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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Hass
Eingestellt am 23. 07. 2002 20:32


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lokisskald
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

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Ha├č


Das Licht der Sonne, schien durch ein Gitter in die kleine, grobe und kalte Zelle aus Beton. Er hatte sich gegen das hintere Ende auf den Boden gelegt, so da├č die Strahlen der Sonne ihn noch erreichten und w├Ąrmten, andererseits er von au├čen durch das Gitter nicht erreicht werden konnte. Um ihn herum erstreckten sich nach links und rechts die Zellen anderer Gefangener. Er konnte Sie nicht sehen, doch ihr Geruch und ihre Laute lie├čen Sie vor seinem inneren Auge so real erscheinen, als st├╝nden Sie ihm gegen├╝ber. Direkt links von ihm der kleine Nerv├Âse. Man konnte h├Âren, wie er hektisch immer und immer wieder in kurzen schnellen Schritten den Innenraum seiner Zelle durchma├č. Vor, zur├╝ck, vor, zur├╝ck, vor, zur├╝ck, nur manchmal unterbrochen wenn er mit einem mitleiderregenden winselnden Seufzen an der T├╝r stehen blieb, wohl um sehnsuchtsvoll nach au├čen zu starrte. Nach rechts kamen zuerst zwei oder drei leere Zellen, dann die des ?D├Ąnen?. Ein Kraftpaket, das immer wieder in cholerische Anf├Ąlle ausbrach und mit lautem Br├╝llen seine Wut in die Welt schrie. Seine Aggression war so gewaltig, da├č man ihn nicht nur durch das Gitter von den W├Ąrtern trennte, sondern auch durch die leeren Zellen von den Mitgefangenen. Es war sp├Ąter Nachmittag und das feurige Rot der Herbstsonne auf dem ansonsten schmutzig grauen Himmel, vermengt mit dem wachsenden Creszendo des Geruches und der Stimmen der Gefangenen ergaben eine Klischee der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wie es keine Regisseur besser h├Ątte inszenieren k├Ânnen.

Nicht er! Er hatte richtig gehandelt und nichts gemein mit diesen bedauernswerten Kreaturen links und rechts um sich. Er hatte richtig gehandelt.

Er begann wieder zu d├Âsen. Langsam richtete sich seine Erinnerung zur├╝ck, immer weiter zur├╝ck, bis er zu der Erinnerung gelangte die vielleicht seine Erste war. Eine Zelle aus Beton, so wie die in der er auch jetzt war. Morgenlicht viel durch das Gitter. Eine gro├če, schwarze, stinkende Gestalt die durch die ge├Âffnete T├╝r hereinkam und Ihn packte. Ihn packte und mit Gewalt nach oben ri├č, so heftig bis er glaubte gegen die harte Decke geschleudert zu werden. Dann in der Luft festgehalten kam die Faust. Immer und immer wieder schlug sie auf Ihn ein. Traf Ihn an den Beinen, in den Magen, an den Kopf. Solange bis die schreckliche Gestalt die Lust verlor und Ihn, das Kind, wie einen alten Lumpen auf den Boden zur├╝ckwarf. Dann noch ein Fu├čtritt, bis endlich das Schlagen der T├╝r zeigte, da├č er wieder allein war. Allein in einer H├Âlle aus Schmerz.

Dann wieder das Ger├Ąusch der T├╝r. In Panik versucht er zu fliehen. Doch noch ist seine Sicht von roten Sternen ├╝berschattet. Wieder wird er hochgehoben. Doch diesmal sanft. Eine Stimme spricht leise zu Ihm, beruhigt Ihn. Dr├╝ckt Ihn an sich und wiegt Ihn hin und her. Es ist ein anderer, fremder Duft und als er wieder etwas erkennen kann sieht er eine helle wei├če Gestalt die mit einem liebevollen L├Ącheln auf Ihn herabblickt. Er bekommt zu Essen, sie verlassen die Zelle und laufen ├╝ber eine bl├╝hende Fr├╝hlingswiese im Sonnenlicht. Dann mu├č er wieder in die Zelle. Und wieder kommt der schwarze Mann. Wieder Schmerz, wieder Angst, wieder Verzweiflung. Solange bis die wei├če Gestalt wiederkehrt. So vergeht seine Kindheit zwischen Liebe und Schmerz, Freude und Angst. Keine Erkl├Ąrung, keine Sinn. Tage um Tage, Wochen um Wochen, Monate um Monate.

Trotz der Qual wuchs er. Wurde gr├Â├čer, kr├Ąftig. Der Schmerz der Schl├Ąge wurde nicht geringer, doch die Verzweiflung schwand und wurde zu Ha├č. Dann schlug er zur├╝ck. Als der schwarze Mann kam griff er an. Krallte sich in ihn, schlug ihn, bi├č ihn, trat ihn. Und der schwarze Mann war nicht mehr schrecklich. Er sp├╝rte wie er Angst hatte, wie er zitterte, h├Ârte seine Schreie, s├╝├č f├╝r seine Ohren und t├Âtete ihn. Die wei├če Gestalt kam angelaufen und als Sie den toten K├Ârper des Schwarzen sah umarmte Sie Ihn und lachte.

Er hatte richtig gehandelt. Und sie waren gl├╝cklich.

Die Zeit verging. Endlich mu├čte er nicht mehr jede Nacht in die Zelle zur├╝ckkehren, sondern lebte im Haus. Endlich konnte er auch andere sehen und fand Freunde. Dann, vor wenigen Wochen, starb seine Ziehmutter und er mu├čte das Haus verlassen. Er ging mit Ihrer Tochter, die er sehr liebte und lebte mit Ihr in Ihrem Haus in der Stadt. Langsam lie├č der Schmerz ├╝ber den Verlust nach und mit der Zeit gew├Âhnte er sich an seine neue Umgebung. Auch neue Freunde hatte er bald gefunden.

Dann, gestern, sah er ihn wieder, den schwarzen Mann. Er hatte sich ver├Ąndert. Er war kleiner geworden, geschrumpft. Auch seine Z├╝ge hatten sich ver├Ąndert, waren weicher, zarter. Doch er war es, unverkennbar. Aber niemand au├čer ihm schien es zu bemerken. Er mu├čte sich damals geirrt haben. Er hatte ihn nicht get├Âtet und der Schwarze konnte fliehen. Er rief zu seinen Freunden ?Kommt, seht nur dort den schwarzen Mann, helft mir, wir m├╝ssen Ihn t├Âten !? . Doch keiner reagierte. So griff er alleine an. Der schwarze Mann war schwach und sein Fleisch war weich. Ohne gro├če M├╝he ri├č er ihm einen Arm aus der Schulter. Sein erster Tod mu├čte Ihm viel seiner Macht geraubt haben. Gut so, denn diesmal w├╝rde er tot bleiben. In hellem Strahl scho├č das Blut aus dem Hals und mit ihm wurde das Schreien zum Gurgeln und verebbte endlich ganz.

Nicht so die Ger├Ąusche um Ihn. Lautes Kreischen und Wimmern, Lachen, Raunzen, Br├╝llen und Jaulen. Eine Kakophonie aus Krach. Er wurde hin und her gerissen, schlie├člich gebunden und hierher in die Zelle gebracht.

Er hatte richtig gehandelt. Und so wie das erste mal w├╝rde nun wieder alles gut werden.

Pl├Âtzlich sprang seine Aufmerksamkeit zur├╝ck ins Jetzt. Der Geruch. Mit einem mal erschien er wieder an der T├╝r zur Zelle, ein Alptraum zur├╝ckgekehrt aus seiner Kindheit. Der schwarze Mann, wieder gro├č und stark, so wie in seiner Erinnerung. ?Wie oft mu├č ich Dich noch t├Âten ??. Mit seinem ganzen Ha├č warf er sich seinem Peiniger entgegen.


Mit einem schnellen Schritt wich der junge Polizist vom Zwinger zur├╝ck. Der Hund hatte sich in wilder Raserei gegen den Maschendraht geworfen, sobald er ihn erblickt hatte. Mit mordgierigem Knurren versuchte er den jungen Schwarzen zu erreichen.

?Ich habe Dir doch gesagt, da├č Du besser nicht da hin gehen sollst !? sagte der Sheriff an seinen Deputy gewandt. ?Das ist ein wei├čer Hund, darauf dressiert Schwarze anzugreifen. Schau nur, wie er versucht den Draht durchzubei├čen um Dir an die Kehle gehen zu k├Ânnen !?

? Und wie bringt man ein Tier dazu, so zu werden, uns Schwarze so zu hassen ?? Fragte der Deputy w├Ąhrend er sich au├čer Sichtweite des rasenden Hundes begab. ? Du nimmst einen Hundewelpen und sperrst Ihn ein. Dann holst Du Dir von der Stra├če einen Schwarzen, der so verzweifelt ist, da├č er f├╝r ein paar Dollar alles macht. Der mu├č den Hund dann jeden Tag verpr├╝geln, immer und immer wieder. Solange bis der Hund genug Ha├č und Kraft gesammelt hat und sich wehrt. Danach hast Du eine Bestie, die jeden Schwarzen auf Sicht angreift, so wie das kleine M├Ądchen, da├č er Gestern zerfleischt hat.? Nach einer Pause fuhr der Sheriff fort, ?Solche Hunde sind in einigen l├Ąndlichen Gegenden noch zu finden. Von dort hat ihn die Besitzerin anscheinend auch vererbt bekommen. Hatte keine Ahnung, da├č Ihr Kindheitsspielgef├Ąhrte ein abgerichteter Killer war um Ihren kleinen wei├čen Arsch vor dem b├Âsen schwarzen Mann zu sch├╝tzen.?

?Ich werde Ihn jetzt erschie├čen. Er kann nichts daf├╝r, aber er hat den Ha├č eines Menschen und ein solches Tier kann man nicht am Leben lassen.? Mit diesen Worten zog er seine Pistole und trat vor die Betonbox.


Der schwarze Mann war verschwunden. Er hatte ihn zwar nicht erwischt, ihm aber anscheinend genug Angst gemacht, so da├č er wieder geflohen war. Dann trat eine wei├če Gestalt vor Ihn. Er hatte seine Sache gut gemacht. Er begriff nun, da├č der schwarze Mann nie ganz get├Âtet werden konnte. Doch jedes mal, wenn er ihn vertrieb oder verletzte sch├╝tzte er die Wei├čen. Das war seine Aufgabe und daf├╝r w├╝rde er jetzt belohnt werden.

Der Wei├če hob einen Arm und richtete ihn ihm entgegen. In der Hand das matte Schimmern eines Gegenstandes. Er sp├╝rte ein Bedrohung. Doch das war unm├Âglich, die Gestalt war wei├č.

Er hatte richtig gehandelt.

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Michael Schmidt
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Pr├Ąchtig gemacht, vor allem der Aufbau der Geschichte hat mir gut gefallen.
Abgesehen davon, dass es wohl eher eine Kurzgeschichte ist, finde ich den Titel nicht so prickelnd, passt auch nicht direkt zu dem was du schreibst, ist aber eigentlich nicht so wichtig.

Gru├č,
Michael

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lokisskald
One-Hit-Wonder-Autor
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Danke f├╝r das Feedback

Hallo Michael,

Lob freut :-). Ich habe leider zu sp├Ąt gemerkt, dass in der Formatierung alle meine " durch ? ersetzt worden sind. Besonders zum Schluss hin ist das leider ├Ąrgerlich. Abgesehen davon, dass ich nat├╝rlich inzwischen wieder Stellen gefunden habe, an denen man sprachlich noch Feilen kann hatte ich besondere Sorge um den Mittelteil, als seine Besitzerin stirbt und er in die Stadt kommt. Einerseits finde ich, dass es dort etwas aprupt wird, andererseits wollte ich es (wortm├Ąssig) nicht l├Ąnger machen. Ich bin nicht ganz sicher, wie es beim Lesen ankommt, bin aber ├╝ber Vorschl├Ąge dankbar.

Der Titel hat eigentlich schon vor der Geschichte existiert. Ich hatte mit einer Freundin verabredet, dass jeder von uns eine Geschichte schreibt, die einen Zusammenhang zu der These hat (best├Ątigt, wiederlegt, was auch immer) "Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch die F├Ąhigkeit zu hassen."
Damit war Hass f├╝r mich der Ausgangspunkt.

Gru├č
lokisskald

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K.T. Mallory
???
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Das hier ist mein erster Kommentar in diesem Forum. Vorausschicken m├Âchte ich, dass ich schon in einem anderen Forum war, in dem die Qualit├Ąt der Geschichten doch etwas h├Âher lag als hier. Vielleicht f├Ąllt deshalb meine Kritik ein bisschen heftig aus.

Wer gut schreiben will darf sich einfach nicht so viele Fehler leisten. Bei dir hat es doch sehr viele Kommafehler und auch Rechtschreibefehler. Sehr irritierend auch dein Grossschreiben von Sie/Ihn. Du magst das mit k├╝nstlerischer Freiheit begr├╝nden, f├╝r mich als Leserin ist das einfach nur irritierend.

Du beschreibst die Gedanken eines Hundes. Das verr├Ątst du aber erst gegen Ende des Textes. Man merkt zwar allm├Ąhlich, worauf du hinaus gehst, aber am Anfang stolpert man doch ├╝ber den einen oder anderen Satz. Dann, die leise Ahnung: ach, ich bin nicht in einem unmenschlichen Gefangenenlager in Vietnam, ich bin woanders, aha, das ist ein Hund. Ich f├╝hle mich ver├Ąppelt.

Der Grundgedanke und die Grundaussage deines Textes gef├Ąllt mir. Aber gerade weil du mich so lange im Dunkeln tappen l├Ąsst, verschenkst du die gute Idee. Dein Schreibstil ist an und f├╝r sich nicht schlecht, aber liess den Text vor dem Ver├Âffentlichen nochmals wirklich gut durch und siebe die Fehler aus. Wenn dir das M├╝he macht, gib ihn einer anderen Person zum Probelesen.

Liebe Gr├╝sse

K.T. Mallory

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lokisskald
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 12
Kommentare: 32
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Halb und Halb

Hallo Mallory,

im Bezug auf Rechtschreibung und Kommasetzung gebe ich Dir vollkommen recht, das sind Sachen die ich ausb├╝geln sollte bevor ich eine Geschichte ins Forum stelle.

Ansonsten soll der Leser ja gerade erst ├╝ber die Zeit langsam herausfinden, dass es sich nicht um einen Menschen handelt. Er wird aber nicht g├Ąnzlich im Dunkeln gelassen, sondern erh├Ąlt Hinweise die ihn (hoffentlich) stutzig machen. Zum Schluss die Aufl├Âsung und die M├Âglichkeit, die Geschichte mit dem Wissen, dass es sich um einen Hund handelt unter diesem neuen Blickwinkel nochmals zu betrachten.

In ziemlicher Perfektion kann man das Konzept in "The sixth sense" mit Bruce Willis sehen. Den Ganzen Fim ├╝ber fallen einem kleine Ungereimtheiten auf und erst in den letzten f├╝nf bis zehn Minuten des Filmes erh├Ąlt man die Information die man ben├Âtigt um sie zu verstehen. H├Ątte man diese schon von Anfang an w├Ąhre der Film nicht mehr interessant ... aber das ist auch Geschmackssache.

Nur noch zu Deiner Vorbemerkung:
Kritik darf heftig sein. Deshalb stelle ich eine Geschichte ja ins Forum damit sie gelesen und auch diskutiert wird. In jedem Fall ist mir eine harsche Kritik - und so heftig fand ich sie nicht - in jedem Fall lieber als Schweigen ohne Aussage. Ohne Kritik kann ich nicht an mir arbeiten. Deshalb Danke f├╝r Deinen Kommentar.

Liebe Gr├╝sse

lokisskald

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