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Leselupe.de > Erzählungen
Herbert´s Aussetzer
Eingestellt am 03. 01. 2001 13:05


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Haggard
Wird mal Schriftsteller
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Herbert´s Aussetzer


Hallo, ich bin Herbert. Ich möchte mir heute einfach mal von der Seele schreiben, was mich so bedrückt.

Sex ist der Ursprung allen Wahnsinns. Glauben Sie mir, ich weiß, von was ich spreche.
Am eigenen Leibe musste ich es bitter spüren.
Aber lassen Sie sich einfach erzählen...

Es war damals schon von Anfang an ein beschissener Tag gewesen. Ich war am Vorabend bereits gegen 21:00 Uhr zu Bett gegangen. Ich wohne allein müssen Sie wissen, was soll ich da am Abend, allein und ohne Freunde, schon großartig anfangen.
An jenem Morgen jedenfalls bin ich dann so gegen 09:00 Uhr aufgestanden. Ich hatte also geschlagene 12 Stunden geschlafen. Trotzdem fühlte ich mich müde. Todmüde würde ich sogar sagen. Ich brachte meine Augen gar nicht richtig auf. Das grelle Licht der Morgensonne, dass durch den geöffneten Rollladen fiel schmerzte in meinen Augen und ich hatte einen Druck auf der Blase, der geradezu königlich war.
Nachdem ich diesen Druck beseitigt hatte, begann eine anderer und noch viel intensiverer Druck mich zu quälen. Er begann von der Mitte meines Bauches her auszustrahlen und ließ mich nicht mehr los.
Er war nicht unbedingt körperlichen Ursprungs. Er war eher... na ja, wie dem auch sei, ich wehrte mich einfach, wie so oft, dagegen und habe mir erst mal Kaffee gemacht.

Diesen besonderen Druck habe ich öfter. Manchmal ist er sogar so stark, dass ich kurzzeitig ohnmächtig werde und dann völlig verwirrt irgendwo erwache und mir alles wehtut.
Diese Zustände bezeichne ich immer als meine Aussetzer. Bis zu diesem Tage hatte ich schon 5 davon gehabt.

Zum Frühstück schalte ich immer den Fernseher ein. So auch an jenem Morgen. Ich weiß noch genau, ich habe so eine Nachrichtensendung angesehen.
Oh, diese Nachrichtensprecherin war vielleicht ein Biest! Lange blonde Haare, volle Lippen und dieser willige Gesichtsausdruck. Trotz ihres seriösen Outfits war sie eine männermordende Nymphomanin.
Fragen Sie mich nicht, woher ich das weiß. Ich sehe so was eben. Wenn ich mir nur vorstelle, was ich mich der alles anstellen würde...
Wenn ich fernsehe, durchschaue ich diese Weiber alle. Nach außen hin geben sie sich immer so kühl und gelassen, ja schon fast distanziert. Aber innerlich wollen sie doch alles nur das eine. Das sehe ich doch, wie sie mich alle voller Verlangen ansehen, wenn ich durch die Stadt spaziere. Die wollen doch alle nur von mir aufs Horn genommen werden.
Alle diese geilen Schlampen warten doch nur auf mich!

Nein, ich habe leider keine Freundin. Genauer gesagt, hatte ich noch nie eine.
Aber, ich war damals ja auch erst 31 Jahre alt und die richtige sollte noch kommen.. Aber, was soll das ganze überhaupt. Was will ich denn mit einer Frau. Ich habe doch einen Videorecorder, zwei gesunde Hände und meine, ab und zu sehr lebhaften, Fantasien.
Die Videothek bietet mir alles, das mein Herz begehrt. Ich sage Ihnen, dort gibt es Filme...
Die Zeigen die Wahrheit. Dort wird das Wesen der Frau so gezeigt, wie es wirklich ist. Da wird nicht lange zugeknöpft und distanziert geredet, diese willigen Stücke kommen gleich zur Sache und das gewaltig.
Alle Frauen sind so, glauben Sie mir, ich weiß es wirklich.

Oh! Jetzt bin ich wohl ein bisschen vom Thema abgeschweift. Das passiert öfter, hat gar nichts zu bedeuten. Das ist so, wie mit meinen Aussetzern. Passiert auch öfter, hat aber gar nichts zu bedeuten.

Nachdem ich also gefrühstückt hatte, bin ich dann ins Bad gegangen und habe mich gewaschen. Ich konnte mich gar nicht richtig konzentrieren, alles ging mir irgendwie zu schnell. Ich kam mir vor, als würde ich am Rande einer Autobahn stehen und meine Gedanken rasten, in Form von schnellen Sportwagen, einfach an mir vorbei. Genau so bahnten sich meine Aussetzer an. Der schon erwähnte, besondere Druck wird nur noch von einem Gedanken übertroffen. Frauen! Oh, dieser Druck, diese langbeinigen Miststücke.
Ich würde so gerne mal eine von ihnen so richtig...

Kurze Zeit später erwachte ich dann wieder. Diesmal an keinem seltsamen Ort, sondern in meinem Bad. Ich hatte wohl wieder einen meiner Aussetzer gehabt.
Mein ganzer Körper schmerzte. Mein Gesicht fühlte sich an, als hätte mich jemand geschlagen. Ebenfalls hatte ich Kratzspuren über meinen ganzen Körper verteilt und in meiner rechten Hosentasche befand sich irgendein Teil, das sich weich und zusammengeknüllt anfühlte. Ich griff in die Tasche und es fühlte sich irgendwie nach Stoff an. Ich wollte es jedoch gar nicht genauer wissen , zog meine Hand wieder aus der Tasche und wechselte die Hose.
Das war mein sechster Aussetzer gewesen. Aber, ich sagte es ja schon, es ist nichts passiert.

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte bin ich dann runter in den Keller gegangen, wo sich der Gemeinschaftstrockenraum befindet. Dort wollte ich meine Wäsche aufhängen, die ich am Vortag gewaschen hatte.

Ich öffnete die Türe des Trockenraumes. Sie war unversperrt, das weiß ich noch genau.
Und da lag sie. Meine Nachbarin aus dem zweiten Stock.
Das war vielleicht eine rattenscharfe Maus. Na ja, normalerweise zumindest. Die hatte mir schon öfters auffordernd zugezwinkert, ich hab das genau gesehen.
Sie hatte schulterlange, pechschwarze Haare, dunkle Augen und einen wunderschönen Mund.
Zwei Dinge an ihr faszinierten mich jedoch über alles. Zum einen hatte sie riesige Möpse und zum anderen trug dieses Luder generell nur Miniröcke. Die brauchte es scheinbar gewaltig.
Das alles traf, wie schon gesagt, normalerweise zu.
Das hier war irgendwie nicht so normal.
Sie lag auf dem Rücken. Ihre schönen schwarzen Haare hingen ihr strähnig ins Gesicht und klebten an ihren blutverschmierten Wangen. Ihr Mund war weit aufgerissen und ihre sonst so schönen Augen blickten starr und glasig an die Decke. Eine entsetzlich verzerrte Fratze des Schmerzes. Ich habe auf dem Markt schon tote Karpfen gesehen deren Augen wesentlich lebendiger aussahen als diese hier.
Frau Braumann, so heißt meine Nachbarin übrigens, hatte auch heute einen Minirock an und, wie ich mir das schon öfter vorgestellt hatte trug sie keinen Slip darunter. Das konnte ich sehen, denn ihr Rock war nach oben geschoben und ihre Beine waren weit gespreizt. Ich konnte direkt auf ihr bestes Stück schauen, welches jedoch zu meinem Entsetzen blutig und irgendwie zerfetzt aussah. Die Bluse die sie getragen hatte war aufgerissen und hing in blutgetränkten, schäbigen Fetzen an ihrem leblosen Körper herunter.
So lag sie vor mir. Ihre prallen Titten unverhüllt, die Beine gespreizt. Ganz so, als wollte sie mich auffordern, sie zu nehmen. Aber irgendwie hatte ich nach meinem Aufwachen im Bad den Druck, der für solche Situationen wie geschaffen gewesen wäre, gar nicht mehr verspürt.

Auf den Tag genau 13 Jahre ist das alles nun her.
Was mich nun an dieser ganzen Geschichte bedrückt ist, dass ich nun seit 13 Jahren in diesem gottverdammten Irrenhaus sitze und nicht rausgelassen werde.
Man hatte mir die ganze Sache in die Schuhe geschoben! Mir!
6 Frauen, einschließlich meiner Nachbarin soll ich vergewaltigt und ermordet haben. So ein Unsinn.

Man sei mir nur auf die Schliche gekommen, da ich den Slip der Frau Braumann in meiner Wohnung versteckt haben soll. Wo soll ich den denn aufbewahrt haben, vielleicht in meiner Hosentasche? So ein Unsinn.

Die Ärzte hatten mir gesagt, dass ich, aufgrund meiner schweren Kindheit, psychisch gestört sei. Deswegen wurde ich auch von dem Richter nicht bestraft.

Das wollte ich nur mal für die „Nachwelt“ niederschreiben, die an diesem Ort ihr Dasein fristen wird. Ich bin nach diesen 13 Jahren nämlich geheilt und werde morgen entlassen.

Ich hoffe nur, dass ich mir keine Magen-Darm-Grippe eingefangen habe, denn als ich heute morgen aufgewacht bin, spürte ich so einen komischen Schmerz in meinem Bauch.



Ende

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"Cum grano salis"

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Hallo ihr da,

seit drei Wochen steht die Erzählung nun schon auf dieser Seite. Bin ich wirklich der erste, der der Meinung ist, daß sie unheimlich gut ist?

Hallo Haggard,

Glückwunsch zu dieser Geschichte. Ich gebe zu, am Anfang war ich etwas skeptisch. Verschiedene Passagen schienen mir zu dick aufgetragen, die Wortwahl zu primitiv. Doch am Schluß weiß man, daß Du deinen Protagonisten sich gar nicht anders artikulieren lassen kannst. Bin beeindruckt.

Gruß Ralph
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Tobias
Hobbydichter
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Ich find die Story richtig Horror.
Sicher nicht méin Ding, sowas zur Erbauung zu lesen, ABER, ja, Recht gebe ich Dir, super geschrieben. Man könnte meinen, das ist echt ...

TT (Bin neidisch)
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Manic Mango

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Haggard
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Ralf und Tobias!

Bedanke mich ganz herzlich für eure positiven Posts.

Ich hatte anfänglich auch schon Bedenken, daß die Wortwahl
etwas geschmacklos sein könnte, aber wie schon richtig
bemerkt, konnte Herbert gar nicht anders.

Bis demnächst

Haggard



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"Cum grano salis"

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