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Leselupe.de > Erzählungen
Karia
Eingestellt am 11. 05. 2003 13:02


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Laiza
One-Hit-Wonder-Autor
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Dort stand sie. Er hatte sie noch nie zuvor gesehen. Locker lehnte sie an dem weißen Gartenzaun von Mr. und Mrs. Carrington und schien völlig in Gedanken versunken zu sein. Sie hatte den Kopf in den Nacken gelehnt und streckte ihr Gesicht zur Sonne hin, die heute besonders kräftig schien. Ihre Augen waren geschlossen und ihr Mund hatte sich zu einem Lächeln verzogen. Sie hatte langes dunkles Haar, das ihr in Wellen über die Schultern fiel. Ihre Wangen waren leicht gerötet – offensichtlich stand sie schon eine Weile dort. Vielleicht war sie die Nichte von den Carringtons. Er kannte sie nicht. Aber was konnte ihn dran hindern, ihre Herkunft herauszufinden?

Gerade als er im Begriff war die Straße zu überqueren und zu ihr zu gehen, durchschnitt Amandas fröhliche Stimme die sommerliche Mittagsstille. Amanda war seine Schwester. Sie war fünf Jahre jünger als er, ihre Haut war sonnengebräunt, ihre Haare blond und ihre wachen, fröhlichen Augen hatten die Farbe von diesen seltenen grünen Weinflaschen. Das Mädchen auf der anderen Straße zuckte zusammen und wandte sich in die Richtung, aus der Amanda kam. Sie schaute missbilligend drein. Dann entdeckte sie ihn. Er konnte nicht erkennen, welche Farbe ihre Augen hatten, dennoch wusste er, dass es die faszinierernsten Augen waren, die er je gesehen hatte. Sie schaute ihn einfach nur an. Er schaute einfach nur zurück. Minuten lang, bis Amanda hin erreicht hatte. Aus dem Augenwinkel konnte er erkennen, wie sie langsam davon schlenderte. Dann musste er seine Aufmerksamkeit wieder Amanda zuwenden. „Was gibt’s?“ „Will – ich such dich schon seit Stunden.“

Irritiert sah er sie an. „Kann ja gar nicht sein, weil ich erst vor ungefähr 15 Minuten das Haus verlassen habe. Du solltest dir unbedingt deinen Hang zur Übertreibung abgewöhnen Schwesterchen. Das bringt dich noch mal in Schwierigkeiten.“ Genervt verdrehte Amanda die Augen und äffte ihn nach. „Ja, ja! Spar dir deine Belehrungen. Ich bin kein Baby mehr.“

Lächelnd tätschelte er ihr den Kopf. „Nein, das bist du nicht mehr. Aber jetzt sag schon was du willst – scheint ja was ungeheuer wichtiges zu sein, weil du hier so rumschreist.“ Mit überlegenem dem Gesichtsausdruck stolzierte sie vor ihm auf und ab. „Du bist geschminkt!“

Sie gab einen Laut von sich, der ihre Gleichgültigkeit ausdrücken sollte, sich aber anhörte, als hätte man auf eines dieser Trinkpäckchen für lange Reisen getreten. „Ist das ein Kleid von Mom?“ Amanda warf ihm einen genervten Blick zu. „Du bist geschminkt und trägst ein Kleid von Mom. Josh ist wieder da, hab ich recht? Josh ist wieder da!“

Das Strahlen ihrer Augen hatte sie verraten. Vor fünf Wochen war er an ein College nach Kalifornien gezogen. Seitdem hatten sie sich nicht mehr gesehen.

„Ich komm gleich nach Hause.“ Amanda zuckte gleichgültig mit den Schultern, drehte sich um und lief davon. Will wollte noch nicht nach Hause gehen. Er wollte dieses Mädchen finden. Nie zuvor hatte er jemanden gesehen, der ihn so fasziniert hatte. Etwas Geheimnisvolles umgab sie. Langsam überquerte er die Straße und ging in die Richtung, in die sie verschwunden war. Zwar ahnte er, dass seine Suche zu nichts führen würde, doch versuchen wollte er es wenigstens.. Sein Blick schweifte über die Häuser der Nachbarschaft. Doch sie war nicht mehr zu sehen. Mr. Duncan mähte seinen Rasen, die West-Kinder spielten im Garten Fangen und Mrs. McBride schnitt ihre Rosen. Aber nirgends konnte er das fremde Mädchen entdecken. Es war hoffnungslos. Sie war weg. Einfach verschwunden.

Will drehte sich um und ging langsam zurück. Als er in die Nähe vom Haus der Carringtons kam, blieb er stehen. Dort stand sie wieder. Genau wie vorhin. Leicht an den Gartenzaun gelehnt, den Kopf in den Nacken gestützt und die Augen geschlossen. Kurzentschlossen überquerte Will die Straße. „Hey, ich bin Will Grodon!“ Langsam, als ob sie ihn erwartet hätte, öffnete sie die Augen und schaute ihn an. „Ich bin Karia Preston.“ Ihre Augen waren blau. Er hatte noch nie zuvor solche blauen Augen gesehen. „Du hast schöne Augen.“ Sie lächelte. „Danke.“ „Wohnst du hier?“ „Nein, ich bin nur auf Besuch. Und du?“ „Ja, ich wohne hier. Dort drüben.“ Will deutete mit der Hand in die Richtung eines große, weißen Hauses. „Ein schönes Haus.“ „Ja. Besuchst du deine Großeltern?“ „Kann schon sein. Ist doch egal.“ Will zuckte mit den Schultern. „Karia ist ein schöner Name, woher kommt er?“ „Ich weiß nicht. Ich hab mir darüber noch nie Gedanken gemacht.“ Anscheinend hatte sie keine Lust sich zu unterhalten. „Bleibst du länger?“ „Ich weiß noch nicht.“ „Vielleicht sehen wir uns ja noch mal?!“ Sie lächelte vielsagend. „Wer weiß. Ich muss jetzt gehen. War nett dich kennen zu lernen Will.“ Schon schlenderte sie davon. Will konnte ihr nicht mal mehr etwas hinterher rufen. Er war enttäuscht. Sie war wirklich nett gewesen. Wahrscheinlich würde er sie niemals wieder sehen. Schulterzuckend drehte er sich um und ging nach Hause.

Zu hause waren durch den überraschenden Besuch seines Bruders alle recht fröhlich und gut gelaunt und Will ließ sich gerne davon anstecken.
„Sag mal, Josh. Weißt du ob die Carringtons Kinder haben?“ Josh sah seinen Bruder verständnislos an. „Soviel ich weiß, eine Tochter. Sie lebt drüben in Los Angeles und kommt vielleicht alle fünf Jahre mal zu Besuch. Irgendwie verstehen sie sich nicht mehr so gut, sie und ihre Eltern. Wieso fragst du?“ „Na ja, vorhin hab ich ein Mädchen getroffen. Es heißt Karia Preston. Ich hab sie noch nie hier gesehen. Ich hab mich gefragt, ob sie vielleicht was mit den Carringtons zu tun hat.“ Josh zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen. „Vielleicht eine Nichte. Sie besucht wahrscheinlich ihre Großeltern übers Wochenende. Ist doch egal, oder?“ „Ja, eigentlich schon. ... Es ist nur, ... ach egal, erzähl mir lieber, wie es dir in Kalifornien ergangen ist.“ An diesem Abend wurde es sehr spät, da Josh alle seine Erlebnisse aus den letzen fünf Wochen ganz genau seiner Familie schildern musste.

Am nächsten Morgen, als Will in die Küche kam, sah er seine Familie bedenklich ruhig am Frühstückstisch sitzen. „Morgen. Alles in Ordnung?“ Keine Reaktion. Nicht mal seine sonst muntere Schwester gab einen Laut von sich. „Ist alles in Ordnung???“ Erschrocken blickte seine Mutter auf. „Was hast du gesagt, Schatz?“ „Ob alle in Ordnung ist! Ihr seid so still.“ Seine Mutter gab einen herzzerreisenden Seufzer von sich. „Heute Nacht ist Mr. Carrington gestorben. Die arme Martha. Du kannst nachher mal rübergehen, und ihr den Apfelkuchen bringen, den ich heute früh gebacken habe.“ „Ja, natürlich. Ich bring ihn am Besten gleich rüber. Warte, ich zieh mich nur noch schnell an.“ Will verschwand im Badezimmer. Kurze Zeit später kam er wieder in die Küche, schnappte sich den Apfelkuchen und machte sich auf den Weg zum Haus der Carringtons. Unbewusst hielt er dabei Ausschau nach dem Mädchen von gestern. Doch sie war nirgends zu sehen.

Unruhig betätigte Will die Klingel, auf der in schön geschwungener Schrift Martha & Richard Carrington stand. Nach einiger Zeit hörte er schlurfende Schritte und gleich darauf öffnete ihm Mrs. Carrington die Tür. Ihre Augen waren gerötet und ihre kurzen grauen Haare, die sie sonst immer perfekt gestylt waren, standen ihr wirr vom Kopf ab. Sie trug einen altmodischen, schwarzen Rock und eine noch altmodischere schwarze Bluse. Sie wirkte noch kleiner und blasser als sonst. Sie tat Will wirklich leid.

„Guten Morgen Mrs. Carrington. Ich hab das von ihrem Mann gehört. Tut mir wirklich leid. Meine Mutter hat ihnen einen Apfelkuchen gebacken. Vielleicht möchten sie ihn später gerne essen.“ Unschlüssig stand Will mit dem Apfelkuchen vor der Tür. „Oh, das ist wirklich sehr nett von deiner Mutter. Komm doch rein. Du kannst ihn in die Küche stellen.“ Sie ging zur Seite und Will trat in den Flur. Es roch nach Vanille. Und nach Rosen. Sofort fühlte er sich unglaublich wohl und geschützt. Er sah sich um. Im ganzen Flur verteilt hingen Bilder an der Wand. Einige waren schwarz-weiß, andere in Farbe. Auf einigen konnte er Mr. und Mrs. Carrington erkennen, auf anderen waren Menschen abgebildet, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Mrs. Carrington ging an ihm vorbei in die Küche. Will war gerade im Begriff ihr zu folgen, als er an einem schwarz-weiß Foto vorbei kam, dass ihn stutzig werden ließ.

Es war eine sehr alte Fotografie. Abgebildet waren eine Frau und ein Mann mittleren Alters. Vor ihnen standen zwei Mädchen. Das eine kannte Will nicht, doch dass andere war eindeutig das Mädchen vom Gartenzaun – Karia Preston. Wie gebannt starrte er auf das Foto. „Das bin ich mit meinen Eltern und meiner Schwester.“ Erschrocken fuhr Will herum. Er hatte nicht gehört, wie Mrs. Carrington hinter ihn getreten war. „Ihre Schwester?“ Er deutete auf das Mädchen, mit dem er geredet hatte. „Ja. Meine Schwester Karia. Sie war einfach wundervoll. Sie hatte die blausten Augen, die ein Mensch haben konnte. Und ihre dunklen Haare waren eine Pracht. Wirklich eine Tragödie.“ Verwirrt sah Will Mrs. Carrington an. “Wieso eine Tragödie?”

Schniefend holte sie ein Taschentuch aus ihrer Rocktasche. „Sie war 18 als es passierte. Karia war immer so ein fröhlicher Mensch. Sie liebte das Leben. Doch leider war sie auch ziemlich vertrauensselig. Ich weiß noch, wie meine Mutter sie immer vor den Männern gewarnt hatte. Aber es musste ja so kommen. Karia hat sich ja nie etwas sagen lassen.“ Fragend sah Will Mrs. Carrington an. “ Wieso, was ist passiert?” „Sie wurde ermordet. Erdrosselt. Man fand sie nach zwei Monaten im Wald, ganz hier in der Nähe. Den Mörder hat man nie gefunden. Es war eine Tragödie.“

Schniefend schlurfte Mrs. Carrington in die Küche. Will war wie erstarrt. Er konnte sich keinen Zentimeter bewegen. Das Mädchen mit dem er gestern geredet hatte, gab es eigentlich gar nicht mehr? Karia Preston war tot? Mit wem um Himmelswillen hatte er dann gestern geredet. Überaus verwirrt stolperte er in die Küche. Mrs. Carrington saß in einer Ecke auf einem Stuhl und schluchzte vor sich hin. Will stellte den Kuchen ratlos auf den Küchentisch. Hatte er mit einem Geist gesprochen? Will glaubte nicht wirklich an so was. Aber wie konnte man das sonst erklären.

Polternde Schritte auf der Treppe ließen ihn aufhorchen. Er drehte sich um und blickte in die blauen Augen des Mädchens von gestern. Erschrocken trat er einen Schritt zurück. „Du bist gar kein Geist.“ Verständnislos sah Karia ihn an. „Nein, soviel ich weiß, bin ich ziemlich lebendig.“ Will hatte das Gefühl er wäre nicht er selbst. War das ein dummer Scherz? Dieses Mädchen war genau das selbe, wie das auf dem Foto. „Karia, das ist Will Gordon von gegenüber. Er hat einen Apfelkuchen gebracht. Will, das ist meine Nichte Karia Preston. Sie ist über die Ferien hier – im Moment keine angenehmen Ferien.“ „Aber Großmutter!“ Karia ging zu ihrer Großmutter und umarmte sie. Will kam sich seltsam fehl am Platz vor. „Ich dachte, du wärst ein Geist. Du siehst genauso aus, ... !“ Mrs. Carrington blickte auf. „Ja nicht wahr? Sie sieht meiner Schwester zum verwechseln ähnlich. Du Ärmster. Du musst gedacht haben, du bist einem Geist begegnet.“ Ein Lächeln zeichnete sich auf Mrs. Carringtons müdem Gesicht ab. „Ja, so etwas in der Art ist mir durch den Kopf gegangen. Aber es war ja zum Glück nur ein Missverständnis. Ich muss jetzt aber leider gehen. Es tut mir wirklich sehr leid wegen ihrem Mann, ich fand ihn immer sehr nett.“ Will wandte sich zum Gehen.

„Will?“ Er drehte sich um und sah die lebendige Karia an. “Ja?” “Wäre nett, wenn wir uns mal wieder treffen würden. Vielleicht wieder am Gartenzaun? Ich hab noch eine Weile Ferien.“ Will konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Das wäre wirklich schön. Bis dann!“

Als Will das Haus verließ hatte es begonnen zu regnen. Es war ein leichter Sommerregen und die Luft roch unglaublich erfrischend. Will fühlte sich genau wie dieser Tag - lebendig erfrischt.

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Zefira
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Liebe Laiza,

das ist eine sehr interessante und spannende Geschichte. Ich habe Dir mal den Anfang lektoriert und mache die andere Hälfte auch noch, wenn Du einverstanden bist. Sind natürlich alles nur Vorschläge.

Generell solltest Du ein paar Absätze einfügen, damit der Leser zwischendurch mal zum Verschnaufen und Überdenken kommt.

Mir ist nicht so richtig klar, was die Episode mit dem Zwillingsbruder Josh in dem Text bedeutet. Es ist eine nette Idee, daß die kleine Schwester sich da zum erstenmal geschminkt und aufgebrezelt dem Bruder präsentiert, aber wieso wird da noch dieser Zwilling ins Spiel gebracht, der in der Geschichte selbst überhaupt keine Rolle hat?

Ansonsten hast Du mich aber hübsch aufs Glatteis geführt mit der Geschichte - ich hatte wirklich nicht erwartet, daß Karia noch einmal leibhaftig auftaucht. Hübsche Idee!

Lieben Gruß,
Zefira



Dort stand sie. Er hatte sie noch nie zuvor hier gesehen Punkt Locker lehnte sie an dem weißen Gartenzaun von Mr. und Mrs. Carrington und schien völlig in Gedanken versunken zu sein. (Das „dennoch“ macht keinen Sinn: sie könnte auch da stehen, wenn er sie schon früher gesehen hätte!) Sie hatte den Kopf in den Nacken gelehnt und streckte ihr Gesicht zur Sonne hin, die heute besonders kräftig nieder schien. („heftig“ klingt mir zu sehr nach Bewegung … aber das ist Geschmacksache) Ihre Augen waren geschlossen und ihr Mund hatte sich zu einem Lächeln verzogen. Sie hatte langes dunkles Haar, das ihr in flüssigen Wellen über die Schultern fiel. (Flüssige Wellen bei Haaren? Na, ich weiß nicht recht …würde ich weglassen) Ihre Wangen waren leicht gerötet – offensichtlich stand sie schon eine Weile dort. (Besser keine genaue Zeitangabe – man kann auch in neun Minuten einen Sonnenbrand kriegen) Vielleicht war sie die Nichte von den Carringtons. Er kannte sie nicht. Er hatte sie niemals hier gesehen. (steht oben schon) Aber was konnte ihn dran hindern, ihre Herkunft herauszufinden?

Gerade als er im Begriff war die Straße zu überqueren und zu ihr zu gehen, durchschnitt Amandas fröhliche Stimme die sommerliche Mittagsstille. Amanda war seine Schwester. Sie war fünf Jahre jünger als er, ihre Haut war sonnengebräunt, ihre Haare blond und ihre wachen, fröhlichen Augen hatten die Farbe von diesen seltenen grünen Weinflaschen. Das Mädchen auf der anderen Straße zuckte zusammen und wandte sich in die Richtung, aus der Amanda kam. Sie schaute missbilligend drein. (Zweimal „Richtung“) Dann entdeckte sie ihn. Er konnte nicht erkennen, welche Farbe ihre Augen hatten, sie stand zu weit weg (versteht sich von selbst, wenn sie auf der anderen Straßenseite ist) dennoch wusste er, dass es die faszinierernsten Augen waren, die er je gesehen hatte. Sie schaute ihn einfach nur an. Er schaute einfach nur zurück. Minuten lang, bis Amanda hin erreicht hatte. Aus dem Augenwinkel konnte er erkennen, wie sie langsam davon schlenderte. Dann musste er seine Aufmerksamkeit wieder Amanda zuwenden. „Was gibt’s?“ „Will – ich such dich schon seit Stunden.“

Irritiert sah er sie an. „Kann ja gar nicht sein, weil ich erst vor ungefähr 15 Minuten das Haus verlassen habe. Du solltest dir unbedingt deinen Hang zur Übertreibung abgewöhnen Schwesterchen. Das bringt dich noch mal in Schwierigkeiten.“ Genervt verdrehte Amanda die Augen und äffte ihn nach. „Ja, ja! Spar dir deine Belehrungen. Ich bin kein Baby mehr.“

Lächelnd tätschelte er ihr den Kopf. „Nein, das bist du nicht mehr. Aber jetzt sag schon was du willst – scheint ja was ungeheuer wichtiges zu sein, weil du hier so rumschreist.“ Mit überlegenem dem Gesichtsausdruck stolzierte sie vor ihm auf und ab. „Du bist geschminkt!“

Sie gab einen Laut von sich, der ihre Gleichgültigkeit ausdrücken sollte, sich aber anhörte, als hätte man einen Käfer zerquetscht. (hm … wenn man einen Käfer zerquetscht, knackt es doch, oder? Vielleicht besser ein anderer Vergleich) „Ist das ein Kleid von Mom?“ Amanda warf ihm einen genervten Blick zu. „Du bist geschminkt und trägst ein Kleid von Mom. Josh ist wieder da, hab ich recht? Josh ist wieder da!“

Das Strahlen ihrer Augen hatte sie verraten. Vor fünf Wochen war er an ein College nach Kalifornien gezogen. Seitdem hatten sie sich nicht mehr gesehen.

„Ich komm gleich nach Hause.“ Amanda zuckte gleichgültig mit den Schultern, drehte sich um und lief davon. Will wollte noch nicht nach Hause gehen. Er wollte dieses Mädchen finden. Nie zuvor hatte er jemanden gesehen, der ihn so fasziniert hatte. Etwas Geheimnisvolles umgab sie. Er musste sie einfach wieder sehen. Langsam überquerte er die Straße und ging in die Richtung, in die sie verschwunden war. Zwar ahnte er, (so genau kann er das doch nicht wissen) dass seine Suche zu nichts führen würde, doch versuchen wollte er es wenigstens.. Sein Blick schweifte über die Häuser der Nachbarschaft. Doch sie war nicht mehr zu sehen. Mr. Duncan mähte seinen Rasen, die West-Kinder spielten im Garten Fangen und Mrs. McBride schnitt ihre Rosen. Aber nirgends konnte er das fremde Mädchen entdecken. Es war hoffnungslos. Sie war weg. Einfach verschwunden.

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Laiza
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Hallo Zefira,

ja, das mit den Absätzen ist mir auch aufgefallen, das nächste Mal, werde ich darauf achten!

Ok, also der Zwillingsbruder - eigentlich ist er für die Geschichte gar nicht nötig, mir ist aber kein anderer Grund eingefallen, als Karia verschwinden zu lassen (auf der Straße, als die Schwester kommt), als irgendjemand plötzlich zu besuch kommen zu lassen - war das so verständlich erklärt? Ich denke eher nein, aber ich weiß grad nicht, wie ich es besser erklären kann .. *grübel*

Ja, natürlich kannst du den Text lektorieren

Vielen Dank

Gruß

LAiza

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