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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Kompensierung
Eingestellt am 19. 10. 2002 21:28


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Peterchen
Festzeitungsschreiber
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Kompensierung

Als Viona aufwachte sp├╝rte sie noch immer den stechenden, aber ihr wohlbekannten Schmerz. Sie hatte sich daran gew├Âhnt. Viona kroch aus ihrem alten quietschenden Bett und stapfte mit halbgeschlossenen Augen ├╝ber ihre Klamotten, die auf dem Boden verteilt lagen, ins Badezimmer. Samstag. Schulfrei. W├Ąhrend sie ihre Z├Ąhne putzte betrachtete sie sich im Spiegel. Sie fragte sich, ob sie wirklich die Gestalt war, die ihr da gegen├╝berstand und als sie ihre verfilzten Haare nach hinten k├Ąmmte, musste sie unweigerlich an Blondinenwitze denken. Manchmal trafen sie wohl wirklich zu, dachte sie und wandte sich vom Spiegel ab. Von unten h├Ârte sie die Stimmen von Horst und ihrer Mutter, die wohl schon am Fr├╝hst├╝ckstisch sa├čen. Viona schnappte sich den Bademantel und begab sich nach unten.

ÔÇ×Na Vini, ausgeschlafen ?ÔÇť, begr├╝├čte ihre Mutter sie, gefolgt von Vaters
ÔÇ×Morgen Hasi.ÔÇť, wie er sie immer nannte.
ÔÇ×M├╝sst ihr morgens immer so fr├Âhlich sein ?ÔÇť, antwortete Viona, rieb sich die Augen und griff nach einem Br├Âtchen. Ihre Eltern sahen sich an.
ÔÇ×Warst du noch lange unterwegs gestern ?ÔÇť Viona sah ihre Mutter nur kurz an und zuckte mit den Achseln. Horst starrte aus dem Fenster und suchte in dem vielen Gr├╝n einen Punkt, an dem er sich festsehen konnte. Als Viona mit hastigen Bewegungen ihr Br├Âtchen halbierte, setzte ihrer Mutter nach.
ÔÇ×Du kannst mir ruhig erz├Ąhlen, was...ÔÇť
ÔÇ×Ach Mama, ich bin keine zw├Âlf mehr !ÔÇť, unterbrach Viona kopfsch├╝ttelnd und klatschte die Butter auf ihr Br├Âtchen.
ÔÇ×Stimmt, mit f├╝nfzehn ist man reif genug um sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, ich verga├č Madame...ÔÇť
Viona streckte mit geschlossenen Augen ihren R├╝cken und atmete tief durch.
ÔÇ×Was ist nur mit dir los Viona ?ÔÇť, bohrte ihre Mutter nach, w├Ąhrend Horst noch immer in die Ferne blickte und an seinem Zeigefinger knabberte.
ÔÇ×Dein Deutsch-Lehrer hat gestern wieder angerufen und...Horst! Kannst Du dich nicht auch mal dazu ├Ąu├čern ? Es geht hier schlie├člich...ÔÇť
ÔÇ×Mama !ÔÇť keifte Viona und schmiss ihr Brotmesser auf den Boden. Horst stand ohne ein Wort zu sagen auf und ging ins Wohnzimmer, gefolgt von den besorgten Blicken seiner Frau, die unruhig mit ihren Fingern spielte. Vionas Mutter mochte Mettbr├Âtchen.
An diesem Morgen biss sie nur einmal ab.

Viona lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Sie drehte sich auf die Seite und lauschte der Musik der V├Âgel, w├Ąhrend in unregelm├Ą├čigen Abst├Ąnden der Atem des Windes ├╝ber ihren nackten K├Ârper glitt. Die Zimmert├╝r ├Âffnete sich. Sie schloss die Augen und merkte wie eine Tr├Ąne ├╝ber ihre Nase lief. Viona lief ├╝ber einen gro├čen, wiesebedeckten H├╝gel. Es war so angenehm warm und kleine W├Âlkchen zierten den strahlend blauen Himmel. Sie rannte barfu├č den H├╝gel hinauf, an dessen h├Âchstem Punkt ein kleiner Apfelbaum stand. Ihr wei├čes Sommerkleid tanzte unter den leichten Windb├Âen. Sie sah den Mann, der sich mit verschr├Ąnkten Armen an den Baum anlehnte und in den Himmel sah. Er bemerkte Viona und sie sprang ihm in die ausgebreiteten Arme, die sie sogleich umschlossen. Sie fielen in das weiche Gras, und der blumige Duft umgab sie. Augen begegneten sich. Sie k├╝ssten sich. Der Mann streichelte ihre Waden und seine Hand glitt immer h├Âher, so hauchzart, dass es ihr eine G├Ąnsehaut bescherte. Sie sp├╝rte seine Erregung und zitterte, als er in sie eindrang.

Die Zimmert├╝r stand noch offen, als sie am sp├Ąten Nachmittag aufwachte. Der Schmerz war wieder da, er lie├č sie nicht los. Er trat vor zwei Jahren in ihr Leben und war seitdem ein treuer Gef├Ąhrte von ihr. Er nistete sich bei ihr ein, verschmolz mit ihr, war ein Teil von ihr. Er war wie eine Zecke, die man nicht loswurde, dachte Viona. Sie kratzte sich an ihren Beinen und Armen, bis rote Striemen erschienen. Viona stand auf, fuhr sich durch ihre zerzausten Haare, klopfte ihr Kopfkissen aus. Sie betrachtete das K├╝chenmesser. Sie hob es schon seit l├Ąngerem unter ihrem Kopfkissen auf. Viona z├Âgerte kurz und lie├č das scharfe Metall unter ihrer Matratze verschwinden. Sie verlie├č ihr Zimmer.

Horst hatte Sp├Ątdienst und ihre Mutter sa├č wie jeden Abend im Wohnzimmer und l├Âste Kreuzwortr├Ątsel. Viona setzte sich auf den schwarzen Ledersessel. Die Ruhe war ihr unangenehm und sie schaltete den Fernseher an, aber eigentlich interessierte sie nicht, was sie sah. Sie hatte das Gef├╝hl, als ob ihre Mutter sie beobachten w├╝rde.
ÔÇ×Wir m├╝ssen Reden ViniÔÇť, vernahm Viona auch sogleich, ignorierte es jedoch. Ihre Mutter stand auf und schaltete den Fernseher aus. Nur das Ticken der Wanduhr war noch zu h├Âren. Viona wartete darauf, dass ihre Mutter endlich beginnen w├╝rde, ihr endlich sagen w├╝rde, dass es so nicht weiter gehen k├Ânne, dass sie sich Sorgen um die Schule mache, und dass das Taschengeld gek├╝rzt werde, wenn sie sich nicht ├Ąndert. Aber sie sagte nichts, starrte sie blo├č mit gro├čen Augen an. Erst jetzt bemerkte Viona die ger├Âteten Augen und die verlaufene Schminke im Gesicht ihrer blassen Mutter. Viona sa├č einer Frau gegen├╝ber, die binnen weniger Stunden um Jahre gealtert war. Diese Erscheinung, das Bild ihrer starken Mutter, die immer ├╝ber den Dingen stand und nun zerbrochen war, machte ihr Angst. Es ersch├╝tterte sie.

ÔÇ×Mama, das mit der Schule, ich...ÔÇť.
ÔÇ×Ja, das mit der Schule ist schlecht, aber das biegen wir ganz bestimmt wieder hin. Das machen wir schon.ÔÇť
Vionas Mutter versuchte zu l├Ącheln, aber es war eher eine Grimasse. Die Schule scheinte sie gar nicht zu interessieren, dachte Viona. Es musste etwas passiert sein, aber worauf wollte ihre Mutter hinaus ? Viona rutschte auf dem Sessel hin und her und vermied jeden Augenkontakt mit ihrer Mutter.
ÔÇ×Wei├čt du Viona,ÔÇť, begann sie und griff nach einem Taschentuch,ÔÇť
ich wusste es nicht, habe es nie gemerkt. Horst hat es mir heute gesagt und ich wei├č nicht wie ich...ÔÇť.
Vionas Mutter inspizierte den Boden, als ob sie dort nach W├Ârtern suchen w├╝rde. Was hatte ihr Vater pl├Âtzlich mit ihrem Zustand zu tun, fragte sich Viona. Wusste ihre Mutter vielleicht ├╝ber Dinge bescheid, die f├╝r sie l├Ąngst Gewissheit waren ? Sie ├╝berlegte, ob sie nicht einfach aufstehen und rausgehen sollte, aber sie tat etwas, was f├╝r sie untypisch war. Sie setzte sich neben ihre Mutter auf die Couch, legte einen Arm um sie und streichelte sanft ihre Schulter.
Ihre Mutter ergriff Vionas Hand, sah kurz auf und wandte den Blick schnell wieder ab.
ÔÇ×Ich wei├č es, Viona, ich wei├č es.ÔÇť, fl├╝stere sie und dr├╝ckte Vionas Hand so fest, das es ihr Schmerzen bereitete.
ÔÇ×Nein Mama...ÔÇť, schluchzte Viona.
ÔÇ×Es wird nie wieder so sein wie fr├╝her, das kann es nicht, aber er ist krank.ÔÇť, fuhr ihre Mutter fort und ihre Hand lockerte sich ein wenig.
ÔÇ×Mein Gott, zwei Jahre schon...Er wird das nie wieder tun. Er hat mir versprochen, dass er sich behandeln l├Ąsst. Er wird sich ├Ąndern. Dein Vater ist kein schlechter Mensch, nein, das ist er nicht...ÔÇť, stotterte Andrea, aber Viona schien es, als ob ihre Mutter selbst an ihren Worten zweifelte.
Viona sah aus dem Fenster.
Die Wanduhr tickte.
Die Sonne verabschiedete sich gem├Ąchlich.
Der Schmerz war da.

Es war sp├Ąt. Der Samstag neigte sich dem Ende zu. Vionas Mutter schlief bereits. Viona lag in ihrem Bett und lauschte dem Prasseln der Dusche. Ihr Vater duschte immer sehr lange. Sie drehte sich um und zog sich ihre Bettdecke bis ├╝ber die Ohren, als der quietschende Duschhahn abgedreht wurde. Sie hatte den Eindruck ein Schluchzen zu h├Âren, welches aus dem Bad kam. Das Wimmern verstummte. Jemand ging durch den Flur. Die Zimmert├╝r ├Âffnete sich. Viona schloss ihre Augen.

Sie lief barfuss den H├╝gel hinauf und genoss das angenehme Kribbeln der Wiese unter ihren F├╝├čen. Sie trug wieder ihr Lieblingskleid, das Wei├če. Als sie auf dem h├Âchsten Punkt am Apfelbaum ankam begr├╝├čte sie der frische, wohltuende Wind, der mit ihrem Haar spielte. Der Mann, der sie sonst mit offenen Armen empfangen hatte, war nicht dort. Sie vermisste auch den Duft der Bl├╝ten. Sie betrachtete die gro├če Eiche auf der anderen Seite des H├╝gels und glaubte, eine Bewegung gesehen zu haben. Sie ging langsam auf die Eiche zu. Die angenehme W├Ąrme war nicht mehr zu sp├╝ren. Wolken zogen auf. Sie war sich jetzt sicher, dass sie jemanden hinter der Eiche gesehen hatte. Das musste er sein, dachte sie. Sie zog ihr Kleid aus und verschwand kurz darauf hinter dem gro├čen Baum. Augen begegneten sich. Sie k├╝ssten sich. Er streichelte sie am ganzen K├Ârper, wie er es t├Ąglich getan hat, schon seit zwei Jahren. Sie zitterte als er in sie eindrang und sie versp├╝rte einen starken Schmerz. Sie wollte sich von seiner Umklammerung befreien, aber er dr├╝ckte sie nur noch fester. Sie schlug um sich. Es zeigte keine Wirkung. Der Mann begann zu st├Âhnen immer schneller. Sie suchte etwas, an dem sie sich festhalten konnte, um sich aus seiner Umklammerung herauszuziehen. Sie fand ein gro├čes Metallst├╝ck und umklammerte es. Die Bewegungen des Mannes wurden immer schneller. Sein K├Ârper bebte und er sagte gequ├Ąlt ÔÇ×Gleich, Hasi, gleich...ÔÇť
Viona schlug mit dem Metallst├╝ck zu. Immer wieder. Das St├Âhnen des Mannes verstummte. Es war ruhig. Viona bemerkte die Fl├╝ssigkeit, die an ihrem Bauch herunterlief.

Sie ├Âffnete ihre Augen, immer noch nach Luft ringend. Mit weit aufgerissenen Augen fl├╝sterte sie ÔÇ×Mama...ÔÇť. Sie zitterte, lie├č das Messer fallen und stand langsam auf. Sie sah auf ihr Bett und wollte nach ihrer Mutter rufen, brachte jedoch keinen Ton heraus. W├Ąhrend sie sich r├╝ckw├Ąrts durch ihr Zimmer bewegte wich ihr Blick nicht von ihrem Bett ab. Horst lag nackt, mit offenem Mund und seltsam verrenkt in ihrem Bett und starrte an die Decke. D├╝nne Blutf├Ąden rannen aus seinem Mundwinkel.





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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Eine ganz, ganz starke Geschichte....
Ich mu├č sie trotzdem in Erz├Ąhlungen verschieben.

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Liebes Peterchen,
vorab: von mir stammt die Bewertung nicht.
Aber (mit Einschr├Ąnkungen) halte ich daf├╝r.

Ich finde, die Geschichte hat ein immenses Potential und k├Ânnte mit etwas Bearbeitung ein wahrer Knaller werden.
Ich habe sie mehrmals gelesen und wei├č auch nicht so richtig, wo es hakt. Vielleicht ist die Erz├Ąhlperspektive zu verwaschen? Du hast Deine Heldin allgemein gut im Blick, schweifst aber hin und wieder von der Erz├Ąhlposition ab: ihre Br├╝ste, das "sich-festsehen-Wollen" des Vaters... Kurz und gut, ich w├╝de mir w├╝nschen, da├č Du die Geschichte einem Lektoren anvertraust, der die Haken und ├ľsen findet.

Lektoren sind jon, Gabi Sils, itsme, annabelle, soleil, arno1808 und Zeder. (Arno ist meines Wissens ziemlich ausgelastet im Moment.)
Ich schlage Dir vor, einen der Lektoren anzumailen oder die Geschichte vorerst in die Schreibwerkstatt schieben zu lassen. Wie gesagt nicht, weil ich sie f├╝r dringend verbesserungsw├╝rdigen K├Ąse halte, sondern weil sie es absolut verdient, perfekt gemacht zu werden.

Solltest Du Dich f├╝r eine Weiterbearbeitung entschlie├čen, behalte ich den Ordner im Auge und versuche mitzuarbeiten.
Ganz herzliche Gr├╝├če
Zefira

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Peterchen
Festzeitungsschreiber
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Hallo Zefira und Danke f├╝r Deinen Beitrag. Ich habe bereits einige ├änderungen an dem Text vorgenommen. Unter anderem habe ich die Namensbezeichnung der Mutter (Andrea) herausgenommen, um die Geschichte verst├Ąndlicher zu machen und das M├Ądchen (Viona) mehr in den Vordergrund zu stellen. Ich pers├Ânlich finde die r├Ąumliche Beschreibung, etwa des Wohnzimmers, der K├╝che und Vionas Zimmer noch unzureichend. Allerdings macht mir dieses einige Probleme...
Bist Du auch der Meinung, da├č man in dieser Hinsicht detaillierter schreiben sollte ? Ich hoffe, Du ├Ąu├čerst dich nochmal dazu. Bei der Geschichte handelt es sich um meine dritte Kurzgeschichte und ich habe noch eine Menge zu lernen...
Also vielen Dank und vielleicht bis bald,
Peterchen.

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Amely_Lea_Brandon
???
Registriert: Aug 2002

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Hmm...

Bin zuf├Ąllig hier auf deine Geschichte gesto├čen und da sie eine so gute Bewertung hatte habe ich sie mir gleich mal durch gelesen.
Naja, ehrlich gesagt kann ich die Bewertung nicht so ganz verstehen. Die Geschichte packt ein heikles Thema an, doch die Art und Weise wie die Charaktere handeln ist f├╝r mich nicht besonders nachvollziehbar.
Mag sein, dass es daran liegt, da ich aus Erfahrung sprechen kann und viele Beispiele dieser Art kenne, aber die Geschichte ├╝berzeugt mich einfach nicht.

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Arno1808
Guest
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Re: Kompensierung

Hallo Peterchen,

WOW!!
Ich bin wirklich hin und weg! Das ist eine der ausdrucksst├Ąrksten Geschichten, die ich seit langem gelesen habe. Du arbeitest hier mit unglaublich tollen Bildern. Ich f├╝hle mich regelrecht vereinnahmt von Deiner Viona und kann mich gar nicht mehr von ihr losl├Âsen.

Nun geht┬┤s an die Feinarbeit, denn die Arbeit solltest Du Dir, gerade weil die Geschichte so toll ist, wirklich machen.

Ich habe mir die Geschichte mehrmals durchgelesen und Dir nachfolgend einfach einige Anmerkungen dazugeschrieben. Ich beanspruche nicht f├╝r mich, es besser zu k├Ânnen, denn da gibt es kaum noch etwas besser zu machen. Sieh es einfach als meinen pers├Ânlichen Vorschlag an, die Sache noch etwas abzurunden.

quote:
Urspr├╝nglich ver├Âffentlicht von Peterchen

Als Viona aufwachte, sp├╝rte sie noch immer den stechenden, aber ihr wohlbekannten Schmerz. Sie hatte sich daran gew├Âhnt.

Den Zusatz ‘aber ihr wohlbekannten’ kannst Du an dieser Stelle weglassen, da der n├Ąchste Satz das Bekannte, Gewohnte erw├Ąhnt.

Viona kroch aus ihrem alten, quietschenden Bett und stapfte mit halbgeschlossenen Augen ├╝ber ihre Klamotten, die auf dem Boden verteilt lagen, ins Badezimmer.

… ├╝ber ihre auf dem Boden verteilten Klamotten ins Badezimmer.

Samstag. Schulfrei. W├Ąhrend sie ihre Z├Ąhne putzte, betrachtete sie sich im Spiegel. Sie fragte sich, ob sie wirklich die Gestalt war, die ihr da gegen├╝berstand und als sie ihre verfilzten Haare nach hinten k├Ąmmte, musste sie unweigerlich an Blondinenwitze denken. Manchmal trafen sie wohl wirklich zu, dachte sie und wandte sich vom Spiegel ab. Von unten h├Ârte sie die Stimmen von Horst

warum nennt sie ihren Vater an der Stelle ‘Horst’? Ich k├Ânnte verstehen, wenn Sie aufgrund des sp├Ąter Erkl├Ąrten das Wort ‘Vater’ f├╝r diesen Menschen vermeidet, aber dann m├╝├čte sie es konsequent tun.


und ihrer Mutter, die wohl schon am Fr├╝hst├╝ckstisch sa├čen.

Viona schnappte sich den Bademantel und begab sich nach unten.

Das Wort ‘schnappte’ w├╝rde ich an der Stelle ersetzen. Es dr├╝ckt Schwung aus und Elan, den sie in dem Moment nicht hat.

„Na Vini, ausgeschlafen ?“, begr├╝├čte ihre Mutter sie, gefolgt von Vaters
„Morgen Hasi.“, wie er sie immer nannte.
„M├╝sst ihr morgens immer so fr├Âhlich sein ?“, antwortete Viona, rieb sich die Augen und griff nach einem Br├Âtchen. Ihre Eltern sahen sich an.
„Warst du noch lange unterwegs gestern ?“ Viona sah ihre Mutter nur kurz an und zuckte mit den Achseln.
Horst starrte aus dem Fenster und suchte in dem vielen Gr├╝n einen Punkt, an dem er sich festsehen konnte. Als Viona mit hastigen Bewegungen ihr Br├Âtchen halbierte, setzte ihrer Mutter nach.
„Du kannst mir ruhig erz├Ąhlen, was...“
„Ach Mama, ich bin keine zw├Âlf mehr !“, unterbrach Viona kopfsch├╝ttelnd und klatschte die Butter auf ihr Br├Âtchen.
„Stimmt, mit f├╝nfzehn ist man reif genug, um sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, ich verga├č Madame...“

Warum unterbrichst Du an der Stelle den Satz? Sie wird von niemandem unterbrochen.

Viona streckte mit geschlossenen Augen ihren R├╝cken und atmete tief durch.
„Was ist nur mit dir los Viona ?“, bohrte ihre Mutter nach, w├Ąhrend Horst noch immer in die Ferne blickte und an seinem Zeigefinger knabberte.
„Dein Deutsch-Lehrer hat gestern wieder angerufen und...Horst! Kannst Du dich nicht auch mal dazu ├Ąu├čern ? Es geht hier schlie├člich...“
„Mama !“ keifte Viona und schmiss ihr Brotmesser auf den Boden. Horst stand ohne ein Wort zu sagen auf und ging ins Wohnzimmer, gefolgt von den besorgten Blicken seiner Frau, die unruhig mit ihren Fingern spielte. Vionas Mutter mochte Mettbr├Âtchen.
An diesem Morgen biss sie nur einmal ab.

Viona lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Sie drehte sich auf die Seite und lauschte der Musik der V├Âgel, w├Ąhrend in unregelm├Ą├čigen Abst├Ąnden der Atem des Windes ├╝ber ihren nackten K├Ârper glitt. Die Zimmert├╝r ├Âffnete sich. Sie schloss die Augen und merkte wie eine Tr├Ąne ├╝ber ihre Nase lief. Viona lief ├╝ber einen gro├čen, wiesebedeckten H├╝gel. Es war so angenehm warm und kleine W├Âlkchen zierten den strahlend blauen Himmel. Sie rannte barfu├č den H├╝gel hinauf, an dessen h├Âchstem Punkt ein kleiner Apfelbaum stand. Ihr wei├čes Sommerkleid tanzte unter den leichten Windb├Âen. Sie sah den Mann, der sich mit verschr├Ąnkten Armen an den Baum anlehnte und in den Himmel sah. Er bemerkte Viona und sie sprang ihm in die ausgebreiteten Arme, die sie sogleich umschlossen. Sie fielen in das weiche Gras, und der blumige Duft umgab sie. Augen begegneten sich. Sie k├╝ssten sich. Der Mann streichelte ihre Waden und seine Hand glitt immer h├Âher, so hauchzart, dass es ihr eine G├Ąnsehaut bescherte. Sie sp├╝rte seine Erregung und zitterte, als er in sie eindrang.

sehr, sehr sch├Ân!


Die Zimmert├╝r stand noch offen, als sie am sp├Ąten Nachmittag aufwachte. Der Schmerz war wieder da, er lie├č sie nicht los.

Er trat vor zwei Jahren in ihr Leben und war seitdem ein treuer Gef├Ąhrte von ihr.

Er war vor zwei Jahren in ihr Leben getreten und begleitete sie seitdem als ihr st├Ąndiger Gef├Ąhrte.

Er nistete sich bei ihr ein, verschmolz mit ihr, war ein Teil von ihr. Er war wie eine Zecke, die man nicht loswurde, dachte Viona. Sie kratzte sich an ihren Beinen und Armen, bis rote Striemen erschienen. Viona stand auf, fuhr sich durch ihre zerzausten Haare, klopfte ihr Kopfkissen aus. Sie betrachtete das K├╝chenmesser. Sie hob es schon seit l├Ąngerem unter ihrem Kopfkissen auf. Viona z├Âgerte kurz und lie├č das scharfe Metall unter ihrer Matratze verschwinden. Sie verlie├č ihr Zimmer. Dann verlie├č sie ihr Zimmer

Horst hatte Sp├Ątdienst. und i Ihre Mutter sa├č wie jeden Abend im Wohnzimmer und l├Âste Kreuzwortr├Ątsel. Viona setzte sich auf den schwarzen Ledersessel. Die Ruhe war ihr unangenehm und sie schaltete den Fernseher an, aber eigentlich interessierte sie nicht, was sie sah. Sie hatte das Gef├╝hl, als ob ihre Mutter sie beobachten w├╝rde.

Sie hatte das deutliche Gef├╝hl, von Ihrer Mutter beobachtet zu werden.

„Wir m├╝ssen R reden Vini“, vernahm Viona auch sogleich, ignorierte es jedoch. Ihre Mutter stand auf und schaltete den Fernseher aus. Nur das Ticken der Wanduhr war noch zu h├Âren.

Sch├Ânes Stimmungsbild mit einfachen Mitteln!

Viona wartete darauf, dass ihre Mutter endlich beginnen w├╝rde, ihr endlich sagen w├╝rde, dass es so nicht weiter gehen k├Ânne, dass sie sich Sorgen um die Schule mache, und dass das Taschengeld gek├╝rzt werde, wenn sie sich nicht ├Ąndert. Aber sie sagte nichts, starrte sie blo├č mit gro├čen Augen an. Erst jetzt bemerkte Viona die ger├Âteten Augen und die verlaufene Schminke im Gesicht ihrer blassen Mutter.

Du benutzt hier zwei Mal kurz hintereinander das Wort ‘Augen’.
Und: … die verlaufene Schminke im blassen Gesicht ihrer Mutter.



Viona sa├č einer Frau gegen├╝ber, die binnen weniger Stunden um Jahre gealtert war. Diese Erscheinung, das Bild ihrer starken Mutter, die immer ├╝ber den Dingen stand und nun zerbrochen war, machte ihr Angst. Es ersch├╝tterte sie.
Sehr gut!

„Mama, das mit der Schule, ich...“.
„Ja, das mit der Schule ist schlecht, aber das biegen wir ganz bestimmt wieder hin. Das machen wir schon.“
Vionas Mutter versuchte zu l├Ącheln, aber es war eher eine Grimasse. Die Schule scheinte sie gar nicht zu interessieren, dachte Viona.

Das passt nicht! Entweder du schreibst es als Gedanken von Ihr, dann muss es hei├čen: Die Schule scheint sie …, dachte Viona
oder aber du l├Ą├čt den Zusatz mit dem Denken weg. Dann kannst Du schreiben: Die Schule schien sie nicht zu interessieren.


Es musste etwas passiert sein, aber worauf wollte ihre Mutter hinaus ? Viona rutschte auf dem Sessel hin und her und vermied jeden Augenkontakt mit ihrer Mutter ihr.
„Wei├čt du Viona,“, begann sie und griff nach einem Taschentuch,“
ich wusste es nicht, habe es nie gemerkt. Horst hat es mir heute gesagt und ich wei├č nicht wie ich...“.

Vionas Mutter inspizierte den Boden, als ob sie dort nach W├Ârtern suchen w├╝rde.

’inspizierte’ ist an der Stelle nicht sch├Ân. Vorschlag: Sie senkte den Blick, als k├Ânne sie auf dem Boden die passenden Worte finden.

Was hatte ihr Vater pl├Âtzlich mit ihrem Zustand zu tun, fragte sich Viona. Wusste ihre Mutter vielleicht ├╝ber Dinge bescheid, die f├╝r sie l├Ąngst Gewissheit waren ?

Warum erw├Ąhnst Du an dieser Stelle, dass die Dinge f├╝r sie Gewissheit waren? Das liegt doch auf der Hand! Wie w├Ąre es, wenn Du den Satz offen l├Ąsst? Vorschlag: Wusste ihre Mutter etwa …?


Sie ├╝berlegte, ob sie nicht einfach aufstehen und rausgehen sollte, aber sie stattdessen tat sie etwas, was f├╝r sie untypisch war. Sie setzte sich neben ihre Mutter auf die Couch, legte einen Arm um sie und streichelte sanft ihre Schulter.
Ihre Mutter ergriff Vionas Hand, sah kurz auf und wandte den Blick schnell wieder ab.

Wieder ein starkes Bild!


„Ich wei├č es, Viona, ich wei├č es.“, fl├╝stere sie und dr├╝ckte Vionas Hand so fest, das es ihr Schmerzen bereitete.
„Nein Mama...“, schluchzte Viona.
„Es wird nie wieder so sein wie fr├╝her, das kann es nicht, aber er ist krank.“, fuhr ihre Mutter fort und ihre Hand lockerte sich ein wenig.
„Mein Gott, zwei Jahre schon...Er wird das nie wieder tun. Er hat mir versprochen, dass er sich behandeln l├Ąsst. Er wird sich ├Ąndern. Dein Vater ist kein schlechter Mensch, nein, das ist er nicht...“, stotterte Andrea
warum hier Andrea? Das verwirrt. , aber Viona schien es, als ob ihre Mutter selbst an ihren Worten zweifelte.
Viona sah aus dem Fenster.
Die Wanduhr tickte.
Die Sonne verabschiedete sich gem├Ąchlich.
Der Schmerz war da.

SUPER!!!

Es war sp├Ąt. Der Samstag neigte sich dem Ende zu und ihre Vionas Mutter schlief bereits. Viona lag in ihrem Bett und lauschte dem Prasseln der Dusche. Ihr Vater duschte immer sehr lange. Sie drehte sich um und zog sich ihre Bettdecke bis ├╝ber die Ohren, als der quietschende Duschhahn abgedreht wurde.

Der Duschhahn wird nicht abgedreht, sondern mit ihm die Dusche!

Sie hatte den Eindruck ein Schluchzen zu h├Âren, welches aus dem Bad kam.
Das Wimmern verstummte.
Jemand ging durch den Flur.

Sie hatte den Eindruck, aus dem Bad ein Schluchzen zu h├Âren, nur kurz, gefolgt vom Ger├Ąusch tappender Schritte im Flur.

Die Zimmert├╝r ├Âffnete sich. Viona schloss ihre Augen.
Sie lief barfuss den H├╝gel hinauf und genoss das angenehme Kribbeln der Wiese unter ihren F├╝├čen. Sie trug wieder ihr Lieblingskleid, das Wei├če. Als sie auf dem h├Âchsten Punkt am Apfelbaum ankam begr├╝├čte sie der frische, wohltuende Wind, der mit ihrem Haar spielte. Der Mann, der sie sonst mit offenen Armen empfangen hatte, war nicht dort. Sie vermisste auch den Duft der Bl├╝ten. Sie betrachtete die gro├če Eiche auf der anderen Seite des H├╝gels und glaubte, eine Bewegung gesehen zu haben. Sie ging langsam auf die Eiche zu. Die angenehme W├Ąrme war nicht mehr zu sp├╝ren. Wolken zogen auf. Sie war sich jetzt sicher, dass sie jemanden hinter der Eiche gesehen hatte. Das musste er sein, dachte sie. Sie zog ihr Kleid aus und verschwand kurz darauf hinter dem gro├čen Baum. Augen begegneten sich. Sie k├╝ssten sich. Er streichelte sie am ganzen K├Ârper, wie er es t├Ąglich getan hat, schon seit zwei Jahren. Sie zitterte, als er in sie eindrang und sie versp├╝rte einen starken Schmerz. Sie wollte sich von seiner Umklammerung befreien, aber er dr├╝ckte sie nur noch fester. Sie schlug um sich. Es zeigte keine Wirkung. Der Mann begann zu st├Âhnen, immer schneller. Sie suchte etwas, an dem sie sich festhalten konnte, um sich aus seiner Umklammerung herauszuziehen. Sie fand ein gro├čes Metallst├╝ck und umklammerte es. Die Bewegungen des Mannes wurden immer schneller. Sein K├Ârper bebte und er sagte gequ├Ąlt „Gleich, Hasi, gleich...“
Viona schlug stach? mit dem Metallst├╝ck zu. Immer wieder. Das St├Âhnen des Mannes verstummte. Es war ruhig. Viona bemerkte die Fl├╝ssigkeit, die an ihrem Bauch herunterlief.

Sie ├Âffnete ihre Augen, immer noch nach Luft ringend. Mit weit aufgerissenen Augen fl├╝sterte sie „Mama...“. Sie zitterte, lie├č das Messer fallen und stand langsam auf.

Da er auf ihr liegt, w├Ąre es gut, wenn sie sich irgendwie unter ihm hervorwindet, die Last seines K├Ârpers zu Seite w├Ąlzt.

Sie sah auf ihr Bett und wollte nach ihrer Mutter rufen, brachte jedoch keinen Ton heraus. W├Ąhrend sie sich r├╝ckw├Ąrts durch ihr Zimmer bewegte, wich ihr Blick nicht von ihrem Bett ab. Horst lag nackt, mit offenem Mund und seltsam verrenkt in ihrem Bett und starrte an die Decke. D├╝nne Blutf├Ąden rannen aus seinem Mundwinkel.

Wenn Du im vorherigen Text aus ihrer Sicht ausschlie├člich das Wort ‘Vater’ benutzt h├Ąttest und sie w├╝rde ihn an der Stelle ‘Horst’ nennen, w├Ąre das ein sch├Âner, zus├Ątzlicher Effekt von Distanzierung.



Mit einem lieben Gru├č

Arno

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