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Leselupe.de > Humor und Satire
Geiler Tod
Eingestellt am 11. 08. 2009 22:04


Autor
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KaGeb
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Vater Karl ist tot.
Den hundertsten Geburtstag hatte er noch geschafft, obwohl er seine Zigarren paffte, als söge er an einem Sauerstoffgerät.
Das ganze letzte Jahr war er eigentlich schon tot und wohl nur zu faul zum Umfallen. Ein Gespenst, das asthmatisch pfeifend durchs Haus schlich und ab und zu dämonisch lachte, Rauch um sich, als käme er geradewegs aus der Hölle.
Wie ein Bruder von Pinocchio, hatte meine Frau mal gesagt und die knarrenden Gelenke gemeint, die sie wohl an Geppettos Werkstatt erinnerten.

Sein Abgang passte zu ihm: Im Bett mit einem Pornoheft in der Hand. Die Zigarre qualmte noch auf dem Ascher neben ihm.
Wie hatten wir gelacht, vorhin, als wir ihn fanden, mit verzückter Mimik, als hätte er noch gewusst, wie es geht.
So würde der Tod mir auch gefallen - Hundert und mit der Frau meiner Träume vereint.
Gut, dass das Schnapsglas auf seinem Nachttisch noch voll war. Den hatte ich gebraucht, um mich zu beruhigen.

Trauern hatte er uns verboten.
Das Leben ist kurz wie ein Furz, war sein Kredo, und er sowieso viel zu alt, um beschluchzt zu werden. Außerdem lechzten wir ja wohl seit Jahrzehnten nach Ruhe im Haus, und höchste Zeit, dass er sich verdrücke.

Jetzt stand ich im Bad bei offener Tür, lauschte in die Stille des Hauses und starrte in den Spiegel.
Ein bisschen Makulatur und ich sähe tauglich aus. Die Bestatter wollten gleich da sein und sollten mich nicht mit meinem Vater verwechseln, schließlich war ich mit meinen achtzig Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Falten wie Narben im Gesicht, als hätte ich mein Leben lang Messerkämpfe gefochten.
Der Rauch meiner Zigarette waberte durch den Raum, nachdenklich starrte ich sie an. Jede Einzelne von ihnen ist eigentlich eine Bitte an den Tod. Nimm mich... Irgendwann wird er ja sagen.
Wieso ist hier überhaupt so viel Qualm, dachte ich und starrte in den Spiegel, direkt in mein Gesicht.
Und in das Andere.
Ich erschrak.
Der Tod ächzte hinter mir und grinste zahnlos. Ein Alb auf meiner Schulter, der mich zittern ließ.
Du bist der Nächste, könnte er rufen und: Alter Sack. Säufst Deinem Vater den Schnaps weg.
„Alter Sack. Säufst Deinem Vater den Schnaps weg.“
Das war real.
Mit Schrecken erkannte ich das Gesicht und die Stimme. Mein Vater stand hinter mir mit der Zigarre in der Hand. Und dem Pornoheft.
„Junge,“ keuchte er, „der Orgasmus vorhin hat mich fast umgebracht.“


Version vom 11. 08. 2009 22:04
Version vom 12. 08. 2009 20:49

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ENachtigall
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Kinderreime

quote:
Kinderreime schüren Ängste.
--------------------------------------------------------------------------------

- manche Kinderreime!
Ich würde noch einmal nachdenken, ob ich den Einschub über
Kinderreime nicht streichen sollte.

Hallo ihr Lieben,

da ist KaGeb mal wieder ein waschechter Knüller gelungen; wenn ich derer nicht zu viele lese, haut mich die Pointe jedesmal aufs Neue vom Hocker! Allerdings ist die Handschrift so typisch, dass man nach einer Gewöhnung daran - fast möchte ich sagen: leider - "spürnasiger" wird.

Mit den Kinderreimen hat retep recht! Sie schüren nicht Ängste, sondern sind im Gegenteil ein Indikator für jene. Sie tauchen zeitgleich mit ihnen auf, weil sie geegnet sind, zur Beschwichtigung/Beruhigung des Geängstigten beizutragen. Sie sind ein beliebtes und wirkungsvolles Stilmittel in den spannendsten Momenten von Thrillern und Krimis. (Zudem verleihen sie dem Geängstigten die verletzliche Aura eines Kindes.)

Beste Grüße in die Runde,

Elke

p.s. Das Verwegene an Deinen Geschichten, lieber Karsten, ist, dass man so gefangen von der Spannung und den hinreißend beschriebenen Firguren ist, dass einem erst nachher aufgeht, wie grotesk überzeichnet sie doch sind und somit fühlen wir Leser uns identisch verarscht und leiden (und lachen) doppelt mit deinen dubiosen Helden!
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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erbsenrot
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Sehr lustig und originell, lieber Karsten ... und mit einer tollen Pointe! *lach*

Aber wegen den Kinderreimen muss ich Retep recht geben. Ich habe kürzlich ein Kinderreimebüchlein für meinen Enkel gekauft - mit Zeichnungen von Janosh - und es ist wirklich köstlich ... wir lachen uns halbscheckig ... jedesmal!

Also, weiter so ... du wirst immer besser!

Liebe Grüße
erbschen
__________________
Das Leben ist eine Theaterbühne.
Komm, lasst uns spielen ...

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Estrella fugaz
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Hallo KaGeb,

das ist ja wohl zum Totlachen. Einfach köstlich! Ich werde mich jetzt wohl öfter im Thread Humor und Satire niederlassen, jedoch nur zum Lesen und Amüsieren.

Lachender Gruß,
Estrella
__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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