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Leselupe.de > Erzählungen
Ich werde jetzt sterben
Eingestellt am 20. 11. 2002 18:50


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JennyP.
Hobbydichter
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Ich werde jetzt sterben

Meine Koffer sind schon auf dem Rollband. Ihr Ziel ist die Boing 737. Ein Touristenbomber ist das einzige Fehrkehrsmittel, um zu einer dieser allseits beliebten Urlaubsinseln zu gelangen.
Ich sitze in der Abfertigungshalle und den Duty-free-Shop habe ich bereits erkundet. Parfums unter 50 Euro sind hier Mangelware. Ich versuche mir die Zeit weiter mit einem guten Buch von meinem Lieblingsautor John Irving zu vertreiben.
Angst habe ich keine. Schon des √Ėfteren bin ich in die riesigen Metallv√∂gel ein und ausgestiegen. Es ist Routine das gleiche nun wieder zu tun.
Durch die verglasten W√§nde der Abfertigungshalle kann ich beobachten, wie die Airbusse wie V√∂gel Anlauf nehmen und sich in die L√ľfte erheben. In einer Reihe verharren sie hintereinander, darauf wartend, die Starterlaubnis erteilt zu bekommen. Nach einer kleinen Wartezeit erh√§lt jede Maschine ihr Startsignal.
Auch f√ľr mich scheint die Zeit knapp zu werden. In diesem Moment dockt eine etwas kleinere Maschine an meinem Gate an. Gleich ist es so weit und ich muss einsteigen.
Ich Zeige mein Flugticket vor und werde durch die verglaste Schiebet√ľr hindurch gelassen. Beengend wirkt der Weg dorthin auf mich. Eine enge dunkle R√∂hre mit st√§hlerner Verkleidung. Meine Schritte scheppern dumpf auf dem silberfarbenen Metallboden. Ich blicke hinunter und sehe Risse, undichte Stellen an den Ecken der W√§nde, durch die ich den betonierten Erdboden sehen kann.
Ich beeile mich, will diesen Ort schnellstmöglichst hinter mir lassen.
Hinter einer Biegung begr√ľ√üen mich am Ende der R√∂hre zwei h√ľbsche Flugbegleiterinnen. Die linke tr√§gt ihre roten langen Haare offen. Ihre wei√üen Z√§hne strahlen mich freundlich und beruhigend an. In eine wei√ü-blaue Uniform gesteckt, sieht sie aus, wie ein Zimmerm√§dchen eines erstklassigen Hotels.
Die rechte hat blonde Haare und trägt sie zusammengesteckt zu einem Dutt, der durch Dutzende kleiner schwarzer Haarklammern festgehalten wird. Sie fordert mich auf, mein Flugticket erneut vorzuzeigen und weißt mich darauf hin, den letzteren Gang zu benutzen.
Mein voriges Unwohlsein ist bei diesem freundlichen Empfang schnell verflogen. Schnell ergattere ich mir eine AMICA, bevor sie alle vergriffen sind und finde schnell meinen Platz.
Das Fenster befindet sich rechts von mir. Bevor alle ihren Platz gefunden haben, sich setzen und sich beruhigen, habe ich mich bereits angeschnallt.
Diese kleinen Schn√ľrgurte sind l√§cherlich im Bezug dazu, sollte es wirklich einmal zu einem Ausnahmezustand kommen. Das √úberleben w√ľrden sie mir sicherlich kaum erm√∂glichen.
Da nun alle angespannt auf ihren Pl√§tzen sitzen und auf den Start warten, mache ich mich daran, mein Handy auszuschalten. Auch das w√§re eine Gefahrenquelle f√ľr ein Flugzeug.
Während der Pilot sich vorstellt und den Passagieren die Reiseroute erklärt, heben wir völlig routiniert ab. Alles ist bestens.
Nun k√∂nnen sich alle auf einen gem√ľtlichen Nachmittag mit der ‚ÄěTrumanshow‚Äú, einem delikaten aber auch etwas sp√§rlichem Mittag und einer traumhaften Aussicht auf strahlend wei√üe Wattew√∂lkchen und niedliche Sch√§fchenw√∂lkchen vorbereiten.
Nach einiger Zeit befindet sich dann das Mittelmeer unter uns.
Das Fenster ist bereits vereist und doch kann ich noch genug erkennen. Die Tragfläche befindet sich nicht weit hinter mir. Durch einige Turbulenzen schwankt sie beinah wie eine Stimmgabel im Dreivierteltakt. So lang und schmal wirkt sie klapprig auf mich als bräche sie jeden Moment entzwei.
Wieder meldet sich der Pilot und macht bekannt, dass wir uns auf die Landung vorbereiten. Schneller und schneller verlieren wir an Höhe. Die Nase der Boing senkt sich leicht nach unten.
Ich kann die Insel sehen. Sie sieht fantastisch aus mit ihren riesigen Bergen und den steilen H√§ngen und dem vielen Gr√ľn an allen Erhebungen. Kleine wei√üe H√§uschen erstrecken sich an den H√§ngen und den Str√§nden von dem funkelnden dunkelblauen Ozean. Ganz hypnotisiert bin ich von ihrer Sch√∂nheit.
Die Turbulenzen werden heftiger. Auf kurvigem Wege verlieren wir weiter an Höhe.
Doch plötzlich kippt die gesamte Maschine zur rechten Seite. Fast auf neunzig Grad hängen die Passagiere seitlich in den Sitzen, einzig gesichert an ihrem Gurt. Und ich mit ihnen.
Alle schreien wild umher. Kinder br√ľllen, die W√§nde knarren, versteinert verharren wir in dieser Position. Die Turbinen werden lauter und die Erde n√§hert sich in immenser Geschwindigkeit. Im Cockpit bleibt es still.
Ich habe keine Angst und ich habe auch nicht geschrieen. Ich blicke direkt in das n√§hernde Meer, wie in den Lauf einer Schnellfeuerwaffe. Der einzige Gedanke, der mich dabei bef√§llt, ‚Äěich werde jetzt sterben‚Äú.
Ich wende meinen Blick ab, schließe die Augen und mache meinen Frieden. Gleich ist es vorbei.
Nichts geschieht. Kein Aufprall und auch keine Stichflamme. Die Menschen, die mein Leben in ihrer Hand halten, haben es f√ľr heute gerettet. Die Maschine richtet sich wieder auf und einige Augenblicke sp√§ter befinden wir uns wieder auf der Rollbahn und haben sicheren Boden unter unseren F√ľ√üen.
Doch was mich erwartet, ist kein Urlaub. Einzig beschäftigt mich die Tatsache, dass ich von dieser verdammten Insel auch wieder herunter muss und die Notwendigkeit darin besteht, ein Flugzeug zu nehmen.

__________________
w√ľrde mich √ľber Kommentare und jedwede Kritik freuen.

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Vera-Lena
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Ich werde jetzt sterben

Ich werde jetzt sterben

Liebe Jenny,

Du hast eine gute Beobachtungsgabe und l√§sst uns detailliert an Deinem Erlebnis teilhaben. Eine spannende Geschichte ist es aber nicht, k√∂nnte es jedoch sein. „Alle schreien wild umher. Kinder br√ľllen, die W√§nde knarren.“ Hier liegt der Knackpunkt. Wenn wir als Leser ein paar von „Alle schreien“, durch Dich kennen gelernt h√§tten, k√∂nnte die Sache spannend sein. Du h√§ttest Deinen Sitznachbarn beschreiben k√∂nnen z.B. als eine Person, von der man als Leser nicht erwartet h√§tte , dass er sich in der Notsituation nachher so verh√§lt, wie er es dann eben tut. Du h√§ttest auch schon einige Personen in der Wartehalle beschreiben k√∂nnen, z.B. den Liebreiz einiger Kinder. W√∂rtliche Rede w√§re hier hilfreich. Interessant ist doch auch, wie sich Menschen nach so einem Erlebnis voneinander trennen. Manche werden davon hasten, einige sich ihren Mitreisenden gegen√ľber durch ein paar Bemerkungen Luft machen wollen. Bei deinem Aufenthalt auf der Insel, w√§re es anschaulich, wenn Du an wenigstens einem Beispiel beschreibst, wie Du krampfhaft versuchst, doch etwas zu genie√üen, beispielsweise am Strand, und wie immer gerade dann Dir einf√§llt, dass Du ja schlie√ülich nicht nach Hause schwimmen kannst. Du hattest keine Angst. Das ist ein sehr guter Ansatz. Aber die Angst wurde Dir eben doch noch „nachgereicht“. Es lohnt sich, das genauer zu beschreiben. Ich wei√ü, wie schwer es ist, Personen, die man erfindet, wirklich zum Leben zu erwecken. Aber ich denke, es ist einen Versuch wert.

Liebe Gr√ľ√üe Vera-Lena

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JennyP.
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Danke,f√ľr die Hinweise. Es ist schwierig sich mit solch einem Problem auseinanderzusetzen, denn man m√∂chte sich eigentlich nicht noch einmal in diese Situation hineinf√ľhlen. Um es allerdings dem Leser n√§her zu bringen, werde ich die Dinge,die du angemerkt hast in Angriff nehmen.
danke,

Liebe Gr√ľ√üe
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Vera-Lena
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Ich werde jetzt sterben

Liebe Jenny,

an Deiner Stelle w√ľrde ich die Sache erst einmal auf sich beruhen lassen. So wie Du das sagst, da√ü Du Dich da nicht noch einmal hineinf√ľhlen m√∂chtest.... dann tu es doch auch nicht. Die Hinweise √ľber das Schreiben kannst Du doch immer noch bei einem anderen Stoff ausprobieren, wenn Du wieder Lust zum Schreiben hast. Diese Hinweise kannst Du doch f√ľr Dich verallgemeinern, und dann sind sie Dir auch hilfreich.

Einen gl√ľcklichen Tag w√ľnscht Dir mit lieben Gr√ľ√üen

Vera-Lena
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