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Leselupe.de > Kurzprosa
Hundeleben
Eingestellt am 29. 08. 2010 21:45


Autor
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KaGeb
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Registriert: Nov 2007

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Er torkelte so merkwürdig, und dann schaute er auch anders als sonst. Sein Blick traf mich nicht gleich, er musste meinen erst suchen. Speichel lief aus seinem Maul, die Augen wirkten belegt, als könne er nicht mehr fokussieren, als wäre alles verschleiert. Hilflos schnüffelte er in die Luft, rollte dabei seinen Kopf ohne Gleichgewicht, trat mit den Hinterbeinen nach, um den Halt nicht zu verlieren.
Ich hatte gleich nach dem Arzt telefoniert.
Bang war´s mir, schrecklich, das arme Tier so zu sehen, das mir seit so vielen Jahren ein treuer Gefährte war. So hatte er sich noch nie verhalten, es musste was Ernstes sein.

„Er hatte einen Schlaganfall, irreversibel, leider nichts mehr zu machen. Er sollte einschlafen, seine Lebensqualität ist einfach zu schlecht!“

Einschlafen, dachte ich und fand das Wort fehl platziert. Einschlafen bedeutet aufwachen, wiederkehren, doch sollte er mir einfach nur genommen werden, jetzt und für immer. Nie wieder bellen, nie wieder Schwanzwedeln, sein Ich leblos für alle Zeiten, und letztendlich bliebe nur unsere Vergangenheit.
Liebe starrte mich fragend an, ahnungslos, ängstlich bellend im verzweifelten Bemühen, stehen zu bleiben.

„Zwei Spritzen“, meint der Tierarzt, „eine zum Einschlafen und dann die andere. Er wird in Frieden gehen – und ohne Schmerzen. Sind Sie einverstanden?“

Ja, er sollte nicht leiden, er hatte es verdient, zu gehen, einzuschlafen. Friedlich dahinzudämmern – und obwohl wir weinten, uns gegenseitig gegen die Trauer stützten, fühlten wir uns dennoch ausgesöhnt mit dem Schicksal.

Abends besuchten wir Mutter im Krankenhaus. Sie hatte einen Schlaganfall vor vier Jahren, irreversibel ...


Version vom 29. 08. 2010 21:45
Version vom 30. 08. 2010 13:48
Version vom 01. 09. 2010 21:07

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Retep
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Morgen KaGeb,

konnte mich in deine kleine Geschichte einfühlen, mitfühlen mit dem Hund und den Hundebesitzern, erschrecken vor der Lage der Mutter.

quote:
Abends besuchten wir Mutter. Sie hatte einen Schlaganfall vor vier Jahren, irreversibel, leider nichts mehr zu machen. Ihre Lebensqualität ist einfach zu schlecht, doch sie muss weiteratmen ...
- kürzer und besser kann man die Situation kaum schildern.

Anmerkungen zum Text:

es musste was Ernstes sein.

plaziert - platziert

Aufwachen - aufwachen

zum einschlafen - zum Einschlafen


Gerne gelesen.

Gruß

Retep
__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

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Otto Lenk
Routinierter Autor
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'Sie hatte einen Schlaganfall vor vier Jahren. Irreversibel.'

Hier würde ich enden. Den Rest würde ich den Gedanken der werten Leser überlassen. Manchmal sind die Gedanken wichtiger. Man muss nicht alles benennen.

Gefällt mir gut.

Gruß

Otto
__________________
Das hab ich alles aus meinem Kopf abgeschrieben.

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KaGeb
Foren-Redakteur
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Lieber Gernot,


Da gehen bei meinem Text – was den Ausdruck betrifft – unsere Meinungen auseinander.
Er ist in einer Art indirekter Redewiedergabe geschrieben, d.h. „meinungsfrei“, was den Autor direkt betrifft. Hier erzählt ein (einfach gestrickter) Prot., was ihm widerfahren ist – und nur dann wird der Inhalt m.M.n. authentisch, wenn ich der Person vertrauen kann mit all ihren Macken, Sprachverdrehungen und ausgesprochenen Denkweisen.
Aus Autorensicht ginge es natürlich sprachlich-stilistisch auch wesentlich „korrekter“, aber das war und ist nicht Sinngrundlage des "berichtenden" Textes. Nur der „Prot“ redet hier – nicht der Autor!!! Wäre es nicht so, könnte ich letztendlich nur paraphrasieren - und genau DAS liegt mir hier fern (zumal es kein Tagebucheintrag ist!) Würde ich (als Erzähler) womöglich bei dem Prot. sein und MEINE Sichtweise des Ganzen beschreiben, wäre dein Einwand sicherlich berechtigt, aber nicht als Prot.-Sichtweise auf das Geschehen.

LG Karsten

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Gernot Jennerwein
Manchmal gelesener Autor
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Für den Ablauf dieser Geschichte, lieber Karsten, ist es in keiner Weise von Wichtigkeit, in welcher Sprachgewandtheit der Protagonist von seinem erlebten Kummer berichtet. Sicherlich ist es manchmal von Nöten dem Helden eine gewisse Naivität, um seine Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten, mit auf die Reise zu geben, aber, und ich betone aber, in dieser Prosa ist das nicht unabdingbares Kriterium.
Deshalb kam mein Einwand und nun die Frage: Weshalb betrügst den Leser um sein Lesevergnügen, wenn es nicht erforderlich ist?

Es sind nur Gedanken ...

allerbeste Grüße

Gernot

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