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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Ingrid baut eine Arche
Eingestellt am 27. 06. 2004 22:11


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Zwillingsjungfrau
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Ingrid baut eine Arche

Es war Juni. Nach vielen langen Regenwochen schien endlich wieder einmal die Sonne. Sie rief Ingrid zu: ÔÇ×Komm heraus aus dem Haus.ÔÇť So beschloss Ingrid, in die nahe gelegenen Felder mit den Knicks zu gehen. Ihr selbstgemachter Hollunderbl├╝tensaft ging auf die Neige und sie plante, f├╝r den n├Ąchsten Winter unbedingt einen neuen Vorrat zu schaffen.

Den warmen Sonnenschein genoss sie sehr. Sehr bald fand sie einen Hollunderstrauch, der ├╝ber und ├╝ber mit seinen wei├čen Bl├╝tendolden mit den Sonnenstrahlen zu wetteifern schien. Seine Bl├╝ten leuchteten in den hellen Tag.

Vorsichtshalber hatte Ingrid Gro├čvaters Spazierstock mitgenommen, denn sie wollte an jedem Strauch viele Bl├╝ten stehen lassen, damit sie zum Herbst ihre violetten Fr├╝chte tragen, die Mensch und Tier in einem strengen Winter sch├╝tzen und Kraft geben. So pfl├╝ckte sie ihre 60 Bl├╝tendolden, immer darauf bedacht, den Strauch nicht zu pl├╝ndern. Lieber ging sie noch ein St├╝ckchen ├╝ber den Acker zum n├Ąchsten Hollunderbusch. Gro├čvaters Spazierstock war ihr eine gute Hilfe, um auch h├Âher h├Ąngende Zweige zu erreichen.

Die Arbeit war schnell getan. In ihrer K├╝che wurden die Bl├╝tendolden einmal kurz kalt gewaschen und dann in einen Eimer gesch├╝ttet. Sie hatte einen gro├čen Topf mit Wasser auf den Herd gesetzt, Zucker und Zitronens├Ąure hineingesch├╝ttet und lie├č diese Mixtur langsam hei├č werden.

Nun war f├╝r eine kurze Zeit, bis das Wasser kochen w├╝rde, nichts zu tun. Sie begutachtete noch einmal die gepfl├╝ckten Bl├╝ten und entdeckte zwischen den Bl├╝ten Bewegung.

Oh, da balancierte ein Schneckenbaby an einem Stil zwischen den Bl├╝ten herum.
ÔÇ×Was machst Du den hierÔÇť, fragte Ingrid erstaunt. ÔÇ×Du bist doch ein Erdbewohner. Wie hast Du es nur geschafft, den zwei Meter hohen Busch bis zu den Bl├╝ten zu erreichen? Wei├čt Du denn nicht, dass dies f├╝r Dich lebensgef├Ąhrlich ist? Was mache ich nur mit Dir, ich kann Dich doch nicht mit kochendem Wasser ├╝berbr├╝hen und Dich t├Âten?ÔÇť

Ingrid hob die kleine Schnecke ganz vorsichtig von dem Bl├╝tenstil und setzte sie in eine kleine Porzellanschale. Dies war zwar nicht der Untergrund, den Schnecken lieben, er ist glatt und rutschig, doch die kleine Schnecke war gerettet.

Wo ein Tier ist, sind vermutlich auch noch andere, was mache ich nur mit denen, ├╝berlegte Ingrid. Ich kann zwar noch einen Moment warten, bevor ich das kochende Wasser ├╝ber die Bl├╝ten gie├če. Wie rette ich nur die Tiere, die sich jetzt m├╝hsam v├Âllig nass durch das unfreiwillige Bad nach oben arbeiten. Sie erinnerte sich an Noah. Eine Arche, die brauchten die Tiere.

Eine kleine Vertiefung zwischen den Bl├╝tenrispen war schnell geschaffen. Dort hinein legte sie verkehrt herum eine Untertasse, die sie in der Mitte mit einem h├Âlzernen Zweig des Hollunderbusches verzierte, der sich bei Pfl├╝cken mit in die T├╝te verirrt hatte. Tief nach vorn gebeugt stand sie in ihrer K├╝che und sprach in den Eimer.

ÔÇ×Kommt, kleine Tierchen, habt keine Angst, ich helfe euch, auf dem Teller seid ihr in SicherheitÔÇť. Inzwischen schaute sie einmal in die Schale zum Schneckenbaby. Es war verschwunden.

ÔÇ×Wo steckst Du denn? Ich glaubte immer, Schnecken seien langsam. Wenn Du derart fix bist, wundert es mich nicht, dass Du auch auf einen f├╝r dich riesig erscheinenden Busch hinaufklettern konntest.ÔÇť Sie entdeckte den kleinen Ausrei├čer auf dem K├╝chentisch. Er wurde in die Schale zur├╝ckgesetzt.

ÔÇ×Mit wem redest Du denn hierÔÇť, fragte Gro├čmutter, die mit erstaunten Augen in die K├╝che gekommen war, ÔÇ×was machst du ├╝berhaupt?ÔÇť
ÔÇ×Ich habe gerade eine Arche gebautÔÇť erkl├Ąrte Ingrid.
ÔÇ×Was Du immer f├╝r Ideen hast. Was soll das.ÔÇť Gro├čmutter schaut in den Eimer. ÔÇ×Ach so, Du machst Hollunderbl├╝tensaft.ÔÇť

ÔÇ×Eine Arche. So ein Bl├ÂdsinnÔÇť, murrte Gro├čmutter. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Tiere waren unsere Nahrung. Sonst w├Ąren wir im Winter verhungert. Du machst einen Aufstand um so ein paar unn├╝tze K├Ąfer und Schnecken, das ist doch albern.ÔÇť

ÔÇ×Nein, das ist es nichtÔÇť, verteidigt sich Ingrid, ÔÇ×kein Tier und kein Mensch ist unn├╝tz. Ich kenne sehr wohl das Gesetz von der Nahrungskette. Fressen und gefressen werden ist in der Natur ├╝blich. Ich will diese Tiere zwischen den Hollunderbl├╝ten aber nicht essen, deshalb habe ich ihnen eine Arche gebaut.ÔÇť

Sie beugt sich erneut ├╝ber den Eimer. ÔÇ×Sieh dir nur meine Arche an.ÔÇť Sie zog Gro├čmutter dicht zu sich heran. Auf dem Ast balancierten zwei kleine schwarze K├Ąfer, ihr Panzer sah aus wie gelackt. Vorsichtig ├Âffnen sie ihren Lackpanzer, entfalteten kleine Fl├╝gel und strichen sich mit den Hinterbeinen ├╝ber ihren K├Ârper, um die N├Ąsse abzustreifen. Am Tellerrand hockte eine wunderh├╝bsche kleine Spinne. Sie hat einen leuchtend gr├╝nen K├Ârper. Das war sicherlich eine hervorragende Tarnung zwischen den sp├Ąter gr├╝nen wachsenden Hollunderbeeren. Auch ein Spinnenbaby konnte sich retten und eben erschien v├Âllig ersch├Âpft auf dem Tellerrand eine weitere Schnecke. Sie sah aus wie eine junge Weinbergschnecke.

ÔÇ×Nun schau mal, ├ľmchen, all diese Tiere d├╝rfen weiterleben, ich setze sie nachher in den Garten.ÔÇť

ÔÇ×Die Deern mit ihrem Grappenkram im Kopp, von wem die das wohl hatÔÇť grummelte Gro├čmama und verlie├č mit grimmigem Ausdruck in ihren Augen fluchtartig die K├╝che. Spinnen mochte sie n├Ąmlich gar nicht, auch wenn es Winzlinge waren, sie ekelte sich.

Ingrid aber freute sich. Sie nahm die kleine Babyschnecke und setzte sie zur anderen. ÔÇ×Nun habt ihr Gesellschaft in der f├╝r euch neuen Umgebung.ÔÇť Vorsichtig trug sie ihre Arche in den Garten, setzte die Untertasse zwischen ein Beet und w├╝nschte allen Geretteten noch ein langes Leben.

__________________
Verantwortlich ist man nicht nur f├╝r das, was man tut, sondern auch f├╝r das, was man nicht tut.
Laotse

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Alexander Rahm
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Eine tierisch sch├Âne Geschichte

Hallo Zwillingsjungfrau!

Viele zerbrechen sich nicht den Kopf ├╝ber die kleinen Dinge des Lebens, Ingrid aber schon. Oder um genauer zu gehen, den Kopf zerbricht sie sich ja eigentlich auch nicht, nein, sie handelt einfach nach dem, was ihr Gef├╝hl sagt. Das hast Du mit Ruhe und der Liebe zum Detaill beschrieben.
Es hat mir sehr gut gefallen wieder mal eine Geschichte zu lesen, die auf einen Knalleffekt und schrille Beschreibungen verzichtet (wie meine zum Beispiel). Das hat mich ber├╝hrt.

Es gibt nur weniges in Deiner Erz├Ąhlung, was ich anders formulieren w├╝rde:

quote:
- Nach vielen langen Regenwochen schien endlich wieder einmal die Sonne. Sie Die rief Ingrid zu: ÔÇ×Komm heraus aus dem Haus.ÔÇť
"Sie" ist doppeldeutig; k├Ânnte die Sonne sein oder irgendeine Person. Ich ging von letzterem aus und war etwas irritiert.
quote:
- So pfl├╝ckte sie ihre 60Bl├╝tendolden,...
Die Erw├Ąhnung der Zahl lenkt eher ab. Da Frage ich mich als Leser: "Warum ausgerechnet 60?" Das wird dann sp├Ąter auch nicht aufgel├Âst. Ganz anders z.B. bei der Erw├Ąhnung der L├Ąnge von den Holunderzweigen (zwei Meter): Da macht die Zahl Sinn, weil sie deutlich macht, dass das f├╝r die kleinen Tierchen eine ordentliches St├╝ck Arbeit gewesen sein muss, da hoch zu kommen.
quote:
- ÔÇ×Was Du immer f├╝r Ideen hast. Was soll das.ÔÇť Gro├čmutter schaut in den Eimer. ÔÇ×Ach so, Du machst Hollunderbl├╝tensaft.ÔÇť
ÔÇ×Eine Arche. So ein Bl├ÂdsinnÔÇť, murrte Gro├čmutter.
Da fehlt mir bisschen die ├ťberleitung. Zuerst murrt die Oma, dann macht sie pl├Âtzlich eine feststellende Bemerkung und dann murrt sie wieder. Grunds├Ątzlich okay, aber vielleicht k├Ânntest Du mit einem hinf├╝hrenden Satz ihren "Stimmungswechsel" einbetten?

Sonst eine tierisch sch├Âne Geschichte.
Viele Gr├╝├če,
Alexander
__________________
www.alexanderrahm.de

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