Ich möchte einen Vorschlag machen, vielleicht ist der schon von anderen gemacht worden, aber noch nicht von mir. Also: Ich möchte ein Forum für Knatterlyrik. Die meiste, die unter diese Kategorie fallen würde, erntet schlechte Bewertungen oder andernfalls gar keine, und versinkt im zweiten Fall in der Bedeutungslosigkeit, und im ersteren in der Textklinik. Daher möchte ich euch ermutigen, Lyrik, die von vorne bis hinten nur so knattert, hier zu posten. Und damit meine ich nicht primär solche, wo das Metrum hinkt, das wäre mir ein zu kleingeistiger Begriff von 'knattern'. Ich meine eher solche, die 'auf gute Weise schlecht ist', also abgegriffene Klischees transportiert, das aber auf freiwillig komische Weise. Vielleicht erarbeiten wir dann ex negatione die Aspekte, die Lyrik gut machen, wenn wir bewusst das schlechte suchen. Bisher läuft es hier ja so, dass knatternde Texte daraufhin diskutiert werden, was man an ihnen besser machen kann. Ich will schlechten Texten ein Forum bieten, die freiwillig und bewusst Formen des gut gemachten Schlechtseins exponieren. Das nenne ich Knatterlyrik, oder vielleicht sind es nur Karikaturen von Knatterlyrik, was aber immer noch den Effekt haben kann, an ihnen Kriterien 'schlechter' Texte zu exerzieren, ohne dass sie gleich immer in der Textklinik landen und damit jenseits aller Wahrnehmungsgrenzen. Mut zu schwachen Texten.
__________________
"Wenn ich mir die Sehe zuhalte, kann ich nichts mehr augen. War selbst, merkste doof, nich?"
Bearbeiten/Löschen ebook Druckversion
Carlo Ihde Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2007
Achso: ich wollte ja gleich noch ein Beispiel geben.
Die eine Hälfte
des Tages bin ich hier
Die andere Hälfte
des Tages bin ich da
Die letzte Hälfte
des Tages bin ich dort
ich war immer schon
ganze Hälften von Tagen
immer irgendwo.
Ein Drama.
__________________
"Wenn ich mir die Sehe zuhalte, kann ich nichts mehr augen. War selbst, merkste doof, nich?"
Bearbeiten/Löschen
lapismont
Foren-Redakteur Routinierter Autor
Registriert: Jul 2001
Man bohrt Löcher in Bretter
steckt Finger hindurch
dreht der Maserung Gesichter
und dennoch bleibt
der Sarg geschlossen
bis das alles
Würmer wiederholen
Moin Carlo,
jeder trägt eine eigene Definition des Knatterns mit sich rum. Bei dem einen knattert es im Bauch, dem andern knattern die Schnurrbarthaare. Darum bedarf es nicht eines Forums für Knatterei sondern knatterfreier Kommentare.
Auch fühlt man sich schon satter,
hört man des anderen Geknatter.
__________________
Kunst passiert.
Ich nehm erst mal alle Versuche an, aber so richtig knattern tut es in euren beiden Gedichten noch nicht. Vielleicht ist es schwer, mich vertändlich zu machen: am liebsten sind mir als Knatterlyrik solche Texte, die sich selber entgleiten, bei ihrem Anspruch und ihrer Ausformung entgleiten und der Autor merkt es nicht, oder so. Nur: dass wir das hier eben bewusst ausreizen. Vielleicht noch ein Beispiel:
Als ich jung war, war
ich der König der Wiese.
Ich pflückte ein Blümchen
so zeidig zart wie deine Haut
und stellte es in eine
Vase namens 'Ehe'.
Dort verwelkte es.
So ist das Leben.
Na, ist das nicht ... scheiße?
Grüße
__________________
"Wenn ich mir die Sehe zuhalte, kann ich nichts mehr augen. War selbst, merkste doof, nich?"
Nicht gerade scheißerer als mein Geknitter, Carlo. Es kommt halt drauf an, wie man sich Gedichten nähert, sprich welche Hinterbacke die Muse grad geküsst zu haben den Anschein gehabt haben würden tut. Obwohl... dein Schluss...
__________________
Der Ohrenschützer
Bearbeiten/Löschen
18 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.