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Leselupe.de > Erzählungen
In drei Wochen im Hotel Atlon also!
Eingestellt am 27. 06. 2002 16:46


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Melani Raasch
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In drei Wochen im Hotel Atlon also!

In drei Wochen im Hotel Atlon also!

  Das Zimmer war klein mit einer spartanischen Einrichtung, die aus einem alten Kleiderschrank, einem schmalen Bett, einer Konsole und einem Tischchen bestand. Die h√∂lzernen Dielen knarrten bei jedem Schritt und von den W√§nden bl√§tterte die Tapete ab. Die Fensterscheiben rappelten beim kleinsten Windsto√ü in ihrem Rahmen und die Gardinen schienen Aljoscha schon so vergilbt und br√ľchig, dass er sich nicht traute, sie bei Seite zu schieben, aus Angst sie k√∂nnten bei der leisesten Ber√ľhrung zu Staub zerfallen. Das kleine Tischchen stand ein St√ľck hinter der T√ľr mit der kunstvoll geschwungenen, aber bereits angelaufenen Messingklinke. Man konnte f√∂rmlich die vielen verschiedenen Anstriche z√§hlen, die es schon √ľber sich hatte ergehen lassen m√ľssen, da die einzelnen Farbschichten abzubl√§ttern begannen - an einigen Stellen mehr, an anderen weniger. Auf dem Tischchen stand eine Keramiksch√ľssel, deren Rand mit einem blauen Muster bemalt war, und ein dazu passender Wasserkrug. Der Spiegel an der Wand dar√ľber war fast v√∂llig blind und erf√ľllte seinen Zweck nur noch mit gr√∂√üter M√ľhe, als der junge Mann nun davor stand und mit dem Rasiermesser die Seife von seinen Wangen schabte. Er war erst heute morgen hier angekommen, in einer Pension in Berlin, die auf ihn zwar einen etwas heruntergekommen Eindruck machte, aber dennoch alles Lebensnotwendige besa√ü. Er war nicht der einzige Russe, der hier wohnte. Seit l√§ngerem lebten hier drei √§ltere Herren und au√üerdem wurde das Haus von einer russischen Gr√§fin gef√ľhrt. Das war auch der Grund, warum er sich nun die allergr√∂√üte M√ľhe gab, einen mehr oder weniger gepflegten Eindruck zu machen. Man hatte ihm gesagt, dass auf das Abendessen immer ganz besonderen Wert gelegt w√ľrde und man auch sp√§ter noch gesellig beisammen sa√ü um eine Zigarre zu rauchen und Geschichten aus √§lteren Tagen zu erz√§hlen. Aljoscha wusch das Rasiermesser in der Sch√ľssel und wischte sich die Seifenreste mit dem kleinen Handtuch ab, das neben dem Tischchen an einem halb abgebrochenen, h√∂lzernen Haken hing. Er ging zum Bett hin√ľber. Auf der Federmatratze lagen zwei Wolldecken und ein Federkissen, bezogen mit einem gebl√ľmten √úberzug, dessen Muster vom vielen Waschen schon ganz verblasst war. Aljoscha hatte noch nicht die Zeit gefunden, seine Kleider in den Schrank zu r√§umen und zog nun den alten Lederkoffer unter dem Bett hervor. Wenigstens war es ihm gelungen bei seiner Flucht aus Leningrad einige Sachen mitzunehmen - zumindest das N√∂tigste. Er hatte sogar einen guten Teil seines elterlichen Verm√∂gens retten k√∂nnen, doch wollte er mit seinem Geld sparsam umgehen. Wer konnte schon sagen, wie lange es dauern w√ľrde, bis er hier Arbeit fand? Er war Schriftsteller, wusste aber nicht, ob er sich freiberuflich bet√§tigen oder nicht zuerst einmal versuchen sollte bei einer der Zeitungen eine Anstellung zu bekommen. Er dachte an die lange Zugfahrt von Danzig nach Berlin zur√ľck. Vielleicht sollte er dar√ľber etwas schreiben?
  Er war in der zweiten Klasse gefahren und hatte sich sogar ein Abteil im Schlafwagen reservieren lassen. Trotzdem war die Luft in dem Wagon unglaublich stickig gewesen, da wegen der winterlichen K√§lte keiner die Fenster √∂ffnen wollte. Also war er schlie√ülich durch die Wagons der dritten Klasse gegangen um zum Plafond am Ende des Zuges zu gelangen, wo er etwas frische Luft schnappen und eine Zigarette rauchen konnte. Die Abteilungen der dritten Klasse waren wie immer v√∂llig √ľberf√ľllt gewesen mit √§rmeren B√ľrgerlichen und Bauern, die mit Kleinvieh oder K√∂rben voller Gem√ľse in die n√§chste Stadt zum Markt fuhren.
  Aljoscha zog ein wei√ües Hemd aus seinem Koffer und legte ein Jackett, das wohl auch schon bessere Tage gesehen hatte, aber immer hin noch einen guten Eindruck vermitteln mochte, auf das Bett. Er streifte das Hemd √ľber und kn√∂pfte es langsam zu. W√§hrend er sich die schlichte, graue Krawatte band, dachte er an die schmale, kleine Frauengestalt, auf die wie zuf√§llig sein Blick gefallen war. Vielleicht gerade deshalb, weil sie zwischen den dickleibigen Waschweibern und kr√§ftigen Bauernl√ľmmeln und Arbeitern wie ein Fremdk√∂rper gewirkt hatte. Sie sa√ü auf einem Platz am Gang, hatte sich aber auf der h√∂lzernen Bank so schmal wie nur eben m√∂glich gemacht. Wahrscheinlich versuchte sie etwas mehr Abstand zu dem Mann neben sich zu halten, was ihr allerdings nicht gelang. Der thronte breitbeinig neben ihr, so dass sein Knie gegen ihres dr√ľckte und warf mit einem Grinsen aus halbfaulen Z√§hnen und einem anz√ľglichen Blick auf die Frau seinen Kumpanen zotige Bemerkungen zu. Das Unbehagen der Frau in dieser Gesellschaft war fast sp√ľrbar. Der Blick aus ihren dunkelblauen Augen zeigte Angst und Unsicherheit und erinnerte Aljoscha an den eines kleinen Vogels, der sich vor dem Zugriff der Katze in Sicherheit zu bringen versucht. Sie trug einen Kamelhaarmantel, unter dem der graue Rock ihres Jackenkleides hervorschaute, der bis knapp √ľber ihre Knie reichte. Die Kleider waren nicht mehr neu, aber gut erhalten und sorgf√§ltig geflickt, wo sie einmal kaputtgegangen waren. Die langen, schlanken Beine der Frau waren mit Seide bestrumpft und an ihren F√ľ√üen trug sie schmale Schuhe, die ihre zierlichen Kn√∂chel frei lie√üen, wie es der Mode entsprach. Auf dem dunklen, lockigen Haar sa√ü ein kleiner, grauer Hut mit einer einzigen, blauen Stoffblume als Zierde. Ihre schmalen H√§nde hielten eine kleine Handtasche auf ihrem Scho√ü fest, doch es schien eher, dass sie sich selbst daran festhielt. Trotz des Mantels erkannte man den schlanken K√∂rperbau der Frau. Sie wirkte fast zerbrechlich zwischen all den grobschl√§chtigen Leuten und erinnerte Aljoscha mit ihrer zarten, blassen Haut an die Nipp√§sfiguren, die seine Mutter mit solcher Akribie gesammelt hatte. Er konnte nicht verhindern, dass er √ľber die Frau nachdenken musste, w√§hrend er auf dem Plafond stand und ruhig an seiner Zigarette zog. Sie schien so absolut nicht zu diesen einfachen Leuten zu passen und ihre Kleidung, so gebraucht sie auch aussah, war die einer wohlhabenderen Dame. Sie war um einige Jahre √§lter als er, vielleicht f√ľnfunddrei√üig, hatte aber ihre jugendliche Sch√∂nheit behalten. Wo mochte sie hinfahren? Zu wem und warum? War auch sie aus Russland geflohen? Es war fast be√§ngstigend mit welcher Gr√ľndlichkeit sein Verstand sich auf ein Mal mit dieser Frau besch√§ftigte.
  Aljoscha zog den Krawattenknoten fest und setzte sich auf die Bettkante. Er nahm ein Strumpfpaar in die Hand, das zum Anzug passte, musste aber feststellen, dass sich im rechten ein gro√ües Loch befand. Sollte er vielleicht doch die anderen, etwas weniger gut aussehenden nehmen? Aber er entschied sich f√ľr das Paar mit dem Loch. Das w√ľrde man in den Schuhen ohnehin nicht sehen.
  Auf seinem Weg zur√ľck in sein Zweite-Klasse-Abteil hatte sein Blick unwillk√ľrlich den der Frau gesucht. Wahrscheinlich war sie sich nicht einmal bewusst, dass in ihren dunklen Augen eine flehendliche Bitte nach Rettung stand, doch Aljoscha sp√ľrte ihr fast greifbares Unbehagen und trat ohne weiter dar√ľber nachzudenken mit einem L√§cheln auf sie zu. „Lisai, welch eine Freude Sie wiederzusehen!“ Er ergriff ihre Hand und f√ľhrte sie in einem angedeuteten Handkuss an seine Lippen. „Wir haben uns ja schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen!“ Aljoscha sah die pl√∂tzliche Verwirrung in ihrem Blick und bemerkte, wie sie erschrocken ihre Hand zur√ľckziehen wollte, doch als er sie eindringlich ansah, unterlie√ü sie es und erwiderte sein L√§cheln etwas zittrig. „Ja, unglaublich, ich h√§tte nicht gedacht Sie hier anzutreffen.“ Ihre Stimme war leise und best√§tigte in ihrem weichen Klang nur seinen Eindruck ihrer zarten Zerbrechlichkeit. Offenbar hatte sie seine Absicht durchschaut oder ahnte zumindest, was er vorhatte. „Wollen Sie nicht mit mir nach vorne kommen? Ich war gerade auf dem Weg zum Speisewagen. Wir k√∂nnten uns dort gem√ľtlich unterhalten!“ Sie nickte zaghaft. „Sehr gerne.“ Er nahm den kleinen Handkoffer, der neben ihrem Sitz stand, und f√ľhrte sie an der Hand durch das Abteil.
  Aljoscha steckte seine Arme in die √Ąrmel des Jacketts. Mit ge√ľbtem Griff zog er die Manschetten des Hemdes zurecht. Dann nahm er den Kamm, dem vor lauter Kummer schon einige Zacken ausgefallen waren, von dem kleinen Waschtisch und k√§mmte sein lockeres, braunes Haar nach hinten. Nach wenigen Minuten w√ľrden ihm ohnehin wieder einige vorwitzige Str√§hnen in die Stirn fallen. Er setzte sich auf das Bett, das die einzige Sitzgelegenheit in seinem kleinen Zimmer bot, und begann sich die Schuhe anzuziehen.
  Im Speisewagen hatte er sich mit der Frau an einem kleinen Tisch f√ľr zwei Personen niedergelassen. Sie hatte etwas verlegen auf ihre H√§nde gesehen, bevor sie Aljoscha einen sch√ľchternen Blick zuwarf. „Vielen Dank, das war sehr nett von Ihnen.“ Aljoscha schmunzelte. „Gern geschehen. Mein Name ist Aljoscha Nekrasow. Ich nehme an, ich habe den Ihren nicht ganz getroffen?“ Die Frau l√§chelte zaghaft. „Nein, nicht ganz. Ich hei√üe Natascha Zenkowna.“ „Freut mich. Sind sie vielleicht hungrig? Also, ich auf jeden Fall!“ Wieder ein kleines L√§cheln und ein Nicken. Also bestellte Aljoscha Abendessen f√ľr zwei Personen und eine Flasche Wein. „Wo fahren Sie hin, wenn ich fragen darf.“ „Nach Berlin.“, sagte die Frau und f√ľhrte die Gabel zum Mund um den Bissen mit sichtlichem Genuss zu kauen. „Mein Mann lebt dort.“ Aljoscha wollte die Frau nicht ausfragen, doch wenigstens etwas aufmuntern und versuchte sie deshalb in ein Gespr√§ch zu verwickeln. Er h√∂rte den unsicheren Klang ihrer Stimme, als sie von ihrem Mann sprach. Er hatte diesen Klang schon √∂fter geh√∂rt. „Sie haben ihn lange nicht mehr gesehen, nicht wahr?“ Sie nickte. „Sehr lange sogar“, und nach kurzem Z√∂gern fuhr sie fort, „Wissen Sie, ich habe ihn geheiratet, da war ich gerade achtzehn Jahre alt. Es war eine arrangierte Heirat meiner Eltern, wie sie einfach √ľblich war. Es hat mir damals auch nicht viel ausgemacht. Mein Mann und ich sind immer gut miteinander ausgekommen, aber wir hatten noch nie viele gemeinsame Interessen und jetzt, denke ich, hat die Zeit der jahrelangen Trennung selbst die getilgt. Uns bleibt wahrscheinlich nicht viel mehr als die eine auf einem St√ľck Papier, welche besagt, dass wir verheiratet sind.“ Wieder huschte ein unsicheres L√§cheln √ľber ihr Gesicht, das sie f√ľr einen winzigen Augenblick viel j√ľnger erscheinen lie√ü. Aljoscha trank einen Schluck aus seinem Weinglas und beobachtete, wie die Frau sich beim Essen bewusst Zeit lie√ü. Entweder genoss sie das Mal wirklich oder versuchte sein Ende hinauszuz√∂gern. „Und ihr Mann erwartet Sie in Berlin?“ Die Frau nickte. Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile, wobei Aljoschas Gegen√ľber mit der Zeit immer offener wurde. Er musste fast zufrieden grinsen, als er feststellte, dass sie immer √∂fter und l√§nger l√§chelte und unbewusst sogar einige humorvolle Bemerkungen machte. Er erz√§hlte ihr auch von sich selbst, √ľber seinen Schriftstellerberuf, seine Zeit in Leningrad, seine Familie, ja selbst √ľber die Liquidierung seines Vaters, und sie berichtete √ľber ihr Leben als Tochter eines erfolgreichen Rechtsanwaltes, ihre Ehe mit einem Mann, der ganze siebzehn Jahre √§lter war als sie selbst und mit dem sie vor ihrer Trennung nur etwa sieben Jahre lang zusammengelebt hatte. Sie hatte sogar einen netten, kleinen Traum von einem gem√ľtlichen H√§uschen auf dem Land. Drau√üen war es l√§ngst dunkel geworden und der fast leere Wagon wurde nur schwach von den Gaslampen beleuchtet. Die Weinflasche war leer und gerade hatte Aljoscha den letzten Schluck aus seinem Glas genommen. Er bemerkte das Unbehagen der Frau und ihren Blick, der zur Wagont√ľr schweifte. Die Weinflasche war leer und es gab f√ľr sie keinen Grund mehr noch l√§nger bei ihm sitzen zu bleiben, doch Aljoscha merkte, dass sie es gerne wollte. Auf jeden Fall hatte sie schon die ganze Zeit unauff√§llig versucht ihre R√ľckkehr in das Dritte-Klasse-Abteil hinauszuz√∂gern. Aljoscha schmunzelte, ohne dass sein Gegen√ľber es bemerkte. „M√∂chten Sie vielleicht noch etwas hier bleiben? Ich hasse es alleine zu reisen und w√ľrde mich √ľber etwas Gesellschaft sehr freuen.“ Er sah die Erleichterung in ihren dunkelblauen Augen. Wahrscheinlich h√§tte nicht viel gefehlt und sie h√§tte einen leisen Seufzer ausgesto√üen. So l√§chelte sie wieder und nickte dann. „Sehr gerne.“ Er bestellte noch etwas Wein und eine Wasserflasche und sie blieben die ganze Nacht hindurch im Speisewagon sitzen. Aljoscha verzichtete gerne auf das kleine Schlafabteil, das er f√ľr sich hatte reservieren lassen. Der Zug fuhr im Morgengrauen in den Hauptbahnhof von Berlin ein und Aljoscha brachte die junge Frau noch zu der kleinen Pension, von der aus sie in den n√§chsten Tagen den Aufenthaltsort ihres Mannes ausfindig machen wollte. „Es war wirklich eine sehr nette Bekanntschaft, Herr Nekrasow.“ Aljoscha l√§chelte und nahm ihre Hand in einem angedeuteten Handkuss. „Das Vergn√ľgen war ganz auf meiner Seite. Es w√ľrde mich freuen Sie noch einmal wiederzusehen.“ Sie err√∂tete leicht, nickte mit einem zaghaftes L√§cheln und sagte: „Gerne, vielleicht in drei Wochen? Ich m√∂chte mich hier erst einmal etwas zurechtfinden, denke ich.“ „Nat√ľrlich. Was halten Sie von dem Foyer des Hotels Atlon?“ Das gro√üe, teure Vorzeigehotel Berlins w√ľrde sie sicher finden. Die Frau nickte. „Einverstanden.“
  Aljoscha lie√ü seinen Blick noch einmal durch das Zimmer schweifen, bevor er die T√ľr zum Flur √∂ffnete. √úber eine gewundene Holztreppe, die einen sehr wurmstichigen Eindruck machte, gelangte er ins Erdgeschoss. Als er den Salon betrat, sah er, wie eine √§ltere Dame gerade damit besch√§ftigt war einen Tisch zu decken. Sie l√§chelte ihm zu und wies mit einer alten, knochigen Hand in eine Ecke des Zimmers. Dort stand eine gem√ľtliche Sitzecke, in der schon drei √§ltere M√§nner Platz genommen hatten. Sie tranken Tee und rauchten, w√§hrend sie leise miteinander sprachen. Aljoscha hatte die drei Russen schon heute Mittag kennen gelernt. Es waren drei √§ltere Herren aus gro√üb√ľrgerlichen Kreisen, denen nach ihrer Flucht aus Russland nicht viel mehr als ihr gutes Salonbenehmen geblieben war. Er nahm sich eine Teetasse von der Anrichte und ging zum Kachelofen hin√ľber, auf dem ein Samowar stand. Aljoscha lie√ü sich Zeit, als er etwas Tee aus der kleinen Kanne in die Tasse goss und sie mit dem Wasser aus dem Boiler auff√ľllte. Dann schlenderte er zu den anderen hin√ľber und nahm mit einem kurzen Gru√ü Platz. „So, jetzt haben wir also endlich auch etwas von der Jugend in unserer russischen Runde, wie sch√∂n!“, bemerkte einer der M√§nner. Sein Name war Grigori Twerskoi und Aljoscha sch√§tzte ihn auf knapp sechzig. Der junge Mann l√§chelte und nahm einen Schluck. Fjodor Iwanitzki, ein anderer aus der Runde, strahlte Aljoscha regelrecht an. „Ja, Grigori, damit hast zu zweifellos Recht, aber unser Aljoscha wird nicht der einzige bleiben. Ich habe erst k√ľrzlich erfahren, dass meiner jungen Frau, Natascha Zenkowna, die Flucht aus Russland gelungen ist und sie wird sicherlich in den n√§chsten Tagen hier in Berlin eintreffen.“ „Was f√ľr eine gute Neuigkeit!“, best√§tigte Grigori und die Teetasse klapperte leise auf der Untertasse in Aljoschas Hand.
__________________
"Ein Buch ist ein Spiegel:
Wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraussehen."
Georg Christoph Lichtenberg

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itsme
???
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......

Hut ab - hier ist mein Respekt. Dein ruhiger Erz√§hlstil, die mit Bedacht ausgew√§hlten Detail Beschreibungen und deine sichere sprachliche Umsetzung; Du vermittelst durch die Melancholie, die in deinem Text schwingt, einf√ľhlsam einen Einblick in die Welt russischer Dissidenten ... und in die russische Seele.

Der Titel zusammen mit dem Schlussatz geben dem Leser Stoff deinen Text weiterzudenken. Dein Text könnte Bestandteil einer längeren Erzählung werden (sein?).

Gr√ľ√ülinge
itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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Melani Raasch
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
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Vielen Dank, Itsme.
Freut mich riesig, dass dir der Text so gut gefallen hat, aber ich muss dich enttäuschen, denn er ist so wie er ist fertig und kein Teil einer längeren Erzählung.
Aber ich habe festgestellt, dass das bei vielen meiner Texte so ist. Sie bleiben offen, oder k√∂nnten zu l√§ngeren Geschichten geh√∂ren. Vielleicht, weil ich einfach das Bed√ľrfnis habe, niemandem die Wege seiner Phantasie zu versperren, sondern sie √∂ffnen m√∂chte. Wer meine Geschichten liest, soll in eine Welt eintauchen k√∂nnen und wenn er es m√∂chte, weiter darin herumwandeln, nach seinem Gutd√ľnken.
Deine Antwort gibt mir die Hoffnung, dass mir das hier vielleicht gelungen ist.

Gruß, Melani!
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"Ein Buch ist ein Spiegel:
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Georg Christoph Lichtenberg

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Inu
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 120
Kommentare: 2153
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Eine ruhig und gesetzt daherkommende Geschichte, die die Atmosphäre einer vergangenen Epoche sehr gut vermittelt. Alles ehrlich, alles wie aus einem Guss: Hab ich mit Freude gelesen.

Nur eine Frage. Warum tr√§gt der Mann Str√ľmpfe, statt Socken? Und wie macht er sie fest. Strapse?

Und Hotel Atlon? Oder meinst Du Adlon? Ist aber auch k√ľnstlerische Freiheit und

tut der Schönheit des Textes keinen Abbruch

LG
Inu

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