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Leselupe.de > Erzählungen
Honeymoon
Eingestellt am 10. 12. 2007 19:39


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Raniero
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Honeymoon


„Was ist das denn für eine Begründung?“ empörte sich Remus Kaulquappe, der stellvertretende Präsident des Landgerichts, „So etwas ist mir ja noch nie untergekommen.“
Ihm lag das Schreiben einer renommierten Anwaltskanzlei vor, in welchem die Anwälte für ihren Mandanten um eine Fristverlängerung von vier Wochen zur Beantwortung eines Schriftstücks baten.
Als hauptsächliche Begründung gaben die Anwälte an, dass die wesentlich mit der Bearbeitung des Falles betraute Kollegin auf dem Sprung in die Flitterwochen sei.


Richter Kaulquappe wollte es nicht glauben.
Es war in der Praxis zwar durchaus üblich, dass die Parteien in einem Rechtsstreit bei der Beantwortung der oftmals sehr umfangreichen Schriftstücke um Verlängerung der Beantwortungsfrist ersuchten und diese auch mit teilweise haarsträubenden Begründungen unterlegten, doch eine Fristverlängerung damit zu begründen, dass eine Rechtsanwältin auf dem Sprung in die Flitterwochen sei, das fand Remus mehr als ungewöhnlich, nein, eigentlich als ungehörig.


Er erinnerte sich an seine Flitterwochen und auch an die Zeit, als er als junger Referendar um seine ehemalige Freundin freite, wie man es damals nannte.
Beide wären sie damals nicht im Traum auf den Gedanken gekommen, ihre Flitterwochen als Begründung für eine Terminverschiebung auch nur von weitem in Betracht zu ziehen.
Es herrschten ganz andere Zeiten, und soweit er sich entsinnen konnte, zählte nur der Tod als Verhinderungsgrund, im äußersten Fall noch eine schwere Krankheit, die aber von mehreren Ärzten bescheinigt werden musste, und heute?
Heute feierten die Leute Honeymoon und das Gesetz musste warten, so einfach war das.
‚Nicht mit mir’, dachte Remus empört, und lehnte die Verschiebung der festgesetzten Beantwortungsfrist ab.


Am nächsten Abend waren sie eingeladen, Remus Kaulquappe mit seiner Gattin, bei ihrer jüngsten Tochter Nicole, die mit ihrem Freund nicht weit vom Domizil der Eltern entfernt wohnte.
Sie waren gerade im Begriff, das Haus zu verlassen, als das Telefon schellte.
„Ich gehe schon dran, Remus.“
„Ach du bist’s, Nicole. Wir wollten soeben aufbrechen. Ist noch was Schatz?“
Plötzlich verfinsterten sich die Gesichtszüge von Frau Kaulquappe dermaßen, dass Remus befürchtete, sie würde ihre Sinne verlieren.
„Das kann doch wohl nicht wahr sein“ schrie brüllte sie und knallte hochrot vor Zorn den Hörer nieder.
„Remus!!!“


Dieses derartig imperativ ausgesprochene Remus kannte der Richter nur zur GenĂĽge.
Mochte er aufgrund seiner Tätigkeit manch armes Sünderlein erschauern lassen, im Gerichtssaal, im Augenblick jedoch kam er sich selbst wie ein solches vor, schlimmer noch.
„Was ist denn, Schatz?“ fragte er vorsichtig.
„Was ist? Da fragst du noch?“ donnerte sie los, „unsere Tochter hat uns gerade ausgeladen, weil irgend so ein blöder Richter ihr einen Termin nicht verlängert hat, und ihre Flitterwochen hat sie auch verschoben! Kannst du dir vorstellen, dass es so einen Richter gibt? Ich finde keine Worte mehr.“

Remus Kaulquappe fand auch keine mehr, aber das war auch nicht erforderlich, denn alles was er noch gesagt hätte, es hätte ihm nur zum Nachteil gereicht.

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