„Au revoir, Cherie!“ flüstert sie mit tonloser Stimme. Tränen fließen dabei über ihre Wangen, verwischen ihr Make up, das aufzutragen sie niemals versäumt hätte, ehe sie unter Deine Augen getreten wäre. Ihre Tränen tropfen auf das Totenbett des Mannes, dem sie auf eine Weise verbunden war, wie nie je einem Liebhaber, eine Freund, einem Gefährten oder Ehemann, wie nie einem anderen Menschen oder Wesen überhaupt außer eben Dir.
Als sie Dich kennengelernt hatte, sprach sie kaum Deutsch. Du sprachst nicht ihre Sprache. Eigentlich gab es gar keine Verbindung, keine Grundlage dafür, zu einander zu finden. Ihr habt Euch angesehen. Ihr habt Euch „erkannt“, wie das in der metaphorischen Sprache der Bibel genannt wird. In all der Hintergründigkeit, die damit gemeint wäre. Ihr ward einander verfallen, ohne überhaupt zu verstehen, was geschah.
Du sahst eine sphärische Erscheinung, die sie gar nicht war. Du glaubtest einen Engel zu erkennen? Sie war eine Socialatrice, sie war einfach eine Hure. Sie war eine käufliche Frau und sie war schon unendlich verkauft.
„M'amour!“ hast Du sie irgendwann genannt. Dein Französisch so rudimentär, dass es nicht einmal für einen ganzen Satz gereicht hätte. Aber sie hat Dich verstanden. Sie hat Deine Botschaft gehört und wollte sie hören.
Sie sah einen grauen Wolf, an dem die Kämpfe seines Lebens längst Spuren hinterlassen hatten, einen Mann in den Jahren, die wohl eher spöttisch „die besten Jahre“ genannt werden.
Du hast sie vom ersten Augenblick an befangen gemacht.
Maria Magdalena: fühlte sie sich so, oder hast Du sie so gesehen?
Aber Du warst nicht Jesus, nicht einmal der Superstar aus dem Musical.
Du wurdest nichtsdestotrotz oder gerade deshalb ihr Held.
Du hattest sie nur angesehen, und aus diesem Augenblick hatte sie sich nie wieder lösen können. Niemals und bis heute, wo sie Deine Augen ein letztes Mal liebkost.
Was für ein besonderer Mensch warst Du für sie.
Aber nun bist Du tot!
***
Sie war schon als kleines Mädchen eine strahlende Schönheit gewesen, hatte Zauber versprüht und Sympathie angezogen, ohne sich dafür auch nur bemühen zu müssen. Sie hatte nur allzu bald diesen Charme zu nutzen gelernt. Sie hatte gelächelt, und das Leben lächelte zurück und gewährte ihr Gunst.
Dass es immer öfter das Lächeln in den Gesichtern von Männern war, bedeutete ihr nichts. Es war so einfach, so nahe, so liegend schließlich …
Gäbe es Mühsal auf dem Weg der Eroberung von Positionen, dabei, zu definieren, was ihr selbst wichtig wäre im Leben?
Positionen als sexuelle Stellungen ließen sie nur lächeln. Sie schluckte und nahm es hin, und sie fand es unwichtig.
Bis, ja: bis sie Dich kennengelernt hatte.
Ihren Körper hinzugegeben hatte sie keine Hemmungen gehabt, hatte sie gelebt und so war sie geworden, was sie nun war: Eine Frau mit Erfahrungen, mit Erinnerungen und mit der Vertrautheit bei sexuellen Praktiken ohne jede Skrupel.
Bis sie Dich kennengelernt hatte.
„Cherie!“ hatte sie Dich eigentlich nur scherzhaft, nur wie in jugendlicher Herausforderung genannt. Aber es ist dann ihr Name für Dich geworden. Unendlich intensiv und persönlich.
Es gab ein Licht und eine andere Wahrheit, in die sie eintauchen konnte. Nicht nur beim ersten Mal, sondern immer und immer wieder, wenn sie nur in Deine Nähe kam. Sex war nicht mehr beliebig. Hingabe keine Frage des Preises mehr oder nur ein Spiel ihres lasziven Körpers. Mit Dir und für Dich wurde es eine Hingabe, ein Geschenk und etwas Wertvolles.
***
Du alter grauer Wolf hast gewusst, dass sie Dir nicht mit jungfräulicher Unschuld begegnete. Du hast sie gevögelt und Du hast gemocht, wie routiniert sie Lust vermitteln konnte.
„Willst Du mich von hinten nehmen?“
Du hast sie genommen … Du hast nicht einmal, sondern immer wieder die Hände auf ihren straffen Hintern gelegt, Dich entscheiden dürfen und sie genommen nach Deinem Belieben, „von hinten“ und auf jede Weise gustiert.
Sie hat sich Dir geschenkt, wie sie sich niemals zuvor verschenkt hatte. Kein Schmerz konnte sie beirren. Keine Praktiken sie verunsichern. Sie war mit allem ja schließlich längst vertraut.
Dir indes hat sie geschenkt, was sie bis dahin nur verkauft hatte.
Dich hat sie geliebt.
***
Ihre Tränen tropfen auf Dein Totenbett.
Lässt Du sie zurück?
Überlässt Du Erinnerungen, Traurigkeit und Leere? Ist es fair, sie wieder allein zu lassen, nachdem Du ihr Leben verändert hast?
Der Tag geht zu Ende.
Das Fenster nach Westen ist offen, ein Lufthauch streicht durch den Raum, und ein Lichtstrahl der am Horizont versinkenden Sonne.
So warm und lebendig erstrahlt ein letztes Mal Erinnerung:
Hell leuchtende Abendsonne ...
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wenn sich in der Antwort eines Autors auf vorangegangene Kommentare sowas findet:
Was ist hier in der Leselupe MACHENSCHAFT ??
Ich möchte jedenfalls nicht dafür instrumentalisiert werden.
ist es dann vielleicht doch gut, noch ein paar Sätze zu formulieren.
Gemeinsam mit vielen anderen Mitgliedern, Miro, fasse ich die Leselupe als ein Forum auf, dass es uns erlaubt, eigene Texte zu veröffentlichen und uns dann ggf. einer ebenso öffentlichen Diskussion und Kritik zu stellen. Die Art und Weise der Diskussion folgt, mit Ausnahme der Regeln des Anstandes, keinen festen Regeln und reicht von "gefällt mir", "gefällt mir nicht", über die Frage der Motive und Gefühle bis zu intensiven Diskussionen über poetische Formen, Versmaße, Rhythmen, semantische Fragen usw.
Dein Text "Hell leuchtende Abendsonne" gefällt mir nicht. Ich teile vollständig knychens Urteil, der ihn zutreffend als "schwülstig" charakterisiert, und gehe in meiner Ablehnung darüber hinaus.
Ursprünglich wollte ich ihn überhaupt nicht kommentieren. Als ich aber den Satz von equinox las:
...aber zu dem Text kann ich mich nicht äußern, ohne von meinem Leben preiszugeben.
habe ich spontan reagiert, weil ich gerne wissen wollte, was ihr an der Geschichte gefällt und ich verstand auch nicht, warum man zwingend sein Leben preisgeben muss, wenn man einen Text kommentiert.
Nach dem zweiten Kommentar von equinox hätte ich diese Frage jetzt, im Nachhinein, lieber nicht gestellt, weil sichtbar wird, dass sie zu nichts führt.
Jetzt aber zu Deinem Text, Miro.
Ich finde, es ist ein ungewöhnlich schwacher Text.
Eigentlich liegt ihm ein interessantes Thema zu Grunde: Eine wunderschöne, junge Hure ist, bzw war, mit einem alten Mann liiert. Da gäbe es allerhand zu erzählen.
Du machst bedauerlicher Weise daraus eine reine Ansammlung von Klischees:
Tränen tropfen und die Sonne geht unter, sie flüstert leise "Cherie" und das wird uns dann noch erklärt, warum sie Cherie flüstert, und dann sagt sie noch „M'amour!“, dann wird rhetorisch gefragt, ob er denn geglaubt habe, in ihr einen Engel (!) zu erkennen und ob sie sich vielleicht als Maria Magdalena (!) gefühlt hat, aber nein, dann hätte er, der graue Wolf, ja Jesus (!) sein müssen, der er aber nicht ist, wie man erfährt, nicht mal der Jesus aus Jesus Christ Superstar (!).
Spätestens hier hört man, also ich jedenfalls, normalerweise auf, weiterzulesen.
Es kommt aber noch einmal die genaue Erläuterung ihrer Jugend und Schönheit und ihrer sexuellen Hemmungs- und Skrupellosigkeit.
Dann gibt es, ganz wichtig, noch einen eigenen Absatz für den Analsex und dann tropfen wieder die Tränen und dann versinkt die, bis dahin hell leuchtende, Abendsonne.
Ich wollte, wie bereits gesagt, diesen Text eigentlich nicht kommentieren, aber soweit ist es noch nicht in der Leselupe, dass wir hier die Autorenkollegen nicht direkt ansprechen, wenn es etwas zu sagen gibt.
Ich gebe zu, dass Dein Kommentar mich etwas ärgerlich gemacht hat, weil ich es anmaßend fand, dass Du dir eine Instrumentalisierung verbeten willst, was immer das auch sein soll. Ich bin jetzt aber wieder ganz freundlich und würde Dir empfehlen, mehr über Deine Schreibweise und weniger über Motive der Kommentatoren nachzudenken.
Es steht Dir aber selbstverständlich völlig frei, genau so weiter zu schreiben, weil ich natürlich nicht Recht haben muss.
Grüße
gareth
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Wie hässlich ist ein schräges Treiben,
da lob ich mir mein träges Schreiben.
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equinox
Guest
Registriert: Not Yet
Hallo gareth,
ich kann Deine Ausführung durchaus verstehen, aber die von Miro auch.
Er hat hier eine Liebesgeschichte geschrieben über einen "gefallenen Engel" und dem "grauen Wolf" als ihr Retter.
Ihr Sinnbild für das Gute im Leben.
Was ist daran verkehrt?
Passiert immer wiedermal im Leben.
Über das Großgeschriebene "Dich" bin ich natürlich auch gestolpert. Aber ich denke einfach, vielleicht hat er ja die Geschichte für jemanden verfasst.
So sehe ich das jedenfalls.
Ich bin ein Mädchen und darf das gutfinden. Mag es Dir - schwülstig - erscheinen!
Ein frohes Restostern
equinox
ps: bei event. Fragen schreib mir eine Nachricht.
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gareth Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003
Ich habe früher unter meinen Kommentaren, noch ausführlicher als ich es bei Dir getan habe, erklärt, dass ich mit dem, was ich da sage, den/die Autor/in keinesfalls entmutigen will, dass das alles nur meine persönliche Meinung ist und ich im Gegenteil hoffe, dass der Angesprochene das für ihn Verwertbare meines Kommentars, soweit vorhanden, erkennt und nutzt.
Deine Erwiderungen habe ich aufmerksam gelesen und werde selbstverständlich in Zukunft keine Deiner Veröffentlichungen mehr kommentieren. Es soll ja irgendwie für beide Seiten einen Sinn machen.
Was Du mit Diesem Text machst, ist Deine Sache. Ihn zu löschen, nach dem ersten kritischen Kommentar, weil Du Dich schlecht behandelt fühlst, ist, das sei Dir noch mit auf den Weg gegeben, die schwächste aller möglichen Reaktionen.
In diesem Sinn
gareth
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