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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Geruch der Freiheit
Eingestellt am 29. 07. 2001 20:20


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Carmen
???
Registriert: Jul 2001

Werke: 35
Kommentare: 114
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Als ich nach zehn Jahren wieder vor das große Eisentor trat, roch ich den herrlich frischen Duft der KastanienbĂ€ume. Warme Sommerluft strich durch mein Haar. Obgleich ich nicht sehen konnte, wußte ich doch, daß die Sonne von einem wunderbar blauen Himmel herunterblickte. Ich hörte die Vögel singen und immer wieder die KastanienbĂ€ume, die zehn Jahre lang meine besten, meine einzigen Freunde waren. Ich werde sie nie wieder wahrnehmen dĂŒrfen.
Auf meinem Weg in die Freiheit versuchte ich, so viel wie möglich dieser fĂŒr mich unbekannten Welt zu fĂŒhlen. Da war ein Fliederstrauch. Flieder hatte das MĂ€dchen noch in der Hand, als sie starb. Er roch herrlich. So intensiv und blumig. Irgendwie schwulstig, als verstopfte er meine Atemwege.
Es hat sich alles sehr verĂ€ndert. Da war ein Restaurant, aus dem es nach Fleisch und GemĂŒse stank. Es war nicht angenehm, denn in diesem Brodem passte kein Geruch zum anderen. Die ĂŒberfĂŒllte Abfalltonne daneben tat ihr Übriges. Diese vermoderte, verkommene Luft schwebte noch lange hinter mir her.
Ich hatte mir den Weg genau eingeprĂ€gt, als ich herkam. Ich ging an dem Fluß vorbei, der mich mit seinen Melodien und seinem Geruch nach Stein, Wasser und fremder Leute MĂŒll begrĂŒĂŸte.
Stehenbleiben konnte ich nicht.
Ich kam der Stadt immer nĂ€her. Es wurde lauter. Ich hörte die Menschen und Autos auf den Straßen. Einen Gestank von Abgasen, Schweiß und penetrantem ParfĂŒm mußte ich ertragen. Mir wurde schlecht. Ich wollte nur noch weg.
In einen Durchgang unter einem Haus hindurch kam mir ein frischer, angenehmer Luftzug entgegen. Ich war fast da. Jetzt begegneten mir die ersten Menschen. Eine saubere, frisch gewaschene Frau, ein schweißtriefender, nach Bier und Kippen stinkender Mann, der mich anrempelte. Hektik, lautes Schreien, gröhlende Musik. Bei diesem LĂ€rm könnte ich nicht leben. Ein Gewirr von GerĂŒchen, die ich nicht zuordnen konnte, denn es waren so viele. Ich war verwirrt, irritiert, ich hatte Angst, in dieser Masse unterzugehen, wie all die anderen. FĂŒnf Minuten noch, dann konnte ich weg von hier. Wieder auf mein Holzhaus in den Bergen, friedlich, saubere Luft und keine Menschen.
Nur ich, meine Natur und der Geruch der Freiheit.
__________________
Man sollte keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist.
F.W. Nietzsche

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