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Leselupe.de > Erzählungen
Kneipengast (Teil 2)
Eingestellt am 18. 01. 2010 02:20


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Diana Leibacher
Autorenanwärter
Registriert: Aug 2000

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„Hi!“
Dieses einfache Wort hätte Jannik beinahe umgeworfen, so perplex starrte er sie an. Er musste sich beherrschen nicht zu blinzeln, während ihm alle möglichen Varianten des Selbstweckens durch den Kopf gingen. Sie lächelte ihn amüsiert an und schien genau zu erraten was in ihm vorging, also zwang er sich zu einem Lächeln und antwortete ebenfalls mit einem zögerlich fragenden:
„Hi?!“
Ihr plötzliches Lachen erschütterte ihn, denn im ersten Moment fühlte er sich angegriffen. Aber es war so ansteckend wie es eben nur in absonderlichen Situationen sein konnte und so lachten beide bis sie sich hilfesuchend an der Wand abstützen mussten.
Immer wieder brach es von neuem aus einem von Beiden heraus, sodass sie irgendwann erschöpft Atem holen mussten. Endlich war der Bann gebrochen.
Jannik überlegte fieberhaft wie er nun weiter machen sollte, doch sie nahm ihm die Entscheidung ab, indem sie einfach seine Hand ergriff und ihn in die Richtung der nächsten U-Bahn-Station zog.
„Wir sollten uns beeilen, sonst verpassen wir den Anfang.“, sagte sie schmunzelnd.
Er lies sich mitziehen, denn einerseits genoss er es, andererseits war er noch nie in einem Musical gewesen und mit seinem FC-Schal sicherlich recht unpassend gekleidet. Er verkniff sich jedoch einen Kommentar diesbezĂĽglich und rannte dann doch neben ihr her.

An der Bahnstation angekommen, konnten sie gerade noch durch eine der schließenden Türen huschen und setzten sich etwas abseits der anderen Fahrgäste gegenüber. Zuerst herrschte peinliche Stille und beide spielten mit den Fingern, ehe sie aufsahen und gleichzeitig zu sprechen anfingen.
„Dein Name ist also Swan….“
„Hast du wirklich die Karten….“

Wieder mussten beide Lachen, aber es hielt zum GlĂĽck nur kurz an. Jannik hob die Hand und deutete dann auf die junge Frau.
„Sie zuerst.“ Er stockte kurz „Da wir schon beim Du waren, Du zuerst.“
Nickend lehnte sich Swanja ein StĂĽck zurĂĽck und musterte Jannik von oben bis unten. Sie zuckte mit den Schultern und deutete auf den Schal.
„Hast du wirklich die Karten für mich gekauft? Du siehst eher so aus, als wolltest du zu einem Fußballspiel gehen.“
Sofort wurde ihm heiĂź und seine Hand legte sich unbewusst schĂĽtzend auf den Schal.
„Naja ich …,“, er ließ kurz den Kopf hängen, hob ihn jedoch sofort wieder. Irgendwie wollte er kühn ihr gegenüber sein, aber sich nicht in Lügen verstricken. Er räusperte sich, „Nein, ich habe die Karten nicht gekauft. Eigentlich war ich tatsächlich mit einem Freund zum Spiel verabredet. Er hat mir dann aber die Karten in die Hand gedrückt und gemeint ich soll mein Glück versuchen. Tadaa, da bin ich!“ bei den letzten Worten breitete er schwungvoll die Arme aus.

Swanja legte den Kopf schief und kniff die Augen zusammen, dann beugte sie sich nach vorne. Wieder wurde es Jannik recht heiĂź, als sie so Nahe herankam und er versuchte nicht so auszusehen, als wĂĽrde er zur Schlachtbank gefĂĽhrt.
Ihre Hände hatten indessen den Schal ergriffen und in die Handtasche gestopft. Der Kragen des Ledermantels stand auf einmal aufrecht und wurde aufgeknöpft. Das schlichte Hemd das Jannik trug wurde sauber geschlossen, bis auf die letzten zwei Knöpfe.
Während ihre Finger über seine Kleidung strichen musste er indessen an sich halten nicht schwer aufzuseufzen, ihre Nähe machte ihn wahnsinnig. Erst als sie wohl schon zum dritten Mal etwas gesagt hatte richtete er seine Aufmerksamkeit auf ihren Mund und versuchte das Gesprochene zu verstehen. Sie deutete energisch auf sein Geschlecht, sodass er ruckartig nach unten sah ob noch alles in Ordnung sei. Ganz langsam drang zu ihm durch was sie wollte.

„Hallo? Du solltest das Hemd in die Hose stecken.“
Er hob den Hemdzipfel fragenden Blickes hoch.
Angeheitert hielt sie sich die Hand vor den Mund und war kurz vor dem losprusten. „Ja, genau dieses Hemd oder hast du noch ein zweites versteckt?“
Hastig sprang er auf und begann die Hose zu öffnen, dann sah er ihren beobachtenden Blick und drehte sich schwungvoll zu den anderen Fahrgästen um, die nicht minder interessiert sein Vorhaben verfolgten. Hinter sich hörte er ihr unterdrücktes Kichern, presste die Lippen beschämt zusammen und stopfte hastig das Hemd in die halb geöffnete Hose. Endlich war es vollbracht und er wandte sich zu ihr um.

Ihr nun prüfender Blick machte ihn nervös, aber als sie schlussendlich nickte, setzt er sich mit einem schweren Seufzer wieder auf die Bank und streckte die Beine aus.
„Sieht schon viel besser aus.“
„Wirklich?“ fragte er unsicher und sah sogleich zu den spiegelnden Fenstern der Bahn. Er musste zugeben, dass sie Recht hatte und zupfte verlegen am Hemdkragen herum.
„Ja, natürlich. Gut, die Jeans ist ein bisschen abgewetzt, aber das wird wenn wir erstmal sitzen eh niemandem mehr auffallen.“ Meinte sie ruhig.
Jannik musterte nun seine Begleiterin ebenfalls und erst jetzt fiel ihm auf, dass sie keine Brille trug und auch ihr Haar offen auf den Schultern lag. Er unterdrückte den Drang eine Strähne zu berühren und leckte unruhig die Lippen.
„Tja, ich wollte vorhin eigentlich fragen, wie du zu diesem schönen Namen gekommen bist.“, er schluckte krampfhaft.
Sie indessen konnte sich das Grinsen nicht mehr verkneifen und antwortete lapidar „Ich glaube meine Mutter hat ihn mir gegeben.“

Sofort sackten seine Schultern herunter und er schĂĽttelte den Kopf. Wie viele dumme Fragen musste er noch stellen, um sich endgĂĽltig zu blamieren?
Das Räuspern aus ihrer Richtung ließ ihn wieder aufschauen.
„Hey, nicht verzagen. Ich finde es niedlich wie du von einem Fettnäpfchen ins nächste trittst. Ich glaube sogar, wenn dem nicht so wäre, säße ich noch in meiner Wohnung.“ Aufmunternd legte sie ihren Kopf schief und reckte das Kinn vor.
Weiterhin um Worte ringend hob er die Hände abwehrend hoch, „Ich komme mir so unfähig vor.“
Eine bequemere Sitzposition suchend antwortete sie ihm, „Musst du nicht, mir gefällt es das du natürlich bist. Nicht so ein Macho oder Snob. Von denen gibt es wirklich genug auf dieser Welt.“
„Mag sein, aber manchmal wünsche ich mir schon ein wenig sicherer zu sein. Ich benehme mich wie ein vierzehnjähriger beim ersten Date.“
„Japp, genau so!“

Jetzt war Jannik wie vor den Kopf geschlagen und zuckte zurück. Gleich darauf schossen ihre Hände beschwichtigend nach vorne.
„So war das nicht gemeint. Wie gesagt, ich finde es absolut niedlich.“
„Niedlich!“
Nun ließ sie die Schultern hängen und kaute verlegen auf der Unterlippe herum. „Entschuldige, ich wollte dich nicht beleidigen.“
Jannik setzte eine theatralisch strenge Miene auf und tadelte sie auf schulmeisterliche Weise: „Ihr spielt mit meinem Herzen, als wäre es ein Sandsack. Schlagt meine Gefühle für Euch breit und lacht wenn die Nähte zu platzen drohen!“
Zuerst begriff sie nicht, doch dann ging sie auf das Spiel ein. „Grämt nicht meine harten Worte, waren sie doch unbedacht geäußert ob eurer zarten Seele. Was wünscht ihr soll geschehen, damit ihr mir verzeihen könnt?“
Schelmisch beugte er sich vor und zwinkerte kühn „Einen Kuss, Herzdame, ein Kuss wird alles verzeihen.“

Sich ebenfalls vorbeugend und mit einer Hand sein Kinn anhebend schnurrte sie zurück, „Nun denn, wenn es sonst nichts gibt was eurer Herz zur Heilung bedarf, soll es geschehen.“
Erschrocken zuckte Jannik als ihre Lippen tatsächlich die seinen berührten und ein Strom von Gedanken raste durch seinen Kopf. Angefangen mit *Das passiert nicht wirklich* bis hin zu *Mehr!*.
Der Kuss selbst war nur ein sanfter Hauch gewesen, doch als sie sich wieder trennten sahen beide sofort verlegen beiseite.

Glücklicherweise ertönte genau zu diesem Zeitpunkt die Durchsage für ihre Zielstation. Beide sprangen auf wie von der Tarantel gestochen und standen sich erneut Auge in Auge gegenüber.
Dann bot Jannik ihr seinen Arm an ohne genau zu wissen warum. Sie senkte den Kopf, legte aber ihre Hand in die seine und lieĂź sich fĂĽhren. Schweigend stellten sie sich auf die Rolltreppe und fuhren nach oben.


Fortsetzung folgt.

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