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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Im Seelengarten
Eingestellt am 05. 03. 2004 19:37


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Alpha
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

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Suchend gleitet mein Blick durch den Garten. Wo ist sie hin?
Viel Platz ist hier bei mir, in meinem Garten voller BĂ€ume. Große, die mit ihren runden, dichten Kronen den Himmel bedecken und mir Schatten schenken. Ihre StĂ€mme sind so dick, dass ich mich ungesehen dahinter legen kann und unter ihren festen, sich aus dem Boden wölbenden Wurzeln Schutz finde, wenn es stĂŒrmt. Es stĂŒrmt oft hier, aber ich habe ja meine BĂ€ume. Habe ich schon erwĂ€hnt, wie groß sie sind? So hoch, dass ich die Vögel nicht mehr zwitschern höre. Zumindest schĂ€tze ich, dass da oben die Vögel sind...
Denn mein Garten ist still. Nur der Wind, der dröhnend durch die Baumkronen zieht und die runden BlĂ€tter der BĂŒsche mit ihrem zackigen Rand, wenn der Wind sie bewegt und sie raschelnd aneinander klatschen, machen hier Musik.
Hör auf zu trĂ€umen! Suchend gehe ich weiter, mit ruhigen Schritten durch das feuchte Gras. Wo war das nur? Ich finde sie einfach nicht... Sehe nur meine BĂ€ume und das Gras. Das Gras ist weich, so dass ich immer barfuß gehe. Und hinterhĂ€ltig mit seinen vereinzelt stehenden, strohig gewordenen Stengeln mit den scharfen Spitzen, in die ich immer trete, wenn ich zu lange in die Baumkronen schaue und mich frage, wie die Vögel singen.
Weiter gehts, an meinen BÀumen vorbei, durch mein hinterhÀltiges Gras. Und ich habe sie immer noch nicht gefunden.
Nur Unkraut sehe ich noch. Kleine, nutzlose Planzen, die in Winkeln wachsend ihr HĂ€sslichkeit verstecken wollen. Doch ich sehe sie, jeden Tag. Kenne sie so gut wie meine BĂ€ume und mein Gras. Mein Garten ist der richtige Ort fĂŒr sie, sonst wĂŒrden sie hier nicht gedeihen. In ihren Winkeln bin ich zu Hause. Doch sie suche ich nicht...
Mein Weg fĂŒhrt weiter keinen Pfad entlang. Das gibt es in meinem Garten nicht. Ohne Wege kann man nicht von der Bahn abkommen, deshalb nehme ich nie den gleichen Weg - oder ich habe nie ein Ziel, such es dir aus, ich weiß es nicht.
Hör auf zu trĂ€umen! Dahinten ist das Dornendickicht, das ich meide, einst war es mein Lieblingsort. Dort gab es Vögel, im geschĂŒtzten Inneren, und der Boden dort war trocken und warm. Nun ist er rot und dreckig, mit meinem Blut getrĂ€nkt, als ich mich an den Dornen aufriss. War so lange nicht mehr dort und kann mein zerfetztes Fleisch immernoch riechen. Ich bin froh, dass ich die Vögeln in den BĂ€umen nicht hören muss. ...Aua!!! Stechender Schmerz lĂ€sst meinen Fuß verkrampfen und mich zur Seite torkeln, dabei fĂ€llt mein Blick verachtend auf die strohige Spitze eines Grasstengels. Ich krĂŒmme mich, bis der Schmerz nachlĂ€sst und schelte mich fĂŒr meine Unaufmerksamkeit.
Weiter gehts, das Blut in meiner Spur interessiert niemanden, unter meinen großen BĂ€umen entlang, durch mein Gras mit den Stacheln und dem Unkraut, und irgendwo dem Dornendickicht.
Und dann fÀllt es mir wieder ein. Wo ist sie nur? Die Rose, die ich einst pflanzte?

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"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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