mal im Gefängnis landeten."
"Meine Mutter wurde krank ..."
Der Oberkörper der Klotz schnellte nach vorn wie die Klinge eines Taschenmessers und ihre Worte schnitten scharf Hermanns Satz ab: "Ihre Mutter wurde krank? Versuchen Sie nicht sich rauszureden! Sie haben ohne Erlaubnis Ihren Wohnort verlassen!"
"Meine Mutter war krank", setzte Hermann noch mal an "und wurde nach Halle ins Krankenhaus eingewiesen, ich habe sie besucht."
"Ohne Erlaubnis!", die Klotz wurde lauter und Podens flüsterte: "Kann mir mal jemand sagen, warum die sich so aufregt?"
Hermann begehrte auf; man merkte, dass er diese Situation nicht zum ersten Mal erlebte: "Die Erlaubnis wurde mir verweigert."
"Dafür wird es Gründe gegeben haben. Aber Sie sind trotzdem gefahren!"
"Meine Mutter hätte es nicht verstanden, wenn ich nicht gekommen wäre."
"Aber Sie wussten doch, dass Sie Ihren Wohnort nicht ohne Erlaubnis der Genossen der Volkspolizei verlassen dürfen?", fragte die Klotz wieder.
"Sie hätte es nicht verstanden", wiederholte Hermann leiser.
"Antworten Sie auf meine Frage!"
"Ja", kam es kaum hörbar.
"Lauter!"
"Ja", wiederholte Hermann laut und mit einem resignierten Unterton.
Die Klotz richtet sich auf und sagte, jetzt etwas ruhiger: "Es gab ja vorher schon andere Vorfälle: mehrmals nicht zur Arbeit erschienen und sogar Alkohol am Arbeitsplatz." Bei 'Alkohol am Arbeitsplatz' hob sie die Stimme.
"Alkohol am Arbeitsplatz ist strengstens verboten ...", feixte Bubu und alle am Tisch wedelten mit den Händen.
"Was geschah dann Herr Bandel?"
"Ich wurde wieder verurteilt."
Sie nahm erneut das Buch und las an das Publikum im Saal gerichtet: "§ 238: Wer sich einer durch das Gericht ausgesprochenen Aufenthaltsbeschränkung entzieht oder Erziehungs- und Kontrollmaßnahmen nach den §§ 47, 48 verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren oder mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Geldstrafe bestraft." und sich hämisch an Hermann wendend: "Aber Bewährung hatten Sie ja schon beim ersten Mal, Herr Bandel, nicht wahr? Das kam für Sie ja nicht mehr in Frage."
Sie legte das Buch hörbar auf den Tisch zurück und fuhr im gleichen Ton fort: "Was sagte Ihre Mutter dazu, dass Sie wieder ins Gefängnis gewandert sind? Hat sie DAS verstanden?"
Hermann stand jetzt fast bewegungslos und starrte auf den Boden.
"Herr Bandel, haben Sie meine Frage nicht gehört?"
"Doch ..."
"Also ... was sagte sie dazu, dass ihr Sohn erneut kriminell geworden ist?"
Es entstand eine Pause und dann sagte Hermann: "Ich weiß es nicht, sie ist zwei Monate später gestorben."
Im Saal entstand Unruhe; der Richter räusperte sich. Der Rechtsanwalt schaute unbeteiligt in die vor ihm liegenden Akten; die beiden Schöffen wirkten ein wenig aufmerksamer.
Hermann erhielt nach seiner zweiten Haft wieder Auflagen gemäß § 48: Meldepflicht, Arbeitsplatzbindung, Bindung an den zugewiesenen Aufenthaltsort.

"Bis zu Ihrer dritten Verurteilung hat es ja nicht lange gedauert", sagte der Richter, in der vor ihm liegenden Akte lesend, beiläufig, "vier Monate später erneut vor Gericht und wieder wegen § 48." Und die Klotz scharf: "Offensichtlich fällt es dem Angeklagten schwer, sich in unsere sozialistische Gesellschaftsordnung einzufügen und aus seinen Haftstrafen die richtigen Konsequenzen zu ziehen."
"Danach", fuhr der Richter fort, "haben Sie sich drei Jahre nichts zuschulden kommen lassen und Ihre Auflagen erfüllt; es sah ganz so aus, als hätten Sie sich gefangen. Warum wurden Sie wieder rückfällig? Nach fünf Jahren hätten Sie keine Auflagen mehr gehabt."
"Fünf Jahre?", fragte Wolli ungläubig und das Gemurmel im Saal ließ vermuten, dass auch andere sich diese Frage stellten. Die Anton und Borkinger drehten sich beunruhigt um. Sie befürchteten wohl, dass ein Schatten auf ihre Leitungstätigkeit fallen könnte. Hansi machte daraufhin eifrig beschwichtigende Handzeichen.

Der Richter reagierte, indem er an die Kollegen gewandt erläuterte: "Der Leiter der zuständigen Dienststelle der Deutschen Volkspolizei erhält durch die gerichtliche Entscheidung das Recht, dem Verurteilten Auflagen zu erteilen. ... Die Dauer der staatlichen Kontrollmaßnahmen beträgt mindestens ein Jahr und höchstens fünf Jahre ..."
"Jetzt kapier' ich das erst", sagte ich leise zum dicken Podens "nicht das Gericht, sondern die Bullen bestimmen, welche Auflagen er bekommt und wie lange er die hat." Und Bubu mit schwerer Zunge: "Wie heißt eine Rakete, in der zwei Bullen sitzen?" "Dumm dumm Geschoss,", antwortete Wolli "aber der hat sooo einen Bart." Bubu kicherte und Hansi drehte sich um und zischte: "Jetzt seid aber mal still, Kollegen."

Hermann hatte nach seinem dritten Knastaufenthalt eine Frau kennen gelernt und vier Monate später geheiratet. Er war fest entschlossen, nicht wieder ins Gefängnis zu gehen. Dann, nach zwei Jahren zog seine Frau aus und reichte die Scheidung ein.
An diesem Punkt erwachte die Schöffin aus ihrer Lethargie und fragte: "Warum wollte Ihre Frau die Scheidung?"
"Die sind zweimal die Woche nachts gekommen, das hat sie nicht mehr ausgehalten", sagte Hermann in aufgebrachtem Ton. Sie sah ihn verständnislos an und fragte, was sich die meisten im Saal fragten: "Wer ist nachts gekommen?"
"Die Polizei."
"Wieso kam die Polizei nachts zu Ihnen?"
"Weil sie es dürfen!"
Den Kopf nach vorn geschoben, die Arme angewinkelt und die Fäuste geballt sprach Hermann weiter: "Wer ist denn die Schlampe in deinem Bett und Ähnliches bekamen wir zu hören. Das hat denen Spaß gemacht! - Sie hat das nicht mehr ertragen, die haben uns einfach nicht in Ruhe gelassen." Er hatte sich in Rage geredet und die Schöffin wich unwillkürlich zurück.
"Mäßigen Sie sich Herr Bandel!" Die Klotz war aufgestanden und beugte sich in Hermanns Richtung. "Die Genossen werden sicher einen Grund gehabt haben!"
"Es gab keinen Grund!" Die mühsam beherrschte Wut ließ Hermanns Fäuste zittern.
"Mit Ihrer kriminellen Vergangenheit müssen Sie sich nicht wundern, das haben Sie sich selbst zuzuschreiben!", fauchte die Klotz ihn wütend an.
Die Schöffin sagte ruhig und offensichtlich bemüht die Spannung, welche aus ihrer Frage entstanden war, zu lösen: "Aber einen konkreten Anlass muss es doch gegeben haben. Die Genossen von der Volkspolizei kommen doch nicht einfach in ihre Wohnung, wie sie wollen?"
Im Saal herrschte jetzt eine gespannte Aufmerksamkeit.
"Vielleicht hatten sie Langeweile,", sagte Hermann schon weniger erregt, "die hatten ja die Schlüssel und wenn sie Lust hatten, standen sie eben nachts um drei im Schlafzimmer." Die Klotz kommentierte Hermanns gereizte Worte sarkastisch: "Die Kontrolle und Durchsuchung der Aufenthaltsräume, der Wohnung und anderer umschlossener Räume durch die Deutsche Volkspolizei ist jederzeit zulässig."
Wir sahen uns an und Wolli sagte leise: "Da hast du keine Chance." Bubu stierte nur noch trübsinnig vor sich auf den Tisch und drohte jeden Moment einzuschlafen.
Der Rechtsanwalt wirkte völlig unbeteiligt und ich war mir nicht mal sicher, ob er dem Geschehen überhaupt folgte.
Der Richter ging nahtlos zur vierten Verurteilung über. Hermann hatte, nachdem seine Frau weg war, angefangen zu trinken und war wieder seiner mittlerweile täglichen Meldepflicht nicht nachgekommen. Er traf sich mit alten Knastkumpels und versackte völlig.
Das Ergebnis war die vierte Haftstrafe. Nach seiner Entlassung wurden die Kontrollmaßnahmen weiter ausgeweitet. Er hatte jetzt zusätzlich: die Untersagung des Aufenthalts an bestimmten Orten oder Gebieten, des Besuchs bestimmter Örtlichkeiten oder des Umgangs mit bestimmten Personen. Konkret bedeutete es, dass er bestimmte Gaststätten nicht aufsuchen und sich mit einem durch die Polizei festgelegten Personenkreis nicht treffen durfte. Das Netz der Einschränkungen wurde immer enger.

Nur sechs Monate nach Verbüßung dieser Strafe stand er erneut vor Gericht. Diesmal ging es außer der Verletzung der Meldepflicht auch um den Umgang mit verbotenen Personen. Die Klotz agierte zunehmend aggressiv und es war bedrückend anzusehen wie Hermann verzweifelt versuchte einen Rest seiner Würde zu bewahren.
"Ich hatte das Gericht gebeten mich nach der Haft in eine andere Stadt zu entlassen", sagte Hermann fast flehend. "Wenn ich hier durch die Fußgängerzone gehe, treffe ich auf 100 Meter fünf Bekannte. Ich ...".
"Das bestimmen wir!", die Klotz schmetterte ihm den Satz wie einen Faustschlag ins Gesicht und Hermann verstummte.
"Wir werden Sie zwingen, im Auftrag der Arbeiterklasse und der Partei, die Regeln unseres sozialistischen Zusammenlebens zu respektieren, auch im Auftrag Ihrer Kollegen, die wegen Ihnen hier sitzen müssen, anstatt an der Planerfüllung zu arbeiten!"
"Die gehört mal ordentlich durchgevögelt", sagte Erwin, der hinter mir saß leise und Podens erwiderte: "Willst du das machen, Erwin?" Woraufhin der angewidert das Gesicht verzog. "Die schenken wir Hermann", sagte Wolli, "kurz, bevor er das nächste Mal entlassen wird." Und ich fügte an: "Ich glaube nicht, dass er bei der einen hochkriegt."

Am Ende der Verhandlung verlangte die Klotz zwei Jahre Haft und den § 48: wegen erwiesener Unverbesserlichkeit, erheblichem kriminellem Potenzial und der Notwendigkeit das ungestörte Zusammenleben und Arbeiten der Werktätigen in unserem sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat zu gewährleisten.
Jetzt kam auch das erste Mal der Rechtsanwalt zu Wort; er beantragte die "Verdienste" des Angeklagten bei der Urteilsfindung zu würdigen und wies darauf hin, dass Hermann ein guter Facharbeiter ja sogar ein Spezialist sei.
Es stellte sich heraus, dass er seine Haft immer im selben Gefängnis abbüßte und dass er dort in einer Werkstatt arbeitete, die Geschenke für die Regierung herstellte. Die wurden dann bei Staatsbesuchen oder als Auszeichnungen vergeben. Ich stellte mir sofort sowjetische Panzermodelle aus Kronenkorken, Bieruntersetzer mit Zirkel und Ährenkranz und zwei abgehackte Arbeiterhände überzogen mit Blattgold vor.
"Da hat die Stoppelfresse über deiner Werkbank sicher auch was bekommen, das Hermann gebastelt hat", sagte Wolli feixend.

Der Richter und die Schöffen verließen den Saal, um das Urteil zu beraten.

Die Klotz tuschelte mit der Anton und die Anton erklärte, dass jetzt die Möglichkeit bestünde, Fragen an die Genossin Staatsanwalt zu stellen. Auch Meinungen der Kollegen zum Prozess seien willkommen.
Stille.
"Keine Fragen?" Die Klotz lächelte.
Stille.
Ich stand langsam auf.
Erwin zischte von hinten: "Halt die Klappe!" und Podens versuchte mich an der Jacke des Arbeitsanzuges wieder auf den Stuhl zu ziehen.
Ich war aufgeregt und suchte nach Worten. Die Klotz nickte mir aufmunternd zu, Hansi begann unruhig auf seinem Stuhl herumzurutschen und Kurt, der sich wie alle im Saal zu mir gedreht hatte, machte mit den Augen Zeichen: Setz dich Junge!
"Ich habe mal mitgerechnet", begann ich umständlich, "der Hermann war in den letzten 11 Jahren sieben Jahre hinter Gittern."
Die Klotz nickte.
"Davon fünfeinhalb Jahre wegen diesem § 48. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er nach dem ersten Mal Knast nie wieder kriminell aufgefallen - er hat nirgendwo eingebrochen, er hat niemanden beklaut, er arbeitet gut und er könnte ein ganz normales Leben führen."
Das Gesicht der Klotz wurde starr.
"Er hat also wegen einer Straftat nicht eineinhalb, sondern mittlerweile sieben Jahre im Gefängnis gesessen!"
"Er hat wegen wiederholter Straftaten im Gefängnis gesessen!", sagte die Klotz sichtbar verärgert über meine Sichtweise.
"Wenn er diesen Paragrafen nicht jedes Mal bekommen hätte, gäbe es diesen Prozess nicht."
"Wir als Gericht haben die Aufgabe die sozialistische Gesellschaft vor Elementen wie dem Angeklagten zu schützen", entgegnete sie mit kalter Stimme und eisigem Blick.
"Ich fühle mich nicht bedroht durch Hermann und mit Sozialismus oder Gerechtigkeit hat das für mich auch nichts zu tun", gab ich ebenso kalt und ihr in die Augen sehend zurück.
"Lassen Sie einfach den § 48 weg und lassen Sie ihn in eine andere Stadt, ich bin sicher, dass Sie dann nie wieder etwas von ihm hören."
"Wir haben den Auftrag der Arbeiterklasse ..."
"Ich bin die Arbeiterklasse!", unterbrach ich sie nachdrücklich mit dem Finger auf mich deutend.
Im Saal schienen alle die Luft anzuhalten und es herrschte eine explosive Stille. Die Anton sah aus, als fiele sie jeden Moment in Ohnmacht.
Hansi war aufgestanden, ohne dass ich es bemerkt hatte. Zu Borkinger schielend, der mich mit hochrotem Kopf wütend anstarrte und aufgeregt nach Luft schnappend stotterte Hansi: "Nu- nun ist aber gen-n-nug Koll-lege!"
"Verstehst du denn, warum der fünfeinhalb Jahre im Knast war?", fuhr ich Hansi wütend an, "wenn's ums Saufen geht, dann dürfte hier keiner mehr nach Hause."
Von den Kollegen kam ein empörtes: "Öhhh."
Hansi öffnete und schloss unablässig den Mund wie ein Karpfen auf dem Trockenen.
"Vielleicht wird er ja nur wieder eingesperrt, weil irgendein FDJ-Funktionär seiner Ficke zum 17. Geburtstag in Hermanns Knastwerkstatt was basteln lassen will oder weil Arafat mit dem proletarischen Bierseidel unglücklich ist, den sie ihm beim letzten Besuch aufgedrängt haben."
"Sie ...!", kreischte die Klotz zitternd und mit dem ausgestreckten Arm auf mich zeigend, "Sie sind der Nächste!"
Im Saal brach ein Tumult los. Am Leitungstisch standen jetzt alle.
Die Tür wurde geöffnet und das Gericht kam zurück. Sie blieben verwirrt über den Aufruhr in der Tür stehen. Ich drehte mich um und verließ, mich grob an den Schöffen vorbei drängend, wütend den Raum.

Am nächsten Morgen war ich pünktlich. Noch im Umkleideraum erfuhr ich, dass Hermann zwei Jahre und den § 48 bekommen hatte.
Erwin stand vor meiner Werkbank und sah nach oben, dorthin, wo gestern noch Arafat hing.
"Wer hat den abgehängt?", fragte ich mich umsehend.
"Die Schonzeit ist vorbei", sagte Erwin und wiegte den Kopf vielsagend hin und her.



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AndreasGaertner
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hallo Mumpf

Deine Erzählung ist flüssig und mit Wortwitz geschrieben.

Sie hinterlässt einen bleibenden Eindruck, bezüglich der Kontrolle und Unterdrückung des Einzelnen in einem bösen System, wenn dieser nicht total konform gehen wollte mit den menschenverachtenden Attributen einer Diktatur.

Das vorbestimmte Ende der angesetzten Verhandlung unter Polizeischutz zeigt den Charakter der damaligen Exekutive und Juristiktion. Ein Schauprozess eben...

Symbol für die ständige Gefangenschaft in einem Überwachungs,- und Zermürbungssstaat ist der besagte § 48.

Ist ein Bürger erst einmal in diese Mühlräder geraten, dann ist er offensichtlich und nicht mehr unbewusst gefangen, egal ob dieser gerade sitzt oder nicht!

Witzig fand ich den Satz: Wenn die Amerikaner bei uns einmarschieren....

So hat auch im "Westen" eine jede solche Diskussion angefangen: Wenn die Russen einmarschieren...

Die Menschen sind gleich, nur von den Systemen unterschiedlich geprägt...

Ein kleiner Rechtschreibfehler und ein falsch eingesetztes Zeitwort noch:

Das Geschehen in der Werkstatt betrachte er stets mit Distanz und hielt sich, wie auch jetzt, aus allem raus.
Ein aktueller Zeitpunkt in der Vergangenheit ist nicht jetzt, sondern zu "jenem Zeitpunkt".

Jetzt ist der Augenblick, in dem du das Jetzt liesst.

Ich geh´nun Mittagessen. Es gibt syrische Arafatien!!

Liebe Grüsse

Andreas

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Mumpf Lunse
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Re: hallo Mumpf

hallo andreas,
danke fürs aufmerksame lesen. bei so einem thema bin oft unsicher ob es mir gelingt die "botschaft" zu vermitteln.
selbst menschen die in der ddr gelebt haben sind manchmal überrascht über diese "facetten" ihrer "heimat".

beim "jetzt" verstehe ich deinen gedankengang. mir erscheint es 'passend'. Präsens historicum?
ich bin eher unbedarft was die regeln angeht werde aber versuchen es zu klären.

quote:
Ich geh´nun Mittagessen. Es gibt syrische Arafatien!!

zum nachtisch gibts sicher lybisches gadafen kompott - lecker

viele grüße
gunter
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AndreasGaertner
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..zuerst ne Zwischenmahlzeit...

...dann Begin ich mit einer Platte ungandischem Obst, daß enthält viele VitAmine....

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mirami
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Hallo Gunter,



wieder einmal wunderschön erzählt. Diesmal ein Stück Zeitgeschichte und für mich als unwissender Wessi, gleichermaßen spannend und erschütternd. Danke für diese fesselnd geschriebene Aufklärung über diese scheinbar willkürlichen Schikanen in der ehemaligen DDR. Lebensnah und ohne Schnörkel geschrieben und dennoch in deiner typischen warmen, unglaublich echten Erzählweise. Sehr gut gelungen auch die Beschreibung der einzelnen Charaktere, die natürlichen Dialoge der Arbeiter und das Betriebsklima in der Werkstatt.

LG
mirami

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majissa
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Hallo Gunter,

deine Erzählung lebt durch die Vitalität der Charaktere, die natürlich wirkenden Dialoge und der erfrischend unvorhersehbaren Handlung, von der man nie weiß, in welche Richtung sie sich als nächstes bewegt. Sprache, Wortwahl und Rhythmus sind gut aufeinander abgestimmt.

Was mich störte, war das Personengedrängel im ersten Absatz. Das ist meines Erachtens zuviel des Guten. Als Leser ist man mit zwei, drei Charakteren, die sich durch signifikante Merkmale auszeichnen, sicher nicht überfordert. Auch, wenn sie kurz hintereinander in Erscheinung treten. Aber hier folgen Schlag auf Schlag Personen, die sich - bis auf Erwin und seinen stets sauberen Blaumann - durch keine Besonderheit auszeichnen und somit erstmal blass bleiben und mich eigentlich nur von der eigentlichen Handlung (Posteraufhängung) ablenkten: Podens ist dick, Wolli ist Schweißer und Hansi mimt gerne mal den Chef. Für mich ist da nichts, was sich auf Anhieb so einprägt, dass ich nicht Gefahr laufe, die Charaktere zu verwechseln. Nun gut - später im Verlauf der Geschichte werden sie lebendig. Sie alle zu Beginn in einen Absatz zu quetschen, halte ich jedoch für riskant. Vielleicht sehen das die anderen Leser aber ganz anders.

Ansonsten habe ich deine informative und spannende Erzählung gern gelesen.

Lieben Gruß
Majissa

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