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Leselupe.de > Erzählungen
Gute Fahrt
Eingestellt am 08. 06. 2007 13:43


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Raniero
Textablader
One-Hit-Wonder-Autor

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Gute Fahrt

Als Hinrich Beerenkamp die zwar reißerisch aufgemachte aber durchaus nicht sensationelle Überschrift in seiner Tageszeitung las, rang ihm diese kaum ein müdes Lächeln ab
68 % aller BĂĽrger des Landes hatten schon Sex im Auto.
‚Na, ja’ dachte er, ‚was soll’s, das ist doch nichts Besonderes, da hätte ich mit einer deutlich höheren Zahl gerechnet.’
Während er noch darüber grübelte, welchen Wert er bei dieser Umfrage geschätzt hätte – mindestens 90 %, vermutete er – stutze er plötzlich.
Die Nachricht bestand aus nämlich aus zwei Teilen, und diesen zweiten Teil hätte er fast übersehen:
in etwas kleineren Buchstaben stand unter der dicken Ăśberschrift noch der folgende Hinweis:
10 % davon während der Fahrt. Näheres auf Seite vier
‚Das ist doch nicht möglich’ war Hinrichs erste Reaktion, ‚die haben doch wohl einen Knall.’
Wen er damit meinte, war ihm selbst im Moment nicht klar, sei es die Leute von der Zeitung, wie er sie nannte, oder die 10 % von den 68 % aller Landesbürger, die es nach eigener Aussage während der Fahrt schon mindestens einmal getrieben hatten.
Hinrich war durchaus phantasiebegabt, vor allem im Hinblick auf Ausreden seiner besseren Hälfte gegenüber, wenn er, was bisweilen vorkam, nach Dienstschluss noch einen über den Durst getrunken hatte , doch ihm fehlte jegliche Vorstellungskraft, in welcher Art und Weise die erwähnten 10 % diesen Sex vollzogen haben wollten.
'Während der Fahrt, im Stadtverkehr' dachte Hinrich, wobei der Ausdruck Stadtverkehr plötzlich eine besondere Assoziation bei ihm wachrief, 'oder gar auf der Autobahn'.
Mit vor Aufregung zitternden Fingern blätterte er die Seite vier auf.
Groß aber war seine Enttäuschung, als er statt der erwarteten Lösung des Rätsels unter der Wiederholung der Überschrift der Titelseite nur eine Telefonnummer mit dem Hinweis Rufen Sie hier an, wenn Sie mehr zum Thema Sex während der Fahrt wissen wollen vorfand.
Hinrich kratzte sich verlegen am Kopf.
Mehr wissen, nein, nicht nur das, alles wissen, das wollte er schon, zum Thema, aber ihm stand absolut nicht der Sinn danach, deswegen irgendwo anzurufen.
Hinrich beschloss, im Moment nur die Telefonnummer aufzuschreiben, für alle Fälle. Er wollte erst einmal eine Nacht darüber schlafen, dann würde man weiter sehen. Seiner Frau allerdings wollte davon nichts mitteilen, denn er befürchtete, sie könne das missverstehen.
'Wenn aber diese Auskunft zu dem heißen Thema nur auf diesen Tag begrenzt wäre', schoss es ihm durch den Kopf, 'dann dürfte er nicht bis Morgen warten. Im Gegenteil, er müsste stattdessen sofort anrufen, denn wer weiß, wie viele Leser das Gleiche vermuteten?'
Hinrich wählte die Telefonnummer. In der Tat, besetzt.
'Wusste ich's doch.'
Erst beim achten Anruf kam eine Verbindung zustande, doch statt einer Auskunft zum brennenden Thema wurde Hinrich erst einmal auf eine musikalische Warteschleife gesetzt, mit dem Titel sexbomb, sexbomb, yuo're my sexbomb in einer Rundumschleife.
Das fängt ja gut an.
SchlieĂźlich meldete sich am anderen Ende der Leitung eine warme Frauenstimme.
„Fahrschule Beischlaf, Regina von Dinnen, mein Name, was kann ich für Sie tun?“
Hinrch fiel fast der Hörer aus der Hand.
„Fahrschule Beischlaf?“ stotterte er, „Mein Name ist Hinrich Beerenkamp. Ich weiß nicht, ob ich da richtig bin, bei Ihnen, ich wollte eigentlich nur nur eine Auskunft...“
„Rufen Sie wegen der Zeitungsanzeige an, Herr Beerenkamp? Dann sind Sie richtig.“
„Ja, aber, ich hatte gedacht, dass Sie von der Zeitung sind. Was soll ich denn mit einer Fahrschule?“
„Nein, nein, Herr Beerenkamp, Sie sind hier genau richtig. Sie wundern sich vielleicht über den Namen unserer Fahrschule, doch Sie müssen wissen, der Name ist das Prorgamm, wenn Sie verstehen, was ich meine.“
Hinrich verstand nichts.
„Was für ein Programm?“
„Nun ja, Sie haben doch unsere Anzeige in der Zeitung gelesen, über die 68 von Hundert und vor allem die darin enthaltenen zehn von Hundert, Sie wissen schon.“
„Ja, aber was hat denn eine Fahrschule damit zu tun?“
„Eine Fahrschule“, lachte die Dame, „gerade eine Fahrschule ist hierfür der richtige Ansprechpartner, denn das, was diese Zehn von Hundert der Bürger dort getan haben, dessen sie sich rühmen, muss erst einmal erlernt werden, von der Pike auf. Da reicht kein normaler Führerschein.“
Hinrich fiel aus allen Wolken.
Von diesem Standpunkt her hatte er die Zeitungsmeldung noch gar nicht betrachtet.
„Sie meinen“, stotterte er erneut, „es gibt richtige Fahrschulen, um zu erlernen, ich meine, um das zu erlernen, was diese 10 von Hundert, wie Sie sagen...“ er brach ab.
„Aber natürlich, Herr Beerenkamp, man muss für alles einen Führerschein haben, heutzutage, auch und vor allem für Sex während der Fahrt.“
„Einen Führerschein“ stammelte Hinrich, „so richtig mit Fahrprüfung, Fahrlehrer und Prüfer, und die sitzen mit dabei? Das gibt’s doch gar nicht! Das will ich sehen!“
„Aber gerne, Herr Beerenkamp, kommen Sie gleich Morgen vorbei, ich gebe Ihnen die Adresse durch und, ach, und noch was, sind Sie verheiratet, oder haben Sie sonst eine Lebenspartnerin? Bringen Sie die doch gleich mit, wenn sie Lust dazu hat, das erleichtert die Sache und spart Kosten. Sie können aber auch auf eine Dame aus unserem Hause zurückgreifen, wenn Ihnen das lieber ist.“
„Wiederum kratzte Hinrich sich am Kopf.
Seine Isolde, mit der er nun seit über fünfundzwanzig Jahren verheiratet war, hatte immer noch keinen Führerschein, vielleicht könnte sie den bei dieser Gelegenheit gleich mitmachen, schließlich handelte es sich doch um eine Fahrschule, wenn auch eine recht eigenwillige, doch dann störte ihn der Gedanke doch ein wenig, dass Isolde gleich bei ihren ersten Fahrstunden nicht nur auf den Straßenverkehr achten sollte.
„Nein, nein“ log Hinrich, „ich bin nicht verheiratet, „geben Sie mir eine Dame aus Ihrem Hause.“

Als er am nächsten Tag an der besagten Adresse mit seinem Wagen vorfuhr, staunte er nicht schlecht.
Es handelte sich bei der ‚Fahrschule’ um einen kompletten Verkehrsübungsplatz, wie er einen solchen von seinen ersten Fahrübungen her kannte, vor langer Zeit. Er betrat das kleine Gebäude an der Einfahrt und traf dort auf eine junge brünette Dame, die sich ihm als Regina von Dinnen vorstellte.
„Entschuldigen Sie, Frau von Dinnen“ begrüßte er sie, aber was soll ich einem Verkehrsübungsplatz, ich habe meinen Führerschein schließlich schon über zwanzig Jahre. Was ich brauche, ist Sex; Sex während der Fahrt, wie Sie ihn mir versprochen habe, dafür bin ich hergekommen.“
„Nun nicht mal so stürmisch, Herr Beerenkamp, der soll Ihnen nicht vorenthalten werden, den bekommen Sie schon noch zur Genüge. Doch füllen Sie bitte erst einmal dieses Formular aus.“


Widerstrebend macht Hinrich sich daran, ein Formular ĂĽber die Vertragsbedingungen zur Erlangung einer Berechtigung der Teilnahme am StraĂźenverkehr einschlieĂźlich der gleichzeitigen AusĂĽbung eines andersgearteten Verkehrs zu erlangen.
Er schĂĽttelte den Kopf.
„Das ist die Amtssprache, tut mir Leid“ lächelte die Brünette.
„Nun aber nichts wie los“ brüllte Hinrich fast, „wo steht der Wagen. Ach, sagen Sie mal“ wurde er ein wenig rot, „wie läuft das denn gleich ab, so im Auto, und, übrigens, muss unbedingt ein Fahrlehrer dabeisein?“
„Keine Sorge, Herr Beerenkamp, das geht ganz diskret, und, naja, er muss schon dabeisein, der Fahrlehrer. Das heißt, eigentlich ist er gar nicht ein Fahrlehrer im eigentlichen Sinne, sondern eher ein, na,sagen wir ein Fahrbegleiter.“
Die Antwort stimmte Hinrich etwas versöhnlicher, doch ganz zufrieden war er noch nicht.
„Wer hat schon gern einen Zeugen dabei“, Frau von Dinnen?“
„Glauben Sie mir, das geht ganz diskret, der schaut gar nicht richtig hin. Da steht er übrigens und wartet schon auf Sie.“

In einiger Entfernung erblickte Hinrich einen älteren Herrn mit grauen Schläfen, an eine dicke schwarze Limousine mit dunkel verglasten Fensterscheiben gelehnt, der ihm zuwinkte.“ Er trat näher heran, stellte sich vor und drückte dem Alten verlegen die Hand.
„Sie sind also der Fahrlehrer, sozusagen?“
„Sozusagen. Mein Name ist Knut Ruhbäcker.“
„Dann wollen wir mal, Herr Ruhbäcker“ rief Hinrich und riss die todesmutig Fahrertür auf, bereit auf alles, was da auf ihn zukommen würde.
„Sachte, sachte, mein Herr“ hielt der ältere Herr ihn zurück, „Sie nehmen hinten Platz, nicht vorne. Ja, hat frau von Dinnen Ihnen das nichts gesagt?“
Erstaunt blickte Hinrich den Fahrlehrer an.
„Ich verstehe nicht, ich bin doch hierhin gekommen, um diesen Sexführerschein zu machen. Sie wissen doch, während der Fahrt, und so... da muss ich doch vorn einsteigen, schließlich geht’s doch darum, beim Sex während der Fahrt.“
„Nicht ganz so, wie Sie meinen, mein Herr. Sex während der Fahrt, den sollen und werden Sie haben, dafür haben Sie ja gerade unterschrieben, doch nirgends steht geschrieben dass Sie selbst am Steuer sitzen.“
„Wie bitte? Aber dafür will ich doch den Führerschein machen, dafür bin ich doch hier!“
„Sie machen hier keinen Führerschein, sondern Sie erlangen einzig und allein die Berechtigung der Teilnahme am Straßenverkehr einschließlich der gleichzeitigen Ausübung eines andersgearteten Verkehrs, das ist etwas Anderes.“
Hinrich fiel aus allen Wolken.
„Aber die Meldung in der Zeitung:“
„Oh, die besagt nichts anderes als das 68 % der Bürger schon Sex im Auto hatten und 10 % davon während der Fahrt“ lächelte Herr Ruhbäcker, „aber es ist nichts darüber ausgesagt, ob diese Leute selbst am Steuer saßen.“
„Das darf doch nicht wahr sein,“ brüllte Hinrich, „ich verklage die Zeitung, und Sie mit Ihrem Laden gleich mit!“
„Aber beruhigen Sie sich doch, lieber Mann, da haben Sie einfach etwas verwechselt. Na“ zwinkerte er Hinrich ein Auge zu, und öffnete die hintere linke Wagentür, „wollen Sie nicht mitfahren, jetzt, da Sie schon einmal bezahlt haben? Die Dame wird schon ungeduldig, da drinnen.“
Hinrich gab sich einen Ruck.
'Recht hat er ja, der Alte' dachte er zerknirscht ,stieg in den Fond des Wagens und erbleichte.
„Isolde!“ schrie er vor Entsetzen,“Was machst du denn hier?“
Im gleichen Augenblick setzte sich das Auto mit Isolde und Hinrich Beerenkamp langsam in Bewegung.
„Gute Fahrt!“ rief die Dame vom Empfang ihnen hinterher.

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Haremsdame
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Hallo Raniero,

Deine Erzählung gefällt mir, weil ich mich als Leserin auch gefragt habe, wie das gehen soll. Und die Auflösung des Ganzen hat mich nicht nur herzhaft lachen lassen, sondern in meinem Kopf auch ein Feuerwerk von Diskussionen zwischen den beiden Beteiligten entstehen lassen.

Wundert mich, dass noch niemand darauf reagiert hat.

Haremsdame
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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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Raniero
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Hallo Haremsdame,

da hast Du vollkommen Recht; die Frage musste einmal geklärt werden, wie das funktioniert, vor allem, bevor dasirgendwann noch einmal Pflicht wird.


Freut mich, dass Dir die Story gefallen hat.

GruĂź Raniero

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