Die ständige Ausstellung im „DDR Museum“ in Berlin gilt nach eigenen Aussagen als die interaktivste Ausstellung Europas. Für mich kein Pluspunkt. Die Behauptung, man betrachte die DDR als Ganzes, reduziere das Spektrum nicht auf Stasi & Co, machte mich schon eher neugierig. Als Vorgeschmackgeber stöberte ich aber erstmal im „DDR-Führer“, dem Buch zur Dauerausstellung des Museums. Das sollte, so das Versprechen, auch losgelöst von der Ausstellung eine interessante, breitgefächert informative Lektüre sein.
Herausgeber Robert Rückel, seines Zeichens Museumsdirektor, ist es in der Tat gelungen, ein breitgefächertes Spektrum des DDR-Lebens abzubilden. Stasi „findet“ darin auch statt, aber eben nicht als das ständig präsente Monster, als das man sie in den vergangenen Jahren so oft verkauft hat. Ganz sicher haben Menschen – und zwar mehr, zum Teil sehr viel mehr, als dem DDR-Normal-Bürger bewusst gewesen war – Probleme unmittelbar mit der Staatssicherheit gehabt, aber die allermeisten Menschen hatten mit anderen Dingen zu kämpfen. Und so beginnt das Buch zwar auch mit Stasi & Co, gleitet dann aber zu ganz alltäglichen Dingen wie Jugend in der DDR, Schrebergärten, Plattenbau, Urlaubsreisen, Ehe und so weiter.
Das passiert in sehr kurzen, sehr zusammengefassten und damit (mir mitunter etwas zu) verallgemeinerten bzw. einseitigen, immer reich illustrierten und zum Teil mit Statistiken untermalten Artikeln. Abgesehen vom Anfang, wo von „Schubladen in der Mauer“ und anderen museumsspezifischen Dingen gesprochen wird, kann man das Buch tatsächlich auch ohne Besuch der Ausstellung gut durchschmökern. Dass es ein Museumsführer ist, bleibt dennoch spürbar, denn wie bei solchen thematisch umfassenden Ausstellungen zu erwarten kommt man in so kurzen Beiträgen eben nicht ohne Verallgemeinerungen und festgelegte Blickrichtungen aus. Und obwohl ich, die ich in der DDR aufgewachsen bin, zwar manchmal das Gefühl hatte, dass „meine Seite“ fehlt, empfand ich es im Großen und Ganzen als realistische Darstellung, die ohne die üblichen massiven Übertreibungen auskommt.
Der grundlegende Unterschied zwischen meiner Erinnerung und dem Buch: In dem Buch bekommt man gelegentlich den Eindruck, als hätten die DDR-Bürger quasi alle bewusst und gezielt nach vorhandenen Nischen gesucht und sich welche geschaffen, die ihnen das System nicht von selbst bot. Als wären sie alle irgendwie in Opposition gewesen, nicht direkt offen politisch, aber irgendwie eben doch. Dabei lief vieles eher instinktiv ab, man ging halt die Wege, die gangbar waren. Man kann das Buch auch in dieser Weise lesen – der Stil gibt das durchaus her – und die Bezüge zu „Ursachen“ als psychologische Hintergrundanalyse für dieses „halt diese Wege gehen“ sehen. Man sollte es sogar so lesen, nicht nur, weil es eben genauso gedacht ist.
Alles in allem empfand ich das Buch als informativ, auch wenn es für mich natürlich eher ein Auffrischen von Wissen war. Der Stil, der ohne Pathos, Geifer und die üblichen „DDR-Anekdoten“ auskommt, ist erfrischend sachlich. In seiner Verallgemeinerung wirkt er mitunter museal-lebensarm, was umgekehrt aber eben auch zur Objektivität des Gesagten beiträgt. Nein, ein Thriller ist das Büchlein nicht, aber ein sehr empfehlenswerter Einstieg für alle, die wissen (oder sich erinnern) wollen, wie es wirklich war …
Robert Rückel (Hrgs.): „DDR-Führer – Reise in einen vergangenen Staat“, Das Buch zur Dauerausstellung des „DDR Museum“; DDR Museum Verlag; 2., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage Mai 2012; 154 Seiten; ISBN 978-3-939801-16-0
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)
Die ständige Ausstellung des „DDR Museum“ in Berlin
- ich habe lange überlegt, ob das Genitiv-"s" stehen soll oder nicht, oder "Die ständige Ausstellung „DDR Museum“ in Berlin" - aber beides ändert den Inhalt, also lassen.
dem Buch zur Dauerausstellung
Schrebergärten
In dem Buch bekommt man gelegentlich den Eindruck, als hätten die DDR-Bürger quasi alle bewusst und gezielt nach vorhandenen Nischen gesucht und auch Nischen geschaffen, die ihnen das System nicht bot.
Dein Originaltext enthält eine Art unfreiwilliges Zeugma, es passt nicht richtig. Mein Text hat nicht die notwendige Poesie, ich will nur die Stelle verdeutlichen.
Dein Text ist aber verständlich.
in Opposition
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Bernd
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Die ständige Ausstellung des „DDR Museum“ in Berlin gilt nach eigenen Aussagen als die interaktivste Ausstellung Europas.
Ich habe mir den Buchtitel angesehen.
Ich denke "des" sollte entfallen.
Du meinst die Ausstellung "DDR-Museum", nicht den Fakt, dass das DDR-Museum ausgestellt wird.
Ich hatte es zunächst mit dem Buchtitel verwechselt.
Es ist aber eine reale, keine fiktive Ausstellung.
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jon
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Ich habe mal "im" draus gemacht. Das ist sicher nicht falsch und lässt offen, ob es auch noch Sonderausstellungen dort gibt (das müsste ich mal recherchieren).
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