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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Kinderspiele - damals (Bericht)
Eingestellt am 15. 08. 2002 20:06


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Haget
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Dieses schrieb ich weniger als ErzĂ€hlung, sondern als Bericht, um vieles vom Damals nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. - HĂ€tte es in KINDERGESCHICHTEN gesollt? - Die „notwendigen‘‘ norddeutschen Begriffe erklĂ€re ich gleich mit im Text. – Ich bin bis Anfang September wohl nicht online und werde somit auf Antworten/Tipps spĂ€t reagieren.

Einige Kinderspiele – damals

Von Computern ahnten wir 1940-50 noch nichts - erst etwa 1970 kamen nicht-mechanische Rechner in die BĂŒros, deren Nachfolger - Jahre spĂ€ter - auch Spiele waren. - Von Fernsehen war fĂŒr uns noch nichts zu „sehen‘‘ und im Radio gab’s nur sonntags eine MĂ€rchenstunde.

Als 12jĂ€hriger hatte ich einen Tischtennis-, Tennis- oder Fußball noch nicht einmal gesehen.

Es blieb uns Kindern also die pure Langeweile? - Denkste!

Wir hatten viele „kleine Arbeiten‘‘ zu tun, die heute nicht oder kaum noch (fĂŒr Kinder!) anfallen, wie Erntehilfen beim Bauern und im Garten, Holz und Tannenzapfen sammeln als Heizmaterial, Holzhacken (normal auch fĂŒr 8jĂ€hrige), Holz und Kohlen stapeln oder nachfĂŒllen, Ähren und Kartoffeln auf abgeernteten Feldern nach-sammeln usw. Diese Arbeiten waren damals eben nötig, wur-den nicht gerade gern, oft aber auch spielerisch mit anderen Kindern zusammen getan.
Und es blieb meistens genug Zeit fĂŒr Spiele, die heute teils schon vergessen sind. Die heutige möglichst pausenlose Elternaufsicht ĂŒber „schon‘‘ 7 bis 8 JĂ€hrige war zumindest auf dem Lande keine Regel; wir stromerten in kleinen Gruppen ĂŒberall im Dorfe umher und auch 3-4 km entfernt in den Feldern und im Wald. Wir waren vermutlich wesentlich geĂŒbter darin, auf BĂ€ume zu klettern und konnten wohl auch mit der Gefahr des „Kippel-Kappel‘‘ um-gehen. Jeder Junge hatte ein Taschenmesser und brauchte es auch; ich habe es nie als Waffe oder Drohmittel untereinander erlebt!

Das Versteckspielen war damals natĂŒrlich wesentlich interessanter; auf den Dörfern standen viel mehr Schuppen, Holz- und Torfhaufen, Stroh- oder Heudiemen als Verstecke und die Bebauung war auch insgesamt wesentlich lockerer. - DafĂŒr und auch fĂŒrs Tick-Spiel (Fangen) sind die Regeln wohl noch bekannt.

Wer aber weiß heute noch, was (auf platt!) „Lööper‘‘ sind , kennt einen „Bozer‘‘ oder „Pickpohl“‘‘? Oder kennt die Regeln des damals ĂŒberall be-liebten Spieles „Kippel-Kappel (Tippel-Tappel)‘‘?

Unsere „Lööper‘‘ sind - oder waren? – Murmeln (auch „Marmeln‘‘, abgeleitet von Marmor), diese kleinen und meist bunten Tonkugeln. Eine besonders große aus (innen buntem) Glas oder Metall war der „Bozer‘‘ (abgeleitet aus Boser, Boßel!), der nicht bei allen Marmel-Spielen gebraucht wurde.

Auf festem Erdreich (HofplÀtze waren weder asphaltiert noch gepflastert) wurde mit einem Stöckchen ein Kreis gezeichnet (andere Variante: Einer drehte sich auf dem Schuhabsatz und machte so ein Loch) und 3-5 m entfernt davon eine Startlinie. Erst warf jeder vom Kreis aus eine Murmel zur Linie - wer am dichtesten dran war, durfte anfangen:
Von der Linie aus wurden einhĂ€ndig mit einem Wurf z. B. 5 Murmeln Rich-tung Kreis (Loch) geworfen. Wer die meisten drin hatte, durfte als Erster weitermachen, nĂ€mlich (beliebige!) außerhalb liegende Murmeln mit dem gebogenen Zeigefinger reinkicken. Nach einem Fehlkick kam der Gegner dran. Wer die letzte Murmel „einpĂŒtete‘‘ bekam den ganzen Topf und hatte als Sieger beim nĂ€chsten Spiel den ersten Wurf.

Dieses Spiel (nur beim Kreis!) konnte auch verlĂ€ngert werden: Waren alle Murmelm im Kreis, durfte der letzte Kicker als Erster von der Linie aus seinen Bozer durch den Kreis werfen - und die heraus rollenden Murmeln behalten. Blieb ein Bozer im Kreis liegen, war er verloren und konnte nur gegen z. B. 20 Murmeln zurĂŒckgetauscht werden.
Man durfte auch auf des Gegners Bozer zielen und nach einem Treffer den noch vorhandenen Kreisinhalt abkassieren. -
In LĂ€den kĂ€uflich waren Murmeln erst wieder ab etwa 1948; vorher spielten wir mit „Vorkriegsware‘‘; es waren meistens „gebrauchte‘‘ von einstmals erfolgreichen Eltern.

Besser in die Zeit passte das Pickpahl-Spiel! Wir mussten nichts kaufen, da man sich die notwendigen etwa 40 bis 60 cm langen und 3-5 cm dicken Stöcke aus dem geschlagenen Knick-Buschholz holen konnte; diese Stöcke wurden an einem Ende angespitzt .

Gespielt wurde von 2 bis etwa 5 „EinzelkĂ€mpfern“ (bei nur zwei benutzte jeder 2 oder 3 solcher Pickpahle = PickpfĂ€hle).
Mit ausholender Bewegung, als wolle man von oben zuschlagen, wurde der Pickpahl nach unten geschlagen und dann im richtigen Moment losgelassen, so dass er in der Erde steckte (Wiese, fester Teil des Garten usw.). Der nÀchste Spieler versuchte dann, dass bei seinem Pick ein gegnerischer Pickpahl umfiel. Es gab dazu verschiedene Tricks, sei es durch SchrÀg-wurf unter den schon schrÀg ste-henden Gegner-Pickpahl oder genau an dessen Spitze, um hier den Halt wegzunehmen. Ein korrekt umgeworfener Pickpahl war Beute.
Dickere Stöcke hatten mehr Wumm und brachten leichter Erfolg. Etwas festerer Boden ließ sie aber auch nicht so tief eindringen und daher selbst leichter umfallen. Man brauchte also schon ein Sortiment unterschiedlicher LĂ€ngen und StĂ€rken.

Selbstversorger waren wir auch beim notwendigen Zubehör fĂŒr das Kippel-Kappel (einige sagten auch Tippel-Tappel!):

Zwei Stöcke mit etwa 60 bzw. 15 cm LĂ€nge; dazu wurde auf irgend einem Hofplatz oder Feldweg eine 20 cm lange „Rinne“, etwa je 5 cm breit und tief eingekratzt.
Es spielten 2 Kinder (oder auch 2 Mannschaften) gegeneinander. Die Art der Punkte-Rechnung wurde vorher abgesprochen und war in jedem Dorf wieder anders; ich nenne nur Beispiele!
Der Heimspieler stand an der Rinne, der Feldspieler ihm gegenĂŒber, Abstand mindestens 3 m, meistens mehr! Es folgten 3 Spielstufen:

1. Der Kurzstock (das „Holz‘‘) wurde quer ĂŒber die Rinne gelegt; die lĂ€ngere Gerte (der „Stock‘‘) mit einem Ende darunter gehalten und dann das Holz hoch-weg-geschleudert. Konnte der Feldspieler das Holz fangen, er-hielt er 10 Punkte (- dieses auch bei 2. und 3.!)
Er durfte nun versuchen - egal ob gefangen oder nicht -, das Holz so zurĂŒckzuwerfen, dass es in die Rinne fiel - bei Erfolg wurde er Heimspieler.

2. Jetzt kam ein Abschlag. Der Heimspieler hielt das Holz in der einen Hand und schlug es mit dem Stock weg. Danach legte der Heimspieler den Stock quer ĂŒber die Rinne; konnte der Feldspieler den Stock beim RĂŒckwurf treffen, wurde er Heimspieler, Traf er gar in die Rinne, erhielt er außerdem noch 10 Punkte.

3. Nun der Doppelschlag und die Chance fĂŒr den Heimspieler, selbst Punkte zu machen. Ein Schlag schlug das Holz aus der Hand hoch, der zweite das fliegende Holz weit weg. Die Entfernung wurde mit dem Stock abgemessen - je StocklĂ€nge 1 Punkt. Misslang der Doppelschlag, wurde der Heimspieler abgelöst. Auch, wenn das Holz beim RĂŒckwurf nĂ€her als eine Holz-lĂ€nge bei der Rinne landete - jetzt allerdings durfte der Heimspieler dieses durch Abwehr mit dem Stock verhindern! - - Danach wieder ab 1.!

Eine Variante war ein an den Enden gespitztes Holz, welches die Eltern allerdings wegen grĂ¶ĂŸerer Unfallgefahr nicht gerne sahen. Dabei musste man beim Doppelschlag auf eine Spitze des liegenden Holzes schlagen und das dann hochfliegende Holz möglichst weit wegschlagen.

Als - inzwischen - Großvater schlage ich vor, dass Kinder doch lieber kein Kippel-Kappel spielen sollten. Nach heutigen Gesichtspunkten: Viel zu gefĂ€hrlich. ...damals „passte‘‘ es! Kinder waren auf andere Gefahren vorbereitet – dafĂŒr wĂ€ren sie dem heutigen Autoverkehr nie gewachsen gewesen.

__________________

Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

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bosbach46
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hallo Haget,
gegen das Vergessen zu arbeiten heißt fĂŒr mich Alltagsgeschichte festzuhalten. Das ist Dir gelungen. Mir fiel eine ErgĂ€nzung zu deinem Bericht ein: Vielleicht kennst Du das geheime Kinderspielbuch von Joachim Ringelnatz. Es erschien 1924 und wurde vom damaligen Potsdamer PolizeiprĂ€sidenten fĂŒr Kinder verboten. Ich bin mir beinahe sicher, dieses kleine BĂŒchlein wĂŒrde dir Freude bereiten. Gruß J.B.
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J. Bosbach

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