Silbrig glitzert der hauchdünne Faden. Sie spult sich vom Deckengebälk, fällt ruckartig dem leeren Blatt vor mir entgegen. Ich bin versucht, das Bungee-Jumping der winzigen frei schwingenden Spinne mit einer Handbewegung zu beenden. Da landet sie auf acht Beinen. Endlich steht etwas auf dem Papier!
Mir scheint, sie schaut mich an. Herausfordernd. Ich halte dem Blick stand. Sie verharrt still. Wie nimmt sie mich wohl wahr?
Behutsam schiebe ich die Bleistiftspitze auf sie zu. Muss ihr wie ein bedrohlicher Koloss erscheinen. Sie weicht zurück. Der Stift malt eine Verfolgerspur auf dem Papier. Ich halte inne. Sie wagt Schritte voran. Ich ziehe die Spitze weg. Sie folgt mutig. Ich bewege den Bleistift wieder vor. Das Spiel wiederholt sich. Eine Art Tanz beginnt, hinterlässt auf dem Blatt krakelige Auf-Abwärts-Linien. Eine Schrift, doch unleserlich. Eine Spinne führt meine Hand. Bringt ihre Gedanken zu Papier. Den Fluss nicht stören! Nicht zu nahe, nicht berühren!
Da rollt sie sich zusammen, gedankenloses Knäuel nun, unbeweglich. Kein weiterer Denkanstoß. Ich lege den Stift zur Seite. Sie scheint zu schlafen, zu träumen, Hirngespinnste?
Ich rätsele über die versponnenen Striche. Dann beginne ich zu schreiben, plötzlich wie von selbst. Es schreibt mit mir.....