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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Kastanienbraun - Ende
Eingestellt am 21. 11. 2001 01:56


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Der junge Mann lie├č noch eine geraume Zeit verstreichen, in der er einfach nur regungslos an seinem Tisch sa├č. Dann endlich erhob er sich, packte Papier und Kohlestifte in eine Mappe, zahlte und ging ebenfalls.
Es hatte inzwischen aufgeh├Ârt zu regnen. Daf├╝r war nun ein kr├Ąftiger Wind aufgekommen, den der Westen ├╝ber das Meer blies.
Seine Schritte f├╝hrten ihn hinunter zum Strand. So nah an das Meer, da├č es ihm beinahe die Schuhe umsp├╝lte. Die H├Ąnde tief in den Taschen vergraben, stand er wieder eine sehr lange Zeit da und blickte stumm auf das Wasser.
Irgendwann fl├╝sterte er leise einen Namen.
"Suzanne ..."
Ihr richtiger Name war nicht Suzanne. Das wu├čte er. -- O ja, das wu├čte er.
'Nenn' mich nie bei meinem Namen, Konrad, h├Ârst du? Nie.'
"Suzanne ..."
Er begann zu laufen. Den Strand entlang.
'Ich hasse dieses Leben. Es ist so schrecklich ordin├Ąr.
Findest du nicht auch?'
Zuerst lief er nur langsam.
"Suzanne ..."
Dann immer schneller.
'Ich m├Âchte ein anderes Leben als die anderen alle, Konrad.'
So schnell er nur konnte. 'Verstehst du mich?'
"Suzanne ..."
'... ein anderes eben ... ein au├čergew├Âhnlicheres ... ein geheimnisvolleres ...'
'Eines, von dem nur ich wei├č ...'
'Ich bin sehr krank, Konrad'
"Suzanne ..."
'Ich liebe die Nacht, doch ich hasse alles, was schwarz ist ...'
'Wirst du mir einen Gefallen tun, Konrad? - Ja? - Wirst du das?'
Schneller. Seine Rufe ├╝bert├Ânte der Wind.
"Suzanne ... !"
'Bitte, Konrad, gebe mich meinem Wald zur├╝ck. Gib mich ihm wieder.'
'Du mu├čt das f├╝r mich tun, Konrad. Du mu├čt das f├╝r ihn tun ...'
( '... Wissen Sie, ich bin fremd hier und suche jemanden ...')
'Er wird mich suchen, Konrad. La├č ihn nicht weinen, ja?'
"Suzanne ... !"
'Du mu├čt das f├╝r mich tun, Konrad. Du bist doch mein kleiner Bruder.'
'Und trage bitte nie schwarz wegen mir.'
'Ich bin der gl├╝cklichste Mensch unter der Sonne.'
'Konrad, ich habe das Leben, das ich wollte, bekommen.'
"Suzanne ... !"
'Ich liebe den Westwind.'
'Wie er mit der Brandung na├č gegen die Steine prescht,
mir salzig durch das Haar krault.'
('K├Ânnen Sie sich das vorstellen?')
('Kastanienbraune Haare und meerblaue Augen ...')
'Ich liebe die Nacht, Konrad, aber ich hasse alles, was schwarz ist.'
"Suzanne ... !"
'Bitte, Konrad, du bist doch mein kleiner Bruder.'
'Gebe mich meinem Wald zur├╝ck.'
'Du mu├čt das f├╝r mich tun, mein Konrad.'
Ersch├Âpft sank er vor dem noch recht frischen Grab in die Knie und rang nach Atem. Der Wind hatte ihm eine salzige Schicht ins Gesicht geweht. Die kahlen Kreuze um ihn herum haben ihn nur in der gestrigen Nacht schaudern lassen, als er sein Versprechen einl├Âste und seine liebe Schwester weit entfernt von hier ein zweites Mal beisetzte. Dort, wo sie sich hinhaben wollte und wo es niemand sonst, nur ihr j├╝ngerer Bruder, wissen sollte.
Konrad ├Âffnete seine Mappe und holte eine Graphitzeichnung heraus.
"Ich habe etwas f├╝r dich gemalt, Schwesterchen. Genau wie fr├╝her. Es ist das Haus. Schau. Hier. Und dies ist eure Buche. Ich habe sie gesehen. Gestern. Du warst doch dabei. Sie ist wirklich sehr sch├Ân. Wenn du mal hier bist ... vielleicht ... da dachte ich ... dann hast du dein Haus auch hier ..."
Seine folgenden Worte waren so leise und leicht, da├č der salzige Westwind sie mit sich fortnahm.

Stell dir mal vor:
Weit von hier entfernt, an der K├╝ste, dort, wo das Meer ├╝ber die Kieselstr├Ąnde leckt, dort steht auf einem kleinen Provinzfriedhof ein Grabstein auf einem leeren Grab. Niemand in der Umgebung kann etwas mit der Grabinschrift anfangen, da niemand wei├č, wer denn mit diesem Namen dort liegen sollte.
Suzanne
Und unter diesem einzelnen Namenszug fliegt eine wei├če Taube ...
Und stell dir mal vor:
Etwas weiter von dort entfernt, in einem W├Ąldchen, dort lebt bald ein alter Mann in einem kleinen Haus an einem See. Er ist sehr gl├╝cklich. Und es vergeht kein Tag, an dem er nicht ein paar Blumen pfl├╝ckt - im Sommer sind es Seerosen, von denen fast der ganze Teich bedeckt ist - und sie unter einen jungen Kastanienbaum legt, der nicht weit vom Haus entfernt unter all den hohen Buchen in die H├Âhe sprie├čt.

F├╝r Eva,

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Nein Markus - erwarte bitte keinen Kommentar! Ganz am Anfang hab ich mir ein paar Stichw├Ârter aufgeschrieben und am Ende.... verdammt, ich alter Esel mu├č es zugeben - nur noch geheult.

Gru├č Ralph

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