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Leselupe.de > Humor und Satire
Krankenanstalt des Todes.
Eingestellt am 07. 05. 2002 07:56


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pleistoneun
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Registriert: Apr 2002

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Großer Tumult beim Einchecken. Die WĂ€rter nehmen dir dein GepĂ€ck ab und stellen es achtlos beiseite. Dein Einweisungsschein zeigt "K1" und du bist froh darĂŒber, nur eine kleine Verletzung am Finger zu haben. HĂ€tte das SĂ€geblatt auch andere Finger gekappt, wĂŒrde da jetzt vielleicht ein "K3" oder noch mehr stehen. Dir wird ein Saal zugeteilt, du teilst ihn auch - mit 19 anderen Patienten. Schreie aus einer höheren Etage. Drei WĂ€rter stolpern eilig ĂŒber das Stiegenhaus einige Stockwerke nach oben. Ein Notfall: Im K11 hatte jemand seinen Verstand verloren und nicht wiedergefunden. Mir war nicht klar, dass fĂŒr mich hier Endstation sein wĂŒrde.
Die Patientenschaft der unteren K-Ebenen setzt sich aus leichten bis mittelschweren Verletzungen zusammen, die oberen Ebenen bis K20 dagegen sind fĂŒr Menschen mit gröberen körperlichen Defiziten bestimmt. Je stĂ€rker der Verletzungsgrad, desto höher die Ebene.
Das S ist fĂŒr Menschen, fĂŒr die das K nichts mehr tun kann. FĂŒr fortgeschrittene Verletzungsstufen ab S11 ist eine Heilung unmöglich. Hier liegen ausschließlich zum Tode verurteilte. Die Todesursachen sind hier immer dieselben - der Tod durch den Kampf um die Fernbedienung.
Alle SĂ€le schauen gleich aus: Jedes Zimmer besitzt 20 Betten fĂŒr 20 Patienten, auf jeder Seite 10, systematisch geordnet, dicht nebeneinander. Oberhalb der Betten verlĂ€uft die automatische Essenszufuhr auf einer Stahlschienenkonstruktion mit Bechern, Dosen, Essgeschirr - klimpernd, unruhig. Der Mittelpunkt des Geschehens ist ein Fernseher, der fĂŒr Patienten unerreichbar am Ende des Saales steht und stĂ€ndig auf voller LautstĂ€rke lĂ€uft, was chronische Schlaflosigkeit bedeutet - zermĂŒrbend, nervtötend. Menschen ohne Ohren haben hier gewonnen. Es gibt nur 1 Fernbedienung und das ist der Dreh- und Angelpunkt: Bittere Kriege um diese Fernbedienung erhöhen die Verletzungsrate und den Verletzungsgrad der Patienten. Mehrseitig HalbgelĂ€hmte und Organlose verbĂŒnden sich zu militanten Gruppen, die humpelnd und schlurfend, aber entschlossen in die Schlacht um die Fernbedienung ziehen.
Patienten höherer Stufen, vorwiegend S15 bis S20, mĂŒssen ihrer krankenhausinternen Kriegsvergangenheit oft hohe Tribute zollen. Vielen K-Patienten bleibt dann nur der Unterleib zum Leben oder nur der Unterkiefer oder vielen fehlen die ExtremitĂ€ten, manchen nur der Hals, manchen der RĂŒcken. S-Patienten hingegen bestehen - vor allem in höheren Klassen - nur noch aus einzelnen Körperteilen, einem Auge oder einer Zunge, die verwahrlost am Drahtgitter des Bettes liegt, aber noch immer verbissen (auch Zungen können sich verbeißen) um diese verflixte Fernbedienung kĂ€mpfen. Wie sie da so liegen, so gefĂ€hrlich, hinterlistig die einzelnen Teile. So viel Lebenskraft, so stark noch ist der Drang nach einer besseren Zukunft.

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Entsetzlich

Hallo Pleistoneun
In welcher schrecklichen Stadt oder Land soll denn dieses "Krankenhaus" sein? Handelt es sich in dieser Abteilung nur um FernsehgeschÀdigte?- das könnte ich verstehen!
Gruß Sansibar aus Sansibar

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