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Leselupe.de > Erzählungen
Ideale/Liebe/Medizin
Eingestellt am 16. 02. 2001 13:27


Autor
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Daniel Ketteler
Hobbydichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 5
Kommentare: 1
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Sektion
"Gibt es ihn, den wahren Arzt im Lande?"

Epidemien I

Ich erdenke eine Figur. Augenaufschlag. Desorientierung. Ein Mann: Der Nacken schmerzt ihm, er sp√ľrt ein leichtes Stechen am Hinterkopf. Der Schlaf der letzten Nacht war zerm√ľrbend, Alpdruck la√ü nach. Nebul√∂se Gestalten schwanken durchs Ged√§chtnis, Bedrohlichkeiten. Langsames Fu√üfassen in einer fremden Umgebung, in der man sich erst binnen Minuten wieder zurechtfindet. "Es war ja nur ein Traum", sagt er sich, nichts weiter. Dann der Blick nach links. Der Digitalwecker zeigt 5.11.1993, achtzehn Uhr f√ľnfzehn.
Drau√üen ist es kalt. Ein feiner Regen h√§ngt in der Luft, dem meine Figur nahezu hilflos ausgeliefert ist. Beim Gehen schleicht sich die Feuchtigkeit unter dem Regenschirm hindurch und bildet auf der Haut einen fettigen, schmierigen Film. Die Brille, mit feinen Wassertr√∂pfchen √ľberzogen, zerrei√üt die Umgebung des Mannes in bunte Schlieren. Es ist schon relativ dunkel, aber die vielen Autos und leuchtenden Werbeschilder bewirken ein buntes, sich drehendes Feuerwerk vor seinen Augen. Diese Optik wie durch ein Kaleidoskop sch√ľrt die Nervosit√§t und Mi√üstimmung des Mannes. Die unwirtliche Umgebung f√∂rdert sein Unbehagen, war er doch an die schw√ľle und warme Luft tropischer W√§lder gew√∂hnt. W√ľtend blickt er gegen den wolkigen Horizont. "Dieses verdammte Regenloch", h√∂rt man ihn fluchen. Unsanft rei√üt er sich die Brille vom Haupt, will sie putzen. Mit einem √Ąrmel seines Pullovers reibt er das rechte Brillenglas. Der √∂lig-feuchte Film ist hartn√§ckig. Knack. Die Brille bricht in der Mitte durch. W√ľtend steckt er die zwei H√§lften der Brille in seine Manteltasche und stapft in den n√§chsten Schreibwarenladen. "Eine Tageszeitung und eine Packung 'Tesa-Film' bitte".

Mit seiner zusammengeklebten Brille kommt er sich etwas d√§mlich vor, doch er schert sich schon lange nicht mehr um das Gerede seiner Umwelt. Zuviele H√§√ülichkeiten, hatte er erlebt, wobei sich angesichts allen Elends seine Eitelkeit relativierte. Hauptsache die Brille funktioniert. Er bl√§ttert, w√§hrend er seinen Schritt verlangsamt, in seiner Zeitung und durchsucht sie nach Stellenanzeigen. "Hilfskraft in einer Fleischwarenfachabteilung" findet er dort eine Anzeige, das hatte er mal als Jugendlicher gemacht. In der Metzgerei trug der hier eingef√ľhrte Mann, heute ist er Arzt, seinen ersten wei√üen Kittel, damals war das Wei√ü beschmiert mit Fett und Schinkens√§ften. Der Arzt braucht dringend eine Arbeit. Seit unser Protagonist sich in Deutschland aufh√§lt, seit nunmehr einem Jahr, fliest kein Geld mehr auf sein Konto. Er zehrt von seinen Ersparnissen, hatte er doch w√§hrend seines Aufenthaltes in Lateinamerika wenig Geld ausgegeben. Die vorgestellte Person hat die letzten zwanzig Jahre in Bolivien praktiziert, gelebt und geliebt. Jetzt ist der Mann wieder in seiner Heimat, m√∂chte sich neu orientieren, wieder an Boden gewinnen auf dem ihm fremd gewordenen europ√§ischen Kontinent. Lange war er mit dem Gedanken schwanger gegangen nach Deutschland zur√ľckzukehren, oft hatte er der Versuchung wiederstanden alles hinzuwerfen, doch hatte ihn irgendeine Macht immer wieder im Lande Bolivars zur√ľckgehalten. Mehrere Male stand der Arzt mit gepackten Koffern am Flughafen von La Paz, hatte sich jedoch immer gegen eine endg√ľltige Ausreise entschieden. Vor ungef√§hr einem Jahr reiste er dann doch. Endg√ľltig. Eines lie√ü er zur√ľck in Bolivien: seine Tr√§ume und Visionen. Das Flugzeug startete am 7.08.1992. Der Heimkehrer blickte hinab auf das regenverhangene Bolivien. Endlich hatte er sich diesem Land entziehen k√∂nnen, hatte sich zum zweiten Mal in seinem Leben emanzipiert. Schon begann sein Haar zu ergrauen. Gelangweilt la√ü er die Sicherheitsinstruktionen. Er fragte sich, ob er, falls er jetzt durch einen Absturz st√ľrbe, zufrieden mit seinem Leben sein k√∂nne. Vielleicht. Gab es noch Aufgaben f√ľr ihn? Wer weis? Im Flugzeug hatte damals neben ihm eine junge Dame Platz genommen. Sie l√§chelten sich an. Ihr interessantes, etwas maskulines Gesicht barg zwei gro√üe, braune Augen, die schmalen Lippen wirkten wie aufeinandergeklebt. Die Haare zu einem Kurzhaarschnitt frisiert, sah die gescheitelte Frau durchaus ansprechend aus.

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