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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Ich werde operiert
Eingestellt am 25. 07. 2004 19:54


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gareth
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So ganz sicher war ich mir nicht, aber nach zwei Jahren habe ich mich jetzt doch entschlossen und bin optimistisch.

Ich habe einen Termin im Krankenhaus. "Folgen Sie einfach den gelben Punkten", hat die Dame am Empfang gesagt. Der Weg zur Ambulanz ist weit und folgt verschlungenen Pfaden, kann aber, auf Grund intelligenter Markierungen auf dem Boden, auch von mir gefunden werden. Ein junger Arzt hat mich bereits untersucht und abschließend festgestellt, fĂŒr ihn sei die Sache eindeutig. Er werde jetzt den Chef informieren und es könne unter UmstĂ€nden ein bisschen dauern. „Alles klar“, sage ich, „kein Problem“. Was man halt so sagt. Im angrenzenden Zimmer höre ich zwei MĂ€nnerstimmen. Die leise eines Ă€lteren Patienten und eine sonore, hinter der ich den Professor vermute. Die leise Stimme kann ich nicht verstehen, die sonore dafĂŒr um so besser: „Das ist kein Bruch, mein Lieber. Nein, da können Sie sicher sein. Es ist nicht weit davon entfernt, zugegeben, und es kann gut sein, dass das schmerzhaft ist, aber es ist eben kein Bruch und es macht ĂŒberhaupt keinen Sinn, da rumzuschneiden. Ja, seien Sie doch froh, Menschenskind“, hier hebt sich die Stimme deutlich und ich warte auf das Klatschen eines jovialen Schlages auf den RĂŒcken, der allerdings ausbleibt. „Also, das ist es dann. Sie können sich wieder anziehen. Und wenn es nicht besser wird, kommen Sie einfach wieder her“. Es wird still und ich höre, wie der junge Arzt jetzt seine Chance nutzt.

FĂŒnf Minuten spĂ€ter sitzt Professor Quant mir gegenĂŒber. Er ist blond, gebrĂ€unt und ich schĂ€tze ihn auf ungefĂ€hr fĂŒnfundvierzig Jahre. "Passen Sie auf", sagt er, nachdem ich ihm die Sachlage geschildert habe, " wenn der Dr. Goebel Sie hierher schickt, mĂŒssen wir nicht diskutieren, dann machen wir das. Etwas anderes wĂ€re es, wenn Leute, aus welchen GrĂŒnden auch immer, das einfach nur wollen und keine medizinische Indikation vorliegt, aber hier ist die Lage klar." 'Das ist also entschieden', denke ich. "Nur", fĂ€hrt der Professor fort und hebt eine Augenbraue etwas an, "nur sollten Sie sich ĂŒber Folgendes im Klaren sein. Die Sache kann entweder von Urologen oder von Chirurgen gemacht werden. Sie sind hier bei den Chirurgen". "Aha", sage ich, Ă€ußerlich unbewegt und ĂŒberlege, was er mir damit sagen will. "Das heißt?", frage ich dann doch leichthin und der Professor erklĂ€rt mir, es bestĂŒnde qualitativ keinerlei Unterschied, sie hĂ€tten hier aber einfach nicht so außergewöhnlich hĂ€ufig mit speziell dieser Operationsart zu tun. Jetzt hört es sich an, als hĂ€tten sie es seit Jahren nicht mehr gemacht. Das kann aber kaum sein. Auf dem Informationsblatt fĂŒr Patienten in meiner Hand steht „Akademisches Lehrkrankenhaus“. "Ich bin ĂŒberzeugt", sage ich, "dass Sie das einwandfrei und hĂŒbsch machen werden". "Na ja", antwortet er lĂ€chelnd, „ich auch, aber gehen Sie mal davon aus, dass wir auf jeden Fall keine Schleifchen anbringen werden“. Er bleibt bei seinem LĂ€cheln und begleitet mich zur TĂŒr.
Alle sind nett in diesem Krankenhaus. Erstaunlich, erfreulich und beruhigend. Die Schwester mit dem Terminbuch bietet an, mich fĂŒr einen von mir frei wĂ€hlbaren Montag oder Mittwoch einzutragen. Es ist Montag. Ich entscheide mich fĂŒr den kommenden Mittwoch. "Ich kann Sie ohne weiteres auch nĂ€chste, oder ĂŒbernĂ€chste Woche", lĂ€chelt sie, "Nein danke", entgegne ich, "dann ist es getan". "Gut", sagt sie und trĂ€gt mich in das Buch ein. " Wir machen die Untersuchungen und die AufklĂ€rung jetzt gleich, nachdem Sie schon mal hier sind". Damit habe ich natĂŒrlich nicht gerechnet, aber es ist befreiend, wenn man seine Entscheidung getroffen hat.

Sie fangen mit der Blutentnahme an. "Ja, sag mal", sagt der junge Arzt und sticht noch einmal vorsichtig aber schmerzhaft zu, "gibt's das!?", er runzelt die Stirn und bewegt die Nadel in meiner rechten Armbeuge leicht hin und her, was wieder weh tut, "die hat zu gemacht. Da kommt nichts mehr". Auf meinen fragenden Blick hin, erklĂ€rt er: "Ein Reflex. Das machen die manchmal. Da werd ich eine neue nehmen mĂŒssen". Und er nimmt eine neue Vene. "Ich muss nur eine fĂŒr den AnĂ€sthesisten ĂŒbrig lassen". Er lĂ€chelt gewinnend und fĂŒllt dann, eins nach dem anderen, seine kleinen GlĂ€schen an der nun ergiebig fließenden Quelle. Als nĂ€chstes kommt das EKG. Das geht sehr schnell. Die Hautstellen, an denen die Elektroden sich ansaugen, werden mit Kochsalzlösung befeuchtet. Davon versteh ich was. "So, so", sage ich, wĂ€hrend die Schwester rasch eine Menge Elektroden mit handwerklichem Geschick an mir befestigt, "das machen Sie mit einfachem Salz, das freut mich, da klebt dann nichts". Sie schĂŒttelt nachsichtig den Kopf, "nein, das ist Natriumchlorid". Ich lĂ€chle sie an. Es tut meinem, durch meinen Patientenstatus leicht geminderten SelbstwertgefĂŒhl gut, dass ich ihr sicher erheblich mehr ĂŒber Herkunft, Gewinnung und Eigenschaften des Steinsalzes erzĂ€hlen könnte, als sie mir ĂŒber das EKG. Kurze Zeit spĂ€ter schiebt der Drucker ein Blatt heraus, auf dem sich ein sehr gleichmĂ€ĂŸiger Kurvenverlauf zeigt. Mich als Laien beruhigt das.

Es folgt die AufklĂ€rung. Im GesprĂ€ch ĂŒber meine Vorerkrankungen und die meiner VĂ€ter und VorvĂ€ter, ĂŒber die ich praktisch nichts weiß, zeigt sich nichts Bedenkliches. Ein netter AnĂ€sthesist fragt mich, welche BetĂ€ubungsart mir denn nun die liebste sei. "Je weniger und je kĂŒrzer, desto besser und am liebsten nur lokal, wenn das möglich ist". Er runzelt die Stirn. "Das können sie vergessen, lokal“, sagt er. „Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten", fĂ€hrt er fort. "Wir können es so machen, dass wir nur den Unterkörper betĂ€uben. Das machen wir aber nur bei stationĂ€rer Behandlung, weil wir danach die Blasenfunktion beobachten mĂŒssen, oder wir machen eine Vollnarkose". "Ach so", sage ich. "Ja", nickt er und lehnt sich zurĂŒck, "was hĂ€tte es denn auch fĂŒr einen Sinn, wenn Sie nachher zu hause sitzen, mit so einer Blase", er stellt mit beiden HĂ€nden die Form eines ziemlich großen Luftballons dar. Was ließe sich gegen dieses Argument noch vorbringen? "Es geht also eher in Richtung Vollnarkose?!." "Ich denke schon", sagt er.
Zum Schluss klĂ€rt mich dann noch eine sehr hĂŒbsche junge Ärztin, eigentlich eine außergewöhnlich hĂŒbsche junge Ärztin, in großen ZĂŒgen ĂŒber die verschiedenen gĂ€ngigen Operationstechniken auf. Ich sitze ihr gegenĂŒber und folge ihren schlanken Fingern auf der Zeichnung, die sie vor uns auf den Schreibtisch gelegt hat. Von mir aus hĂ€tte der Eingriff jetzt vorĂŒbergehend erheblich komplizierter und schwieriger zu erlĂ€utern sein dĂŒrfen. Ab und zu muss ich auf ihren Mund sehen. Aber nur sehr kurz. Ich bin ein verheirateter Mann. Sie sieht mich ihrerseits auch nur ab und zu an und dann recht kurz. Das mag andere GrĂŒnde haben. Meiner letzten Frage kommt sie zuvor. Sie hat also meine Reaktionen offenbar registriert. „Das da“, sie zeigt mit einem unlackierten und perfekt manikĂŒrten Fingernagel auf eine besonders eigenartige, ausgesprochen unschöne Variante und sieht mir kurz in die Augen, „werden wir keinesfalls machen.“ „Gut“, antworte ich und damit bin ich fĂŒr heute entlassen und fĂŒr ĂŒbermorgen frĂŒh verbindlich einbestellt.

Mittwoch morgen, neun Uhr.
Ich sitze in einem Zimmer der chirurgischen Abteilung auf einem Krankenbett. Eine freundliche Schwester hat mir ein Hemd in die Hand gedrĂŒckt mit der Bemerkung, ich könne mich schon mal ganz aus- und das da anziehen und sie kĂ€me dann bald zurĂŒck. Es ist sehr still in diesem kahlen Raum und ich bin plötzlich nicht mehr sicher, wie man so ein Hemd anzieht. Aber nach und nach stellen sich mit dem Wort 'FlĂŒgelhemd' auch wieder die Erinnerungen an frĂŒhere Besuche in KrankenhĂ€usern ein. Es wird mir gleichzeitig mit der Doppeldeutigkeit seines Namens bewusst, wie man das Hemd anzieht. Meine Frau hat mich beim Weggehen an der TĂŒr noch gefragt, ob ich Angst hĂ€tte. Ich habe wahrheitsgemĂ€ĂŸ verneint, aber jetzt, wĂ€hrend ich da auf dem Bettrand sitze und ĂŒberlege, ob ich diese BĂ€ndchen auf dem RĂŒcken mit einer Schleife schließen soll, fĂŒhle ich mich doch recht einsam. Eine halbe Stunde vergeht. Ich habe keine Schleife gemacht. Um irgend etwas zu tun und mich ein wenig von der nun doch aufkommenden Spannung abzulenken, lese ich noch einmal das Informationsblatt fĂŒr Patienten durch. Da steht unter anderem etwas davon, dass der entsprechende Körperbereich rasiert werden solle. Das hatte ich bisher nicht gelesen, halte es aber auch fĂŒr irrelevant in meinem Fall. Im entsprechenden Bereich gibt es keine Haare. Die Schwester kommt herein. "Schön", sagt sie mit einem Blick auf mein Hemd und wendet sich wieder zum Gehen. Dann fĂ€llt ihr noch etwas ein. "Sagen Sie mal", fragt sie, "haben Sie sich eigentlich rasiert?". "Nein, ich...". "Das hĂ€tten Sie aber sollen", sie runzelt nun ein wenig die Stirn. Dann geht sie an einen der SchrĂ€nke neben der ZimmertĂŒr, holt einige Dinge heraus und legt sie auf das Tischchen vor dem Bett. "Wollen Sie es selber machen, oder soll ich?", fragt sie. Ich bin unsicher. "Ich kann's mal versuchen", sage ich. Sie geht. Ich warte noch ein bisschen und sehe mir dann die Sachen an. Einige Einmalrasierer, von einem Gummiband zusammen gehalten und ein paar TĂŒcher. Es geht also auch um Haare in angrenzenden Gebieten. Ich habe keinerlei Erfahrung mit Rasierklingen und Einmalrasierern und auch keine Vorstellung davon, wie ich das angrenzende Gebiet abgrenzen soll. Ich spiele eine Weile mit den Rasierern herum und beschließe dann, es sein zu lassen. Zufrieden bin ich nicht. Vielleicht ist deshalb nichts richtiges aus mir geworden, geht es mir durch den Kopf, weil ich immer so viel Information brauche, um handlungsfĂ€hig zu werden.
Es vergeht eine weitere halbe Stunde in großer, beklemmender Stille. Ich sitze stumm auf der Bettkante und es kommt mir allerlei in den Sinn. Meine Mutter hĂ€tte ich lĂ€ngst wieder besuchen sollen. Auf jeden Fall vorher noch einmal. Muss ja nur was bei der Narkose daneben gehen. ‚Alles schon mal da gewesen’, höre ich meinen Vater sagen. ‚Nur mal angenommen’ geht es mir durch den Kopf, ‚einfach nur mal angenommen, es klappte doch nicht so ganz einwandfrei mit der Narkose. Da gĂ€be es ja doch ein paar Sachen, die man sicherheitshalber vorher hĂ€tte wegschmeißen sollen, mein Herr. Kleine Boten aus frĂŒheren Leben. Hier ein paar uralte, zusammengefaltete Fotos, dort einige kleine, kaum noch lesbare, handgeschriebene Zettel. Dinge, die es angeblich nie gab, oder schon lange nicht mehr gibt. Dinge, die dir angeblich so egal sind und fremd, oder dich nie interessiert haben. Was werden sie von dir denken, wenn sie deinen Nachlass ordnen? Aber eigentlich glaube ich ja gar nicht, dass da was vorkommen kann, narkosemĂ€ĂŸig. Ich schĂŒttle diese Gedanken ab und fange an, mir einen SchĂŒttelreim auszudenken.

Einmal kommt etwas seltsames, rumpelndes aus der Stille. Langsam und von weit her, immer lauter werdend, bewegt es sich den langen Flur entlang und nĂ€hert sich meinem Zimmer. Da wĂŒnsche ich mir, dass es nichts mit mir zu tun haben möge. Es fĂ€hrt vorbei. Bald danach kommt die Schwester zurĂŒck. "Und?", fragt sie, "haben Sie...?", ich schĂŒttle den Kopf. "Kein Problem", sagt sie, "eine Routinesache. Wenn Sie sich mal da so hinlegen und das Hemd einfach...". Sie macht es sehr geschickt und schnell und danach kommen mir die AblĂ€ufe einfach, klar und logisch vor.

Sie hat mir jetzt noch eine Flasche mit Mineralwasser hingestellt und einen kleinen Becher, in dem zwei Tabletten liegen. Eine ist recht groß, oval und weiß, die andere sehr klein, rund und rosa. Ich unterstelle, dass beide ihren Sinn und Zweck haben und schlucke sie mit wenig Wasser. Dann lege ich mich auf das Bett und unter die Decke, weil es mir nun doch langsam kĂŒhl wird in diesem Hemd. Vielleicht sollte ich vorher noch mal... geht es mir durch den Kopf, aber wenn ich jetzt gehe, kommen sie mit Sicherheit genau in dem Moment. Es ist logischer, damit zu warten, bis sie kommen.
Nach zwei weiteren stillen Stunden geht es dann recht schnell. Zwei junge Leute holen mich ab, erlauben mir freundlich, die mittlerweile dringlich gewordene Sache noch zu erledigen und schieben mich dann auf meinem Bett zum Operationsbereich. Es ist mir kein SchĂŒttelreim eingefallen.

"Das wird gleich ein bisschen weh tun, erst in der Hand und dann im Unterarm". Frau Dr. Wehr, die AnĂ€sthesistin, steht links von mir neben dem Tropfgestell und lĂ€chelt mich an. Durch eine KanĂŒle in meinem linken HandrĂŒcken wird das Narkosemittel gemeinsam mit einer zweiten FlĂŒssigkeit in mein Inneres geleitet. "Bis jetzt", lĂ€chle ich zurĂŒck, "tut erst mal noch gar nichts weh", und im gleichen Augenblick fĂ€ngt es an. Ein heißer, sich rasch steigernder Schmerz entwickelt sich am angegebenen Ort und in der angegebenen Richtung. Ich beiße die ZĂ€hne zusammen. "Das ist das Schmerzmittel", sagt die Ärztin. "Ich verstehe", gebe ich zurĂŒck und versuche zu lĂ€cheln. "Ich glaube aber", sagt sie ernst zu der rechts von mir stehenden Schwester, "wir können das jetzt zurĂŒcknehmen". Und das ist das letzte, was ich wahrnehme. Es ist 13:45 Uhr. Die Narkosetechnik hat sich offensichtlich verĂ€ndert in letzter Zeit. Ich erinnere mich, dass man mir neulich noch, vor knapp fĂŒnfzig Jahren, als Kind die Mandeln "gekappt" hat. Man hielt das fĂŒr medizinisch sinnvoll damals, in den fĂŒnfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Man legte mir vorher eine leichte Maske ĂŒber Mund und Nase, hieß mich tief und gleichmĂ€ĂŸig atmen und laut zu zĂ€hlen und tropfte dann langsam Äther auf die Maske. Ich glaube, bis zehn bin ich gekommen, nachdem sich kurz vorher noch der ganze Raum fĂŒr einige WimpernschlĂ€ge, zusammen mit meinen Augenlidern, auf und ab bewegt hatte. Auf der Heimfahrt habe ich dann an der Hand meiner Mutter in die Straßenbahn gekotzt.
Es hatte mich interessiert, wie man heutzutage den Moment vor der Bewusstlosigkeit erlebt. Aber da ist kein Moment. Man ist glockenwach, die Ärztin sagt, dass sie glaubt, man könne das jetzt zurĂŒcknehmen und man ist weg. Ein Fortschritt.
Punkt 14:30Uhr erwache ich aus einem angenehmen Traum. Jetzt sind zwei Schwestern da. Sie fragen mich, was ich denn schönes getrÀumt hÀtte. Ich kann mich aber an nichts erinnern.

Eine saubere Arbeit. Keine postoperativen Probleme, keine Nachblutungen und auch kein narkosebedingtes Unwohlsein. Drei Stunden spÀter holt mich meine Frau nach Hause.

Sechs Wochen spĂ€ter sind fast alle Spuren des Eingriffs verschwunden. Die verwendeten speziellen FĂ€den mĂŒssen nicht einmal gezogen werden. Sie werden sich bald alle von selbst in mir aufgelöst haben. Was es nicht alles gibt.

Und, das Beste von allem, gestern frĂŒh hat sich meine Frau, das erste Mal seit einiger Zeit wieder, fĂŒr das Operationsgebiet interessiert. "Zeig mal", hat sie gesagt und dafĂŒr alleine, finde ich, hat es sich gelohnt.


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da lob ich mir mein trÀges Schreiben.

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Montgelas
???
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lieber gareth,

das thema hat mich so fasziniert, dass ich fehlerhaftes am text nicht erkennen konnte.

meint
staunend

montgelas

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presque_rien
???
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Hallo gareth,

wie du es schaffst, ein an sich nicht sehr spannendes Thema durchgehend so interessant - aber andererseits weder bemĂŒht noch reißerisch - zu gestalten, dass man schon nach dem ersten Satz ohne Unterbrechung durchlesen muss, ist faszinierend. Ich finde deinen Stil großartig :-).

Ich hab beim Lesen allerdings stets erwartet, es wĂŒrde am Ende "die unerwartete Mega-Auflösung" kommen, wie das bei Geschichten, die geschickt mit dem nicht ganz gesagten spielen, so oft der Fall ist (und wahrscheinlich wolltest du auch bewusst mit einer solchen Erwartung des Lesers spielen ;-)). Du bist deinem Stil jedoch auch am Ende treu geblieben - was mich einerseits positiv ĂŒberrascht hat, andereseits als einen ungeduldigen Menschen, der am liebsten alles schön sĂ€uberlich und klar prĂ€sentiert bekommt, auch unbefriedigt gelassen (obwohl deine Mitteilungsabsicht natĂŒrlich schon deutlich wird) - muss ich ehrlich gestehen ;-).

Ein paar kleine Anmerkungen:

quote:
[...] Aber nach zwei Jahren habe mich jetzt doch entschlossen und bin optimistisch.
Fehlt da nicht ein "ich"?

quote:
[...] auch sie runzelt nun ein wenig die Stirn
Und wer noch? Habe ich etwas ĂŒbersehen? (Auch ich runzele nun die Stirn ;-).)

quote:
[...] zwei Tabletten unterschiedlicher Art und GrĂ¶ĂŸe
GrĂ¶ĂŸe ist ja auch eine Art "Art" ;-). "Farbe und GrĂ¶ĂŸe" oder "Form und GrĂ¶ĂŸe" o.Ă€. fĂ€nde ich treffender... - Oder ist mit "Art" die unterschiedliche Funktion gemeint, die sich der Patient denken kann???

quote:
Der Weg zur Ambulanz ist weit und folgt verschlungenen Pfaden, kann aber auf Grund intelligenter Markierungen auf dem Boden, auch von mir gefunden werden.

Da scheint mir entweder ein Komma zu viel, oder einés zu wenig zu sein (Verzeih' diese Kleinigkeit - ich muss in den Hausarbeiten meines Freundes immer die Kommata setzen, bin also ein wenig fixiert *lach*).

Liebe GrĂŒĂŸe,
presque_rien

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gareth
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ja, kann sich unsereiner denn,

Montgelas und presque_rien, bessere Leser und Kritiker wĂŒnschen? :o)

Zwei wirklich ermutigende Kommentare, die mich sehr freuen.

Und Du hast tatsĂ€chlich mit allem recht, was Du fĂŒr ĂŒberprĂŒfungbedĂŒrftig hĂ€ltst, p_r:

das ich hat wirklich gefehlt (ist jetzt drin),
die zwei Tabletten kann man besser unterscheiden, als es bisher der Fall ist (ich denk noch mal kurz nach)
und das mit dem Komma stimmt auch.

Was nun die gerunzelte Stirn der Schwester betrifft, so hatte zwei Tage vorher der junge Arzt bereits ĂŒber die unwillige Vene seine Stirn gerunzelt..., also gut, darauf kann man sich wohl tatsĂ€chlich nicht mehr beziehen, nach so langer Zeit (das auch ist auch schon draußen).

Liebe GrĂŒĂŸe
gareth

p.s. ich mag Überraschungen am Schluss so gar nicht :o)


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Mumpf Lunse
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lieber gareth,
es ist sehr gut geschrieben. du spielst mit der neugier.
ich bin fast verÀrgert weil ich nicht darauf komme um welche operation es geht.

quote:
Und, das Beste von allem, gestern frĂŒh hat sich meine Frau, das erste Mal seit einiger Zeit wieder, fĂŒr das Operationsgebiet interessiert. "Zeig mal", hat sie gesagt und dafĂŒr alleine, finde ich, hat es sich gelohnt.
das ist perfide!
ich habe den verdacht du legst hier eine fÀhrte welche einzig den sinn hat den leser zu verwirren.

eine kleinigkeit noch die mir auffiel:
absicht?

quote:
Es hatte mich interessiert, wie man heutzutage den Moment vor der Bewusstlosigkeit erlebt. Aber da ist kein Moment. Man ist glockenwach, die Ärztin sagt, dass sie glaubt, man könne das jetzt zurĂŒcknehmen und man ist weg. Ein Fortschritt.
Es ist 14:30Uhr, als ich aus einem angenehmen Traum erwache. Es sind jetzt zwei Schwestern da. Sie fragen mich, was ich denn schönes getrÀumt hÀtte. Ich kann mich aber an nichts erinnern.

Es ist eine saubere Arbeit.

ich frage mich, ob die befriedigung der neugier des lesers, einklagbar ist.
ich will ja nicht quĂ€ngeln ... aber interessieren wĂŒrde es mich schon ...
die flĂŒssige darstellung des unspektakulĂ€ren hat mich beeindruckt.
gruß mumpf
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© by Mumpf Lunse
Schreiben ist etwas ĂŒberraschendes

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gareth
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Hallo Mumpf,

es freut mich dass dir der Text grundsĂ€tzlich gefĂ€llt, auch wenn Dir nicht aufgehen will, um was es da geht (ich kann es Dir gerne mitteilen, bevor du den Rechtsweg einschlĂ€gst. Online mail genĂŒgt :o)). Und die vier "Es", die Dir aufgefallen sind, waren so nicht beabsichtigt und werden halbiert.
Danke fĂŒr die aufmerksame Durchsicht

GrĂŒĂŸe
gareth
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Rainer
???
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Hallo gareth,

den berechtigten Lobreden meiner Vorschreiber will ich nicht mit pseudo-wohl formulierten Worten den Rang ablaufen, deshalb ein einfaches:
Spitze.



Am Anfang wĂŒrde ich noch ein bißchen feilen; unbeholfener Vorschlag von mir:

Nach zwei Jahren habe ich mich jetzt doch entschlossen und bin optimistisch.
Ich habe einen Termin im Krankenhaus. "Folgen Sie einfach den gelben Punkten", hat die...


Erstens lĂ€ĂŸt du damit den Hausarzt aussen vor (den hatte ich mir irgendwie eingeprĂ€gt und er zerstörte mir die ErklĂ€rung "Geschlechtsumwandlung") und die Reflexionen ĂŒber Gefahren und Garantien kommen spĂ€ter im Text sowieso noch.


Viele GrĂŒĂŸe

Rainer


p.s.
Jetzt muss ich doch noch ein Lob loswerden:
Göttlich köstlich fand ich den Dialog mit der EKG-Schwester ĂŒber Kochsalz vs. Natriumchlorid. Ja, manche Leute gehen zutiefst ĂŒberzeugt auch mit Halb- und Viertelwissen hausieren...
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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