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Lieber ridding,
dies ist ein guter Text mit Potential, finde ich. Leider hast du allerdings deinen Text völlig ohne Absätze geschrieben. Ich behaupte mal, dass dies potentielle Leser oft abschreckt. Im folgenden habe ich versucht, Absätze in deinen Text einzubauen, damit diese deine Zeilen strukturieren. (Ich persönlich würde übrigens auch bei jeder wechselnden wörtlichen Rede einen Zeilenumbruch machen, aber das habe ich in deinem Text nicht verändert.) Was hältst du davon, hm?
Liebe Grüße von Schnack.
quote: In den Strudel der Nacht (1)
„Ich kann nicht“, sagte er.
„Macht nichts“, erwiderte sie. „Wir müssen ja nicht.“
„Nein“, sagte er. „Wir müssen nicht, aber es wäre schön.“
Ja, schön wäre es. Zumal Monika sich so viel Mühe gegeben hatte. Tolles Abendessen. Kerzenlicht. Hatte sogar vorher die Wohnung aufgeräumt. Na ja, nicht richtig aufgeräumt, aber zumindest die sichtbare Unordnung beseitigt. In den Schränken stapelte sich jetzt wirr all das, was vorher herumlag.
Aber vermutlich fand Georg sie doch zu dick. Sie hatte sich eine Korsage gekauft, die ihr den ganzen Abend über fast die Luft weggenommen hatte. Schwarze Nylonstrümpfe, Strapse. All die Sachen, die sie aus den Filmen kannte, die sie sich in der Videothek auslieh. Es war ihr immer unangenehm.. Die Frau an der Kasse fuhr mit dem Scanner über das kleine Streifenmuster. Auf ihrem Bildschirm erschien dann der Titel. „Geile Titten, wahnsinnig vor Lust“ oder „Vier, fünf, sex, jetzt geht es los“ oder so ein Schwachsinn. Peinlich. Und bescheuerte Filme. Schlecht gemacht. Dilettantisch beleuchtet, miserabel geschnitten, gedreht von Regisseuren und Kameraleuten, die ansonsten wahrscheinlich Straßen fegten oder Schrauben sortierten, ausgedacht von Drehbuchautoren, die offenbar statt eines Hirns geronnenes Sperma im Kopf hatten. Aber sie holte sich die Filme immer wieder.
Und heute Abend? Sie hatte eigentlich alles richtig gemacht. Das Essen, die Kerzen. Sie hatten sich auf die Couch gesetzt, irgendwann wie zufällig berührt. Ihr Rock hatte sich genau an dem Schlitz im richtigen Moment etwas nach oben geschoben. Er hatte mit der Hand ihren Oberschenkel gestreichelt. Sie hatte gespürt, wie das Gefühl von Nylon auf der Haut ihn erregt hatte. Sie hatten sich geküsst. Es war schön. Sehr schön sogar. Sie hatte ihm den Hosenbund geöffnet, er ihren Rock aufgeknöpft, die Bluse ausgezogen. Nun gut, sie war etwas füllig. Aber ihre großen Brüste, die von der Korsage so schön hoch gedrückt wurden, hatten Georg sichtbar beeindruckt. Er war mit seinen Küssen darin versunken. Sie hatte seine Lippen auf ihrem Busen gespürt, seinen heißen Atem. Und dann hatte sie ihn dezent ins Schlafzimmer komplimentiert.
Aber nun lag er da und konnte nicht. Und es war ihr ganz recht. Sie spürte nichts in ihrem Unterleib. Trockenpflaume, fiel ihr ein. Sie musste lächeln, über die anzügliche Formulierung.
Monika fragte sich, was sie eigentlich wollte. Auf der Arbeit war sie die Betriebsnudel, immer einen Scherz auf Lager, bei allen Kollegen beliebt. Sie war im Betriebsrat, bei den Chefs wegen ihrer großen Klappe gefürchtet. Aber Männer? Nun gut, eigentlich war sie ja nie ein Kind von Traurigkeit gewesen. Aber jetzt lief schon seit drei Jahren nichts mehr. Seit dieses Arschloch sie verlassen hatte, und jetzt war sie 35. Sie betrachtete Georg. Seinen mageren, sehnigen Körper. Was wusste sie über ihn? Außer, dass er seit sechs Monaten in der Buchhaltung arbeitete. Und dass sie sich in der Kantine öfter mal angelächelt hatten. Eigentlich war er ja nicht ihr Typ. Oder doch? Zumindest schien er einsam zu sein. Wie sie.
Ja, was wollte sie eigentlich? Sie zog die Decke über ihre Körper. Frieren - das würde jetzt noch fehlen. Das wäre das völlige Scheitern. Er nackt, sie in verführerischer Wäsche, nebeneinander liegen – und dann frieren. Die komplette Bankrotterklärung.
Sie griff zu der Fernbedienung für das Radiogerät. Mindestens zehn Tote im St.-Gotthard-Tunnel. Und mindestens einer in meinem, dachte sie. Unwillkürlich wandte sie sich zu Georg, legte ihre Hand auf seine Brust. „Ich bin nicht dein Typ, oder?“, sagte sie. „Nein“, erwiderte er. „Das ist es nicht.“ Sie schwiegen.
Borussia Dortmund hat 1:0 gegen sonst wen gewonnen, verkündete der Nachrichtensprecher. Ihr erster Freund hatte Fußball gespielt. Sie hatte ihn bei jedem Wetter auf den Sportplatz begleitet. Doch irgendwann hatte er Schluss gemacht. Einfach so. Als sie ihn zum ersten Mal mit seiner neuen Flamme sah, war es wie ein Schwerthieb, der sie in der Mitte durchtrennte. Sie hatte gelächelt und „Hallo“ gesagt. Und dann war sie in eine Bäckerei gelaufen und hatte sich ein Puddingteilchen, eine Nussecke und einen Berliner gekauft. Komisch, die Kuchenstücke standen auf einmal glasklar vor ihren Augen. Puddingteilchen, dachte sie. Wie Georgs Schwanz jetzt.
Ihr fiel ihr zweiter Freund ein, wie hieß er noch gleich? Sie war 15, er 17. Als sie sich zum ersten Mal küssten, schlugen ihre Zähne hart gegeneinander. Beim zweiten Mal waren sie vorsichtiger. Sie wusste erst nicht, was sie mit seiner Zunge in ihrem Mund tun sollte, aber dann erwiderte sie sein verlangendes Kreisen. Es hatte ihr gefallen. Sie versuchte, sich daran zu erinnern, wie es war, als Georg und sie sich an diesem Abend geküsst hatten. Sie wusste es nicht mehr.
Sie dachte an Werner. Sie war 18 damals, er über 40. Er war verheiratet. Sie trafen sich heimlich in seiner Gartenlaube. Da war der Kassettenrekorder. Sie brachte immer ihre Lieblingsmusik mit. Sie saß im Sessel, hatte ihre Beine gespreizt über beide Lehnen gelegt. Er kniete vor ihr und küsste sie. Aber nicht auf den Mund. Sie hörte Musik, die „Doors“ meistens, er machte es gut. Er war ihr gleichgültig, vielleicht ekelte sie sich sogar ein wenig vor ihm. Aber was sie empfand, wenn er sie mit seiner Zunge bearbeitete, war einfach schön. Und immer tolle Musik dazu. „When the music´s over, turn out the light”, kreiste es in ihrem Kopf. Sie ging zu der Zeit mit Stefan. Sie verstanden sich gut, redeten viel. Aber Sex hatten sie keinen. Irgendwann traf sie sich nicht mehr mit Werner. Sie hatte ein schlechtes Gewissen gegenüber Stefan, meinte, ihn zu betrügen. Hatte sie ihn betrogen? Werner machte ihr Geschenke, sie gingen öfter mal essen. Aber sie küssten sich nur selten. Stefan küsste sie nie. Aber sie gingen miteinander, gehörten zusammen.
Stefan kam nach dem Abitur zur Bundeswehr. Nachdem sie ihn zum ersten Mal in Uniform gesehen hatte, wurde er ihr fremd. Sie hatten nie Schluss gemacht, aber es war klar, dass sie nichts mehr miteinander anfangen konnten.
Sie betrachtete Georg. Er lag da und starrte an die Decke. Er war sicher enttäuscht von ihr. Aber was er hatte er erwartet? Nun gut, sie hatte ihn eingeladen. Das Essen, die Kerzen, ihre Kleidung – alles sehr viel versprechend – und es lief ja eigentlich auch alles so, wie es sollte. Fast wie in den Pornofilmen. Nur dass die Frauen da schlanker sind. Und die Männer kräftiger.
Ihr fiel auf einmal auf, dass ihre Hand noch auf seiner Brust lag. Sie registrierte seinen regelmäßigen Atem, das Heben und Senken seines Brustkorbs auf ihrer Handfläche. Sie glaubte sogar zu spüren, wie sich sein Herzschlag in ihren Fingerkuppen fortsetzte. Vorsichtig bewegte sie ihre Hand. Ja wirklich, da war in ihren Fingerkuppen auf einmal die Empfindung, eine andere Haut zu berühren. Haut. Was für ein komisches Wort für die Hülle, die uns umgibt, diese feinfühlige, wetterwendische Hülle, die plötzlich heiß oder kalt werden kann, im falschen Moment rot werden – oder spannen und weh tun, wenn sie es gerade nicht soll.
Georg wendete sich zur Seite, so dass ihre Hand von seinem Körper glitt. Sie kam sich auf einmal lächerlich vor, mit dieser martialischen schwarzen Korsage, den Nylonstrümpfen und diesen blöden Strapsen.
Aus dem Radio erklang jetzt „I got you, babe“, Sonny und Cher. Georg wandte sich um. „Wie heißt du eigentlich?“, fragte er. „Ich kenne eigentlich nur deinen Nachnamen.“ „Monika“, sagte sie. „Monika“, sagte er. „Ein schöner Name. Nicht so furchtbar ungewöhnlich, aber er gefällt mir.“ „Ich finde, Georg ist auch ein schöner Name“, erwiderte sie. „Ich mag George Michael“, sagte sie, und ihr fiel sogleich auf, wie bescheuert die Bemerkung war. Sie kam sich auf einmal sehr dämlich vor, in diesem anzüglichen Aufzug neben einem Mann im Bett zuliegen, den sie eigentlich gar nicht kannte. Und auch nicht wusste, was sie eigentlich von ihm wollte. „Ich geh mal eben ins Bad“, sagte sie. Im Bad zog sie Korsage, Strümpfe und Strapse aus und ihren Schlafanzug an. Dann streifte sie ihren Morgenmantel über.
Als sie ins Schlafzimmer zurückgehen wollte, sah sie, dass Georg angezogen ins Wohnzimmer gegangen war. „Ich wollte mal raus auf den Balkon eine Zigarette rauchen.“ „Sie können, ... du kannst auch hier drin rauchen“, erwiderte sie. Sie hasste es, wenn in der Wohnung geraucht wurde - zumindest seitdem sie selber nicht mehr rauchte. Und überhaupt: Wurde in den Filmen nicht immer erst danach geraucht?
„Ich finde es schon schlimm genug, wenn man überhaupt raucht“, sagte Georg. „Und dann in einer Nichtraucherwohnung, das ist glatter Frevel, finde ich.“ „Warum rauchst du denn, wenn du es ekelhaft findest?“ „Es ist eben eine Sucht, ich habe schon oft versucht aufzuhören, aber es nie geschafft.“
Er blickte sie an. „Und du, hast du auch ein Laster? Ich meine irgendetwas, was du gerne aufgeben würdest, aber nicht kannst?“ Er spielt wahrscheinlich auf meine Figur an, dachte sie. Eigentlich eine Unverschämtheit, lässt sich von mir zum Essen einladen und macht sich dann über meine Figur lustig. „Ich schau mir Porno-Filme an“, sagte sie, erschrak aber zugleich über ihre Offenheit und fügte schnell hinzu: „Ich finde sie primitiv und bescheuert, aber ich kann es einfach nicht lassen.“ „Ich dachte immer, das geht nur Männern so“, sagte er. „Was reizt dich daran?“ Sie überlegte. „Ich fürchte, es sind die Schwänze“, sagte sie. „Große, steife Männerschwänze. Die sie am Schluss immer rausholen und dann den Rest mit der Hand machen. Wahrscheinlich, um zu beweisen, dass sie wirklich abspritzen.“ Schweigen. Sie blickte auf seinen Hosenbund und sah, dass er eine Erektion bekam. Den ganzen Abend hatte es nicht geklappt, und jetzt auf ein Mal. „Es tut mir leid, dass ich dich so enttäuscht habe“, sagte er. „Dabei fand ich es wirklich sehr schön. Und das, was du anhattest, war eigentlich genau das, worauf ich abfahre.“ „Wahrscheinlich bin ich dir einfach zu dick“, sagte sie. „Unsinn“, erwiderte er. „Du hast einen wirklich tollen Busen. Echt Wahnsinn.“
Sie schwiegen. „Schaust du dir auch manchmal Porno-Filme an?“, fragte sie nach einer Weile. „Ich habe keinen Video-Rekorder“, sagte er. Er zögerte. „Alle paar Monate gehe ich mal in so ein Kino, wo sie welche zeigen.“ „So“, sagte sie. „Das habe ich mich noch nie getraut.“ Sie schwiegen eine Weile. „Ich würde mir das gerne einmal anschauen“, sagte sie. „Wollen wir nicht einen kleinen Kinobesuch machen?“ Er war überrascht. „Meinetwegen“, sagte er dann. „Gut, dann ziehe ich mich jetzt an“, sagte sie. Er sah sie eine Weile an. „Könntest du mir einen Gefallen tun?“, sagte er schließlich. Sie blickte ihn fragend an. Er zögerte. „Ich fände es toll ...“, sagte er schließlich und brach ab. „Was fändest du toll?“; fragte sie. „Nun ja“, sagte er. „Ich fände es toll, wenn du das noch einmal anziehen könntest, was du heute Abend anhattest.“ Sie blickte ihn überrascht an. „Nur drunter, natürlich“, lachte er schließlich.
Als sie beide an der Wohnungstür standen, meinte Monika: „Moment, ich habe noch etwas vergessen.“ Sie ging zurück ins Schlafzimmer und holte aus der Schublade des Nachtschränkchens die Packung Präservative, die sie heute Nachmittag dort deponiert hatte, und steckte sie in ihre Handtasche. „Man kann ja nie wissen“, murmelte sie.
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"Schreiben ist die Onanie der Intellektuellen."
(Beatrice, Autorin - aus dem Buch "Wo die Nacht den Tag umarmt")
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