Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5313
Themen:   88556
Momentan online:
168 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Inne Boutique
Eingestellt am 16. 04. 2012 17:04


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

Werke: 69
Kommentare: 59
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wolfgang Bessel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil



Inne Boutique

Ich hatte mir mit dem Überredungsjoker en dicket Eigentor geschossen! Ich Idiot hĂ€tte doch wissen mĂŒssen, dat Berta mein Angebot fĂŒr neue Klamotten nich bescheiden ablehnen wĂŒrde, wie dat andere brave Ehefrauen tun wĂŒrden.
Ich wollte mich am nĂ€chsten Morgen eilig verdrĂŒcken und aufe Maloche flĂŒchten, da hatte mich Berta schon beim Wickel und erinnerte mich ungewöhnlich höflich an mein Versprechen:
„Komm, mein Willi“, trĂ€llerte se, „hasse denn schon vergessen, dass du gestern die Trachten-Boutique angerufen hast? Du hass fĂŒr heute 9.30 Uhr en Termin gemacht. Du muss auf jeden Fall mit dabei sein, mein Liebling, denn heute kleide ich mich nur fĂŒr mein Böcklein ein. Meine Ă€ußere Erscheinung soll ja in erster Linie meinem genetischen JĂ€ger und Sammler schmeicheln. Willilein, du hass ja völlig Recht, dat geht ja nun wirklich nich. Du als JĂ€ger hass die neueste Jagdmode am Leib und ich lauf rum wie en Putzlumpen. Schließlich kommen demnĂ€chst große gesellschaftliche Verpflichtungen auf uns zu. JĂ€gerbĂ€lle, Versammlungen, Jagdmessen und wer weiß wat sonst noch allet. Ich versteh gut, dass du dich in Jagdkreisen nich mit mir blamieren willz, mein lieber, angehender JĂ€gersmann, mein stolzer Platzhirsch.“
Ich hörte wohl nich richtig. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dat in ihrem Tonfall ne Verarschung lag. Ich konnte und wollte dat jetz nich deuten. Bloß jetz keinen Zoff mehr!

Also stiefelte ich mit ihr zu dem Nobelschuppen. Schon von außen sah der Laden klotzig teuer aus. En riesiger ausgestoppter Elch stand vor dem Eingang. Zig Edelmarken lagen einladend dekoriert hinter zehn großen Schaufensterscheiben.
Zwei aufgedonnerte Weibsbilder empfingen uns ĂŒberschwĂ€nglich mit sonne ekelhaft aufgesetzten Höflichkeit.
Die eine Olle hatte ne Einstangenbrille auf ihrem Zinken, da baumelte ne dicke Goldkette dran. Et entging auch nich meinem scharfen Blick, dat beide Empfangsdrachen son lauerndet, geldgieriget Grinsen inne Visage hatten.
Ich wurde mit meiner blauen Klempnerlatzhose erst ma von oben bis unten gemustert. Die Weiber peilten mich derart verĂ€chtlich an, als tĂ€ten se denken: „Kann dat arme Schwein die Schale fĂŒr seine Frau ĂŒberhaupt berappen?“ Wo war ich denn hier gelandet?
Dat war genau dat Richtige fĂŒr mich! Dieset blöde, abschĂ€tzende und affige Getue. Wer sind die denn, dat se so wat denken dĂŒrfen? Dat war richtige Diskriminalisierung!
In dem Laden kaufte wohl nur die Heifidelleti, also die oberen vonne Zehntausend hier im Revier.
Damit ich den Weibern nich int Handwerk pfuschen konnte, manövrierten die mich mit ner Tasse lauwarmem Kaffee und son halbpornografischet Magazin in sonne dunkle Ecke und setzten mich an son kleinen Glastisch. Ich war kaltgestellt!
BĂ€h, wat waren dat listige Verkaufsbiester! Die kannten uns Kerle aussem Eff Eff!
Die andere Verkaufsxanthippe war en richtigen steilen Zahn, son Vamp oder Vampir. Die wusste genau, wie se aufe Kerle wirken tat. Die hatte en kollossal klebrigen Blick und lenkte mich Ă€ußerst geschickt ab. Die schlich wie sonne Raubkatze an mir vorbei und streifte mich jedetmal. Dat tat dat Aas extra! Dann bĂŒckte die sich derart provoziös vor dem untersten Wandregal, dat ich zwangslĂ€ufig in die ewige Verdammnis peilen musste. Dat Frauenzimmer hĂ€tte dat auch bestimmt gerne gehabt, wenn ich ihr ma auf den einladenden Hintern gekloppt hĂ€tte. Da war ich mir fast sicher. Aber eben nur fast – vielleicht war dat aber auch sonne AbgebrĂŒhte, die dann womöglich wie son waidwundet Tier geschrieen, und dich vor alle Leute als Lustmörder beschimpfte hĂ€tte.
Den Gefallen hab ich ihr natĂŒrlich nich getan, so wat lief nich mit Willi PĂŒttmann! Die beiden Verkaufsdrachen nahmen meine Berta voll inne Mangel. Ab und zu hörte ich einige Wortfetzen:
„GnĂ€dige Frau, ganz entzĂŒckend, wie maßgeschneidert. Der letzte Schrei. Das JagdgrĂŒn ist klassisch, trotzdem ganz moderner Chic. Ein Trend-Hilight fĂŒr ihre Figur. Hier die knielange Variante in handschuhweichem Lammnappa und edlem Glanzfinish.“
Ich dachte mir: „Wenn ich mir bei C&A wat kaufen tu, machen die Ladenschwengel nich son Brimborium mit dir. Mir wurde sofort klar: „Willi, dieset Schmeichelgetue kostet dich richtig Kohle, da kannze Gift drauf nehmen.“
Berta kam schon dat vierte Mal auße Umkleidekabine. „Willi, kuck ma, steht mir dat Dirndl? Iss dat nich zu gewagt? Iss dat nich etwat zu kurz, und hier oben, schau ma, da kommen ja schon die Mollis raus.“
So ging dat genau sechszehn Mal! Ich hab dat gezĂ€hlt, weil mir dat Sitzen inne Abschiebecke stinklangweilig wurde. Die hatten nich ma ne vernĂŒnftige Jagdzeitung in der Trachtenbude ausliegen.
Ich trommelte voller Ungeduld mit die Finger aufm Glastisch rum, hab ganz verzweifelt die Augen verdreht und son paar Mal nervös gehĂŒstelt. Zum Schluss bin ich wie son Raubtier in dem Laden auf und ab getigert.
Meine aufkommende Unruhe hatte die eine Tussi bemerkt und mir die fĂŒnfte Tasse Kaffee so geschickt eingeschenkt, dat se mein Gesicht dabei berĂŒhrte und ne Ladung von ihrem VerfĂŒhrparfĂŒm voll in meine Riechkolben strömen ließ. So ein verdammtet Luder! Dat Zeug beflĂŒgelte fĂŒr ne Viertelstunde meine empfindlichsten Sinne.
Et war mittlerweile 12.00 Uhr. Die ausgewĂ€hlten Trachtensachen tĂŒrmten sich auf der Verkaufstheke. Ich kriegte fast die Motten.
„Maul halten“, dachte ich, „du Blödmann hass dir dat mit dem idiotischen Joker selbst eingebrockt. Jetz hasse den Salat. Du muss im Moment kuschen und vor allem, ruhig bleiben. Ich wurde immer kribbeliger. Ich hĂ€tte am liebsten vor lauter Wut alle KleiderstĂ€nder umgeschmissen.
Also, fĂŒr mich iss die Warterei aufe eigene Ehefrau dat Schlimmste, wat et ĂŒberhaupt gibt! Offensichtlich kapieren dat manche Frauen nie! Die können sich einfach nich in die Seele von einem wartenden Mann versetzen, dat schaffen die Weiber nich! Da iss eine wie die andere.

Immer noch waren die schrappigen Aasgeier mit Berta zugange: „GnĂ€dige Frau hier und gnĂ€dige Frau da.“ Wat dachten die blöden Ziegen denn, wen se da bedienten? Berta iss doch keine MillionĂ€rin oder so wat, und gnĂ€dig isse schon ma ĂŒberhaupt nich! Ich kenn se ja schließlich lange genug. Dann hörte ich wieder dat dösige VerkaufsgesĂŒlze:
„Nein, Frau PĂŒttmann, dieses Exclusivmodell steht Ihnen ja wirklich wie angegossen. Diese edle, warme Outdoorjacke fĂŒr lange, kalte Winterabende auf dem Hochsitz. Supersoft, anspruchsvoll verarbeitet und sehr feminin.“
Ich wurde bald bekloppt. Ich wartete bereits dreieinhalb Stunden in diesem Muffladen.
Mit grĂ¶ĂŸter Beherrschung und einstudierter ZurĂŒckhaltung fragte ich ma leise an: „Berta, bisse gut zurecht gekommen, dauert et noch lange?“ Dann fragte ich noch lauernd, ob dat wirklich schon allet sei, sie könne doch unmöglich schon mit dem Einkauf fertig sein.

Sie flötete zurĂŒck: „Aber ja doch, mein Liebling. Alle achtzehn Teile sind ganz entzĂŒckend, wir sind gleich fertig. Ich danke dir auch fĂŒr deine Geduld. Dat iss ja ein ganz neuer, wirklich sĂŒĂŸer Charakterzug von dir. Du ĂŒberrascht mich immer wieder, mein Willilein.“
Wenn die wĂŒsste! Ich hĂ€tt se abmurksen können!
Achtzehn Teile? Die Worte klangen in meinen aufgeschreckten Lauschern nach. Die gemeinste ÜberredungskĂŒnstlerin von der Modebude schwirrte auf mich zu. „Herr PĂŒttmann, Sie zahlen doch sicher bargeldlos?“ Dat unterstellte mir die Hippe mit der arroganten Schnauze einfach!
„Bitte unterschreiben Sie hier unten. Ihre Frau Gemahlin hat einen erlesenen Geschmack, Sie können stolz auf Ihre Gattin sein, bitte beehren Sie uns recht bald wieder“. – So wat wagte dieser katzenfreundliche Besen in meinem Zustand noch tatsĂ€chlich zu sagen!
Fassungslos stammelte ich: „Ja, jawohl, ja, wie wahr, meine Frau Gattingemahlin hat einen umwerfend verlesenen Geschmack.“
Meine Augen klebten an dem Rechnungsbetrag. Ich sah wohl nich richtig? Ich peilte extra noch ma auf die Rechnung. Ich war fertig. So eine UnverschÀmtheit.
Meine Pupillen verengten sich, die HĂ€nde zitterten, Blutleere im Kopp! Dann schoss mir dat Blut wieder in die Birne rein. Ich stand kurz vor ner Ohnmacht oder nem Tobsuchtsanfall.

Berta stand die ganze Zeit mit verschrĂ€nkten Armen vor der Ladenkasse. GenĂŒsslich beobachtete sie mein Minenspiel. Schadenfroh grinste se mich an. Sie sah, wie ich nach Luft und Beherrschung ringen tat. Dat war weiblicher Sadismus pur! Wat in mir vorging, können Se sich ĂŒberhaupt nich vorstellen!
Zweitausendzweihundertzweiundachtzig Euro! Dat waren bis auf 2,43 € genau der Betrag, den ich bisher fĂŒr die Treibergrundausstattung und die LehrbĂŒcher bezahlt hatte.
Den Angriff hatte Berta genau geplant! Wahrscheinlich sogar mit den Verkaufsweibern abgestimmt.
„Wilhelm, mein Liebling, ich danke dir fĂŒr deine GroßzĂŒgigkeit und Geduld, du liebster Schatz. Wolltest du dir nich auch noch etwas kaufen?“
„Ich? Nee, ich hab die Schnauze voll! Ich kauf meine Brocken morgen bei der Raiffeisengenossenschaft. Mahlzeit!“
Entnervt rannte ich aus dem Modeschuppen, knallte die LadentĂŒr zu und lief direkt zu ner kleinen Imbissbude. Hier standen völlig normale Menschen. Arbeiter, die Currywurst und Pommes verputzten und normal quatschten. Hier haute ich mir genĂŒsslich zwei FlattermĂ€nner und drei Flaschen Bier rein. Danach ging et mir etwat besser, aber innerlich kochte ich noch.
Dat linke Dingen, wat Berta heute mit mir abgezogen hatte, dat wĂŒrde ich ihr heimzahlen. Dat schwor ich mir.






__________________
Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


revilo
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2008

Werke: 85
Kommentare: 5932
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um revilo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

abba sowatt von töfte, Alter ....
LG von Revilo( Born im PĂŒtt ).....

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Fremdsprachiges und MundART Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!