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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Geschichte ohne Titel
Eingestellt am 19. 09. 2004 18:18


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apokabraxas
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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Sie geno├č die Autofahrt sehr, es war ihr erster Ausflug in die gro├če Welt nach vier Wochen Hausarrest in ihrer kleinen Welt, erzwungen durch den Bruch des Trochanter major, ein toller Name f├╝r so einen ollen Knochen, wie sie zu sagen pflegte.
Ihre kleine Welt reichte in diesem Monat tats├Ąchlich nur bis zur n├Ąchsten Kirchturmspitze, keine hundert Meter weit entfernt.
Sie konnte nicht auftreten, um das Zusammenwachsen des Knochens nicht zu st├Âren. Fortbewegen konnte sie sich nur, indem sie auf einem Drehstuhl sitzend sich mit einem Fu├č abstie├č, und das nur in den unteren R├Ąumen.
Die oberen R├Ąume mit der Aussicht auf das Lichtermeer der umgebenden Orte am Abend waren ihr nicht zug├Ąnglich, da die Treppe ein un├╝berwindbares Hinderniss darstellte.
Sie hatte all ihren Lebensmut zusammentrommeln m├╝ssen, um sich von dem kleinen Knochen nicht in die gro├če Verzweiflung treiben zu lassen.

Nun sa├č sie endlich wieder im Auto und sah den Schneeflocken zu, die den grauen Asphalt der Stra├če in ein wei├čes Band verwandelten. Sie suchte nach markanten Punkten an der Wegstrecke, die sie mit einem L├Ącheln begr├╝├čte, wie alte Freunde; was ihren Liebsten freute, da heitere Momente eher selten waren in letzter Zeit.
Sie erfreute sich an der Landschaft, die mit zunehmenden Schneefall immer sch├Âner, m├Ąrchenhafter wurde.
An einer Weggabelung kurz vor dem Ortseingang stand eine Madonna, deren unaufdringliche Sch├Ânheit sie immer wieder bewunderte, es war f├╝r sie die formvollendet in grauen Stein gebannte Sanftmut. Der Schnee, der nur auf den waagerechten Fl├Ąchen der Figur liegen blieb, betonte die geschwungene Linienf├╝hrung. Da├č die Leute achtlos an dieser Sch├Ânheit vor├╝berhetzten, verwunderte sie sehr.
Je n├Ąher sie der Einkaufsst├Ątte kamen, desto aufgeregter wurde sie. Es war ihre erste Einkaufstour im Rollstuhl, und in ihrer Unsicherheit suchte sie L├Âsungen f├╝r Probleme, die noch gar nicht existierten.
Und prompt trat ein, was sie bef├╝rchtet hatte: Die Wirkung der Medikamente setzte aus, Bewegungslosigkeit ergriff ihren K├Ârper, das bedeutete warten, warten, Geduld haben.
Der Parkplatz leerte sich mit zunehmenden Schneefall. Die Beiden sa├čen in ihrem Auto, versicherten sich gegenseitig, da├č alles bestens sei und das Warten ihnen gar nichts ausmache...was nat├╝rlich geschwindelt war, sie zumindest haderte mit dem Schicksal, sich zum wiederholten Male fragend, womit sie ihre chronische Erkrankung, wohl verdient habe; wohl wissend, da├č diese Fragestellung schon unsinnig war, man konnte das Schicksal nicht verdienen.
Da der Parkplatz an einen gro├čen Garten mit altem Baumbestand grenzte, machten sie sich auf die tief verschneiten B├Ąume aufmerksam, betrachteten eine dicke Amsel, die, den Schneefall ignorierend, mit dem Schnabel das Laub nach E├čbarem durchw├╝hlte, Schneefall hin, Schneefall her.
Als die K├Ąlte sich ausbreitete, es immer ungem├╝tlicher im Auto wurde, die Wirkung des Medikaments auf sich warten lie├č und sich kein Ende der Wartezeit andeutete, beschlossen sie, wieder nach Hause zu fahren, zumal ein nat├╝rliches Bed├╝rfnis die R├╝ckfahrt dringlicher machte. Sie hatte sich so darauf gefreut, wieder selber einen frischen Salat auszusuchen, die Vielfalt des K├Ąseangebots zu bestaunen, die Ger├╝che einer Backstube einzuatmen und was derlei kleine Freuden des Alltags mehr sind.

Die Entt├Ąuschung war gro├č, doch nachdem sie einen kleinen Imbiss zu sich genommen hatten und das Medikament sich endlich bequemte, das zu tun, was es sollte, n├Ąmlich zu wirken, beschlo├čen sie, die Fahrt zu wiederholen. und diesmal hatten sie Gl├╝ck, die Handhabung des Rollstuhls war einfacher, als sie bef├╝rchtet hatte. Sie konnten in Ruhe einkaufen. Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Rollstuhlfahrer. Manche ├╝bersehen sie , bei anderen spiegelt sich Mitleid auf den Gesichtern und ein Jugendlicher war so hilfsbereit, den Weg freizumachen und zu zeigen, wo die gesuchte Ware zu finden sei.
Als sie den Laden verlie├čen klarte der Himmel auf und die Sonne beschien eine wei├če Winterlandschaft.
"Schau, wie sch├Ân das ist" ,sagte sie und l├Ąchelte.

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