Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87708
Momentan online:
268 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Komm, wir fahren nach Amsterdam
Eingestellt am 23. 11. 2006 15:41


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Martin Iden
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2006

Werke: 6
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Martin Iden eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die gute "Ramboschore" trieb meinen Konsum hoch, und ich mu├čte mich nach der Decke strecken, um das Dope finanzieren zu k├Ânnen. Ich tauchte nur noch sporadisch an der Uni auf. Immerhin bekam ich die Zwischenpr├╝fung auf die Reihe und den Franz├Âsischsprachtest. Als ich Zwischenpr├╝fung machte, mu├čte ich aber um 8.00 Uhr fr├╝h den Iraner aus dem Bett klingeln, um ├╝berhaupt aufstehen und mich anziehen zu k├Ânnen. Mit einem t├╝chtigen Cocktail, "Herroinn" mit Koks konnte mir dann aber nichts mehr passieren, schlie├člich bin ich ein guter Historiker. Zwischendurch mu├čte ich aber noch einmal auf dem Klo verschwinden, um mir einen Druck zu machen, und ich glaube nicht, da├č mein blutbeschmierter ├ärmel einen besonders guten Eindruck auf Prof. Dr. Rudolf von Th. gemacht hat, einen Junker der alten Schule. Ich begann zunehmend das Heroin zum Mittelpunkt meines Denkens zu machen. Ich rechnete nicht in DM, Stunden oder Tagen, sondern in Schore. Ein Tag, das waren vier Spritzen. Mein K├Ârper lebte ohnehin nach dem Opiatmetabolismus. Schore war Geld, Schore war Sicherheit, Erl├Âsung vor dem Affen und den Grausamkeiten der b├Âsen Welt. Heroin, das war Macht, Ansehen, Wohlbefinden. Wenn ich Schore hatte, dann fra├čen sie mir alle aus der Hand. Erl├Âsung war schon f├╝r 25 Mark zu haben, ein McDonaldsl├Âffelchen. Man konnte Gl├╝ckseligkeit in der Hosentasche mit sich tragen oder auch per Post verschicken. Doch eines gab es nicht, niemals, Vergebung der Schulden!

Nat├╝rlich h├Ątte ich gerne aufgeh├Ârt, morgen jedenfalls oder ├╝bermorgen. Heute noch einmal satt sein, den Genu├č der Erleichterung versp├╝ren, wenn das Blut wie eine purpurne Wolke in die Spritze aufsteigt und sich die bernsteinfarbene Fl├╝ssigkeit in die Vene entl├Ądt. Morphinismus ist auch eine Art von Vampirismus, Schore bedeutet Leben, hat man keine, dann zerf├Ąllt man zu Staub.

Was mich damals sehr verbitterte, war die Verbissenheit, mit der damals in der BRD das Pro und Kontra von Methadon diskutiert wurde. Wir brauchten das Zeug, um ├╝berhaupt mal wieder Boden unter die F├╝├če zu bekommen, doch man gab es uns einfach nicht! Ich hielt eine Substitutionstherapie f├╝r die einzige M├Âglichkeit, dauerhaft vom Heroin wegzukommen.Ich stehe dem Zeug heute sehr kritisch gegen├╝ber, doch kann es S├╝chtigen sehr gro├če Erleichterung verschaffen, und nat├╝rlich w├Ąre es w├╝nschenswert, wenn seine Vergabe nicht total b├╝rokratisiert w├Ąre. Heute ist immerhin eine fl├Ąchendeckende Versorgung in der BRD gew├Ąhrleistet, wenn es auch immer noch sehr schwierig ist. Damals aber wurde uns praktisch jede wirksame Hilfe verweigert. Ja, man kriminalisierte sogar die wenigen engagierten Mediziner.

Ich lernte Peter W. kennen, einen Berliner mit einem treffsicheren Humor. Er war Internist und Facharzt f├╝r Suchtkrankheiten, sein eigener Sohn war durch den Junk und die Folgeerscheinungen zugrundegegangen. Peter W. und seine Frau, eine echte Lady, geh├Ârten zu den Wenigen, die Suchtkranke nicht aus finanziellen Gr├╝nden behandelten, denen das schicksal ihrer Patienten wirklich naheging. Doch weil er sich nicht an das damalige Methadonverbot gehalten und dennoch S├╝chtige damit behandelt hatte, wurde er von einem ├╝bereifrigen Staatsanwalt wegen Versto├čes gegen das BtMG und K├Ârperverletzung verklagt, und wagte es nicht, weitere Patienten aufzunehmen.

Ich konnte es nicht fassen, K├Ârperverletzung! Diesen Kerlen war es doch sonst auch egal, was mit S├╝chtigen geschah. Die freuten sich doch noch ├╝ber jeden toten Junkie, solange er nicht so unverfroren war, in ihrem Wohnviertel abzukratzen. Eine einzige Schweinerei, wenn ich daran denke, was f├╝r Betr├╝gereien sich manche ├ärzte geleistet haben, ohne jemals angeklagt zu werden.

Er sagte, da├č es, wenn ├╝berhaupt, noch gut und gerne f├╝nf Jahre dauern k├Ânne, bis Methadon einmal in Deutschland abgesegnet werde. Na, gro├čartig, aber so lange konnte ich wirklich nicht warten.

Ich beschlo├č, in Holland Methadon zu besorgen, doch das war ein sehr gef├Ąhrliches Abenteuer. Ich kannte auf der ganzen Welt nur einen einzigen Menschen, der f├╝r so etwas zu gebrauchen war, und der verschlagen und abgebr├╝ht, aber gleichzeitig auch ehrenhaft und vertrauensw├╝rdig war.

Ich verb├╝ndete mich daher mit meiner alten Bekannten H- Erika. Sie war genau die Richtige f├╝r ein solches Unternehmen. Erika war absolut ehrenhaft, eine der wenigen Leute, denen man Geld mitgeben konnte. Au├čerdem hatte sie einen siebten Sinn f├╝r Opiat und konnte welches auftreiben, sofern es ├╝berhaupt etwas zu kaufen gab. Sie besa├č ein nat├╝rliches Talent f├╝r den Handel wie eine listige, verschlagene Marketenderin, und sie war mehr Mann, als die meisten Kerle, die ich jemals getroffen habe. Mit dieser Mutter Courage also fuhr ich nach Amsterdam, es wurde die absolute Chaostour!

Erika hatte etwas Schore als Reiseproviant mitgenommen, doch unser Affe brauchte gar zu viel Zucker,so da├č wir in Frankfurt Rast machen mu├čten. Auf der Szene in der Taunusanlage kauften wir uns ein Pack. Doch die Frankfurter Schore taugte nichts, und schon hinter Montabaur war die Wirkung verflogen. Lange vor der Grenze wurden wir wieder ├╝bel suchtkrank.

Wir machten daher einen Umweg ├╝ber Aachen und besuchten Erikas Verteiler in einem Dorf hinter der Grenze. Dieser war, wie fast alle Kokainisten, ein ungeheurer Paranoiker, und ich mu├čte daher im Auto warten, suchtkrank!
"Ich bin gleich wieder da, mu├č nur vorher noch ganz kurz was besprechen, keine Angst, ich bin gleich wieder bei dir!"

Erika blieb geschlagene zwei Stunden weg, ich h├Ątte sie glatt erschlagen k├Ânnen! Als sie wieder kam, war sie ganz satt, man konnte es an ihrer Stimme h├Âren. Ich wollte ihr Vorw├╝rfe machen, aber sie winkte mit einem fetten Beutel. "Gleich gehts dir wieder gut, entschuldige bitte, aber ich bin da drin glatt umgegegangen, das ist mir noch nie passiert! das zeug ist fast so gut, wie dem Rambo seine Schore, und er hat noch etwas Koks dazugegeben. Das ist aber erst ein edler Stoff! Komm, schnall deinen G├╝rtel ab, jetzt kriegst du einen Cocktail, und ich kann auch noch einen vertragen, zur Feier des Tages!" Erika kochte einen fetten Druck auf und gab dann in die braune Suppe etwas Kokain, das sich wie Schnee aufl├Âste. Koks wird niemals aufgekocht. Ich war bereits ├╝bel suchtkrank, und die zwei Stunden kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Meine gewohnte Vene war verstopft, dreimal war ich bereits drin, aber meine Hand zitterte, und ich rutschte immer wieder heraus. Ich mu├čte eine Vene in der rechten Armbeuge nehmen, kam aber nicht zurecht, weil ich mit links spritzen mu├čte. Erika gab sich problemlos eine Kokaininjektion und begann permanent zu reden. Sie l├Ąchelte. "Na, dann wollen wir dich mal verarzten, warte ich gib sie dir! Sie klopfte auf die Vene und lie├č die Spritze ganz sanft hineingleiten. Ich sp├╝rte es erst, als sie abdr├╝ckte. Es war der absolute Hammer, das Koks mu├čte einen unglaublichen Reinheitsgrad gehabt haben, und die opiatdurstigen Zellen saugten die gute Hollandschore wie ein Schwamm auf. K├╝hne, verwegene Gedanken explodierten, w├Ąhrend mich die warme Opiateuphorie wie ein Zobelmantel einh├╝llte. Keinen Druck habe ich jemals mehr genossen, als diesen. Es war wie ein Orgasmus, und es dr├╝ckte mich in den Sitz. Meine Lippen wurden taub vom Kokain, und sofort war ich wieder im Olymp.

"Oh, jahh! Das ist es, das Pharmakon nepenthes!" "H├Ąh, was?" "Ach, vergi├č es, ein Kumpel sagte immer, wenn es was besseres gibt, dann hat es Allah f├╝r sich selbst behalten!" "Ein wahrer Poet, dein Freund, das ist gut!" Sie kicherte, dann l├Âste mich Erika ab und ├╝bernahm das Steuer, total auf Koks und Schore!

Wir erreichten Amsterdam gegen Mitternacht, stellten das Auto am Bahnhof ab und genehmigten uns noch einen fetten Cocktail, mitten auf dem Zeedijk! Erika kochte die Schore in ihrem L├Âffel auf, von hinten nahte eine Polizeistreife, doch sie focht das nicht an. "Ganz cool bleiben, Martin, wir sind hier im Land der Freiheit! Die interessieren sich nicht f├╝r deutsche Junkies, die wollen nur sehen, ob du das Auto nicht geklaut und genug Geld hast. Echte Freunde und Helfer, die passen sch├Ân auf deine Karre auf, sei mal ein bi├čchen h├Âflich!" Zwei Polizeibeamte schauten zum Fenster herein, w├Ąhrend sie gerade, ganz frech, zwei Spritzen aufzog. Ich konnte es nicht fassen, aber sie wollten wirklich nur davon ├╝berzeugen, da├č wir das Auto nicht stehlen wollten. Wir mu├čten nur den Autoschl├╝ssel vorzeigen, nicht einmal die Papiere. Nur eine halbe Stunde und eine Kokaininjektion sp├Ąter kam die n├Ąchste Streife, genau das selbe Spielchen, das waren wirklich pragmatische Polizeibeamte! Diesmal mu├čten wir nur den Geldbeutel vorzeigen, und sie ├╝berzeugten sich, da├č wir liquide waren. "Typen wie euch haben wir hier n├Ąmlich schon mehr als genug", sagten sie.

Erika war blendend gelaunt, in einer richtigen Husarenstimmung. Sie hatte Pupillen wie ein Waldkauz und redete wie ein Wasserfall. "Na, du alter Raubritter, heute haben wir es gut gebracht, was! Ich hab es dir ja gleich gesagt. Komm, ich will dir noch ein bi├čchen die Stadt zeigen, damit du daheim etwas zu erz├Ąhlen hast, in der Prinsengracht oder im Rijksmuseum siehst du so etwas nicht. Ah, buena cocaina! Ich bin ein wildes Weib mit Koks im Leib, soll sich blo├č keiner heute Nacht mit mir anlegen! Komm, nimm deine Kanone mit, ich lade dich zum Fr├╝hst├╝ck ein. Du mu├čt kr├Ąftig essen, sonst wirst du keine drei├čig. Wenn du erst mal in meinem Alter bist, wirst du das wissen!" Wir schlenderten ├╝ber den Zeedijk, und sie redete ohne Punkt und Komma.Vom Kokain berauscht konnten wir nicht schlafen und gingen so lange in der Stadt spazieren, bis gegen f├╝nf Uhr morgens die ersten L├Ąden ├Âffneten. Wir besichtigten die ber├╝hmt ber├╝chtigten Nutten in den Schaufenstern und waren auf der Hut. Es war nicht ganz so krass wie in Hamburg, aber das war ein anderes Pflaster, als Kassel oder Hannover.

Die ganze Stadt wimmelte damals von Deutschen, manche, vor allem ├Ąltere Niederl├Ąnder, sagten die "Moffen". Alle hatte die Hofnung hier Methadon zu bekommen hergetrieben. In der Damstraat befand sich der Methadonschwarzmarkt. Die kleinen wei├čen Tabletten wurden f├╝r zwei Gulden das St├╝ck gehandelt. Na, das konnte ja heiter werden, wer konnte so viele Tabletten auf Echtheit pr├╝fen, wenn man ├╝ber 100 Pillen kaufen will? In Sachen Koks und Schore war Erika die ungekr├Ânte K├Ânigin der Nacht, doch im Umgang mit ├ärzten und Pharmazie war ich ihr ├╝berlegen, und ich schlug vor, lieber den Medizinm├Ąnnern auf die Pelle zu r├╝cken, als auf dem Schwazmarkt die Katze im Sack zu kaufen denn ein Bekannter in Kssel hatte mir ein paar Adressen gegeben. Offenbar hatte sie kein Vertrauen in meine F├Ąhigkeiten, und sie wollte gerade mit einem Holl├Ąnder, einem total kaputten Typen, verhandeln.

"He, Erika, du solltest echt mal ein bi├čchen Vertrauen zu mir haben! La├č mich nur machen, ich bin doch Vizekoordinator vom Junkiebund, keine Ahnung, wer mich gew├Ąhlt hat, aber auch ich kenne bedeutende Zeitgenossen!" Sie blickte mich ganz mitleidig an, als sei ich ein armer Irrer. "ich glaube, das Koks ist dir zu Kopf gestiegen, Vizekoordinator! Und ich bin die Queen Victoria, hast du gewu├čt, da├č die auch auf Kokain war?" "Wo du es schon erw├Ąhnst! Wenn wir Gl├╝ck haben, k├Ânnen wir uns davon noch etwas zu naschen kaufen, wenn nicht, die Polaszene rennt uns nicht weg. Aber bitte, wenn du zwei Gulden f├╝r eine Pille bezahlen willst! Ich frage mich nur, wie du den Stoff pr├╝fen willst, du kannst es n├Ąmlich nicht."

Meine Argumentation, vor allem das mit dem Koks ├╝berzeugte sie. Doch anfangs hatten wir kein Gl├╝ck. Eine ├ärztin, bei der wir vorstellig wurden, zeigte uns die kalte Schulter. Erika fiel mit der T├╝r ins Haus und legte ihr einfach einen Geldschein auf den Tisch, doch das war zu plump. Ein Deutscher erz├Ąhlte uns, da├č man vor kurzem beschlossen habe, den "Moffen" die kalte Schulter zu zeigen, und radikal alle Deutschen abzuwimmeln. "Entmoedigungsbeleiding", Entmutigungsbeleidigung oder so ├Ąhnlich nannte man das in der B├╝rokratensprache.

Ein freundlicher Arzt, ich habe seinen Namen leider vergessen, nahm sich wirklich viel Zeit und telefonierte wegen uns mit einem Kollegen von der Amsterdamer Jellinekklinik und bei einer anderen Adresse, ich wei├č nicht mehr wo. Er war ein engagierter Mann, ein freundlicher alter Herr mit einer toleranten, liberalen Gesinnung. Er beeindruckte mich vor allem deshalb,weil er keinen Grund hatte, die Deutschen zu lieben, denn sein ├Ąlterer Bruder war von der deutschen Besatzung umgebracht worden. Er fragte Erika nach ihrer Krankenkasse und konnte es ├╝berhaupt nicht fassen, da├č wir nicht nur der Krankenkasse keinen reinen Wein einschenken konnten, sondern ins Loch kommen w├╝rden, wenn unser Ausflug ruchbar w├╝rde. Schlie├člich lud er uns sogar zum Essen ein, ich habe heute noch manchmal Gewissensbisse, da├č wir ihm eine R├Ąuberpistole aufgetischt haben, denn die Wahrheit war krass genug. Wir bekamen ├╝ber 100 Tabletten, und auf Koks kamen wir auf eine besonders bl├Âde Idee, wie wir den Stoff schmuggeln konnten: Wir packten die Pillen in Senfk├╝bel und verschickten das Zeug unter fingierter Adresse an uns selbst, aber alles ging gut.

Auf dem R├╝ckweg ging uns das Geld aus, wir hatten zuviel Koks genommen, und Erika mu├čte f├╝r ihren Sohn unbedingt noch ein Stofftier kaufen. Sie brachte ihm immer etwas mit, wenn sie ihre Touren machte, so war sie eben. Kurz vor Arnheim mu├čten wir tanken, es waren noch genau zehn Mark in der Reisekasse, was tun?

Wir mu├čten schnorren, aber wir hatten auch diesmal Gl├╝ck. Erika schnorrte einen freundlichen, ├Ąlteren Holl├Ąnder an, ohne mit der Wimper zu zucken. "Verzeihing, Mynheer, es ist mir furchtbar peinlich, aber wir brauchen Hilfe, meinem Freund hier ist leider das Auto aufgebrochen und die Reisekasse geklaut worden!" "Das ist ja furchtbar, das war bestimmt in Amsterdam! Wir Niederl├Ąnder m├╝ssen uns ja sch├Ąmen f├╝r dieses Pack und dann erst diese vielen Junkies!" Wir schluckten. "Es sind ja kranke Menschen, denen man helfen mu├č, schlimm, da├č man das in ihrem Land nicht begreifen will! Bitte nehmen Sie mir das nicht ├╝bel, wir haben nichts gegen ihr Land, und ihr Deutschen habt euch ja auch gebessert. Wie viel brauchen sie denn?" "Na ja, mit zehn Gulden k├Ąmen wir schon mal ├╝ber die Grenze, und den Rest kriegen wir auch noch zusammen." "Na, nun sagen Sie doch schon, was Sie brauchen! Wo wohnen Sie denn?" "Ach, in der N├Ąhe von Kassel." "Da kommen Sie doch niemals mit zehn Gulden hin, nehmen Sie diese 50 Gulden, vielleicht denken Sie dann besser ├╝ber uns Niederl├Ąnder!" Erika war zum ersten Mal richtig baff, und der freundliche Fremde wehrte heftig ab, als wir ihn um seine Adresse baten, um ihm sein Geld zur├╝ckzahlen zu k├Ânnen. Wir haben es dann aber trotzdem zur├╝ckgezahlt, jeder die H├Ąlfte, damit er nicht zu schlecht von uns Deutschen dachte.

Zu Erika mu├č ich unbedingt noch sagen, da├č sie wirklich eine gute Mutter war. Sie versuchte ihren Sohn, so gut es ging, von all diesen Begleiterscheinungen fernzuhalten.Sie spielte mit ihm, nahm ihn ├╝berall mit hin. Sie wurde richtig sauer, wenn sich jemand in Gegenwart des Jungen nicht korrekt ausdr├╝ckte, duldete keine Drogen in dessen Gegenwart, und wenn sie noch so lange unterwegs gewesen sein mochte, niemals war sie sich zu schade daf├╝r, sich dann noch stundenlang hinzusetzen und Hausaufgaben zu machen. Egal, wie wenig sie geschlafen hatte, egal wie schlecht es ihr selbst ging, sie stand jeden Morgen um sieben Uhr auf, um Fr├╝hst├╝ksbrote zu schmieren. Sie war ein Luder, eine gro├čartige Kumpeline, eine Mutter Courage und auf ihre Art eine echte Lady.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!