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Klavierpsychologie
Eingestellt am 07. 10. 2002 12:21


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Antaris
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Klavierpsychologie

Klavierpsychologie

Das MĂ€dchen war sich nicht sicher, ob es ein Klavier wirklich haben wollte, es dachte, dass Klavierspielen zum Wachsen gehörte wie Fahrrad fahren oder zur Schule gehen. Nun, als es da war, fand es das Klavier wunderschön. Groß und aufrecht stand es im Esszimmer, es war so stark und schwer, dass die MĂ€nner der Klavierfirma krĂ€ftig fluchten, obwohl sie jeden Tag Klaviere schleppten. Fein geschnitzte Blumengirlanden zierten den samtschwarz lackierten Leib, der bestimmt hundert Jahre alt war, aber das Schönste waren die glĂ€nzenden, verschwenderisch kĂŒhn geschwungenen Kerzenhalter, die das MĂ€dchen liebend gerne berĂŒhrt hĂ€tte. „Messing, mein kleines MĂ€dchen, das ist Messing,“ sagte der Vater, der Ingenieur, der es wissen musste, aber vielleicht waren sie doch aus echtem Gold. Schließlich mochte es der Vater auch nicht, wenn Wohlstand zu offen gezeigt wurde. „Das Instrument stammt aus Frankreich, es ist von Grund auf ĂŒberholt worden, und wurde uns als ideales Lerninstrument angepriesen. Die Mechanik ist ganz neu,“ berichtete die Mutter der Freundin, und dann schloss sie zum ersten Mal den Deckel auf.
Die Töne, die Mutters HĂ€nde auf den Elfenbeintasten hervorbrachten, klangen fremd, fand das MĂ€dchen. „Ich habe das meiste vergessen,“ gestand die Mutter der Freundin, „außerdem muss das gute StĂŒck noch gestimmt werden.“
Das erledigte wenige Tage spÀter ein kleiner, alter Mann. Er öffnete den Bauch des Klaviers, und das MÀdchen hatte Angst, dass er in den Bauch des Klaviers kroch und etwas zerstörte, aber als er ging stand das Klavier wieder genauso da wie vorher.
Bald kam die Klavierlehrerin regelmĂ€ĂŸig ins Haus. Sie erklĂ€rte dem MĂ€dchen, was es lĂ€ngst vermutet hatte, dass alle Kinder Klavier spielen lernen, aber in Wirklichkeit interessierte sie sich nicht so sehr fĂŒr alte Klaviere und kleine MĂ€dchen.
Jeden Tag an dem die Klavierlehrerin nicht kam ĂŒbte das MĂ€dchen zur festgelegten Stunde, dann blieben die Tasten verschlossen bis zum nĂ€chsten Tag. Wenn niemand zuschaute schwang es dann vorsichtig die glĂ€nzenden Kerzenhalter in ihren Scharnieren hin und her. Manchmal hĂ€tte das MĂ€dchen gerne zwischendurch die Tasten einfach ausprobiert, aber bald bemerkte das MĂ€dchen selbst, dass es nicht recht voran kam mit den aufgegebenen ÜbungsstĂŒcken, und dann regte sich ein schlimmer Verdacht. Was war, wenn es sich mit dem Klavierspielen genauso verhielt wie mit dem Radfahren? Die Eltern hatten das schönste Kinderfahrrad weit und breit aufgetrieben, der Vater selbst hatte das MĂ€dchen fest gehalten, bis es selbst genug Balance hatte, ungelenke Kreise im Hof zu ziehen, aber draußen war das Radfahren verboten. Dabei durften sogar jĂŒngere Kinder mit ihren RĂ€dern ĂŒberall in der Stadt herum brettern!
Deswegen war das MĂ€dchen eher wĂŒtend als ĂŒberrascht, als eines Nachmittags das Klavier den Flohwalzer einfach von selbst weiter spielte! Zum ersten Mal waren es die KinderhĂ€nde selbst, die den Deckel ĂŒber die Tasten schlossen, und zwar mit Karacho. An den folgenden Nachmittagen kam es immer wieder vor, dass das Klavier den Flohwalzer selbst zu Ende spielte, und manchmal sogar ein oder zwei Mal wiederholte. Dann lernte das Klavier auch noch ‚Fahre kleines Schiffchen’ selbst zu spielen. Die Großen haben mich ja grĂŒndlich herein gelegt, dachte das MĂ€dchen nun, bestimmt haben sie auch noch extra viel Geld auf den Tisch gelegt fĂŒr diesen Trick, aber da mache ich nicht lĂ€nger mit! Sollten sie das Klavier an jemand anders geben, wie sie KleidungsstĂŒcke, aus denen das MĂ€dchen herausgewachsen war, an die Kinder der Hauswirtschafterin weitergaben.
„Ich brauche ein anderes Klavier. Dieses lĂ€sst mich nicht mehr vernĂŒnftig ĂŒben,“ forderte das MĂ€dchen abends, die Arme in die HĂŒften gestemmt, wie es die Erwachsenen manchmal tun wenn sie etwas sehr ernst meinen. „Mein kleines MĂ€dchen, du bist viel zu verwöhnt,“ sagte der Vater.
Bald fand das MĂ€dchen heraus, dass sich die Eltern nicht wirklich fĂŒr Klaviere interessierten, und die Eltern bemerken die argwöhnischen Blicke, mit denen das MĂ€dchen das Klavier betrachtete, und die Unlust, mit der es darauf ĂŒbte, was die Mutter auf einen Mangel an pĂ€dagogischem Geschick seitens der Klavierlehrerin schob.
Die neue Klavierlehrerin hielten alle fĂŒr einen GlĂŒckstreffer. Sie war noch sehr jung und strahlte jenen ansteckenden Optimismus aus, mit dem junge talentierte KĂŒnstler BĂŒhnen erobern. Die Eltern waren ganz angetan von den guten Noten, mit denen die MusikpĂ€dagogin ihr Studium abgeschlossen hatte, das MĂ€dchen fand es spannend, jemanden kennenzulernen, der im Chor der stĂ€dtischen Oper mitsang, und die Klavierlehrerin freute sich ĂŒber das Geld, dass sie in zusĂ€tzliche Gesangsstunden bei einer berĂŒhmten Lehrerin investieren wollte. Allerdings hörte das MĂ€dchen lieber die Singstimme der Lehrerinnen und Geschichten aus der Oper, statt Klavier zu spielen, und in dem MĂ€dchen wuchs der Wunsch zu singen. Singen schien viel einfacher als Klavierspielen, und das MĂ€dchen machte sich mit einem Feuereifer daran, dem Klavier gerade so viel beizubringen, dass es spielen konnte wĂ€hrend das MĂ€dchen dazu sang, freilich nur in den Übungsstunden, wenn niemand so genau hinschaute und hinhörte. Dann improvisierte das MĂ€dchen notfalls jeden Tag eine andere La-La Melodie.
Vater und Mutter freuten sich zunĂ€chst ĂŒber den Übungseifer der Tochter. Sie lĂ€chelten noch, als das MĂ€dchen sich Monate spĂ€ter Gesangsunterricht wĂŒnschte. „Ach, MĂ€dchen, du hast noch die Ballettstunden, den Ponyhof, die Schachgruppe, und die Naturschutzjugend. Das reicht,“ sagten sie, „lerne lieber richtig Klavier spielen.“
Auf stetiges DrÀngeln nahmen sie das MÀdchen mit in die Oper, aber nicht zu oft, denn die PlÀtze im Parkett fand der Vater zu teuer, und andere wollte die Mutter nicht. Der Berufswunsch ihrer Tochter stand inzwischen felsenfest. Sie wollte SÀngerin werden.
Der Vater lĂ€chelte zuerst, aber ein paar Monate spĂ€ter wandte er sich ungewohnt ernst an seine Tochter. „Um SĂ€ngerin zu werden ist vor allem viel, viel Talent notwendig, viel mehr als wir alle zusammen haben,“ erklĂ€rte er. „In unserer Familie gibt es keine KĂŒnstler, wir sind alle ganz normale Leute, und du bist groß genug, um das zu verstehen, oder?“
Ich bin wirklich groß geworden, dachte das MĂ€dchen, ich weiß lĂ€ngst, dass es keine Klaviere mit Kerzenhaltern aus Gold gibt, ich weiß auch, dass nicht alle Kinder Klavier spielen, und ich verstehe, dass ich nicht wirklich Talent habe. Abends vor dem Einschlafen schĂ€mte es sich ein wenig, wenn es daran dachte, dass es das Klavier frĂŒher am liebsten weg gegeben hĂ€tte.
Der Vater sah sich klammheimlich bei PonyzĂŒchtern um, und die Mutter sah sich sicherheitshalber nach einer anderen Klavierlehrerin um, aber das Problem löste sich schneller als erwartet als die singende Klavierlehrerin zu einem grĂ¶ĂŸeren Opernhaus in eine weit entfernte Stadt zog.
Die nĂ€chste Klavierlehrerin weigerte sich nach wenigen Wochen einen Fuß in das Haus zu setzen, nachdem sie dem Geheimnis des Klaviers entdeckt hatte. Dann kam eine pummelige Japanerin, die sich mit beunruhigender Akribie bemĂŒhte, mit ihren kurzen, rundlichen Fingern den Tasten zu folgen, wenn sich das Klavier selbstĂ€ndig machte. Sie verlor kein Wort ĂŒber das Klavier, sie lĂ€chelte nur verlegen. Ich lerne vielleicht nicht viel Musik, aber ich lerne viel ĂŒber Menschen, folgerte das MĂ€dchen.
Die Naturschutzjugendgruppe brach langsam auseinander als die Kinder grĂ¶ĂŸer wurden, die Schachpartien wurden mit der Zeit langweilig weil die anderen meistens gewannen, und die Ballettstunden gab das MĂ€dchen auf nachdem der Vater auf einer Eliteauktion ein Turnierpony kaufte. Bestimmt hĂ€tte das MĂ€dchen nur gelacht, wenn es jemand daran erinnert hĂ€tte, dass es einmal vor dem Klavierstimmer gefĂŒrchtet hatte. Es drĂ€ngte selbst darauf, dass der Klavierstimmer jedes Jahr einmal kam um das Instrument in Schuss zu halten, und als der kleine, alte Mann nicht mehr kam, war es zunĂ€chst enttĂ€uscht.
Erstaunt blieb der junge Klavierstimmer, der den Kundenstamm ĂŒbernommen hatte, im TĂŒrrahmen zum Esszimmer stehen. „Dass es diesen alten Kasten noch gibt,“ entfuhr ihm halblaut.
„Haben Sie an diesem Instrument schon einmal gearbeitet?“ Das MĂ€dchen versuchte, möglichst erwachsen zu klingen.
„Das kann man wohl sagen,“ grinste der Klavierstimmer. „Wir hatten jede Menge Spaß miteinander.“ Versonnen streichelte er ĂŒber den mattschwarzen Lack ehe er das Instrument öffnete. Mit beneidenswerter Leichtigkeit spielte er irgendein atonales StĂŒck, welches das Klavier offensichtlich nicht kannte, aber das Funkeln in seinen Augen verriet, dass der Klavierstimmer wusste, welches Geheimnis das Klavier barg.
„Wo haben Sie das Instrument kennen gelernt,“ fragte das MĂ€dchen kĂŒhl.
„Musikhochschule, junge Frau,“ schmunzelte der Klavierstimmer. „Eines Tages hatte irgendein Witzbold den Kasten in die Kompositionsklasse geschoben.“
„Ach, Sie sind ein Komponist...“ Die Stimme des MĂ€dchens zitterte kaum merklich. Normalerweise sagte niemand ‚junge Frau’. Es stimmte, die kindlichen Körperkonturen hatte das MĂ€dchen langsam verloren, aber das schien niemand sonst bemerkt zu haben. Verstohlen betrachtete das MĂ€dchen den Klavierstimmer. Er wirkte eher schlaksig als schlank, seine Haare waren etwas strĂ€hnig, und seine Augen blickten unangemessen ernst. Aber er hat etwas Verwegenes, fand das MĂ€dchen, vielleicht hat er es deswegen geschafft, erwachsen zu werden und Musik zu machen.
„Eigentlich bin ich Klavierpsychologe.“ Der Klavierstimmer tat geheimnisvoll, rollte das Klavier ein wenig zur Seite und öffnete die RĂŒckseite. Ich durchschaue dich, dachte das MĂ€dchen. Ich bin Klavierpsychologe klingt besser als ich habe mein Studium abgebrochen.
„Sie glauben nicht, dass ich ein Klavierpsychologe bin?“ hakte der Klavierstimmer nach. „Ich sage Ihnen, was das Klavier mir verraten hat. Es geht mir ziemlich gut, sagt das Klavier, ich werde gut behandelt, habe regelmĂ€ĂŸig zu tun und...“
„Wie viele selbst spielende Klaviere gibt es,“ fiel ihm das MĂ€dchen ins Wort.
Der Klavierstimmer hielt inne. „Nicht so arg viele, aber ĂŒbereifrige Klaviere kommen immer wieder mal vor. Normalerweise wird nicht gerne darĂŒber gesprochen. Ist immer Ă€rgerlich wenn irgendetwas nicht nach Schema F funktioniert. Berlioz muss eins gehabt haben, und vor ein paar Wochen stand was in der Zeitung von einem FlĂŒgel in Taiwan, der den Chinesen auf den Wecker ging weil er gar nicht aufhören wollte zu spielen.“
„Was Sie nicht sagen!“
„Der Kasten hier ist ziemlich gutmĂŒtig. Ich zeige Ihnen mal was.“ Der Klavierstimmer setzte sich auf den Klavierstuhl, begann zu spielen, und schon nach wenigen Noten spielte das Klavier selbstĂ€ndig bis zum Ende.
„Waldsteinsonate,“ kommentierte das MĂ€dchen.
„Genau,“ grinste der Klavierstimmer. „Aus irgendwelchen GrĂŒnden lernen die KĂ€sten das StĂŒck besonders gerne, aber das gute StĂŒck hier hat richtig Talent, und repertoiremĂ€ĂŸig ungewöhnlich viel zu bieten.“
„Ich weiß, es lernt sehr schnell.“
„Noten lesen kann natĂŒrlich kein Instrument, aber je mehr darauf gespielt wird, desto eifriger wird das Klavier,“ ergĂ€nzte der Klavierstimmer. „Der Nachteil ist, dass sich die AktivitĂ€ten mit der Zeit auf die Mechanik schlagen. Da muss demnĂ€chst was passieren.“
„Aber das Klavier ist komplett neu ĂŒberholt worden ehe meine Eltern es kauften.“
„Der ĂŒbliche Beschiss,“ meinte der Klavierstimmer ungerĂŒhrt. „Hier wurde höchstens der Filz an den HĂ€mmern ein bisschen glattgeraspelt, ansonsten steht das Teil noch genau so da wie es in der Oper gestanden hat.“
Das Klavier kam tatsĂ€chlich aus der Oper! Plötzlich fĂŒhlte das MĂ€dchen ein merkwĂŒrdiges Kribbeln in der Magengrube. Das musste an dem Klavier liegen, oder?
„Gell, da staunen Sie,“ schmunzelte der Klavierstimmer. „Der Klimperkasten kennt alle gĂ€ngigen KlavierauszĂŒge, was fĂŒr Korrepetitoren natĂŒrlich eine feine Sache ist. Dann kam irgendwer auf die Schnapsidee, Wozzek zu inszenieren. Der hölzerne Kollege hĂ€tte es vielleicht geschafft, aber der grĂ¶ĂŸte Teil des Ensembles war mit der Aufgabe wohl ein bisschen ĂŒberfordert. Bald lagen ĂŒberall die Nerven blank, und irgendwann begann das Klavier, sich – vorsichtig ausgedrĂŒckt – ziemlich unkooperativ zu verhalten. Da gibt es normalerweise nur eine Lösung.“ Der Klavierstimmer machte eine viel sagende Handbewegung. „Und die heißt Hauklotz. In Zeiten chronisch leerer Kassen wollten sich die Verantwortlichen darauf aber nicht einlassen, und der Kasten kam in ein schalldichtes Kabuff bis er sich einigermaßen beruhigt hatte. Wie alle KĂŒnstler braucht auch so ein talentiertes Klavier nĂ€mlich sein Publikum, sonst ist die Motivation schnell dahin. Monate spĂ€ter wollte die Musikhochschule ein schrottreifes Teil los werden und ließ sich auf den faulen Handel ein. Dort wanderte unser Klavier erst einmal von Abteilung zu Abteilung, und schauen Sie, was es da als erstes gelernt hat!“
Der Klavierstimmer schlug gerade so viele Tasten an dass das MĂ€dchen das Finale aus Rachmaninovs drittem Klavierkonzert erkannte, und das Klavier spielte den Satz zu Ende. Allerdings bemerkte das MĂ€dchen, dass das Klavier einen anderen Anschlag als der Klavierstimmer hatte, und dass der Klavierstimmer gelegentlich leicht zusammen zuckte, wenn das Klavier offensichtlich nicht ganz richtig spielte.
„Können Sie dieses StĂŒck spielen?“ Das MĂ€dchen versuchte nicht, seine Verwunderung zu verbergen.
„Jetzt ist es natĂŒrlich zu spĂ€t, ein Virtuose zu werden,“ erklĂ€rte der Klavierstimmer resigniert. „Es klingt komisch, aber erst durch mein Kompositionsstudium habe ich Rachmaninov, und ein paar andere Sachen so richtig lieben gelernt. Verbote, nichts als Verbote bis alles ins Schema des Professors passt, so habe ich mir das mit er Komposition nicht vorgestellt. Junge Frau, vielleicht können Sie sich vorstellen, was fĂŒr einen dicken Hals so ein Prof, der die schöpferische Freiheit fĂŒr sich gepachtet hat, jedes Mal gekriegt hat wenn dieses gute StĂŒck seiner Meinung nach Ă€ußerst unpassend dazwischenklimpern musste! Das Ding versuchte sogar zu improvisieren, war aber nicht besonders gut.“
„ErzĂ€hlen Sie mir mehr von der Musikhochschule, bitte,“ bettelte das MĂ€dchen.
Das tat der Klavierstimmer ausfĂŒhrlich, er erzĂ€hlte viele Geschichten aus der KĂŒnstlerwelt, und zwischendurch entlockte er dem Klavier immer neue StĂŒcke. „Halten Sie den Kasten beschĂ€ftigt, aber ĂŒberlegen Sie sich bis zum nĂ€chsten Mal was mit der Mechanik werden soll,“ riet der Klavierstimmer ehe er ging.
Es ist nicht schlimm wenn ich selbst nichts zuwege bringe. Das Klavier hat wahrscheinlich auch nicht genug Talent. Es gibt genug besser klingende Klaviere, bei schweren StĂŒcken spielt es manchmal falsch, es hat einen hĂ€rteren Anschlag als der Klavierstimmer, und nicht einmal der hat es geschafft, KĂŒnstler zu werden, ĂŒberlegte das MĂ€dchen mit glĂŒhenden Wangen als es in den folgenden NĂ€chten nicht schlafen konnte. Ich muss den Klavierstimmer heiraten!
Die Eltern zeigten ihren Unmut nicht als sie die zweieinhalb in Rechnung gestellten Arbeitstage zahlten, nahmen sich aber vor, zukĂŒnftig einen anderen Klavierstimmer zu bestellen. DarĂŒber hinaus suchte die Mutter nach einer neuen Klavierlehrerin, denn die heuchlerische Japanerin war plötzlich nach Tokio zurĂŒckgekehrt.
Die neue Lehrerin war eine in jeder Hinsicht grundsolide Mittvierzigerin die nie ohne Metronom ins Haus kam. „Wenn sich ein Talent zeigt muss es nach allen Regeln der Kunst zurecht gestutzt werden damit es ĂŒberhaupt in die Welt passt. Dies ist meine ehrenvollste Aufgabe,“ verkĂŒndete sie feierlich. Routiniert zwang sie das Klavier in ihren Rhythmus ohne ein Wort ĂŒber widerspenstige Klaviere zu verlieren, und tatsĂ€chlich legte sich der Eifer des Klaviers allmĂ€hlich in den nĂ€chsten Monaten. Gelegentlich spielte es noch den ‚Liebestraum’ wenn die Klavierlehrerin nicht da war, aber enttĂ€uschend uninspiriert, wie das MĂ€dchen fand, und schließlich blieb das Instrument stumm wenn keine Hand die Tasten anschlug.
Inzwischen legte das MĂ€dchen gesteigerten Wert darauf, als Frau angesehen zu werden, und wenn die ĂŒber das Klavierspielen nachdachte, kam sie zu dem Schluss, dass sie nur noch wegen dem Klavierstimmer durchhielt. Nachdem im folgenden Jahr ein Fremder das Klavier stimmte fielen ihre tĂ€glichen Übungseinheiten immer öfter aus. Die Klavierlehrerin kam nur noch vierzehntĂ€gig und schließlich gar nicht mehr. Das Klavier wurde ins Kaminzimmer geschoben.
Wenn sie den Klavierstimmer schon nicht haben konnte, dann wenigstens den Bassgitarrist der Schulhofband in seinem klapperigen Ford Granada. Hinterher blutete sie wie verrĂŒckt, nahm sich vor, nie zu heiraten, und bei MĂ€nnerbekanntschaften Musiker von vornherein zu meiden. Nach der Schule ĂŒberzeugten ihre Eltern sie, dass sie nicht zu studieren brauchte, also wurde sie erst einmal Springreiterin und erledigte nebenher die Buchhaltung in vĂ€terlichen BĂŒro bis sie einen französischen Betriebswirt heiratete . Den verließ sie bald ehe er alle Knochen in ihrem Leib zerschlug, aber nachdem sie ein paar Jahre spĂ€ter einen netten jungen Angestellten aus Vaters BĂŒro heiratete ging alles seinen gewöhnlichen Gang. Sie blieb zuhause, bekam zwei Kinder, die glĂŒcklicherweise groß wurden ohne sich fĂŒr Musik zu interessieren, der Mann kaufte das IngenieurbĂŒro, der Vater setzte sich zur Ruhe und starb frĂŒh, der Mann holte sich eine JĂŒngere ins Haus und die besseren RechtsanwĂ€lte.
„Ich habe schon ein paar Mal daran gedacht, das Klavier wegzugeben. Du spielst ja doch nicht mehr darauf,“ sagte ihre Mutter, nachdem sie wieder im Elternhaus lebte, vorĂŒbergehend, wie sie sich selbst gegenĂŒber versicherte. AltertĂŒmlich und ein wenig schĂ€big kam ihr das Klavier in seinem stumpfen schwarzen Lack vor, wie ein nutzloses Andenken an eine lĂ€ngst vergangene Zeit. Scheinbar gleichgĂŒltig legte sich ihre linke Hand an die Tastatur und die Finger schlugen ein paar unzusammenhĂ€ngende Töne an. „Arg verstimmt,“ urteilte sie.
„NatĂŒrlich,“ bestĂ€tigte die Mutter. „Weißt du noch, wir haben damals die Mechanik erneuern lassen und dann hast du ein paar Monate spĂ€ter aufgehört zu spielen?“
NatĂŒrlich, dachte die Frau, und sie hĂ€tte das Klavier nicht zu öffnen brauchen, um zu wissen, dass es damals tatsĂ€chlich ein fabrikneues Innenleben bekommen hatte.
„Seither haben wir es noch zwei oder dreimal stimmen lassen, aber die Zeiten, in denen wir uns ĂŒberflĂŒssige Geldausgaben erlauben konnten sind vorbei,“ fĂŒgte die Mutter hinzu.
Damit kann ich leben, sagte sich die Tochter insgeheim, wenigstens bezeichnen mich die Leute nicht mehr hinter vorgehaltener Hand als hauptberufliche Tochter. „Keine Sorge, sagte sie, „ich lasse das Klavier stimmen.“ Das Kaminzimmer wurde nie hĂ€ufig genutzt, aber wenn sie hindurch ging und das Klavier betrachtete war es so, als fĂŒhlte sie ein Loch in ihrem Bauch. Nach und nach suchte sie sich die alten Notenhefte zusammen, unbeholfen versuchte sie zu spielen, aber es wollte ihr nicht gelingen, die Noten zu wirklich lebendiger Musik zusammenfließen zu lassen, und ohne ihre HĂ€nde blieb das Klavier stumm. Von sich aus spielte es keine einzige Note mehr.
Vielleicht hat es die falsche Mechanik eingesetzt bekommen, ĂŒberlegte die Frau, vielleicht brauche ich einen Klavierpsychologen.
Der einzige Klavierpsychologe, den sie kannte stand allerdings nicht mehr im Branchenfernsprechbuch, aber es gab eine große Werbeagentur, deren GeschĂ€ftsfĂŒhrer den gleichen Namen hatte. Sie ließ sich die Durchwahl geben, und als sie anrief erkannte sie gleich die Stimme, die sie einst so sehr geliebt hatte. „Ich brauche einen Klavierpsychologen,“ sagte sie, und schlug einen Termin vor.
„Aha, die junge Dame mit dem talentierten Klavier,“ bemerkte er mit einem aufgesetzten LĂ€cheln. Fett war er geworden, seine Haare schĂŒtter und glanzlos, und die Augen funkelten zynisch, aber das weiße Hemd und der teuere Anzug standen ihm gut. Die SekretĂ€rin servierte Kaffee.
„Richtig,“ bekrĂ€ftigte die Frau, „es spielt nicht mehr, jedenfalls nicht mehr von selbst. Kann es daran liegen, dass die falsche Mechanik eingebaut wurde? Sie verstehen doch etwas von Klavierpsychologie.“
Er schĂŒttelte den Kopf. „Klavierpsychologie,“ wiederholte er mit einem sarkastischen Zucken um die Mundwinkel und lehnte sich in seinem Sessel zurĂŒck. Das schwarze Kunstleder knirschte. „Was habe ich meinen Kunden damals nicht alles erzĂ€hlt! Im Grunde genommen erzĂ€hle ich meinen Kunden heute auch nichts anderes als Geschichten, die sie hören wollen, nur auf einem viel höheren Niveau, auch finanziell. Die Musik und das Klavierstimmen habe ich drangegeben. Hat sich nicht gelohnt. Ich kann Ihnen nicht weiterhelfen.“
Eilig verabschiedete sie sich. Als sie das BĂŒrogebĂ€ude verließ wischte sie sich die Feuchtigkeit aus den Augenwinkeln. Es gibt keine TrĂ€ume mehr, gestand sie sich, es gibt schon lange keine TrĂ€ume mehr. Die Erkenntnis mag die eine oder andere TrĂ€ne wert sein, die erste seit vielen Jahren, aber die braucht die Welt nicht zu sehen. Es gibt keine TrĂ€ume mehr, wiederholte sie zuhause, kein Talent, und erst recht keine von selbst spielenden Klaviere mehr. Nicht einmal meine ehemalige Klavierlehrerin hat es geschafft, jawohl, sie hatte die kurze Meldung, die von dem BĂŒhnenabschied der SĂ€ngerin, die ĂŒber fĂŒnfundzwanzig Jahre im Staatsopernchor gesungen hatte, aus dem Hochglanzmagazin ausgeschnitten und aufbewahrt. Es gibt kein Talent, es ist alles gelogen, wie die Vorliebe fĂŒr Gartenarbeit, die Mutter entwickelt hat seit kein Geld mehr fĂŒr den GĂ€rtner da ist.
Nicht einmal nachts schienen die TrĂ€ume zu ihr zu finden. Die Frau schlief so fest, dass sie morgens nach dem Erwachen schwören könnte, ĂŒberhaupt nicht zu trĂ€umen. Kein einziges Mal setzte sie sich in den folgenden Monaten an das Klavier, sie mied das Kaminzimmer, was nicht weiter auffiel, da es noch nie hĂ€ufig benutzt wurde.
Wie lebt es sich ohne Talent, wenn jemand ein Leben lang an das eigene Talent geglaubt hat? Lange grĂŒbelte sie ehe sie ihre frĂŒhere Klavierlehrerin anrief.
„Ah, das MĂ€dchen mit dem französischen Klavier!“ Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang unverfĂ€nglich fröhlich, aber sie traf die Frau so schmerzhaft wie sie es nie vermutet hĂ€tte. Seit ewigen Zeiten hatte sie niemand mehr MĂ€chen genannt, und offensichtlich nahm diese unverschĂ€mte Person von einer gescheiterten KĂŒnstlerin sie ĂŒberhaupt nicht ernst. „Übrigens, ich male jetzt viel. MĂ€dchen, magst du einmal kommen und dir die Bilder anschauen?“
Wie eine BarockfĂŒrstin schwebte die Klavierlehrerin, die nun Malerin war durch die mit Möbeln, LeinwĂ€nden, und allem möglichen Krimskrasms vollgestopften RĂ€umen der ehemaligen Bauerkate, und wĂ€hrend die Frau ihr folgte, musste sie aufpassen, dass sie nicht ĂŒber irgendwelche Dinge auf dem Fußboden stolperte. „Nur keine falsche Scheu,“ sprach die Lehrerin, eine Spur zu laut und zu jovial, und kramte einige bunt bemalte LeinwĂ€nde hervor. Die Jahre an der Oper hatten nicht nur ihre Stimme abgenutzt, sie hatten sich auch unvorteilhaft auf den HĂŒften der ehemaligen Lehrerin niedergeschlagen, stellte die Frau insgeheim fest. Das Makeup war auch ein wenig zu grell geraten. „Na,“ sprach die Lehrerin optimistisch, und hielt ein besonders buntes Bild vor sich.
Das ist nie und nimmer Kunst, hĂ€tte die Frau am liebsten gesagt. Tanzende KĂŒhe, Nachtgeistwolken, und dieses ganze gegenstĂ€ndliche Zeugs ist meilenweit davon entfernt, die Kunstgeschichte zu bereichern, hĂ€tte sie am liebsten geantwortet, aber sie beließ es bei dem einen oder anderen höflichen Kommentar zu den Bildern.
„Gib dir keine MĂŒhe,“ sprach die Lehrerin plötzlich und stemmte ihre starken Arme in die HĂŒften. „Ich weiß, was du wirklich denkst, aber sag mal, was ist eigentlich aus deiner Klavierspielerei geworden?“
„Ich spiele schon lange nicht mehr, es lohnt nicht wenn zuwenig Talent da ist, “ antwortete die Frau.
„Ich habe schon so etwas kommen sehen mit dir,“ meinte die Lehrerin, „und ich verrate dir ein ganz gemeines Geheimnis: Du hattest von vornherein keine Chance, MĂ€dchen, und das hat nicht am Talent gelegen, sondern an den Menschen, denen du dein Talent anvertraut hast. Jetzt glaubst du, du hast ein bisschen Kunstverstand ausgeliehen, aber du hast viel zu viel Schiss vor einer Blamage, um auch nur den Versuch zu machen, selbst etwas zustande zu bringen.“ Mit ausladender Geste zeigte sie auf die LeinwĂ€nde. „Ich weiß, dass ich kein Genie bin, aber dies sind meine Bilder, und wenn sie nicht gut genug fĂŒr dich oder andere sind, so sind sie gut genug fĂŒr mich. Gerade bekomme ich Lust, ein neues zu malen, also entschuldige mich bitte,“ fĂŒgte sie hinzu.
Sie hat mich tatsĂ€chlich rausgeschmissen! WĂŒtend wie schon lange nicht mehr klemmte sich die Frau hinter das Steuer, und dachte gar nicht mehr daran, dass sie vergessen hatte, ĂŒber das Klavier zu reden.
Ich habe auf der Welt nichts bewegt, aber dies ist mein Klavier, sagte sie sich als sie das Instrument am nĂ€chsten Morgen wieder ins Esszimmer schob. Ich werde darauf spielen so gut ich kann egal wie trivial die StĂŒcke sein mögen, und sebstverstĂ€ndlich werde ich alle StĂŒcke, die das Klavier vergessen hat zu Ende spielen.
Auch wenn ihre Finger unbeweglicher geworden waren setzte sie sich tagtĂ€glich mit dem gleichen Ernst wie damals, als sie von einer Karriere als SĂ€ngerin getrĂ€umt hatte, an ihre Übungen, und bald kehrten auch nachts die TrĂ€ume zurĂŒck. Allerdings waren es verwirrende, bedrĂŒckende Szenen, die sie manchmal aus dem Schlaf rissen, wie der Traum von ihrem eigenen Klavier, das plötzlich ĂŒberhaupt keinen Ton mehr von sich gab egal weliche Tasten sie anschlug. Es hat Bauchweh vor Angst, diagnostizierte ein echter Pychologieprofessor, der eine so exorbitant hohe Rechnung ausstellte, dass der Gerichtsvollzieher nicht nur das Haus sondern auch das bisschen Talent pfĂ€nden musste, ehe sie erwachte.
So ein Quatsch! Sie strich sich den kalten Schweiß aus der Stirn, setzte sich auf aber ließ das Licht aus. Wegen einem alten Kasten aus Holz und Metall lohnt es nicht, sich aufzuregen, und mehr ist das Ding nicht. Sie seufzte und legte sich wieder hin. War da nicht ein GerĂ€usch, nein? Sei vernĂŒnftig, du bist eine lebenserfahrene Frau!
Unten im Eszimmer spielte das Klavier derweil den Flohwalzer, aber so leise und vorsichtig, dass kein Mensch ihn hören sollte.

__________________
Esel sei der Mensch, störrisch und klug

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Rolf-Peter Wille
???
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Bravo, Antaris,

das ist ja toll! Du hast es also tatsaechlich in die Tat umgesetzt. Dies scheint mir in mancher Hinsicht ein weibliches Gegenstueck zu meiner etwas kargen und anti-sentimentalen Satire. Besonders gut gefaellt mir die Beschreibung des antiken franzoesischen Klaviers (bei Berlioz war's ein Erard). Es erinnert mich sofort an die Zeit meiner Kindheit - ich spielte im "Laufstall" - und meine Mutter trug Mozarts Sonata facile auf dem (noch nicht verschimmelten) Schimmel Klavier vor, mit brennenden Kerzen in den Kerzenhaltern. Noch heute denke ich an Kerzen, wenn ich Mozart hoere.

Ich habe uebrigens noch einmal die Berliozsche Erzaehlung ("Der verrueckte Fluegel") gesucht. Sie steht doch nicht in den "Memoiren", wie ich faelschlicherweise angenommen hatte. Hier eine Kurzfassung:

quote:
"Eine herrliche TonfĂŒlle, noch nie gehörte Gewalt der BĂ€sse, kurz: ein außergewöhnliches Instrument. Nur die Tasten gingen ein bißchen schwer..."
[Aber das Ă€ndert sich. Siebenundzwanzigmal hintereinander das selbe KonzertstĂŒck, immer leichter gehen die Tasten, bei der 28.Kandidatin, einer besonders flinkfingrigen Person, scheint sich die Klaviatur schon zu bewegen, wenn man sie nur anhaucht, bei Kandidat 29 bewegen sich die Tasten wie von selbst und bei Kandidat 30 ist es dann soweit:]
quote:
"Nach dem letzten Akkord, wie er eben aufsteht, fĂ€ngt da nicht der FlĂŒgel das Konzert ganz allein wieder von vorne an?! Der arme junge Mensch lief davon, so schnell er nur konnte. Der FlĂŒgel aber, dessen Ton von Minute zu Minute stĂ€rker anschwillt, lĂ€ĂŸt sich nicht stören und spielt seine Tonleitern, Triller und Arpeggien herunter. Er hat sich an das Mendelssohnsche Konzert gewöhnt und trĂ€gt es ganz allein vor. Wir suchten nach Herrn Erard. WĂ€hrenddessen wurde dieser niedertrĂ€chtige FlĂŒgel mit seinem Konzert fertig und fing es wieder von vorne an, attacca, ohne eine Minute zu verlieren, immerfort mit grĂ¶ĂŸerem LĂ€rm, als wĂ€ren es vier dutzend Klaviere im Unisono; LĂ€ufe, Tremolos, Passagen in Sexten und Terzen mit verdoppelter Oktave, zehnstimmige Akkorde, dreifache Triller, ein Platzregen von Tönen, das Pedal, der Teufel und seine Großmutter."
[Der verrĂŒckt-gewordene FlĂŒgel von Hector Berlioz landete auf dem MĂŒll, in StĂŒcke geschlagen, und spielt dort immer noch weiter und weiter, vermutlich bis auf den heutigen Tag.]

Aber Dein Klavier spielt sogar Rach.3, (an dem Schinken habe ich 6 Monate geuebt), es muss ja ein Mordsgedaechtnis haben, alle Achtung! Und es lebt auch noch, unzerhackt...

Liebe Gruesse,
Rolf-Peter

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Antaris
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Genie und Wahnsinn

Hallo Rolf-Peter,

danke fĂŒr Dein Expertenurteil und Deine Recherchen. Nachdem Du netterweise sogar ein Teil von dem Originaltext zitierst bin ich mir sicher, dass ich die Geschichte vor langer, langer Zeit einmal gelesen habe, und zwar in einem MĂ€rchenbuch in der SchulbĂŒcherei. Ich fand sie damals schon doof ( auf Erwachsenendeutsch: vom Schluss her unbefriedigend) und hatte sie schnell wieder vergessen. Nun will ich aber mal versuchen, den Originaltext irgendwo aufzutreiben.

Eine Bekannte, sie ist TĂ€nzerein, hat so ein großes, altes Klavier mit Messingkerzenhaltern. Es klingt zwar nicht toll, irgendwie nach Kneipe, aber sowas Ă€hnliches mĂŒsste es schon sein fĂŒr die Geschichte, habe ich mir gedacht.

Als klavierpsychologischer Laie vermute ich mal, dass ein gutes GedĂ€chnis das Allerwichtigste fĂŒr ein selbst spielendes Klavier ist. So bald es seine Mechanik unter Kontrolle hat braucht es sich nicht mehr mit den UnzulĂ€nglichkeiten menschlicher Feinmotorik herumzuĂ€rgern. Es braucht nicht viel ĂŒber Menschen nachzudenken, es verliebt sich nicht in seinen Klavierstimmer, es wird vermutlich seine ganze Energie darauf konzentrieren, die StĂŒcke, die es mag, auswendig zu lernen. Das ist sein Leben.

Mit seinem RiesengedĂ€chnis soll mein Klavier ein echtes Ausnahmetalent unter den selbst spielenden Klavieren sein *stolz ummichblickend*. Es ist auch schlauer als die meisten Klaviere seiner Art, es spielt normalerweise nicht zu oft dasselbe und es arrangiert sich mit den Korrepetiotern. Zeitweise waren die Bedingungen fĂŒr das Klavier wirklich ideal. In der Musikhochschule brachten ihm viele ehrgeizige HĂ€nde mehr bei als ein einziger Mensch spielen könnte, und es ist alt. Nicht einmal der Klavierstimmer weiß, wo es ĂŒberall herumgekommen ist. Nun steht es allerdings verschĂŒchtert in seinem Zimmer und traut sich kaum noch an Kinderlieder. Manche Talente mĂŒssen eben im Verborgenen blĂŒhen.

Rachmaninovs Klavierkonzerte scheinen wirklich nur was fĂŒr ganz Verwegene zu sein. Wir hatten mal eine in unserer WG die sich mit jenem notorischen Dritten Klavierkonzert abgeochst hat, aber wir mussten sie ziemlich bald rausschmeißen weil sie stĂ€ndig vergaß, WasserhĂ€hne zu schließen oder Herdplatten auszustellen. UngefĂ€hr ein Jahr spĂ€ter kam dann der Film "Shine" in die Kinos...was es nicht alles gibt!

Das GedÀchnis des Klaviers ist ausgezeichnet, aber nicht perfekt. Vielleicht sollte ich das besser ausarbeiten, und ein paar sprachliche Macken fallen mir auch noch auf. Wenn Dir was auffÀllt, sag ruhig was.

LG

Antaris
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GabiSils
???
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Liebe Antaris,

"außerdem muss das Klavier noch nicht gestimmt" ist mir aufgefallen <s>

Kommt noch eine verÀnderte Fassung? So lange Texte sind schwer zu lektorieren, und wenn du's selber tust, um so besser.

Sehr schöne Geschichte! Ein wenig feilen und Fehlerchen ausbessern, dann hat sie ein "perfekt" verdient.

Gruß,
Gabi

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Antaris
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Hi Gabi,

klar schreibe ich noch mindestens eine verfeinerte Fassung! Ich schreibe meine Texte erst einmal runter, dann versuche ich nach und nach die Macken auszumerzen. Meist fallen mir die Fehler erst beim lauten Lesen auf, und deswegen bin ich Dir fĂŒr jeden Redigierfehler den Du findest sehr dankbar.

Freut mich, dass auch Dir die Geschichte gefÀllt. Ich hatte schon Bedenken, die Protagonistin kommt mir nicht sehr sympathisch vor.

LG Antaris
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