Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87708
Momentan online:
423 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
KIRCHENASYL
Eingestellt am 27. 03. 2002 18:22


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Manfred Ach
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 168
Kommentare: 38
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ist eine Andacht m├Âglich
vor Plakatw├Ąnden und Leuchtschriften,
sind Sto├čgebete ausreichende Notwehr
gegen stachelbewehrte Schreih├Ąlse?

Heillose Verstrickung
schn├╝rt uns die Kehle zu.
Von Bildschirmen geblendet,
eine H├Âhlensehnsucht.

Tats├Ąchlich l├Ąsst sich am besten
in Schiffsb├Ąuchen beten,
in stillen Domen,
die uns Asyl gew├Ąhren,
uns sch├╝tzen vor Spa├č
und Eitelkeit und Gier,
vor den Schl├Ąchtern
und der Ausschlachtung des Elends.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 611
Kommentare: 3148
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wenn ich etwas von dem Wohlf├╝hlort "Kirche" lese, muss ich immer an die Worte von Hermann van Veen denken:........

Geschichte von Gott
Autoren: T:H. van Veen; Dt:T. Woitkewitsch

Als Gott nach langem Z├Âgern wieder mal nach Hause ging, war es sch├Ân; sagenhaftes Wetter!
Und das erste, was Gott tat, war: die Fenster speer- angelweit zu ├Âffnen, um sein H├Ąuschen gut zu l├╝ften.
Und Gott dachte: Vor dem Essen werd` ich mir noch kurz die Beine vertreten.
Und er lief den H├╝gel hinab zu jenem Dorf, von dem er genau wu├čte, da├č es da lag.
Und das erste was Gott auffiel, war, da├č da mitten im Dorf w├Ąhrend seiner Abwesenheit etwas geschehn war, was er nicht erkannte. Mitten auf dem Platz stand eine Masse mit einer Kuppel und einem Pfeil, der pedantisch nach oben wies.
Und Gott rannte den H├╝gel hinab, st├╝rmte die monumentale Treppe hinauf und befand sich in einem unheimlichen,
na├čkalten, halbdunklen, muffigen Raum.
Und dieser Raum hing voll mit allerlei merkw├╝rdigen Bildern, viele M├╝tter mit Kind mit Reifen ├╝berm Kopf
und ein fast sadistisches Standbild von einem Mann an einem Lattenger├╝st.
Und der Raum wurde erleuchtet von einer Anzahl fettiger,
gelblich-wei├čer, chamoistriefender Substanzen, aus denen Licht leckte.
Er sah auch eine h├Âchst unwahrscheinliche Menge kleiner Kerle herumlaufen mit dunkelbraunen und schwarzen Kleidern und dicken B├╝chern unter m├╝den Achseln, die selbst aus einiger Entfernung leicht modrig rochen.
"Komm mal her! Was ist das hier?"
"Was das ist hier? Das ist eine Kirche, mein Freund. Das ist das Haus Gottes, mein Freund."
"Aha...Wenn das hier das Haus Gottes ist, Junge,
warum bl├╝hen dann hier keine Blumen, warum str├Âmt dann hier kein Wasser und warum scheint dann hier die Sonne nicht, B├╝rschen?!"
"...Das wei├č ich nicht."
"Kommen hier viele Menschen her, Knabe?"
"Es geht in letzter Zeit ein bi├čchen zur├╝ck."
"Und woher kommt das deiner Meinung nach? Oder hast du keine Meinung?"
"Es ist der Teufel. Der Teufel ist in die Menschen gefahren. Die Menschen denken heutzutage, da├č sie selbst Gott sind und sitzen lieber auf ihrem Hintern in der Sonne." Und Gott lief fr├Âhlich pfeifend aus der Kirche auf den Platz. Da sah er auf einer Bank einen kleinen Kerl in der Sonne sitzen.
Und Gott schob sich neben das M├Ąnnlein, schlug die Beine ├╝bereinander und sagte:"...Kollege!"

Habe ich ├╝brigens schon erw├Ąhnt, dass ich das M├Ąnnlein auf der Bank war ;-)

Liebe Gr├╝├če Otto



Bearbeiten/Löschen    


Manfred Ach
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 168
Kommentare: 38
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Kirchenasyl

Lieber Otto Lenk,

danke f├╝r den gelungenen Text!
Ich bin in "Kirchenasyl" auf "Schiffsb├Ąuche" und stille ("Felsen")-"Dome" ausgewichen - eine "H├Âhlensehnsucht", denn - und da gebe ich dir und v.Veen v├Âllig recht - die "Plakatierungen" in unseren Kirchen schn├╝ren mir auch oft die Kehle zu. Aber: Ich suche die Kirche jenseits der Schl├Ąchter, m├Âglicherweise ist es ein Asyl auf der Flucht vor einer schweigenden und kalten Kirche.
Lieben Gru├č, durchaus ├Âsterlich,
Manfred

Bearbeiten/Löschen    


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 611
Kommentare: 3148
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Diese "Orte" haben seltenheitswert in einer von gierigen Eitelkeiten zerfressenen Spa├čgesellschaft. Ich finde diesen Ort ab und an in mir.

Mit durchaus ├Âsterlichen Gr├╝├čen Otto

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!